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  • #156 Islands erfolgreicher Plan, Drogenmissbrauch bei Jugendlichen zu senken

    In Island ist der Anteil an Jugendlichen zwischen 15 und 16 Jahren, die im vergangenen Monat Alkohol getrunken haben, gesunken. Deutlich gesunken sogar: Waren es 1998 noch 42 Prozent, so sind es 5 Prozent im Jahr 2016. Auch die Zahl jener, die jemals Cannabis geraucht haben ist im selben Zeitraum von 17 auf 7 Prozent gesunken. Und jene, die täglich Zigaretten rauchen ging von 23 Prozent gar auf 3 Prozent zurück. Was macht Island anders als alle anderen Länder?

    Der Inselstaat hat sich den US-Psychologen Harvey Milkman geholt. Er forschte in New York und später in Denver, welche Gründe Menschen dazu bringen, Drogen zu nehmen. Er kam zum Schluss, dass „drug education“, also die Aufklärung über die Gefahren von Drogen, keinerlei Wirkung haben – denn niemand passt bei so etwas auf. Stattdessen muss man jungen Menschen etwas anderes zu tun geben, etwas besseres. Deshalb gründete Milkman in Denver die Initiative „Project Self-Discovery“. Die Jugendlichen könnten Sport machen, Musik lernen oder tanzen, Hip Hop, Kunst oder Kampfsport. Das Projekt war ein Erfolg, kurz danach kam die Einladung nach Island und nun lebt er sogar dort.

    Natürlich gab es auch gesetzliche Änderungen: Alkohol darf man nun erst im Alter von 20 Jahren kaufen, Zigarettenkauf ist erst mit 18 möglich, ebenso wurde Werbung dafür verboten. Zusätzlich gab es eine nächtliche Ausgangssperre für Jugendliche zwischen 13 und 16 Jahren: im Winter lag diese bei 22 Uhr, im Sommer bei Mitternacht. Und auch die Eltern wurden stärker in das ganze Projekt involviert – sie sollten mehr Zeit mit ihren Kindern verbringen.

    Was sich jetzt vielleicht nach einem sehr strengen, harten Plan ohne jugendliche Freiheiten (bzw. vor allem Rebellionen) anhört: Das ist es wohl. Aber es funktioniert: Die Zeit, die Kinder mit ihren Eltern verbringen, hat sich von 1997 bis 2012 verdoppelt, ebenso die Zeit, die Kinder in den Sport-/Kunstaktivitäten verbringen. Island hat das Projekt nun auch in weitere europäische Städte exportiert (rund 35 an der Zahl) und trägt den Namen „Youth in Europe„. Auch dort scheint dieser Ansatz zu funktionieren – in Bukarest ist z.B. auch die Zahl der Suizide von Jugendlichen (gemeinsam mit Drogenmissbrauch) gesunken.

    Das Projekt hat natürlich ein paar Beschränkungen: Einerseits stellt sich klarerweise die Frage, wie sehr der Staat in das Leben der Bevölkerung eingreifen darf und soll. Andererseits ist Island mit rund 340.000 EinwohnerInnen ein relativ kleiner Staat – schon viele Städte in Europa oder den USA haben deutlich mehr EinwohnerInnen. Deshalb passiert Youth in Europe aktuell auch nur in einzelnen Städten und nicht als nationaler Plan, wie ihn Island in den 90ern startete.


    Weiterführende Links und Quellen:

    Bildquelle: CC0 Public Domain, kurtdeiner, Pixabay

  • #96 Städte kämpfen gegen „visuelle Verschmutzung“

    (Außen-)Werbung ist in der heutigen Zeit allgegenwärtig: Kann man da als Großstadt eigentlich dagegensteuern? Einige Städte wie Grenoble oder Sao Paulo haben den Versuch gewagt.

    Grenoble: Umgesetztes Wahlversprechen

    Die kleine französische Stadt Grenoble (rund 160.000 Einwohner und rund 18 km² Fläche) im Südosten des Landes hat den Marketingabteilungen im ganzen Land große Angst gemacht. Denn seit 2015 verschwinden immer mehr Werbeplätze im ganzen Stadtgebiet und werden durch Bäume oder einfach eine freie Fläche ersetzt. Aber wer macht sowas? Ausgangspunkt war ein Wahlversprechen des später auch gewählten und noch amtierenden Bürgermeisters Éric Piolle, einem Kandidaten der „Europe Écologie Les Verts“, also den damals erst kürzlich neugegründeten Grünen Frankreichs.

    Die 326 Werbeflächen wurden deshalb bereits Anfang 2015 abgebaut. Einzig die Werbeflächen in Öffi-Haltestellen sind geblieben – doch auch sie sollen, nach Ablauf des laufenden Vertrages, im Jahr 2019 verschwinden. Durch die Nichtverlängerung der Verträge im Jahr verliert die Stadt rund 600.000 Euro pro Jahr – für Piolle kein Grund für einen Rückzug von seinem Wahlversprechen.

    São Paulo: Verbot aufgrund „visueller Verschmutzung“

    Mit rund 12 Millionen Einwohnern und einer Fläche von 1.523 km² spielt São Paulo natürlich in einer etwas anderen Liga: Also nach dem Jahrtausendwechsel in Brasilien die Werbung exponentiell anstieg, versank São Paulo unter einem „smog of signage“. Nachdem eine Regulierung nicht gelang, trat 2007 durch Bürgermeister Gilberto Kassab das „Clean City Law“ in Kraft. Außenwerbung wurde dabei als Form von „visual pollution“, also visuelle Verschmutzung eingestuft. Innerhalb eines einzigen Jahres verschwanden 15.000 Werbetafeln und 300.000 überdimensionierten Fassadenschildern.

    Fünf Jahre nach dem Verbot wurde Werbung unter starker Kontrolle wieder langsam zugelassen. Die Werbung wurde dabei aber gezielter in die Infrastruktur eingebunden, riesige Werbetafeln gibt es weiterhin nicht. An manchen Bushaltestellen gibt es interaktive Panels, mit denen man z.B. auf Google etwas suchen oder die Wettervorschau ansehen kann.

    New York: Kunst statt Werbung (zumindest in einer App)

    In Zusammenarbeit mehrerer Projektgruppen entstand die App „NO AD: NYC“. Durch Augmented Reality zeigte der Bildschirm das Smartphones oder Tablets nicht die gewöhnlichen Werbungen in der New Yorker U-Bahn an – sondern tauschte sie durch Kunst aus.

    https://vimeo.com/105301636

    In den Vereinigten Staaten von Amerika gibt es aber wirklich vier Bundesstaaten, welche sogenannte „Billboards“, also große Werbetafeln verbieten: Vermont, Hawaii, Maine und Alaska

    Aber warum das Ganze?

    Man kann zu Werbung stehen, wie man will (siehe meinen Absatz „Transparenz“ am Ende des Beitrages). Die Sache mit Außenwerbung, dem sogenannten „Out of home advertising“ (OOH) muss man sich aber trotzdem genauer ansehen:

    While in other media we can, to some extent, choose to consume ads, out of home advertising (OOH) has melded itself inextricably into our environment. (Arwa Mahdawi, theguardian.com)

    So wirkt Out of Home-Werbung durch die massive Dauerpräsenz und ihrer Unausweichlichkeit viel stärker als z.B. Print- oder TV-Werbung. Und in Wahrheit lenken sie nicht mehr vom Stadtbild ab, sie sind heutzutage ganz einfach Teil des Stadtbilds. Das beschreibt auch, wie TheGuardian schön zitiert, auch die Marketingfirma Clear Channel Outdoor, die OOH-Werbung wie folgt bewirbt: „When brands advertise on our street structures, they become part of the public social space, entering people’s thoughts and conversations.“

    Transparenz: Ich bin mir natürlich bewusst, dass hier für LeserInnen manchmal Werbung angezeigt wird. Ich selbst kann das nicht steuern und verdiene auch nichts daran, sondern 365gutedinge.dominikkurcsics.com/ – dafür ermöglicht mir 365gutedinge.dominikkurcsics.com/, dieses Projekt kostenlos umzusetzen. Sollte die Werbung hier zu stark nerven, empfehle ich einen Ad-Blocker. Würden sich Beschwerden häufen, würde ich auch einen Umzug auf einen eigenen Server in Betracht ziehen – dort wär 365guteDinge dann definitiv ohne Werbung, wie auch auf meinen anderen Websites.


    Weiterführende Links und Quellen:

    Bildquelle: CC0 Public Domain, Unsplash, Pixabay