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  • #217 Ein Armband soll vor Sekundenschlaf am Steuer schützen

    Wenn die Müdigkeit während des Autofahrens zu groß wird, gerade bei langen Autofahrten oder Nachtfahrten, besteht die Gefahr eines Sekundenschlafs. Ein lettisches Unternehmen möchte nun mit einem Wearable, also einem multifunktionalen Armband, dagegen ankämpfen: Steer hat gerade erfolgreich eine Crowdfunding-Kampagne auf Kickstarter absolviert.

    Steer 1 cover.jpgDas Armband beinhaltet 16 Sensoren, die verschiedene physische Indikatoren verabeitet, z.B. den Puls, die Leitfähigkeit der Haut messen. Dadurch erkennt es, wenn der Träger oder die Trägerin des Armbands in Gefahr ist, einzuschlafen. Zuallererst versucht das Armband durch Vibrieren die Aufmerksamkeit des/der FahrerIn zu erlangen. Wenn das nicht hilft, wird ein leichte elektronischer Schock (spürbar, aber natürlich nicht schmerzhaft) ausgelöst, um das Einschlafen zu verhindern.

    Das Armband hat eine Akkulaufzeit von knapp zwei Wochen und überträgt alle zwei Sekunden die Vitalzeichen des/der FahrerIn. Nun soll die Produktion im September und Oktober stattfinden und die UnterstützerInnen bereits im November zugeschickt werden. Ein Armband soll später übrigens 199 Euro kosten.

    Man darf gespannt sein: Das lettische Unternehmen wollte zur Verwirklichung nur 5.000 Euro auf Kickstarter erreichen – geworden sind es schließlich rund 32.000 Euro. Zum Unternehmen „Creative Mode“ aus in Riga, Litauen, findet man im Web jedoch keine Website oder Social Media Auftritt, nur eine weitere erfolgreiche Kickstarter Kampagne. Jetzt muss man also auf die ersten Erfahrungen der UnterstützerInnen oder Tests durch Medien warten, um zu erfahren, ob das Versprochene auch wirklich gehalten werden kann.


    Weiterführende Links und Quellen:

    Bildquelle: Pressefotos von Creative Mode

     

  • #59 Wie ein junger Mann HIV-Neuinfektionen in England zurückdrängte

    Die Anzahl der HIV-Neudiagnosen bei schwulen Männern in London ist innerhalb von 12 Monaten um 40 Prozent, in ganz England um ein Drittel gesunken. Der Grund dafür ist Greg Owen und sein Einsatz für PrEP (Präexpositionsprophylaxe), also Medikamente, die bei täglicher Einnahme vor einer möglichen HIV-Infektion schützen sollen.

    In einem langen Beitrag im britischen Buzzfeed erzählt Journalist Patrick Strudwick wie Owen dies gelang. Der junge Mann hatte selbst Angst davor, sich mit dem HI-Virus zu infizieren und wollte 2015 mit PrEP starten, was er auch in einem Facebook-Posting verlautbarte. Am Tag darauf wollte er noch einen Doppelcheck (Blut und Urin) durchführen lassen – doch die Nachricht, die er dort erhielt, war unerwartet: Er hatte sich bereits infiziert. Er war HIV-positiv. Als er auch das veröffentlichte er auf Facebook, bekam unglaublichen Zuspruch, Unterstützung, aber, wegen seinem vorhergegangenen Posting auch zahlreiche Fragen zu PrEP.

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    Das Logo von Owens Website für PrEP-Medikamenten

    Das brachte ihn dazu, sich zu fragen, wie man PrEP mehr und mehr verbreiten kann: Denn die Behandlung wurde von der britischen National Health Service (NHS) nicht bezahlt; wollte man es sich privat verschreiben lassen, hätte das pro Monat 500 Pfund (587,52 Euro) gekostet. Owens Idee, ein Generikum des Medikaments aus dem Ausland zu importieren und es auf einer eigenen Website anzubieten, war schließlich der Schlüssel zum Erfolg. Was jetzt ein bisschen dubios klingt, war mit Ärzten besprochen und die angebotenen Generika waren natürlich bereits zahlreichen Tests unterzogen. Die Kosten beliefen sich für eine Monatsration an Medikamenten auf rund 50 Pfund (58,75 Euro).

    Vor allem auch, weil es 2016 erst daran scheiterte, dass die NHS begann, die Kosten für das Medikament zu übernehmen, um es schließlich im November doch noch zuzulassen, brachte viel Aufmerksamkeit auf PrEP und Owens Website. Zehntausende Menschen pro Monat informierten sich über die Medikamente und bestellten die Generikas. Deshalb ist er auch der wichtigste Part, der für den Rückgang in England zuständig ist, wie Professor Sheena McCormack, eine der angesehensten HIV-Ärztinnen, erklärt:

    “She said, ‘It’s all very well us doing this – professors, doctors, researchers – but you did something that none of us could have done. You convinced people that they would want to use PrEP because you showed them how easy it was. And then you implemented support for them and then made it easy for them to buy it. None of us could have done that because none of us are you.’”

    Reich geworden ist Owen damit nicht: Mit der Website verdient er selber nichts. Und musste deshalb in den vergangenen Monaten noch regelmäßig auf den Couches von Freunden und Familie schlafen und sich irgendwie durchschlagen. Dafür kann er sagen, dass er zu einem immensen Teil zuständig für einen der größten Rückgange an Neuinfektionen in England in den über 35 Jahren seit der Entdeckung des HI-Virus.


    Weiterführende Links und Quellen:

    Bildquelle: CC 2.0 BY SA, torbakhopper, a glorious pride parade summer day, scott richard, Flickr