Schlagwort: Universität

  • #241 Moderner Zugang zu wissenschaftlichen Artikeln in Deutschland

    Es gibt unzählige wissenschaftliche Artikel – nur werden wir die meisten davon niemals zu Gesicht bekommen. Denn oftmals verstecken sie sich hin der überteuerten Paywalls von den drei mächtigen Verlagen Wiley, Elsevier und SpringerNature. Jedes Jahr geben (Uni-)Bibliotheken weltweit 7,6 Milliarden US-Dollar (6,3 Milliarden Euro) an Lizenzgebühren für 1,5 bis 2 Millionen Artikel. Das soll sich zumindest in Deutschland ändern.

    Wie berichtet, sollen in der Schweiz ab 2024 alle öffentlich finanzierten wissenschaftlichen Arbeiten als Open-Access-Publikation kostenlos zur Verfügung stehen. In Deutschland geht man aber einen anderen Weg:

    Der Vorschlag des Konsortium namens Projekt DEAL ist einfach: Für jeden Artikel, dessen Erstautor an einer deutschen Universität oder einer deutschen Forschungseinrichtung beschäftigt ist, würde eine bestimmte Summe an die Verlage fällig. Diese Artikel wären dann weltweit verfügbar. Im Gegenzug erhalten die deutschen Institutionen Zugang zu den Online-Inhalten der Verlage. Im Ergebnis wären die zu zahlenden Summen deutlich geringer als die aktuellen Ausgaben für die Lizenzen. (trendderzukunft.de)

    Die Gebühr würde dann 1.300 bis 2.000 Euro betragen. Bislang kommt man (wenn man die weltweiten Zahlen durchrechnet) auf 3.800 bis 5.000 Euro pro Artikel. SpringerNature und Wiley sind offen gegenüber diesem Schritt – Elsevier, der größte Verlag, würde zwar zustimmen, dass deutsche AutorInnen „ihre Artikel über eine Gebühr frei verfügbar machen, ist aber nicht bereit, für den Preis Zugang zu den eigenen Inhalten zu gewähren“.  In den Niederlanden gibt es bereits ein Übereinkommen – die Zahlungen an Elsevier sind hier deutlich höher als an die anderen beiden Verlage.

    Für Menschen, die keinen Zugang zu großen Bibliotheken haben, wird sich jedoch auch dabei nichts ändern. Das ist schade – wäre doch, zumindest bei öffentlich finanzierter Wissenschaft, ein Zugang für alle sehr naheliegend.


    Weiterführende Links und Quellen:

    Bildquelle: CC0 Public Domain, Free-PhotosPixabay

  • #175 Impfstoff gegen Gräserallergie in Entwicklung

    400 Millionen Menschen jeden Alters sind auf der ganzen Welt von einer Allergie auf Gräserpollen betroffen. Die Symptome sind vielfältig: z:B. Schnupfen, tränende Augen oder Atemnot. An der Medizinuniversität Wien wird deshalb nun eine neue, allergenspezifische Immuntherapie entwickelt.

    Die Journalistin Karin Pollack hat auf derStandard.at recht verständlich beschrieben, warum der Körper auf Gräserpollen derart reagiert:

    Das menschliche Immunsystem ist ein ziemlich guter Wächter, wenn es um das Erkennen von fremden Eindringlingen geht. Das Problem: Das Immunsystem von Allergikern ist übereifrig, reagiert vollkommen unangemessen und identifiziert Gräserpollen als Feinde, obwohl sie an sich keine sind. (derStandard.at)

    Beim europäischen Allergologenkongress (EAACI) in Helsinki hat Chefallergologe Rudolf Valenta der MedUni Wien die aktuellen Studiendaten der Immuntherapie vorgestellt. Bei dieser Therapie handelt es sich um eine Impfung, die zusammen mit dem Biotechunternehmen Biomay entwickelt wurde. Bei der vorgestellten Studie wurde der Impfstoff BM32 an 300 ProbandInnen getestet. Nun bereitet man sich auf Phase III, den entscheidenden Abschnitt vor der Marktzulassung vor – diese Phase sollte innerhalb eines Jahres abgeschlossen sein. Nebenwirkungen oder Begleiterscheinungen wurden bisher keine entdeckt.

    Die Impfung soll in vier Teilen erfolgen und bräuchte einmal jährlich eine Auffrischung. Andere Allergiethearpien (wie z.B. die Sublinguale Immuntherapie (SLIT). Laut Valenta stehen auch bereits Baupläne für Impfstoffe gegen Hausstaub und Tierhaare bereit. Zwar seine die Allergene anders, das Wirkprinzip der Impfung jedoch gleich.

    Funktionsweise der Immuntherapie

    Wenn das Immunsystem eines Allergikers z.B. Gräserpollen erspürt, produziert es Immunglobuline Typ-E (IgE). Diese haften sich an die Mastzellen, den sogenannten „Wächterzellen“ an. Einmal sensibilisiert, registrieren und melden die Zellen die Ankunft neuer Pollen. Die ForscherInnen haben den Bauplan des allergieauslösenden Eiweises in Gräserpollen „entschlüsselt, gentechnisch verändert und damit entschärft“. Dadurch aktivieren B-Zellen (jene Zellen, die Antikörper bilden können) Immunglobuline vom Typ G (IgG). Diese bremsen dann die IgE aus – und damit die allergische Reaktion, die von den Mastzellen ausgeht.

    Wirkung auch gegen Hepatitis B?

    Im September 2016 hat die MedUni Wien darüber berichtet, dass laut einer Studie am Institut für Pathophysiologie und Allergieforschung erkannt wurde, dass der neuartige Impfstoff BM32 auch eine wirksame Behandlungsoption gegen die Infektion mit Hepatits B sein könnte. Rund 350 Millionen Menschen weltweit tragen diesen Virus im Blut. Carolin Cornelius hat in ihrer Dissertation am Institut folgendes herausgefunden:

    „Es konnte gezeigt werden, dass eine Impfung mit BM32 bei Personen, die sich vorab keiner Immunisierung mit einem konventionellen Hepatitis-B-Impfstoff unterzogen haben, im Durchschnitt eine 80-prozentige Hemmung der Hepatitis B-Virus-Infektion bewirkt hat.“ (Carolin Cornelius, meduniwien.ac.at)


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  • #16 Neue chemische Verbindung reduziert Ausbreitung von Hautkrebs

    Forscher der Michigan State University fanden nun eine chemische Verbindung, welche die Ausbreitung von Melanomzellen um bis zu 90 % reduziert. Das „maligne Melanom“ wird umgangssprachlich auch als schwarzer Hautkrebs bezeichnet. Das gefährliche an dieser Krebsart ist, dass es hier bereits sehr früh zu Metastasenbildung kommt.

    Die chemische Verbindung bzw. das potentielle Medikament wurde eigentlich für die Behandlung von Sclerodermie, eine anderen, bislang unheilbaren Hauterkrankung entwickelt. Der gleiche Vorgang, der bei dieser Krankheit zur Hautverdickung führt, trägt zur Verbreitung der Krebszellen bei.

    Doch wie funktioniert diese chemische Verbindung? FOCUS hat es recht verständlich zusammengefasst:

    Unsere Gene besitzen die Eigenschaft, Ribonukleinsäure und bestimmte Proteine im Tumor zu produzieren. Ein Vorgang, der zur Ausbreitung von Krebs im Körper beiträgt. Hier greift der neue Wirkstoff, der noch keine genaue Bezeichnung hat, ein und blockiert den Prozess.


    Weiterführende Links und Quellen:

    Bildquelle: CC0 Public Domain, Fermi, Pixabay