Schlagwort: Sudan

  • #228 Ugandas offene Grenzen für Flüchtlinge

    Der ostafrikanische Binnenstaat Uganda bietet Flüchtlingen nach ihrer Ankunft 900 Quadratmeter Grund, eine Arbeitserlaubnis ab dem ersten Tag und ein Bleiberecht für immer. In den vergangenen Jahren nahm das Land rund eine Million Menschen auf der Flucht auf – vor allem aus dem kriegsgebeutelten Südsudan, zudem auch aus dem Kongo, Somalia, Eritrea und Burundi.

    Die UNO-Flüchtlingshilfe schreibt im März 2017, dass von den rund 1,5 Millionen Flüchtlingen aus dem Südsudan Uganda mit rund 700.000 Flüchtlinge fast die Hälfte aufgenommen hat. Inzwischen sollen es fast eine Million Kriegsflüchtlinge aus dem Südsudan sein.

    Die Menschen erhalten nach ihrer Ankunft 30 mal 30 Meter Grund, dass sie selber bebauen dürfen, mit einem Wohnhaus und einem Garten. Zwar sind die Gegenden nahe der Grenze vom Klima her eher raus, das Land karg – und doch: für die Menschen ist es nach der Flucht ein sicherer Ort.

    Eigennützig hilfsbereit

    Uganda profitiert von den Flüchtlingen: der bislang unterentwickelte Nordwesten des Landes erhält durch die internationale Hilfe erhöhte Aufmerksamkeit. So entstehen, dank der Hilfsorganisationen, hunderte Kilometer neue Straßen oder ganze Ortschaften. Es entwickeln sich Märkte, Unterkünfte, Restaurants oder auch Büros für die unzähligen registrierten Hilfsorganisationen.

    Die Versorgung der Geflüchteten findet dabei vor allem durch die Hilfsorganisationen statt. Um das Essen kümmert sich das Welternährungsprogramm der Vereinten Nationen – Kritiker meinen, dass Uganda da selber aktiver werden soll, und wie z.B. Tansania oder Kenia große Getreidespeicher für Dürrezeiten zu füllen.

    Die Europäische Union unterstützt Uganda nach einem Beschluss im Juni 2017 mit 85 Millionen Euro – das UN-Flüchtlingswerk forderte für das Land Hilfsgelder in Höhe von 673 Millionen Dollar (624 Millionen Euro). Der zypriotische EU-Kommissar (für humanitäre Hilfe und Krisenmanagement) Christos Stylianides erklärt: „Wie Uganda schutzlosen Menschen hilft, mit ihrer Flucht umzugehen, ist Vorbild für die ganze Region und die Welt“. Weiter: „Aber kein Land kann so eine hohe Zahl an Flüchtlingen alleine bewältigen.“

    Gefährlich ist, dass sich offenbar die ugandische Regierung auch selber finanziell etwas an den Hilfsprojekten bedient – Korruption war, ist und bleibt leider ein Problem in diesem Land. Kommt ein solcher Skandal ans Tageslicht, werden mitunter auch Hilfsgelder eingefroren – eine Gefahr für die Versorgung der Flüchtlinge.


    Weiterführende Links und Quellen:

    Bildquelle: CC0 Public DomainNumbercfotoPixabay

  • #174 Südsudan: UNO erklärt Hungersnot für beendet

    Im Februar diesen Jahres haben die Vereinten Nationen zum ersten Mal seit 2011 eine Hungersnot ausgerufen. Durch militärische Konflikte, schlechte Ernten und rapide steigende Preise für Lebensmittel hatte sich die Lage im Südsudan zugespitzt. Der Staat, der 2011 die Unabhängigkeit von Sudan erlangte und seit 2013 in einem Bürgerkrieg ist, gilt als „gescheiterter Staat“. Im Fragile State Index steht der Staat auf Platz 2 von 178. Nur Somalia wird als noch fragiler angesehen.

    Durch humanitäre Hilfe, Abwurf von Lebensmittel in den abgeschiedensten Teilen des Landes, Aufbau von temporären Klinken und durch Druck auf die Regierung, diese Hilfe zuzulassen, ist es nun so, dass die formale Definition von Hungersnot nicht mehr auf den Südsudan zutrifft.

    (Hunger-)Krise besteht weiter

    Rein nach der Definition, kann man nicht mehr von einer Hungersnot sprechen. Doch die Lage ist weiter schlimm: Sechs Millionen Menschen sind immer noch gefährdet (die Gesamteinwohnerzahl liegt bei rund 12,5 Millionen). Das ist sogar ein höherer Wert als im Februar. Damit ist zwar die akute Hungersnot gebremst worden, doch heute sind mehr Menschen an der Schwelle zur Hungersnot als jemals zuvor. Deshalb ist es wichtig, dass die humanitäre Hilfe auch weiter bei der Bevölkerung ankommt und nun nicht, aufgrund der „ersten Entwarnung“ weniger wird.

    Die UNO spricht davon, dass es die größte humanitäre Krise seit dem Ende des Zweiten Weltkrieges: knapp 20 Millionen Menschen sind von Hungersnot bedroht – in Nordost-Nigeria, Somalia, Jemen und Südsudan.

    Definition einer Hungersnot

    • Mindestens 20 % der Bevölkerung hat Zugang zu weniger als 2.100 Kilokalorien pro Tag
    • Akute Unterernährung bei mehr als 30 % der Kinder
    • Zwei Tote pro 10.000 Menschen, oder 4 Tote pro 10.000 Kinder pro Tag

    Weiterführende Links und Quellen:

    Bildquelle: CC0 Public Domain, combonianos_ brasil, Pixabay

  • #15 Gemeinsam Kartenmaterial für Krisengebiete verbessern

    In Mitteleuropa sind wir es heutzutage gewohnt, aktuelle Landkarten nutzen zu können: Nur so können wir uns immer mehr auf Tools zum Navigieren verlassen. In manchen Ländern jedoch sind Straßen und Gebäude abseits der großen Städte oftmals nicht eingetragen – ein Umstand, der immer mal wieder dazu führt, dass Freiwillige und Interessierte mithelfen, Karten gemeinsam zu erweitern, zu verbessern und diese dann zur freien Nutzung zur Verfügung zu stellen.

    Bei einem Mapathon, einer „Mapping Party“, im Wiener Metalab trafen sich 50 Menschen, um Karten für das Gebiet im Südsudan rund um die Stadt Aweil zu verbessern. Ziel dabei war es, mittels Sattelitenaufnahmen Gebäude und Straßen in das bestehende (recht leere) Kartenmaterial einzutragen, um so Hilfsorganisationen in diesem Krisengebiet zu unterstützen.“Sie zeichneten in wenigen Stunden auf einer Fläche von rund 35,7 Quadratkilometer 6153 Gebäude und Wohngebiete mit Hilfe eines Computers ein“, schreibt Barbara Wimmer in ihrem Beitrag über den Mapathon in der Futurezone. Eingetragen werden diese in das offene Kartenmaterial von Open Street Map.

    Dieses Video gibt einen kurzen Einblick (auf Englisch), was ein Mapathon genau ist:

    Nach diesem Erfolg, initiiert von Edith Rogenhofer von Ärzte ohne Grenzen und in Kooperation mit dem Roten Kreuz, sind in Wien weitere Mapathons geplant – der nächste bereits im März. International haben bereits 20.000 Menschen mitgeholfen, Kartenmaterial für Krisengebiete zu verbessern.


    Weiterführende Links und Quellen:

    Bildquelle: CC0 Public Domain, 422737, Pixabay