Schlagwort: Strand

  • #155 Die unglaubliche Strandreinigung von Mumbai

    Innerhalb von 21 Monaten haben Freiwillige auf dem 2,5 Kilometer langen Versova-Strand 5,3 Millionen Kilogramm Müll beseitigt. Galt er früher als einer der dreckigsten Strände Mumbais, so ist er jetzt von all dem Müll befreit. Doch wie ist das passiert?

    Begonnen hat alles mit dem jungen Anwalt und Umweltschützer Afroz Shah. Als er vor zwei Jahren in sein neues Apartment einzog, sah er die Müllberge auf diesem Strand. Er erzählt CNN „It was 5.5 feet high. A man could drown in the plastic“ (umgerechnet sind das rund 1,68 Meter). Mit einigen NachbarInnen hat er schließlich 2015 begonnen, den Strand zu säubern – und wurde schließlich von mehr als 1.000 Freiwilligen unterstützt. Darunter lokale BewohnerInnen, PolitikerInnen, Bollywood-Stars und Schulkinder.

    Zusätzlich wurden noch 52 öffentliche Toiletten am Strand gereinigt und 50 Kokospalmen gepflanzt. Ziel von Afroz Shah ist es, insgesamt 5.000 Kokospalmen zu pflanzen, um am Strand eine Kokospalmenlagune herzurichten, wie es das früher an der Stelle gab.

    Die Veränderung machte u.a. auch Muppavarapu Venkaiah Naidu, der Minister „of Housing and Urban Poverty Alleviation“ (übersetzt: für Wohnungswesen und städtische Armutsbekämpfung).

    Der Grund, warum so viel Müll am Strand landete ist einfach erklärt: Einerseits wird durch den Wind über das Meer viel Müll angespült. Außerdem ist der Strand von Slums umgeben – und auch von dort wurde viel Müll hingebracht. Die lokale Politik hat, weil der Strand zuvor nicht viele BesucherInnen und TouristInnen anlockte, die Reinung lange ignoriert.

    Die Vereinten Nationen haben die Transformation des Versovastrand als „world’s largest beach clean-up project“ bezeichnet.


    Weiterführende Links und Quellen:

    Bildquelle: CC0 Public Domain, Pexels, Pixabay

  • #144 Abgestorbenes Seegras als Dämmung

    Abgebrochenes Seegras landet meistens am Strand rum, sieht aus wie Heu und noch dazu stinkt es, wenn es nass ist. Nicht gerade die besten Merkmale, um bei BetreuerInnen der Strände für Freudentänze zu sorgen. Deshalb versucht man das Seegras so rasch wie möglich vom Strand wegzuschaffen und zu entsorgen.

    Doch das tote Pflanzenmaterial kann nicht nur so am Strand rumliegen – es kann auch richtig gut Dämmen: Wie das Magazin enorm erklärt, hat es nicht nur gute Isoliereigenschaften, sondern auch eine „bessere Ökobilanz, da es fast unverarbeitet verbaut wird. Zudem ist es resistent gegen Schimmel und Ungeziefer“.

    Durch Zufall stieß der Architekt Richard Meier im Spanienurlaub 2006 auf das Seegras, nahm etwas davon mit nach Deutschland und ließ es vom Frauenhofer-Institut überprüfen. „Das Ergebnis bestand darin, dass dieses Material durch seine silikathaltige Struktur gute Wärmespeicherfähigkeiten aufweist, relativ schwer entflammbar sowie gegen Feuchtigkeit und Schimmel resistent ist“ (hausjournal.net). Ein Jahr später, im Jahr 2007, erhielt er schließlich das Patent für sein Produkt „NeptuTherm„.

    Meier starb Ende des Jahres 2016 überraschend an einem Herzinfarkt – seine Frau Monika und Sohn Michael führen aber „in seinem Sinne“ das Unternehmen weiter. Sie beziehen das Seegras aus Tunesien und Albanien. Selbst trotz des Transportweges hinterlässt es einen deutlich geringeren ökologischen Fußabdruck als vergleichbare Dämmmaterialien.

    Ich finde, wenn die Natur uns das schenkt, dann sollten wir das auch annehmen. (Richard Meier, swr.de)

    Preislich spielt Seegras im „preislichen Mittelfeld des Dämmstoffmarktes“. Der Quadratmeterpreis liegt zwischen 24 und 35 Euro. „Mit gängigen Dämmmaterialien wie Stein- und Glaswolle oder Polystyrolen (EPS, XPS), aber auch mit Naturstoffen wie Flachs und Hanf lässt sich ein Gebäude zum Teil deutlich günstiger dämmen, der Vorteil von Seegras besteht demgegenüber in seiner zu 100 % ökologischen Qualität“ (hausjournal.net).

    Auch Jörn Hartje, eigentlich Ornithologe, ist auf Seegras gestoßen – an der Ostsee. Er hat sein eigenes Haus damit gedämmt und Freunde wollten es ihm gleichtun. So hat er die Firma „Seegrashandel“ gestartet.

    Die Idee, Seegras als Dämmmaterial zu verwenden ist nicht neu: „Im 18. Jahrhundert war Seegras der erste kommerziell gehandelte Dämmstoff, sagt Hartje. In der USA sei er sehr verbreitet gewesen, zum Beispiel wurde das Rockefeller-Center mit Seegras gedämmt“ (enorm-magazin.de).

    Der große Nachteil, sowohl für Hartje als auch für Meier ist, dass oft nicht vorhersehbar ist, wo, wann und wie viel Seegras angespült wird – das erfordert schnelle Reaktion, rasches Handeln und gute Koordination.


    Weiterführende Links und Quellen:

    Bildquelle: CC0 Public Domain, cocoparisienne, Pixabay