Schlagwort: Stadt

  • #209 Die Sommerhitze zur Stromgewinnung nutzen

    Was wäre, wenn man die vor allem in diesem Sommer teils nur schwer aushaltbare Hitze zu etwas Positivem nutzen könnte? Aufwindkraftwerke tun genau das: dabei wird bodennahe Luft verwendet, die durch Sonneneinstrahlung aufgeheizt und in einen hohen Turm durch eine Turbine geschleust wird, um Strom zu erzeugen. Die Idee ist nicht neu: Bereits Anfangs der 1980er-Jahre gab es das erste Aufwindkraftwerk in voller Größe in der spanischen Stadt Manzanares – errichtet vom deutschen Ingeneurbüro Schlaich Bergermann Solar und Fördergeldern des Deutschen Bundesforschungsministeriums.

    Das Wiener Architekturbüro heri&salli hat sich mit ihrer Idee eines Aufwindkraftwerks weit aus dem Fenster gelehnt: Ihr „Energie Land Turm“ soll 1 Kilometer (1.000 Meter) hoch sein. Jener in Manzares erreichte die Höhe von 194 Meter. Zusätzlich sieht ihr Konzept vor, dass der Turm zugleich als bewohnbares Hochhaus funktionieren soll. Das bislang höchste Bauwerk, das Burj Khalifa kommt übrigens auf 830 Meter.

    Auch wenn all das eher utopisch klingt – es braucht immer Menschen, die über das bisher Bekannte hinausdenken. Für alle, die in den kommenden zwölf Monaten einmal in Wien sind: Dieses Konzept und noch viel mehr findet man in der Ausstellung „Die Zukunft der Stadt“ im Technischen Museum Wien.


    Weiterführende Links und Quellen:

    Bildquelle: CC BY-SA 3.0Widakora, „Solar Chimney prototype at Manzanares, Spain. View from south 8km away“, commons.wikimedia.org

  • #152 Alternativen zum Auto in Zürich immer beliebter

    Seit dem Jahr 2000 ist der Anteil von motorisiertem Individualverkehr von 40 % auf 25 % zurückgegangen, die Nutzung des Fahrrads hingegen allein in einem halben Jahrzehnt von 4 % auf 8 % angewachsen. Und das, nachdem die wahlberechtigten BürgerInnen von Zürich die Regierung dazu verpflichtet haben, den Individualverkehr um 10 Prozentpunkte zu setzen. Wurde das zuvor noch als „völlig unrealistisch“ bezeichnet, hat man nun zur Halbzeit bereits die Hälfte erreicht. Bis 2021 sollte es dann auf 20 Prozent zurückgegangen sei.

    Anteil der Hauptverkehrsmittel in Prozent

    (Die Grafik findet man im Original auf tagesanzeiger.ch)
    Quelle: Tiefbau- und Entsorgungsdepartement | Daten

    VerkehrZürich.png
    Zur interaktiven Grafik hier entlang

    Das Fahrrad ist aber trotz des deutlichen Zuwachses nur auf Platz 4 von 4. Beim Mikrozensus 2015 gaben die Befragten an, dass 41 % öffentliche Verkehrsmittel als Hauptverkehrsmittel nutzen, 26 % gehen zu Fuß und 25 % wählen das eigene Auto.

    Nun wird die Forderung vorgebracht, mehr in das „Velonetz“, also die Strecken mit Fahrradspur(en) zu investieren um diesen Wandel bei der Wahl der Hauptverkehrsmittel voranzutreiben.

    Filippo Leutenegger, der zuständige Stadtrat ist zuversichtlich, bis 2021 das Ziel zu erreichen. Es gebe bereits zahlreiche Maßnahmen, die schon umgesetzt, im Bau oder in Planung sind – diese würden schon im Mikrozensus 2020 bemerkbar sein.


    Weiterführende Links und Quellen:

    Bildquelle: CC0 Public Domain, kurtdeiner, Pixabay

  • #96 Städte kämpfen gegen „visuelle Verschmutzung“

    (Außen-)Werbung ist in der heutigen Zeit allgegenwärtig: Kann man da als Großstadt eigentlich dagegensteuern? Einige Städte wie Grenoble oder Sao Paulo haben den Versuch gewagt.

    Grenoble: Umgesetztes Wahlversprechen

    Die kleine französische Stadt Grenoble (rund 160.000 Einwohner und rund 18 km² Fläche) im Südosten des Landes hat den Marketingabteilungen im ganzen Land große Angst gemacht. Denn seit 2015 verschwinden immer mehr Werbeplätze im ganzen Stadtgebiet und werden durch Bäume oder einfach eine freie Fläche ersetzt. Aber wer macht sowas? Ausgangspunkt war ein Wahlversprechen des später auch gewählten und noch amtierenden Bürgermeisters Éric Piolle, einem Kandidaten der „Europe Écologie Les Verts“, also den damals erst kürzlich neugegründeten Grünen Frankreichs.

    Die 326 Werbeflächen wurden deshalb bereits Anfang 2015 abgebaut. Einzig die Werbeflächen in Öffi-Haltestellen sind geblieben – doch auch sie sollen, nach Ablauf des laufenden Vertrages, im Jahr 2019 verschwinden. Durch die Nichtverlängerung der Verträge im Jahr verliert die Stadt rund 600.000 Euro pro Jahr – für Piolle kein Grund für einen Rückzug von seinem Wahlversprechen.

    São Paulo: Verbot aufgrund „visueller Verschmutzung“

    Mit rund 12 Millionen Einwohnern und einer Fläche von 1.523 km² spielt São Paulo natürlich in einer etwas anderen Liga: Also nach dem Jahrtausendwechsel in Brasilien die Werbung exponentiell anstieg, versank São Paulo unter einem „smog of signage“. Nachdem eine Regulierung nicht gelang, trat 2007 durch Bürgermeister Gilberto Kassab das „Clean City Law“ in Kraft. Außenwerbung wurde dabei als Form von „visual pollution“, also visuelle Verschmutzung eingestuft. Innerhalb eines einzigen Jahres verschwanden 15.000 Werbetafeln und 300.000 überdimensionierten Fassadenschildern.

    Fünf Jahre nach dem Verbot wurde Werbung unter starker Kontrolle wieder langsam zugelassen. Die Werbung wurde dabei aber gezielter in die Infrastruktur eingebunden, riesige Werbetafeln gibt es weiterhin nicht. An manchen Bushaltestellen gibt es interaktive Panels, mit denen man z.B. auf Google etwas suchen oder die Wettervorschau ansehen kann.

    New York: Kunst statt Werbung (zumindest in einer App)

    In Zusammenarbeit mehrerer Projektgruppen entstand die App „NO AD: NYC“. Durch Augmented Reality zeigte der Bildschirm das Smartphones oder Tablets nicht die gewöhnlichen Werbungen in der New Yorker U-Bahn an – sondern tauschte sie durch Kunst aus.

    https://vimeo.com/105301636

    In den Vereinigten Staaten von Amerika gibt es aber wirklich vier Bundesstaaten, welche sogenannte „Billboards“, also große Werbetafeln verbieten: Vermont, Hawaii, Maine und Alaska

    Aber warum das Ganze?

    Man kann zu Werbung stehen, wie man will (siehe meinen Absatz „Transparenz“ am Ende des Beitrages). Die Sache mit Außenwerbung, dem sogenannten „Out of home advertising“ (OOH) muss man sich aber trotzdem genauer ansehen:

    While in other media we can, to some extent, choose to consume ads, out of home advertising (OOH) has melded itself inextricably into our environment. (Arwa Mahdawi, theguardian.com)

    So wirkt Out of Home-Werbung durch die massive Dauerpräsenz und ihrer Unausweichlichkeit viel stärker als z.B. Print- oder TV-Werbung. Und in Wahrheit lenken sie nicht mehr vom Stadtbild ab, sie sind heutzutage ganz einfach Teil des Stadtbilds. Das beschreibt auch, wie TheGuardian schön zitiert, auch die Marketingfirma Clear Channel Outdoor, die OOH-Werbung wie folgt bewirbt: „When brands advertise on our street structures, they become part of the public social space, entering people’s thoughts and conversations.“

    Transparenz: Ich bin mir natürlich bewusst, dass hier für LeserInnen manchmal Werbung angezeigt wird. Ich selbst kann das nicht steuern und verdiene auch nichts daran, sondern 365gutedinge.dominikkurcsics.com/ – dafür ermöglicht mir 365gutedinge.dominikkurcsics.com/, dieses Projekt kostenlos umzusetzen. Sollte die Werbung hier zu stark nerven, empfehle ich einen Ad-Blocker. Würden sich Beschwerden häufen, würde ich auch einen Umzug auf einen eigenen Server in Betracht ziehen – dort wär 365guteDinge dann definitiv ohne Werbung, wie auch auf meinen anderen Websites.


    Weiterführende Links und Quellen:

    Bildquelle: CC0 Public Domain, Unsplash, Pixabay