Schlagwort: Sehbehinderte

  • #214 Wiener Start-Up reißt für Menschen mit Behinderung auf Konzerten Barrieren ein

    Martina Gollner und Christina Riedler kennen sich bereits seit der Schule – und im Mai 2016 wurden sie schließlich zu Gründerinnen. Ihr gemeinsam gegründete Start-Up nennt sich Full Access und ist Anlaufstelle für Menschen mit Musikbegeisterung und Behinderung. Sie möchten jedem Menschen einen Konzertbesuch organisatorisch ermöglichen und vorhandene Barrieren überwinden oder gleich ganz einzureißen.

    Für Gollner, die selber hochgradig sehbehindert ist, war es lange Zeit nicht möglich, große Konzerte zu besuchen. Riedler hat sie schließlich irgendwann zu einem Konzert von Bad Religion begleitet und so wurden die Freundinnen regelmäßige gemeinsame Konzertgeherinnen und erkannten dabei auch noch eine auszufüllende Nische. Die Idee entstand aber auf einem Iron-Maiden-Konzert in Knebworth (England), als ein junger Mann auf einer Krankenliege teilnahm. Er konnte sich nicht bewegen, wurde künstlich ernährt und war in Begleitung von zwei Pflegern. „Da dachte ich mir: Wenn dieser Mensch auf einer Krankenliege so etwas erleben kann, weil es ihm so wichtig ist, müssen wir was tun, damit auch jeder diese Chance hat“, erzählt Riedler im Gespräch mit der Journalistin Conny Sellner auf meinbezirk.at.

    Ihre Zielgruppe sind Menschen mit Behinderung, chronischen und psychischen Erkrankungen oder Lernschwierigkeiten. Und im Interview erklären sie auch ihren umfangreichen Aufgabenbereich:

    Wir organisieren Tickets für Events, kümmern uns um Begleitpersonen und klären mit dem Veranstalter ab, wie die Location auch für behinderte Menschen ausgestattet ist. Wir beraten auch Veranstalter selbst, um mehr Verständnis für behinderte Fans aufzubauen. (Claudia Riedler, meinbezirk.at)

    Für die beiden Gründerinnen ist es wichtig, dass FullAccess als Start-Up und nicht als Verein verstanden wird. Die KundInnen nehmen eine Dienstleistung in Anspruch, zahlen dafür – und genau das ist ein wichtiger Punkt.

    In naher Zukunft soll mit Aeon Tickets der ersten Ticketshop weltweit starten, der sich explizit auf die Bedürfnisse von Menschen mit allen Behinderungen spezialisiert.


    Weiterführende Links und Quellen:

    Bildquelle: Pressefoto von Full Access

  • #56 App „Be My Eyes“ unterstützt Blinde im Alltag

    Blinde und sehbehinderte Menschen legen meist sehr viel Wert auf ihre Unabhängigkeit – aber dann gibt es Momente, wo etwas Unterstützung benötigt wird. Der dänische App-Erfinder Hans Jørgen Wiberg möchte mit seiner Kreation „Be My Eyes“ diesen Menschen unter die Arme greifen.

    Die App funktioniert folgendermaßen, und setzt dazu natürlich eine vorherige Registrierung und Anmeldung voraus: Man ruft mit seinem Smartphone die App auf und wird dann mit einem Freiwilligen oder einer Freiwilligen verbunden. Diese sehen dann durch die Linse der Hauptkamera (nicht der Frontkamera) und helfen dann dem/der Nutzerin bei den gewünschten Dingen. Man leiht sich sozusagen das Augenlicht eines Sehenden für einen Augenblick einfach aus.

    https://www.facebook.com/BBCworldhacks/videos/1864797907111330/

    Bereits Anfang 2015 gestartet, hat sich bereits eine große Nutzerbasis aufgebaut: Damals waren es noch nicht einmal 1.000 blinde und sehbehindert Nutzer – aktuell nutzen es schon über 30.000 und über 460.000 sehende Freiwillige haben sich angemeldet. Und bereits 200.000 Interaktionen haben dabei schon stattgefunden „Be My Eyes“ ist ähnlich wie die Übersetzungsapp „Tarjimly“ (der 365guteDinge-Beitrag hier) eine Kreation, die eine Schnittstelle zwischen potentiellen HelferInnen und jenen Menschen herstellt, die diese Hilfe benötigen. Die App funktioniert in 80 Sprachen und ist aktuell leider noch auf iOS-Geräte (iPhone und iPad) beschränkt. An einer Android-Version wird gerade gearbeitet.


    Weiterführende Links und Quellen:

    Bildquelle: CC0 Public Domain, allinonemoviePixabay