Schlagwort: Russland

  • #291 Die Rückkehr der Tiger nach Kasachstan

    Wenn man heute an Tiger in freier Wildbahn denkt, kommt einen natürlich Indien und Sibirien/Russland in den Sinn. Doch es ist noch nicht allzu lange her, da lebte der Kaspische Tiger auch im Iran, der Türkei und Kasachstan. Zwischen den 40er und 70er Jahren des vergangenen Jahrhunderts wurde diese Unterart des Tigers ausgerottet. Nun hat jedoch die kasachische Regierung eine Absichtserklärung mit der Umweltorganisation WWF (World Wide Fund for Nature) unterzeichnet: An der Mündung des Flusses Ili in den Balchasch-See im Südosten des Landes soll ein Schutzgebiet entstehen.

    Die ausgestorbene Unterart „Kaspischer Tiger“ kann man leider nicht wiederauferstehen lassen – doch der genetisch sehr nahe Verwandte „Sibirischer Tiger“ soll stattdessen angesiedelt werden. Tiger mögen ja normalerweise Wälder – etwas, das in der kasachischen Steppe wenig vorhanden ist. Doch die Schilflandschaften mit hohem Gras rund um den See können als Lebensraum sehr gut geeignet sein.

    WWF möchte mit dem 2010 gestarteten Vorhaben „Tx2“ die Zahl der freilebenden Tiger bis 2022 zu verdoppeln. Damals gab es 3.200 Tiger in freier Wildbahn, bis 2016 konnte man die Zahl auf 3.900 erhöhen. Bis aber die Tiger auch in Kasachstan wieder angesiedelt werden können, muss noch einiges verändert werden: zuerst muss in dem spärlich besiedelten Gebiet die Land- und Viehwirtschaft eingeschränkt werden, danach der Bestand an Beutetieren erhöht werden.


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  • #167 Für EU-Mitgliedsstaaten wird Pariser Klimaabkommen gesetzlich verpflichtend

    Würden sich alle Staaten dieser Erde an ihre Versprechungen aus dem Pariser Klimaabkommen halten, wäre das natürlich eine gute Entscheidung im Kampf gegen den Klimawandel. Entscheidet sich aber ein Land, sich nicht an die Abmachungen zu halten, dann wird es dafür nicht bestraft. Für viele Umweltorganisationen ist das der große Nachteil am Abkommen. Für die 28 Mitgliedsstaaten der Europäischen Union soll sich nun durch ein Gesetz verändern.

    Das Europäische Parlament hat sich am 14. Juni 2017 mit überwältigender Mehrheit (534 Stimmen dafür, 88 Gegenstimmen. 56 haben sich enthalten) für diese Gesetzesinitiative ausgesprochen. Das Gesetz würde die Mitgliedsstaaten dazu verpflichten, den Ausstoß von Treibhausgasen um 40 Prozent unter den Wert von 1990  Die Europäische Union ist der drittgrößte Produzent von Treibhausemmissionen – nach China (30 %) und den USA (15 %) kommen die EU-28 auf 9%, gefolgt von Indien (7 %), Russland (5 %) und Japan (4 %). Bislang konnte die EU den Ausstoß um 22 Prozent verringern, für die restlichen 18 Prozent braucht es breit angelegte Anstrengungen.

    Der von der Europäischen Kommission vorgeschlagene Entwurf muss nun noch im Rat der Europäischen Union verabschiedet werden – danach muss es noch von den einzelnen nationalen Regierungen in nationales Recht umgewandelt werden. Das kann also noch einige Jahre dauern – und doch ist es vielversprechend und vielsagend, dass sich das Parlament mit einer derart großen Zustimmung dafür ausgesprochen hat.


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    Bildquelle: CC0 Public Domain, dmnkltnr, Pixabay

     

  • #137 Die Rückkehr der Wölfe nach Dänemark

    Zum ersten Mal seit über 200 Jahren wurde in Dänemark nun ein ganzes Wolfsrudel in freier Wildbahn gesichtet. (Männliche) Wölfe traten bereits 2012 erstmals in Erscheinung, doch in diesem Jahr wurde erstmals offiziell auch eine Wölfin als Teil eines Rudels erkannt. Sie hatte eine 500 Kilometer lange Wanderung von Deutschland nach Dänemark hinter sich.

    Durch die Ankunft einer Wölfin rechnet Peter Sunde, ein Forscher an der Aarhus University, dass es noch in diesem Jahr bzw. im kommenden Jahr wieder dänischen Wolfnachwuchs geben wird. Es gibt aber auch Menschen, die schätzen, dass es sich hier nicht um die erste Wölfin handelt, sondern bereits 4 Wölfinnen am dänischen Festland aufhalten.

    104 Jahre ist es her, dass der letzte Wolf in Dänemark im Jahr 1813 getötet wurde. Die Frage bleibt natürlich, wie es die menschliche Bevölkerung diesmal schafft, die Wölfe zu akzeptieren:

    As long as we don’t disturb them, they will be fine in these human-dominated landscapes. In Denmark there’s no reason wolves can’t thrive. But the question has to be asked, are people going to accept the wolves? (Guillaume Chapron, Forscher  ab der Swedish University of Agricultural Sciences, theguardian.com)

    Die dänische Regierung hat bereits einen „wolf management plan“ entwickelt, welche Kompensationszahlungen für gerissene Schafe an dänische Bauern vorsieht und Förderungen für wolfsichere Zäune ausgibt.

    In Kontinentaleuropa (ohne Russland, Ukraine und Weißrussland) soll es mehr als 12.000 Wölfe geben – und sie tauchen auch mit ihrem lateinischen Namen (Canis lupus) in der Fauna-Flora-Habitat-Richtlinie (Langform: Richtlinie 92/43/EWG des Rates vom 21. Mai 1992 zur Erhaltung der natürlichen Lebensräume sowie der wildlebenden Tiere und Pflanzen) der Europäischen Union  auf. Unter anderem im Anhang IV namens „Streng zu schützende Tier- und Pflanzenarten von gemeinschaftlichen Interesse“.

    Die deutsche Wolfpopulation wächst aktuell um 25-30 % pro Jahr – in Deutschland haben sich 1998 Wölfe wieder etabliert. Von dort aus machen sich viele junge Wölfe in die umliegenden Länder auf – und legen dabei teilweise 1.000 Kilometer zurück.


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  • #93 Litauen findet verlorene Unabhängigkeitserklärung

    Am 12. Februar 1918 unterzeichneten Vertreter Litauens, Russlands und Deutschlands die Unabhängigkeitserklärung des baltischen Staates. Seit 1795 war es unter russischer Herrschaft – 123 Jahre dauerte es, bis man sich wieder vom russischen Kaiserreich lossagen konnte. Nach dem Zweiten Weltkrieg dauerte es schließlich erneut 45 Jahre, bis – durch den Zusammenbruch der Sowjetunion – Litauen im Jahr 1990 die Unabhängigkeit wiedererlangte.

    Bis heute ist der 12. Februar für die LitauerInnen ein Feiertag – und im kommenden Jahr jährt sich die erstmalige Unabhängigkeit zum 100. Mal. Im Trubel des Endes des Ersten Weltkrieges hat Litauen das wichtige Dokument jedoch verloren. Liudas Mazylis, ein Professor der Vytautas Magnus University in Kaunas, Litauen, hat sich jedoch auf die Suche gemacht, acht Monate und sein eigenes Geld investiert und ist nun fündig geworden:

    Im Archiv des Auswärtigen Amtes Deutschlands fand er sogar zwei Kopien – einerseits die litauische, andererseits auch die deutsche Fassung mit jeweils 20 „offensichtlich originalen“ Unterschriften. HistorikerInnen gingen bislang immer davon aus, dass zumindest 3 Versionen der Deklaration unterzeichnet wurden, wobei zwei für Russland und das Deutsche Kaiserreich (die damalige Besatzungsmacht) gedacht waren.

    Die Freude in Litauen ist groß: Die litauische Präsidentin Dalia Grybauskaitė, hat bereits bei Deutschland angefragt, damit das Dokument übermittelt wird.

    „We now have the best gift, the best monument to our centenary“ (Dalia Grybauskaitė, theguardian.com)

    Und in einem Statement aus dem deutschen Außenministerium freut man sich mit Litauen: „What a great find! This is perfect news for our Lithuanian friends. We celebrate together with them“

    Auf der offiziellen Seite des 100-Jahr-Jubiläums auf Facebook wurde schließlich sogar ein Video veröffentlicht, in welchem sich LitauerInnen für das Aufbewahren der Unabhängigkeitserklärung bei Deutschland bedanken:

    https://www.facebook.com/100Lietuvai/videos/10155108067138349/

    Prof. Mazylis könnte sich, neben dem Fund, auch über etwas Reichtum freuen: MG Baltic, eine litauische Business-Gruppe, hat im vor wenigen Wochen eine Million Euro Belohnung für die Entdeckung des Dokuments ausgeschrieben – ausgezahlt wird, sobald das Dokument in Litauen angekommen ist. Doch er hat kein Interesse daran: „Wenn jemand eine Million übrig hat, soll er überlegen, was er sinnvolles damit macht und nicht damit rumwedeln.“ (faz.net)


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  • #25 Norwegen möchte Finnland zum Geburtstag einen Berg schenken

    Okay, zugegeben: Es gibt noch politischen Widerstand. Aber, um die Überschrift zu präzisieren: Eine Gruppe NorwegerInnen möchte dem höchsten Berg Finnlands die Spitze zurückgeben. Denn zwar ist Haltitunturi zwar der höchste Berg Finnlands – seinen höchsten Gipfel hat er aber in Norwegen.

    Bjørn Geirr Harsson, ein norwegischer (bereits pensioniserter) Geophysiker hatte bereits 1972 die Idee dazu. Finnland feiert am 6. Dezember 2017 ihre einhundertjährige Unabhängigkeit von Russland – ein großer Grund zu feiern. Und genau da sollte Norwegen mit einem tollen Geschenk aufwarten:

    “It is a gift from the heart of the Norwegians to Finland so we don’t expect anything back; we just want to give them something really nice when they celebrate 100 years as a free nation.” (independent.co.uk)

    31 Meter würde man dabei in norwegisches Territorium vordringen müssen. Und es ist ja nicht so, dass Geirr Harsson der einzige ist, dem diese Idee gefällt. Svein Oddvar Leiros, Bürgermeister der Gemeinde Kåfjord (dort steht die Bergspitze), findet die Idee ebenfalls gut. Und Erna Solberg, die Premierministerin des Landes? Auch sie findet die Idee schön, aber: Würde man dies tun, würde man gegen Artikel 1 der norwegischen Verfassung verstoßen, denn dort heißt es „The Kingdom of Norway is a free, independent, indivisible and inalienable realm.“. Also frei, unabhängig, unteilbar und unveräußerlich. Das sagte Solberg im Oktober 2016.

    Doch der Kampf ums Geschenk geht weiter: Nun gibt es einen Kurzfilm namens „Battle for Birthday Mountain“, mit welchem man Aufmerksamkeit und Druck auf die norwegische Politik ausüben will. Darin werden Geirr Harssons Beweggründe und die Meinung von PolitikerInnen wiedergegeben.

    https://vimeo.com/198705876 

    Und bis zum Geburtstag sind es ja auch noch 10 Monate und 11 Tage.


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    Bildquelle: CC0 Public Domain, Unsplash, Pixabay