Schlagwort: Rechte

  • #270 Ende des Fahrverbots für Frauen in Saudi-Arabien angekündigt

    Ab 24. Juni 2018 wird es saudi-arabischen Frauen erlaubt sein, vollkommen legal ein Fahrzeug zu lenken. Das hat das Königshaus rund um König Salman bin Abdulaziz Al Saud verlautbaren lassen. Dieser kleine Erfolg für die Frauenrechte in diesem Land bedeutet unter anderem, dass Frauen dadurch einen verbesserten Zugang zur Arbeitswelt und der Gesellschaft an sich haben. Spät aber doch hat dies auch das saudi-arabische Königshaus eingesehen – und das, nachdem jahrzehntelang mutige Frauen sich nicht mit dieser Regelung nicht abfinden wollten … und dagegen protestierten.

    Am 6. November 1990 fuhr ein Autokonvoi mit 47 Frauen auf der Tahlia Street in Riad, der Hauptstadt Saudi-Arabiens. Sie protestierten für das Recht, ein Fahrzeug lenken zu dürfen – und wurden allesamt verhaftet, verloren ihre Jobs und wurden im ganzen Land angeprangert.

    „Driving means access, mobility and empowerment, and from there we can chip away at the bigger issues,“ (Fawzia al-Bakr, eine der 47 Frauen; time.com) „If we can drive, anything is possible.“

    Wajeha al-Huwaider war die erste Frau, die auf YouTube ein Video veröffentlichte: Am Internationalen Frauentag 2008 rief sie damit – hinter dem Steuer – ihre Landsfrauen auf, es ihr gleichzutun.

    Im Frühjahr 2011 postete Manal al-Sharif ein Video, dass sie hinter dem Steuer eines Autos zeigt – auch sie wollte Nachahmerinnen animinieren und damit die Aktion „Women2Drive“ starten. Für dieses Video kam sie 9 Tage in Haft, die Aktion wurde dadurch vollkommen ausgebremst.

    Mit der Unterschriftenaktion „Oct26Driving“ konnten 17.000 UnterzeichnerInnen gesammelt werden – bevor die Regierung die Website sperrte. Am 26. Oktober 2013 waren es schließlich 60 Frauen, die es sich trauten und jede Strafe in Kauf nahmen. In den Jahren danach wiederholten sie am 26. Oktober ihren Protest.

    Saudi-Arabien ist das einzige Land auf der ganzen Welt, in denen es Frauen verboten war, ein Fahrzeug zu lenken. Im Juni des kommenden Jahres wird auch das endlich Geschichte sein.


    Weiterführende Links und Quellen:

    Bildquelle: CC0 Public DomainIamnitishthakurPixabay

  • #171 Mehr Rechte für Frauen in Saudi-Arabien

    Das Königreich Saudi-Arabien ist für vieles bekannt, aber definitiv nicht für das Hochhalten von Frauenrechten. Der absolutistisch regierende König (und zugleich Premierminister) Salman ibn Abd al-Aziz lässt aber doch, nach und nach, etwas mehr Rechte für Frauen zu.

    Schlusslicht bei Geschlechtergerechtigkeit

    Man kann es sich kaum vorstellen: In Saudi-Arabien unterliegen Frauen in der Regel einer „gesetzlichen männlichen Vormundschaft“. Sie sind nicht geschäftsfähig und können keine Rechtsgeschäfte ohne Zustimmung ihres männlichen Vormundes tätigen. Zwar muss jede Frau einen Personal- bzw. Reiseausweis besitzen, eine Verlängerung war bislang aber nur mit schriftlicher Zustimmung des Vormunds möglich. Das Lenken von Fahrzeugen ist bis heute für Frauen verboten.

    Im 2016 veröffentlichten Global Gender Gap Report des Weltwirtschaftsforums über Geschlechtergerechtigkeit landete Saudi-Arabien auf Platz 141 und insgesamt 144 Ländern. Einzig in Syrien, Pakistan und Yemen liegen dahinter. Schweiz liegt hier übrigens auf Platz 11, Deutschland auf Platz 12, Österreich auf Platz 52.

    Kleine Schritte

    Am 4. Mai hat der König von Saudi-Arabien ein Dekret unterzeichnet. Dieses beinhaltet einige Veränderungen. So wird den Regierungs- und Verwaltungsbehörden aufgetragen, eine Liste mit allen Services und Angeboten zusammenzustellen, welche eine Frau ohne Zustimmung des „männlichen Vormunds“ machen. Bislang war zum Beispiel ein Studium, der Zugang zu ärztlicher Betreuung ohne Zustimmung nicht möglich. Ebenso soll es nun möglich sein, dass sich Frauen in Gerichten selber repräsentieren können. Zusätzlich sieht das Dekrets sieht vor, dass Organisationen ihren weiblichen Mitarbeitern eine Transportmöglichkeit zur Verfügung stellen.

    „Now at least it opens the door for discussion on the guardian system,“ Ms Akeel told the Thomson Reuters Foundation. „Women are independent and can take care of themselves.“ (independent.co.uk)

    Vorangegangene Schritte waren z.B. das passive Wahlrecht im Jahr 2011 (Frauen konnten in ein politisches Amt gewählt werden). Seit Dezember 2015 besitzen sie auch ein aktives Wahlrecht auf kommunaler Ebene (das heißt, sie dürfen selber wählen). Außerdem haben sie einen etwas besseren Zugang zum Arbeitsmarkt. 2012 durften saudische Frauen auch erstmals bei den Olympischen Spielen antreten.

    Ablaufdatum für Vormundssystem

    Es geht schleppend voran, aber das Vormundssystem sollte ein Ablaufdatum haben. Der Großmufti Abdulaziz al-Sheikh, einer der höchsten religiösen Autoritäten des Landes, bezeichnete dieses System als „a crime against the religion of Islam“ und nannte es „an existential threat to Saudi society“. Bereits 2009 und 2013 stimmte Saudi Arabien zu, das „männliche Vormundssystem“ abzuschaffen und jegliche Diskriminierung gegenüber Frauen zu beseitigen. Bis heute hat sich zumindest schon einiges verbessert, es ist aber noch sehr viel zu tun.

    2016 gab es bereits Aktionen von Frauen, die in Saudi Arabien für mehr Rechte kämpften. U.a. einen offenen Brief an den König, eine Twitterkampagne mit den Hashtags #StopEnslavingSaudiWomen und #IAmMyOwnGuardian sowie einer Petition, bei der mehr als 14.000 Menschen unterschrieben haben.


    Weiterführende Links und Quellen:

    Bildquelle: CC0 Public Domain, 3dman_eu, Pixabay