Schlagwort: Prototyp

  • #140 Ein Armband lässt Menschen mit Parkinson wieder schreiben

    Bereits Ende des vergangenen Jahres tauchte das Project Emma erstmals in zahlreichen Timelines auf: Ein Forschungsteam wollte für Emma Lawton, eine junge Frau mit Parkinson, ein Tool entwickeln, damit diese wieder schreiben und zeichnen kann. All das passierte im Rahmen einer Sendung aus dem Vereinigten Königreich namens „The Big Life Fix“. Dem Team rund um Haiyan Zhang, Director of Innovation bei Microsoft Research, gelang schließlich mit einem Armband (auf Englisch: einem „wearable“), dessen Prototyp den Titel „The Emma“ trug. Dass da Microsoft dahinterstand, war im viralen Video noch nicht wirklich offensichtlich – doch mit einem Milliardenunternehmen im Rücken ist die Chance bedeutend größere, dass dieser Prototyp in Massenproduktion gehen kann.

    Auf der Microsoft-Entwicklerkonferenz Build 2017 wurde nun das „Project Emma“ einem großen Publikum vorgestellt: Das Armband versucht mit winzigen Vibrationsmotoren deb durch die Parkinsonerkankung charakteristischen Tremor (also das Zittern bzw. Zucken) auszugleichen und damit die Hand etwas zu stabilisieren. Das Video (das offizielle Build 2017-Video, eine gekürzte Form des Videos vom Dezember) zeigt die Ausgangslage und den großartigen Erfolg.

    https://www.youtube.com/watch?v=k9Rm-U9havE

    Zahlen und Fakten zu Morbus Parkinson

    „Parkinson ist eine langsam fortschreitende neurologische Erkrankung, die bei ungefähr einem Prozent der über 60-Jährigen eintritt, wobei Männer häufiger betroffen sind als Frauen. Die Krankheit beginnt bei einem Großteil der Patienten nach dem 50. Lebensjahr“ (apotheker.or.at)

    Eine Heilungsmöglichkeit gibt es bis heute nicht, jedoch kann man mittels Medikamente gegen die Symptome vorgegangen werden. Ein starke Wirkung von Marihuana-Öl bei Parkinson wird im Dokumentarfilm „Ride with Larry“ gezeigt – innerhalb weniger Minuten hört der Tremor auf. Eine weitere mögliche Behandlung ist „Deep Brain Stimulation“, zu deutsch Tiefe Hirnstimulation, ein neurochirurgisches Verfahren zur Behandlung von Bewegungskrankheiten – auch hier ein Video dazu)

    Erkrankte weltweit: zwischen 6 Millionen (WHO, zitiert nach parkinson-oesterreich.at) und rund 10 Millionen (Parkinson’s Disease Foundation und European Parkinson’s Disease Association)
    Erkrankte in Österreich: etwa 20.000 (parkinson-oesterreich.at)
    Erkrankte in Deutschland: 250.000 bis 280.000 (parkinson-gesellschaft.de)
    Erkrankte in der Schweiz: über 15.000 (parkinson.ch)

    Was kommt nach dem Prototypen?

    Microsoft hat dem weiteren Plan für das „Project Emma“ noch nicht genannt – aber dass sie es auf ihrer großen Entwicklerkonferenz vorgestellt haben, zeigt ganz offensichtlich, dass man diesen Prototypen weiter verbessern und schließlich auf den Markt bringen will.


    Weiterführende Links und Quellen:

    Bildquelle: Microsoft 

  • #127 Büstenhalter kann Brustkrebs entdecken

    Julian Rios Cantu, ein 18jähriger Mexikaner, hat einen Büstenhalter entwickelt und patentieren lassen, welche bereits frühe Anzeichen von Brustkrebs erkennen kann. Innerhalb des BHs befinden sich Biosensoren, welche die Temperatur, das Gewebe, die Durchblutung und die Färbung der Brust messen und erkennen. Dafür müssen Frauen den BH nur ein bis zwei Mal pro Woche tragen – die vom BH erhobenen Daten werden dann mittels Bluetooth an eine App übertragen, welche bei auffälligen Veränderungen Alarm schlägt.

    Der Grund, warum sich Cantu mit diesem Thema beschäftigt hat, hat persönliche Gründe: Bei seiner eigenen Mutter wurde vor zwei Jahren durch eine Mammographie Brustkrebs diagnostiziert. Zuerst dachten die DoktorInnen, dass es sich um einen gutartigen Tumor handelte – die Knoten waren jedoch bösartig. Deshalb musste sich seine Mutter einer Mastektomie unterziehen.

    Entwickelt hat er den BH mit seinen Freunden und gründete eine Firma. Der Prototyp ist zwar noch in den frühen Teststadien, das Ziel ist jedoch, den BH ab Dezember 2018 in den Handel zu bringen.

    https://www.youtube.com/watch?v=jM5-xGsW4N8


    Weiterführende Links und Quellen:

    Bildquelle: CC0 Public Domain, waldryano, Pixabay

  • #104 Flaschen auf Pflanzenbasis in Entwicklung

    In der 13.344-Einwohner Gemeinde Hard im westlichsten österreichischen Bundesland Vorarlberg ist der Firmensitz des weltweit agierenden Unternehmens ALPLA. Der Verpackungsmittelhersteller hat über 17.000 Mitarbeiter und erzielte 2016 einen Umsatz von 3,3 Milliarden Euro – seit 1955 produzieren sie Kunststoffverpackungen wie z.B. Flaschen, Verschlüsse oder Tuben.

    Doch das Erdöl wird knapper und damit auch Rohstoff zur Herstellung von Kunststoff. Deswegen forscht die chemische Industrie mit (nachwachsenden) Naturprodukten wie z.B. Zuckerrüben, Soja, Gras oder sogar Klärschlamm. Das Vorarlberger Unternehmen ist soweit, dass es jetzt bereits Flaschen herstellt, welche zu 30 Prozent aus Pflanzen wie Maisblätter, Getreidehalme oder Gras bestehen. (Dabei betonen sie, dass es sich dabei um Teile der Pflanzen handelt, die keine Nahrungsmittel sind.)

    Ziel ist es aber natürlich, dass die Flaschen irgendwann zu 100 Prozent aus „Pflanzenkunststoff“ bestehen. Ein Prototyp besteht bereits und mit der Qualität ist man äußert zufrieden: Die Haltbarkeit ist gegenüber normalen Plastikflaschen fünf bis zehn Mal höher, aufgrund der höheren Dichte der „Pflanzenflaschen“. Das bedeutet, dass weniger Kohlensäure herauskommt, und weniger Sauerstoff eindringen kann.

    Der bio-basierte Kunststoff nennt sich „Polyethylenfuranat“ (oder kurz: PEF). Er wird zu hundert Prozent aus pflanzlichen Rohmaterialen hergestellt und ist ebenso zu hundert Prozent vollständig recyclingfähig. Das aktuelle Problem für das Unternehmen ist, dass das dafür benötigte Sekundärrohstoff, das pflanzliche Granulat, nur in relativ geringen Mengen produziert wird. Bei ALPLA plant man aber, bereits in ungefähr fünf Jahren mit der Flaschenproduktion in größerem Stil starten zu können.


    Weiterführende Links und Quellen:

    Bildquelle: CC0 Public Domain, congerdesign, Pixabay