Schlagwort: Programmieren

  • #226 Programmierende Mädchen im indischen Slum

    Dharavi zählt mit einer Fläche von über 2 km² und über 1 Million Einwohnern zu den größten Slums Asiens bzw. der Welt. Für die unzähligen Kinder in diesem Slum in Mumbai, Indien, gibt es kaum bis gar keinen Zugang zu Bildung. Vor allem Mädchen wird ein Bildungsweg verwehrt – und genau das möchte Nawneet Rajan verändern. Er hat die Organisation Dharavi Diary gegründet.

    Das Besondere an der Organisation? Dort lernen die Mädchen nicht nur lesen, schreiben und rechnen – sondern auch, wie man programmiert. Und bereits jetzt sind einzelne Apps erschienen, die sich um soziale Probleme im Slum selbst bemühen. So hat die 17-jährige Ansuja Madival die App „Woman Fight Back“ entwickelt, welche Alarm-SMS an die Polizei versendet und Sirenen-Sound simuliert, wenn Frauen in Bedrängnis geraten. Die App von Fauzia Aslam Ansari (16) organisiert die Abholung und Verteilung des kommunalen Wassertanks. Für die Mädchen ist dieser Zugang zur Bildung von großer Bedeutung: Sie entwickeln ein neues Selbstbewusstsein, unterstützen ihre Eltern beim Lesen und Schreiben von Briefen oder führen von Telefonaten – und einige haben nun sogar Mutter-Tochter Workshops veranstaltet, die sich gegen die Tabuisierung von Menstruation gerichtet hat. #PeriodofChange behandelt ein Problem, dass viele junge Frauen vom Unterricht abhält.

    Dharavi Diary unterwegs

    Rajan startete das Projekt im Jahr 2012 mit 15 Mädchen. Er hatte zuvor einen lukrativen Job in San Francisco aufgegeben, um in seinem Herkunftsland zu helfen. Heute werden 200 SchülerInnen unterrichtet – und ja: seit dem Start im Jahr 2012 hat der Organisator die Schule auch für Buben geöffnet. Die überwiegende Mehrheit bleibt aber weiblich. Einige der Schülerinnen erster Generation arbeiten nun jetzt als Mentorinnen – und für Nawneet Rajan ist es schwer, die große Nachfrage zu beantworten – es mangelt an Raum und an LehrerInnen.

    Deshalb möchte er einen richtigen Schulbus starten – eine rollende Schule, die ab August von Ort zu Ort fährt, damit mehr Kinder in Dharavi Bildung erhalten.

    Finanziert wird das ganze Projekt übrigens durch Spenden, die Rajan in den USA sammelt. Ende des Jahres 2016 wurde das Projekt zudem mit dem Google Rise Award ausgezeichnet.


    Weiterführende Links und Quellen:

    Bildquelle: CC BY NC SA (2.0)Darrel Ronald, Mumbay – Darhavi Slums, Flickr

  • #146 Mit gebündelter Kraft Kinder zum Programmieren motivieren

    Die beiden gemeinnützigen Organisationen Raspberry Pi Foundation und CoderDojo haben sich nun zusammengeschlossen. Um zu verstehen, warum das eine gute Sache ist, müssen diese Organisationen vermutlich erstmal vorgestellt werden:

    Raspberry Pi Foundation

    Die Raspberry Pi Foundation brachte 2012 den Einplatinencomputer Raspberry Pi (sichtbar im Artikelbild) auf den Markt. Ziel war es, einen mehr als leistbaren, einfachen Computer zu verkaufen, auf dem junge Menschen beginnen, einerseits zu basteln und andererseits zu programmieren. Mit einem Startpreis von 5 bis 35 Dollar (je nach Modell) verkaufte sich der Raspberry Pi (in allen Modellen) bis Februar 2017 12 Millionen Mal.

    Große Unternehmen wie Google oder VMWare haben tausende solche Raspberry Pis an Kinder auf der ganzen Welt gesponsert, um „the next generation of computer scientists“ zu inspirieren.

    CoderDojo

    Diese gemeinnützige Organisation wurde 2011 in Irland gegründet. Seither sind weltweit Programmierclubs für Kinder und Jugendliche im Alter zwischen 7 und 17 Jahren entstanden, geführt von Freiwilligen. Aktuell organisieren sie 1.250 Workshops in insgesamt 69 Ländern der Welt. Bei diesen Workshops wurden mehr als 35.000 TeilnehmerInnen gezählt.

    Der Zusammenschluss

    Nun bündeln die beiden Organisationen ihre Kräfte, wobei sie trotz des sogenannten Zusammenschlusses als eigenständige Organisationen bestehen bleiben. Bis 2020 möchte man die von Coderdojo angebotenen Workshops vervierfachen. Bereits 2015 hat sich die Raspberry Pi Foundation mit der Organisation Code Club zusammengeschlossen. Auch das Code Club Netzwerk bietet Programmierclubs für Kinder zwischen 9 und 13 Jahren an – diese werden wöchentlich von 150.000 Kindern besucht.

    How will this work in practice? The two organisations will work together to advance our shared goals, using our respective assets and capabilities to get many more adults and young people involved in the CoderDojo movement. The Raspberry Pi Foundation will also provide practical, financial, and back-office support to the CoderDojo Foundation. (raspberrypi.org)


    Weiterführende Links und Quellen:

    Bildquelle: CC0 Public Domain, BenjaminNelan, Pixabay

  • #95 Schwedischer Vorstoß bei Vermittlung von (digitaler) Kompetenz

    Ab Juli 2018 wird es in Schweden eine Änderung des Lehrplans geben: Schon Kinder der 1. Klasse Grundschule sollen Programmieren lernen. Damit soll natürlich nicht nur das Erlernen einer Programmiersprache im Vordergrund stehen, sondern der allgemein von klein auf gelernte Umgang mit Computern und andere Endgeräten.

    „This means Sweden is taking the kind of approach we should have. Sweden should be a country where every kid in school is prepared for working life, and knowledge of programming needs to start early“ (Unterrichtsminister Gustav Fridolin, thelocal.com)

    Auch die Unterscheidung zwischen glaubwürdigen und unglaubwürdigen Quellen soll in Folge dieser Lehrplanänderung erlernt werden. Heutige Kinder und Jugendliche sind mit einer Vielzahl an Quellen konfrontiert, wenn sie nach (Nachrichten-)Inhalten suchen – deshalb ist es wichtig, den Kindern die Kompetenz, diese nach Glaubwürdigkeit zu filtern, beizubringen. Dies ist in ganz Schweden gerade ein großes Thema: Neben einer der beliebtesten schwedischen Comicfiguren, dem Bären Bamse hat auch der König selbst das Thema auf die Agenda gehoben.

    „There has been some naivety when it comes to the information society. An idea that all knowledge is just a short click away and we don’t need to know as much as we needed to before.“ […] „It’s the exact opposite: we need basic knowledge in reading, writing and numeracy so we can’t be tricked, but we also need to advance our criticism of sources to the same level as we previously taught students about scientific theory for example. You already need to have your first taste of this today at about the age of ten.“ (Unterrichtsminister Gustav Fridolin, thelocal.com)

    Auch in Österreich soll das Erkennen von Falschmeldungen in Schulen erlernt werden. Ebenso in Deutschland: die Tagesschau berichtete erst vor wenigen Tagen von einer Schule, die solche Lerninhalte vermittelt. Und in der Schweiz forderte der Präsident des Lehrerverbands bereits im November ein eigenes Fach für Medien(kompetenz).


    Weiterführende Links und Quellen:

    Bildquelle: CC0 Public Domain, Pexels, Pixabay