Wir kennen sie alle: diese kleinen Plastikdöschen mit Deckel aus Aluminium in denen 7,5 Gramm Kaffeesahne enthalten sind. Und wir alle wissen wohl, dass hier dem praktischen Nutzen ein – für diese geringe Menge – recht unnötiger Müll gegenübersteht. An der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg haben sie nun jedoch womöglich die Zukunft der portablen Milch vorgestellt: verpackungslose Milchkapseln, welche sich in warmen Getränken automatisch auflösen.
Die Milch hält sich in der Kapsel, weil es in Wahrheit ein Zuckerwürfel mit Milchfüllung ist. In der Presseaussendung der Universität wird beschrieben,
Die Herstellung der Kapseln ist relativ einfach: Zunächst wird eine Lösung aus Milch und dem gewünschten Zucker hergestellt, die in eine Form gegeben wird. Danach kühlt die Lösung ab, wobei der überschüssige Zucker an den Rand der Flüssigkeit wandert und sich dort Kristalle bilden. Im Inneren befindet sich dann eine Milch-Zucker-Lösung. (pressemitteilungen.pr.uni-halle.de)
Wer jetzt aber sagt, dass nur Kaffee ohne Zucker richtiger Kaffee sei: Keine Sorge. Bislang gibt es eine gesüßte und eine leicht gesüßte Milchkapsel. Es muss auch nicht immer Zucker sein, andere Stoffe sind auch denkbar. An einer zuckerfreien Lösung wird gerade noch getüftelt.
Für das Verfahren, Flüssigkeiten in ein Zuckerhülle zu geben, besitzt man seit 2015 ein Patent. Nun muss überprüft werden, ob dieses Konzept sämtliche Anforderungen für Lebensmittel erfüllt und ob diese Kapseln auch kostengünstig in großer Stückzahl hergestellt werden können.
Im Vorfeld der 15th St. Gallen Breast Cancer Conference und des 3rd Vienna Breast Surgery Day, welche von 14. bis 18 März 2017 in Wien stattfinden, hat die Medizinische Universität Wien aktuellen Zahlen veröffentlicht: Diese Zahlen, beruhend auf Datenquellen der Statistik Austria, erklären, dass die Sterblichkeit in Folge einer Brustkrebserkrankung in den vergangenen 30 Jahren in Österreich um ein Drittel gesunken ist.
Die Presseaussendung zum Thema befasste sich mit vielen verschiedenen Bereichen: Einerseits wird der Rückgang erwähnt, andererseits die Konferenz beschrieben. Diese findet zum fünfzehnten Mal statt – 5.000 Top-ExpertInnen für Brustkrebs kommen dabei zusammen und beschließen gemeinsam Therapieempfehlungen, die dann im klinschen Alltag als Leitlinien für die Brustkrebstherapie herangezogen werden. Später behandelt die Aussendung auch noch die größten Themen für die Konferenz: Die mögliche Übertherapie (eine Behandlung, von der eine PatientIn nicht profitiert, die aber wegen Nebenwirkungen ihre Lebensqualität beeinträchtigt) soll diesmal besonders hinterfragt werden.
Leider ließ mich diese Presseaussendung etwas ratlos zurück. Deshalb freut es ganz besonders, dass sich Professor Dr. Michael Gnant, Leiter des Brustgesundheitszentrums Wien, Vorstand der Universitätsklinik für Chirurgie der Medizinischen Universität Wien und ein international führender Brustkrebsspezialist die Zeit genommen hat, ein paar offene Fragen zu dem Thema per Mail zu beantworten. Vielen Dank dafür!
E-Mail-Interview mit Prof. Dr. Michael Gnant: „Grundsätzlich ist die Sterblichkeit in den meisten westlichen Industriestaaten etwa in dieser Größenordnung zurückgegangen.“
Entwicklung der Sterberate aufgrund von Brustkrebs in ausgewählten europäischen Ländern im Zeitraum von 1989 bis 2006 (Klicken zum Vergößern)
365 gute Dinge: In der Presseaussendung steht, dass die Sterblichkeit in Folge einer Brustkrebserkrankung in den vergangenen 30 Jahren um ein Drittel zurückgegangen ist. Bezieht sich dieser Rückgang auf Österreich, Europa oder die ganze Welt?
Prof. Dr. Michael Gnant: Dieser Rückgang bezieht sich primär auf Österreich. Grundsätzlich ist die Sterblichkeit in den meisten westlichen Industriestaaten etwa in dieser Größenordnung zurückgegangen, was einerseits auf verbesserte Früherkennung, andererseits (vor allem!) auf verbesserte Therapien zurückzuführen ist.
Haben Sie Informationen hinsichtlich der Weiter- und Neuentwicklung von Therapiekonzepten? Wann tauchten diese Konzepte in den vergangenen 30 Jahren auf, welchen Einfluss haben sie auf die Abnahme der Sterblichkeit?
In diesen drei Jahrzehnten wurden in allen Behandlungsmodalitäten wesentliche Fortschritte erzielt: In der Chirurgie die Weiterentwicklung operativer Verfahren, insbesondere die Definition der Brusterhaltung als chirurgischem Standard; in der medikamentösen Therapie die Subtyp-spezifische adjuvants (= Hormon-, Immun- und Chemotherapie. Vor allem auch Interdisziplinarität als Standard des ärztlichen Handelns, z.B. bei der Entwicklung und Standardisierung von neoadjuvanten Therapiekonzepten ist zu nennen, ebenso wie natürlich auch die erfolgreiche Entwicklung neuer Medikamente. Den Beitrag der einzelnen Fortschrittsbeiträge zur Senkung der Sterblichkeit auseinanderzudividieren, ist epidemiologisch-technisch kaum möglich, da viele dieser Entwicklungen parallel erfolgten.
Begriffserklärung: adjuvant/neoadjuvant
Eine adjuvante Therapie wird nach einem operativen Eingriff zur Entfernung des Tumors durchgeführt, um etwaige, bislang nicht sichtbare Tumorzellen abzutöten. (Wikipedia)
Eine neoadjuvante Therapie wird bereits vor dem geplanten operativen Eingriff durchgeführt, um eine Reduktion der Tumormasse herbeizuführen. (Wikipedia)
In der Presseaussendung wird angekündigt, dass die Lebensqualität für die PatientInnen ein wesentliches Ziel sein müsse: Können Sie mir erklären, wie man die Lebensqualität der Betroffenen verbessern möchte? Oder hängen hier, wie es in einem späteren Absatz erklärt wird, Lebensqualität und Übertherapie zusammen?
Bessere Erfolge der Therapie ergeben grundsätzlich auch bessere Lebensqualität, da naturgemäß der gesunde bzw. geheilte Mensch die beste Lebensqualität hat. Darüberhinaus gibt es zahlreiche Einzelentwicklungen, die gleiche oder bessere Therapieerfolge mit weniger Nebenwirkungen / ungünstigen Folgen für die Betroffenen ermöglichen. Z.B. die Vermeidung verstümmelnder Operationen, oder die Entwicklung von Begleittherapien, die die Nebenwirkungen von systematischen Behandlungen eliminieren oder lindern.
Sie schreiben „Interdisziplinäre Therapiekonzepte und molekularbiologische Ansätze haben daran einen großen Anteil“ – können Sie das bitte für einen Laien erläutern: Was sind molekularbiologische Ansätze bei der Behandlung von Brustkrebs?
Einer der wesentlichen Fortschritte im beschriebenen Zeitrahmen liegt in der wissenschaftlichen Erkenntnis, dass es verschiedene Subtypen von Brustkrebs gibt, die jeweils eine spezifische Behandlung benötigen. Das führt im Sinne der „personalisierten“ Medizin dazu, dass wir immer genauer und zielgerichteter auf die individuelle Situation der Betroffenen eingehen können – durch solcherart „maßgeschneiderte“ Therapien reduziert sich die Therapie- (und Nebenwirkungs-!)last naturgemäß, da wir viel besser in der Lage sind, die/den einzelnen PatientIn nur mit jenen Therapie zu belasten, die für ihn/sie auch tatsächlich wirksam und geeignet sind.
Quelle für Grafik: BMUB. (n.d.). Entwicklung der Sterberate aufgrund von Brustkrebs in ausgewählten europäischen Ländern im Zeitraum von 1989 bis 2006. In Statista – Das Statistik-Portal. Zugriff am 12. März 2017, unter diesem Link.