ForscherInnen der University of California haben die weltweit ersten Flip-Flops vorgestellt, die mit Algenöl produziert werden. Durch diese Entwicklung sollen aktuell verwendete Sohlen (bei deren Entstehung Erdöl verwendet wird) verschwinden und damit auch die Gefahr gebannt werden, dass weiterhin die jährlich 3 Milliarden Stück, die weltweit verkauft werden, in Deponien, Flüssen und schließlich den Ozeanen landen. Gerade dort ist Polyurethan, der Hauptbestandteil von Schuhsohlen, einer der größten Schadstoffe.
Flip-Flops sind in Indien, China und Afrika die beliebtes Schuhbekleidung – deshalb dürfen die Algen-Flip-Flops kein sündhaft teuren Bio-Lösung werden. Das wissen auch die ForscherInnen: Mit dem Start der industriellen Herstellung solcher Flip-Flops soll ein Paar gerade einmal drei US-Dollar kosten.
Drei Professoren gründeten das Unternehmen Algenesis Materials, dort sind ausschließliche Studierende beschäftigt. Hier wird auch weitergeforscht: Aktuell sind diese Flip-Flops kompostierbar – in Zukunft möchte man aber auch versuchen, das Algenöl zurückzugewinnen (um aus alten, verschlissenen wieder neue Flip-Flops werden zu lassen).
Wenn man sich ein Essen zum Mitnehmen bestellt, bekommt man das in Bechern, in einer Alu- oder Styroporbox oder in einem Karton. Das hält zwar (meist) die Speisen warm, landet dann aber sogleich im Müll. Das Schweizer Unternehmen reCIRCLE möchte dieser Tatsache mit der Einführung von Mehrwegverpackungen entgegentreten.
Wohlgemerkt: Es geht hier nicht um die Verhinderung von Müll – auch die Mehrwegverpackungen Rebox bestehen aus Kunststoff. Aber PBT (Polybutylenenterephtalat) kann mindestens 100 Mal wiederverwendet werden. Laut der Gründerin Jeannette Morath ist aber der 7. Nutzung die CO2-Bilanz vom Mehrweggeschirr besser als jene vom Einweggeschirr.
Eine Form der reBOX
Doch wie soll das funktionieren? Lokale bieten neben dem Einweggeschirr auch die Mehrwegverpackungen an – dafür zahlt man zwar 10 Franken Pfandgebühr, bekommt das aber bei geglückter Rückgabe natürlich auch wieder zurück. Zurückgeben kann man reBOX dann bei allen teilnehmenden Lokalen und Restaurants. In der Schweiz gibt es bislang 70 Restaurants, die meisten davon in Bern – auf einer Karte kann man sich die an reCIRCLE teilnehmenden Unternehmen ansehen. Und auch in Stuttgart, Deutschland hat reCIRCLE schon losgelegt.
Was reCIRCLE jetzt noch braucht, sind zahlreiche weitere teilnehmende Lokale. Erst dadurch wird es für die KundInnen einfacher, das Mehrweggeschirr zu verwenden – solange sie auch bereit sind, die recht hohe Pfandgebühr zu bezahlen. Wobei das wahrscheinlich auch dazu führt, dass man eher gewillt ist, das Geschirr auch wieder zurückzugeben.
Das Münchner Start-up „leaf republic“ hat zugegebenermaßen keine neue Idee: Im asiatischen Raum kennt man schon lange die Vorteile von Pflanzenblättern als Essensunterlage und Geschirr. Doch die Deutschen wollen die Arbeit mit Blättern weiterdenken und auch in Europa zeigen, was in ihren Fasern steckt: Das Produkt von „leaf republic“ ist eine mehrschichtige Naturschale aus Laubblättern, wasserfestem Laub-Papier und noch einer Schicht Laubblätter. Darin befinden sich, wie das Unternehmen betont, keine synthetischen Zusätze, keine Farbe, kein Kleber und außerdem musste kein Baum dafür gefällt werden. Und innerhalb von 28 Tagen ist dieser Schale auch schon wieder verschwunden – und damit vollkommen biologisch abgebaut.
Die Idee zum Produkt kam den GründerInnen von „leaf republic“ während einer Weltreise, wo sie selbst das Pflanzengeschirr in Aktion erlebten – und natürlich im Gedanken, den Plastikmüll zu verringern. Produziert wird in Deutschland, doch das Unternehmen steht aktuell noch vor einem Problem: Europäischem Laub fehlt es bislang an der Formstabilität und Biegsamkeit. Doch die ForscherInnen im Team suchen bereits nach einer Lösung. Solange importieren sie passendes Laub aus Indien.
Teilnehmende Unternehmen werden mit diesem Sticker markiert.
Das Projekt „Refill Berlin“ hat ein Ziel: Der Gebrauch von Einwegflaschen aus Plastik soll reduziert werden. Daher bieten bislang zehn Orte (Lokale, Shops usw.) an, dass leere Flaschen kostenlos und offiziell mit Leitungswasser nachfüllt werden.
Die Idee tauchte in Deutschland eigentlich erstmals in Hamburgauf und hat sich bislang in sieben deutsche Städte verbreitet. In Berlin beteiligen sich auch die Berliner Wasserbetriebe an dem Projekt: Dort können sich Unternehmen die blauen Aufkleber besorgen, die sie dann neben dem Eingang außen anbringen sollen.
„Wir wollen Trinkwasser aus der Leitung für alle Menschen zugänglich machen – auch unterwegs“, erklärt Lena Ganssmann von a tip: tap, einer Initiative, die sich für frei zugängliches Leitungswasser einsetzt. „So vermeiden wir den Müll der Plastikflaschen – und die beteiligten Geschäfte werben für sich als jemand, der Nachhaltigkeit unterstützt.“ (Pressemitteilung der Berliner Wasserbetriebe)
Der Verein „a tip: tap“ hat es sich zur Aufgabe gemacht, das Leitungswasser wieder mehr Aufmerksamkeit zukommen zu lassen.
Im Jahr 2015 verbrauchte der bzw. die Durschnittsdeutsche noch 68 Plastiktaschen pro Jahr. Ein Jahr später sind ist der Pro-Kopf-Verbrauch auf 45 Taschen pro Jahr gesunken. Laut aktuellen Zahlen der Gesellschaft für Verpackungsforschung sank der Verbrauch von 5,6 Milliarden Taschen pro Jahr auf 3,6 Milliarden – ein Rückgang von einem Drittel.
Die Gründe dafür sind vielfältig: Modeketten wie H&M oder C&A haben 2016 begonnen, Gebühren für die Einkaufstaschen zu verlangen – allein damit sank die Ausgabe von Taschen um 50 Prozent. Supermärkte wie Real, Penny, Lidl oder Rewe haben Plastiktaschen komplett aus ihren Geschäften verbannt. Insgesamt verlangen seit Juli 2016 über 350 Unternehmen Geld für jede ausgegebene Plastiktasche.
Eine Alternative, die Papiertaschen, sind zwar gut recyclebar, werden sie aber nur ein- oder zweimal genutzt, schneiden sie auch hier in der Ökobilanz schlecht ab. Ihr Herstellung verbraucht nämlich viel Wasser und Energie. (Wobei sie natürlich grundsätzlich viel ökologischer sind als ihre Plastikpendants.) Perfekt hingegen sind Stoffbeutel. Sie sind extra für eine häufige Nutzung ausgelegt und können einen über Monate oder gar Jahre hinweg begleiten.
Bei einem ganz normalen Einkauf kommt man mit nicht nur mit Lebensmitteln nach Hause – sondern auch mit einer Unmenge an Verpackungsmaterial, dass im Müll landet. Nach und nach öffnen auch einzelne „Unverpackt“-Läden: Dabei wird ganz bewusst auf unnötiges Verpackungsmaterial und vor allem Plastik verzichtet. Doch in großen Supermarktketten wie Spar, Rewe oder Edeka gibt es nur ein langsames Umdenken.
Doch nun startet ein kleiner Testlauf der Rewe-Gruppe (in Deutschland: Rewe und Penny; in Österreich: Merkur, Billa, Penny; in der Schweiz: seit 2011 nicht mehr aktiv). Seit Anfang Juni gibt es ihre Bio-Äpfel in Schachteln aus Graspapier.
Das Graspapier besteht zu 60 Prozent aus Holz und zu 40 Prozent aus sonnengetrocknetem Gras. Doch warum soll das besser sein als Karton?
Laut Rewe gibt es mehrere Vorteile:
Gras ist ein Rohstoff, der sehr schnell nachwächst
die Produktion von Graspellets ist wasser- und energiesparender als bei konventioneller Papierherstellung
bei der Produktion entstehen deutlich weniger Treibhausgasse
außerdem kommt dabei keine Chemie im Einsatz
„Insgesamt könnten so zukünftig bei 1 Million Verpackungseinheiten über eine halbe Tonne Treibhausgase (CO2-Äquivalente) im Vergleich zu bestehenden Apfelverpackungen (Trays) eingespart werden. Ebenso kann ca. 10 Prozent Energie eingespart werden.“ (rewe-group.com)
Zum allerersten Mal trafen sich VertreterInnen der Vereinten Nationen zu einer Meereskonferenz. Nach fünf Tagen haben sich alle 193 Mitgliedsstaaten auf eine gemeinsame Vorgehensweise geeinigt. So wollen sie die Ozeane „konservieren und nachhaltig“ nutzen und gaben 1.300 Selbstverpflichtungen für Meeresschutzprojekte ab.
8.000 TeilnehmerInnen, darunter RegierungsvertreterInnen, Staatschefs und -chefinnen und MeeresexpertInnen, trafen sich von 5. bis 9. Juni 2017 im Sitz der Vereinten Nationen in New York. Herausgekommen ist ein „Call for Action“, mit 14 Punkten, an die sich alle Staaten halten sollten. Peter Thomson, der Präsident der Generalversammlung, spricht sogar davon, dass sich für alle Beteiligten die Beziehung zu den Ozeanen verändert habe. „Von jetzt an könne niemand mehr sagen, dass man „von dem Schaden, den die Menschheit den Ozeanen angetan hat, nichts wusste“ (dw.com).
Die Konferenz hat nun viele Absichterklärungen gebracht – jetzt müssen die Staaten diese auch in nationale Politik umsetzen und durchsetzen. In Europa hat die EU zugesichert, „Westafrika mit 15 Millionen Euro zu unterstützen, um vor Ort eine nachhaltige Fischerei aufzubauen. Für das Management bestehender Meeresschutzgebiete will Europa 60 Millionen Euro beisteuern, vorwiegend in Entwicklungsländern. In europäischen Gewässern soll die Meeresverschmutzung angegangen werden, dazu will Brüssel Reduktionsziele für den Meeresmüll vorgeben“ (sueddeutsche.de)
Kritik kommt von Umweltorganisationen: Einerseits begrüßen sie die Erklärung, sehen aber keinen Mechanismus, der überprüft, ob die einzelnen Staaten ihre Selbstverpflichtungen auch schaffen. Mit dem Seerechtsübereinkommen (SRÜ) von 1982 gibt es eigentlich schon einem umfassenden Rahmenvertrag der UN für zahlreiche Länder – durch die rapide fortschreitende Verschmutzung und Überfischung scheint nun etwas mehr Schwung in die ganze Sache zu kommen.
Asiatische Staaten versprechen Veränderung
China, Thailand, Indonesien und die Philippinen haben sich im Rahmen der Konferenz. Anfang 2016 wurde diese vier Länder (gemeinsam mit Vietnam) für mehr als die Hälfte des gesamten Plastikmülls in den Meeren verantwortlich gemacht. Laut Oceans Conservancy sollen sogar rund 60 Prozent des gesamten Plastikmülls, das pro Jahr im Meer landet, aus diesen fünf Staaten kommen.
Thailands Regierung hat eine 20-Jahres-Strategie entwickelt um das Problem zu bekämpfen. In Indonesien startet die Regierung ein Programm um Schulkinder zu bilden. Die Philippinen entwickeln neue Gesetze.
Indonesien, die Inselgruppe mit über 17.000 Inseln, ist nicht nur auf Platz 15 der Weltrangliste, wenn man nach der Größe geht, oder auf Platz 4, wenn es um die Einwohneranzahl geht. Laut der US-amerikanischen gemeinnützigen Umwelt-Interessenvertretung Oceans Conservancy ist das Land noch woanders auf einem Topplatz: Indonesien versenkt die zweithöchste Menge an Plastik in die Meere – einzig China liegt auf dem traurigen ersten Platz.
Maniok (Manihot esculenta), eine Illustration aus Köhler’s Medizinal-Pflanzen
Der indonesische Unternehmer Kevin Kumala möchte das gerne ändern. Sein Unternehmen Avani stellt deshalb biologisch abbaubare Einkaufstüten her. Sein Rezept besteht aus Maniokstärke, pflanzliches Öl und organische Harze. Maniok ist eine relativ günstiges Nutzpflanze, andere Namen für die Pflanze sind Mandi’o (Paraguay), Mandioca (Brasilien, Argentinien, Paraguay), Cassava, Kassave oder im spanischsprachigen Lateinamerika Yuca. Indonesien liegt bei der Produktion mit 23.436.384 Tonnen Maniok im Jahr 2014 übrigens auf Platz 3, nur Thailand und Nigeria produzieren mehr.
In den Einkaufstaschen ist daher kein Erdöl, sie sind kompostierbar und biologisch abbaubar. Selbst wenn Land- oder Wassertiere dieses Tasche fressen, ist es sicher für sie. Und wenn es irgendwann schlussendlich im Wasser landet, dauert es 150 Tage oder weniger, bis es sich komplett aufgelöst hat.
Das Problem ist nur, dass jetzt noch viel Überzeugungsarbeit passieren muss: Eine Nicht-Plastiktasche kostet ungefähr das Doppelte einer Plastiktasche – und staatliche Förderung für einen Wechsel von Plastik auf biologisch abbaubare Produkte gibt es (noch) nicht.
Kevin Kumalas Unternehmen bietet aber nicht nur Einkaufstaschen an. Auch kompostierbare Kaffeebecher, Holzbesteck, Papierstrohhalme, Ponchos aus Cassava, Maisstärkeprodukte, Essensverpackungen aus Zuckerrohr gibt es bei Anavi Eco. Das neueste Produkt sieht man in diesem Bild: Kosmetiktücher aus mindestens 90 Prozent Weizenstroh.
Kjell Inge Røkke, der zehntreichste Mann Norwegens, möchte einen Großteil seines Vermögens für die Beseitigung von Plastikmüll aus den Weltmeeren benutzen. Gemeinsam mit der Umweltschutzorganisation WWF lässt er nun „ein Forschungsschiff bauen, das bis zu fünf Tonnen Müll am Tag vom Meeresboden aufsaugen und schadstofffrei verbrennen kann“.
Wie viel dieses Forschungsschiff kosten wird, ist nicht bekannt – Røkke will aber die kompletten Kosten übernehmen, auch für die geplante 30- bis 60-köpfige Mannschaft. Das 181 Meter lange Schiff soll dann die Atmosphäre und den Meeresboden bis zu 6.000 Meter Tiefe und 20 Meter unter dem Meeresboden untersuchen können. Ab 2020 soll das Schiff dann in See stechen.
Anfang des Jahres haben sich vierzig Weltkonzerne selbstverpflichtet, hinsichtlich der Verwendung und Wiederverwertung von Plastik einen Wandel herbeizuführen – ausgehend von einer Initative der Rekord-Weltumseglerin Ellen MacArthur.
Plastik ist ein wunderbares Verpackungsmaterial – nicht umsonst hat es sich derart durchgesetzt und ist nur schwer aus dem Alltag wegzudenken. Doch Plastik erzeugt vor allem auch eines: Unglaublich viel Müll. Das Problem dabei ist, dass Kunststoffe kaum biologisch abbaubar – zwischen 100 bis 400 Jahre dauert es, bis es sich in der Natur zersetzt. Aus diesem Grund versucht man in den vergangenen Jahren entgegenzusteuern, durch Verbote von Plastiktaschen und der Suche nach neuen, verlässlichen Verpackungsmaterialen. Doch nun könnte Hilfe von unerwarteter Seite kommen: durch die Larve der „Großen Wachsmotte“ (Galleria mellonella).
Bislang kannte man sie vor allem als Parasit in Bienenstöcken. Federica Bertocchini, eine Wissenschaftlerin und Amateur-Imkerin, hat sie ebenfalls auf diesem Weg kennengelernt. Sie sammelte die Wachsmotten von ihren Bienenwaben ab, steckte sie in eine Plastiktüte und erkannte später, dass sich die Larven Löcher hineinfraßen und daraus entkamen.
Polyethylen ist mit einem Anteil von ca. 38 Prozent der weltweit am meisten verbrauchte Kunststoff. Im Jahr 2011 wurden 190 Millionen Tonnen Kunststoffe (Polypropylen, Polystyrol, ABS, PVC, PET, Polycarbonat, Polyethylen) verbraucht. PE-LD hatte daran einen Anteil von 10 Prozent, PE-LLD von 11 Prozent und PE-HD von 17 Prozent (de.wikipedia.org)
Nach diesem Zufall musste sie unbedingt erforschen, wie die Larven das geschafft haben: Gemeinsam mit ihren KollegInnen führte sie systematische Experimente durch. Es zeigte sich: Die Larven können das Polyethylen (PE) in Wahrheit gar nicht essen, sie zersetzen es richtiggehend. Es reicht bereits der Kontakt mit den Larven oder den Mottenpuppen, um das Polyethylen zu zersetzen. Selbst getötete und zerkleinerte Larven lösten den PE-Abbau aus.
Doch warum kann das die Galleria mellonella? Dazu muss man wieder zurück zu den Bienen: Die Wachshülle des Bienenstocks ist selber ein Polymer, eine Art „natürliches Plastik“. Die chemische Struktur davon ist der von Polyethylen nicht unähnlich. „‚Es hat eine chemische Struktur, die dem von Polyethylen nicht unähnlich ist.‘ [sagt Co-Autor Paolo Bombelli.] Beide Moleküle besitzen ein Gerüst aus Kohlenwasserstoffen, in dem CH2-CH2-Bindungen eine wichtige Rolle spielen. Genau an diesen Bindungen setzt das Mottenlarven-Enzym offenbar an und zerlegt das Polyethylen in Ethylenglykol-Fragmente, wie Analysen nahelegen.“
https://www.youtube.com/watch?v=66DcXYOGc9o
Es wäre jetzt natürlich nicht wirklich sinnvoll, diese Larve in zu großem Ausmaß zu züchten und dann auf Deponien abzuwerfen – es soll ja nicht von einer Plastik- zu einer Larvenplage kommen. Deshalb versuchen die ForscherInnen nun jenes für den PE-Abbau zuständige Enzym zu isolieren. Bertocchini warnt nach diesen ersten Forschungsergebnissen aber vor zu viel Euphorie:
„Wir müssen etwas vorsichtig sein. Was bisher feststeht: Die Raupe frisst Plastik und zwar schnell, das ist phänomenal. Aber wir müssen noch den genauen biologischen Mechanismus finden. Es öffnet sich quasi gerade eine neue Tür – was sich dahinter befindet, werden wir noch erkunden.“ (swr3.de)
Für PET (Polyethylenterephthalat), z.B. für Kunststoffflaschen oder Textilfastern verwendet, gibt es übrigens ebenfalls einen hungrigen Organismus. 2016 entdeckte man das Bakterium „Ideonella sakaiensis“ – und auch hier hofft man auf eine Chance, in Zukunft PET biologisch abbauen zu können.
Update 31. August 2017: Streit um Forschungsarbeit
Wie Christoph Seidler im Spiegel berichtet, zweifeln nun deutsche ForscherInnen der Universität Mainz die Ergebnisse an. Sie sehen Schwachstellen und fehlende Kontrollexperimente. Laut ihnen würden die Larven zwar das Plastik essen, aber es nicht zersetzen, sondern unverdaut wieder ausscheiden. Laut ihnen hätte der Gutachter den wissenschaftlichen Ausgangsartikel für das Fachmagazin Current Biology nicht durchgehen lassen dürfen.