Schlagwort: Pflanze

  • #201 „leaf republic“ macht aus Blättern Geschirr

    Das Münchner Start-up „leaf republic“ hat zugegebenermaßen keine neue Idee: Im asiatischen Raum kennt man schon lange die Vorteile von Pflanzenblättern als Essensunterlage und Geschirr. Doch die Deutschen wollen die Arbeit mit Blättern weiterdenken und auch in Europa zeigen, was in ihren Fasern steckt: Das Produkt von „leaf republic“ ist eine mehrschichtige Naturschale aus Laubblättern, wasserfestem Laub-Papier und noch einer Schicht Laubblätter. Darin befinden sich, wie das Unternehmen betont, keine synthetischen Zusätze, keine Farbe, kein Kleber und außerdem musste kein Baum dafür gefällt werden. Und innerhalb von 28 Tagen ist dieser Schale auch schon wieder verschwunden – und damit vollkommen biologisch abgebaut.

    Die Idee zum Produkt kam den GründerInnen von „leaf republic“ während einer Weltreise, wo sie selbst das Pflanzengeschirr in Aktion erlebten – und natürlich im Gedanken, den Plastikmüll zu verringern. Produziert wird in Deutschland, doch das Unternehmen steht aktuell noch vor einem Problem: Europäischem Laub fehlt es bislang an der Formstabilität und Biegsamkeit. Doch die ForscherInnen im Team suchen bereits nach einer Lösung. Solange importieren sie passendes Laub aus Indien.

    So sieht die Produktpalette aus:

    https://www.facebook.com/leafrepublic/photos/a.584842734867418.1073741827.584832064868485/1376380972380253/?type=3&permPage=1

    PULS, das junge Programm des Bayerischen Rundfunks, hat erst kürzlich über die Teller aus Laubblättern berichtet:

    https://www.youtube.com/watch?v=iN3_Fg5PsmM


    Weiterführende Links und Quellen:

    Bildquelle: CC0 Public DomainPexelsPixabay

  • #144 Abgestorbenes Seegras als Dämmung

    Abgebrochenes Seegras landet meistens am Strand rum, sieht aus wie Heu und noch dazu stinkt es, wenn es nass ist. Nicht gerade die besten Merkmale, um bei BetreuerInnen der Strände für Freudentänze zu sorgen. Deshalb versucht man das Seegras so rasch wie möglich vom Strand wegzuschaffen und zu entsorgen.

    Doch das tote Pflanzenmaterial kann nicht nur so am Strand rumliegen – es kann auch richtig gut Dämmen: Wie das Magazin enorm erklärt, hat es nicht nur gute Isoliereigenschaften, sondern auch eine „bessere Ökobilanz, da es fast unverarbeitet verbaut wird. Zudem ist es resistent gegen Schimmel und Ungeziefer“.

    Durch Zufall stieß der Architekt Richard Meier im Spanienurlaub 2006 auf das Seegras, nahm etwas davon mit nach Deutschland und ließ es vom Frauenhofer-Institut überprüfen. „Das Ergebnis bestand darin, dass dieses Material durch seine silikathaltige Struktur gute Wärmespeicherfähigkeiten aufweist, relativ schwer entflammbar sowie gegen Feuchtigkeit und Schimmel resistent ist“ (hausjournal.net). Ein Jahr später, im Jahr 2007, erhielt er schließlich das Patent für sein Produkt „NeptuTherm„.

    Meier starb Ende des Jahres 2016 überraschend an einem Herzinfarkt – seine Frau Monika und Sohn Michael führen aber „in seinem Sinne“ das Unternehmen weiter. Sie beziehen das Seegras aus Tunesien und Albanien. Selbst trotz des Transportweges hinterlässt es einen deutlich geringeren ökologischen Fußabdruck als vergleichbare Dämmmaterialien.

    Ich finde, wenn die Natur uns das schenkt, dann sollten wir das auch annehmen. (Richard Meier, swr.de)

    Preislich spielt Seegras im „preislichen Mittelfeld des Dämmstoffmarktes“. Der Quadratmeterpreis liegt zwischen 24 und 35 Euro. „Mit gängigen Dämmmaterialien wie Stein- und Glaswolle oder Polystyrolen (EPS, XPS), aber auch mit Naturstoffen wie Flachs und Hanf lässt sich ein Gebäude zum Teil deutlich günstiger dämmen, der Vorteil von Seegras besteht demgegenüber in seiner zu 100 % ökologischen Qualität“ (hausjournal.net).

    Auch Jörn Hartje, eigentlich Ornithologe, ist auf Seegras gestoßen – an der Ostsee. Er hat sein eigenes Haus damit gedämmt und Freunde wollten es ihm gleichtun. So hat er die Firma „Seegrashandel“ gestartet.

    Die Idee, Seegras als Dämmmaterial zu verwenden ist nicht neu: „Im 18. Jahrhundert war Seegras der erste kommerziell gehandelte Dämmstoff, sagt Hartje. In der USA sei er sehr verbreitet gewesen, zum Beispiel wurde das Rockefeller-Center mit Seegras gedämmt“ (enorm-magazin.de).

    Der große Nachteil, sowohl für Hartje als auch für Meier ist, dass oft nicht vorhersehbar ist, wo, wann und wie viel Seegras angespült wird – das erfordert schnelle Reaktion, rasches Handeln und gute Koordination.


    Weiterführende Links und Quellen:

    Bildquelle: CC0 Public Domain, cocoparisienne, Pixabay

  • #43 Senkrechte Wälder für smoggeplagte, chinesische Großstädte

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    So sollen die beiden Hochhäuser in Nanjing aussehen – Konzeptgrafik von stefanoboeriarchitetti.net

    Die Bilder aus dem smogbedingt sonnenlosen Peking kennen wir wahrscheinlich alle – falls nicht, hier entlang. Doch China versucht einen Weg aus dieser Misere zu finden: Eine Idee ist es, Hochhäuser mit vertikalen Gärten/Wäldern zu bauen. Nun sind zwei Hochhäuser in Nanjing geplant: Die „Vertical Forest“ oder „Nanjing Green Towers“ sollen 2018 fertig gestellt werden – die Pflanzen, mit denen die beiden Hochhäuser bedeckt sein werden, würden in einem klassischen horizontalen Garten rund 6.000 Quadratmeter brauchen.

    Das Architekturteam Stefano Boeri erklärt in ihrem Statement, warum das gerade für smoggeplagte Städte eine gute Sache sei:

    Along the facades, 600 tall trees, 500 medium-sized trees (for a total amount of 1,100 trees from 23 local species) and 2,500 cascading plants and shrubs will cover a 6,000 Sqm area. A real vertical forest, contributing to regenerate local biodiversity, that will provide a 25 tons of CO2 absorption each year and will produce about 60 kg of Oxygen per day. (stefanoboeriarchitetti.net)

    Zwei Hochhäuser mit vertikalen Gärten gibt es bereits – das allererste in Mailand, das zweite steht in Lausanne in der Schweiz. Beide wurden vom selben Architekturteam umgesetzt, das nun für Nanjing verantwortlich ist.

    Das Video geht auf die Pläne ein und erklärt, was damit erreicht werden soll:

    In weiterer Folge sollen auch weitere Hochhäuser in China entstehen – z.B. in Shanghai, Shijiazhuang und Liuzhou.


    Weiterführende Links und Quellen:

    Bildquelle:  Pressebild, stefanoboeriarchitetti.net

  • #42 Quinoa mögliche Lösung für Nahrungsmittelknappheit

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    UN DESA (Population Division). (n.d.). Weltbevölkerung von 1950 bis 2015 (in Milliarden). In Statista – Das Statistik-Portal. Zugriff am 11. Februar 2017, Link zur Statista

    Die Weltbevölkerung wächst und wächst: Im Zeitraum von nur 65 Jahren wuchs die Zahl der Menschen auf dieser Erde um 4,82 Milliarden. (Siehe Abbildung). Der rasante Anstieg flacht aber laut Prognosen im Laufe dieses Jahrhunderts wieder ab – und doch: Am Ende wird es 2050 9,73 Milliarden und 2100 schließlich 11,21 Menschen auf dieser Erde geben.

    Forscherteams auf der ganzen Welt machen sich deshalb (wissenschaftliche) Gedanken darüber, wie man diese, im Laufe des Jahrhunderts rund 10 Milliarden Menschen ernähren kann, ohne dabei die Natur und die Tierwelt nachhaltig zu schädigen. ForscherInnen, die den Gencode der Quinoa-Pflanze geknackt haben, glauben, damit die Lösung für die schon heute bestehende und immer stärker werdende Nahrungsmittelknappheit gefunden zu haben.

    Quinoa-Fakten

    Quinoa wird eigentlich ‚kienwah‘ ausgesprochen, doch ‚kinoa‘, wie es die spanischstämmige Bevölkerung Boliviens ausspricht, hat sich auch im Westen durchgesetzt.

    Die „Mutter aller Körner“, wie die Inkas Quinoa bezeichneten, wird bereits seit über 5.000 Jahren kultiviert. Etwas überraschend gehört es zur gleichen Familie wie Rüben, Mangold und Spinat – daher zählt man Quinoa auch zum „Pseudogetreide“. Neuerdings zählt es neben Chiasamen, Amaranth usw. zu den sogenannten Superfoods.

    Aber warum gerade Quinoa? Der Hauptgrund ist, dass die Pflanze unglaublich belastbar ist: So wächst es auch auf schlechten und salzigen Böden. Außerdem bietet die Pflanze eine ausgewogenere Nährstoffquelle für Menschen als Getreide. So enthält Quinoa fast zweimal soviel Ballaststoffe als die meisten anderen Getreideprodukte. Zudem gehört dieses Lebensmittel zu den eiweißreichsten weltweit – es liefert alle 9 essentiellen Aminosäuren. Außergewöhnlich ist zudem die ganz spezielle Aminosäure Lysin – die ist selten in pflanzlichen Lebensmitteln vorhanden, in Quinoa jedoch sehr stark: Lysin ist im Körper für das Gewebewachstum und Reparatur sehr wichtig.

    Das Forschungsteam der King Abdullah University of Science and Technology in Saudi Arabien hat zuerst die Genstruktur der Pflanze aufgeschlüsselt. Durch dieses entstandene Verständnis des genetischen Aufbaus von Quinoa ist es nun möglich, durch herkömmliche Zuchtmethoden die Pflanze in der Form zu verändern, um sie noch strapazierfähiger, die Pflanzen ertragreicher oder auch geschmacklich süßer zu machen.

    Denn einer der größten Nachteile von Quinoa ist – so blöd wie es auch klingen mag – der Geschmack. Um sich im Hochland vor Insekten – und Vogelfraß zu schützen, entwickelt Quinoa eine Substanz namens Saponin. Diese Substanz gibt Quinoa einen etwas bitteren Beigeschmack. Auch hier glaubt das Forschungsteam das zuständige Gen gefunden zu haben – wird dieses bei der Zucht abgeschwächt könnten die Samen geschmacklich süßer werden.


    Weiterführende Links und Quellen:

    Bildquelle:  CC0 Public Domain, Jai79, Pixabay