Schlagwort: Pestizide

  • #100 Studie: Gleichbleibende Nahrungsmittel-Produktion in Frankreich trotz Pestizid-Reduktion möglich

    Alle französischen Bauernhöfe und Farmen könnten ihre Pestizidnutzung massiv herunterfahren und würden dabei immer noch gleich viel Nahrungsmittel produzieren wie zuvor. In Wahrheit könnten sogar Dreiviertel aller Farmen komplett auf chemische Pestizide verzichten, ohne dabei finanzielle Einbußen zu spüren. Zu diesen Schlüssen kam eine Forschungsgruppe der COMUE Université Bourgogne Franche-Comté und des French National Institute for Agricultural Research. Sie hat die Ergebnisse ihrer neuen Studie Anfang März 2017 im Fachjournal (mit peer-review) „Nature Plants“ präsentiert.

    Die Forscher analysierten für ihre Studie die Pestizidnutzung, Produktivität und Profitabilität von 946 Farmen jeglicher Größe in ganz Frankreich. Dabei erkannten sie z.B., dass eine höhere Pestizidnutzung bei 77 % der Farmen nicht mit größeren Gewinnen einhergingen – hier könnte sowohl Pestizide als auch Geld eingespart werden.

    Selbstauferlegtes Ziel

    Für Frankreich(s Politik) ist diese Studie natürlich spannend: Eigentlich beschloss man 2008 die Pestizidnutzung bereits bis 2018 um 50 Prozent zu reduzieren. Vor zwei Jahren, als man erkannte, dass das Ziel nicht nur nicht erreicht, sondern sogar mehr Pestizide genutzt wurden, verlegte man das Ziel auf 2025. Frankreich zählte 2014 bei zum zweitgrößten Pestizidkäufer in Europa: Von den 395.944,4 Tonnen für die 28-EU-Mitgliedsstaaten entfielen 75.287,5 Tonnen auf Frankreich, 78.818,3 Tonnen auf Spanien, 64.071,1 Tonnen auf Italien und 46.078,5 Tonnen auf Deutschland.

    Bereits seit 1. Jänner 2017 ist der Einsatz von Pestiziden an öffentlichen Orten wie z.B. Wäldern, Parks oder Gärten verboten – einzig auf Friedhöfen dürfen sie noch eingesetzt werden. Ab 2019 soll es auch einen Pestizidverbot für private Gärten geben.

    Bei all den Einsparungsüberlegungen und -umsetzungen in Frankreich gibt es natürlich jemanden, die damit nichts anfangen kann: die „milliardenschwere Pestizidindustrie“, wie Journalist Damian Carrington sie im The Guardian nennt. Diese nutzt sehr gern das Argument, dass durch das immer noch rapide Bevölkerungswachstum (2050 sollen 9 Milliarden Menschen auf der Erde leben) der Einsatz von Pestiziden unumgänglich ist, damit ausreichend Nahrungsmittel produziert werden können. Doch es keimt Widerstand auf: UN-Experten bezeichnen dieses Argument als Mythos – in einem Bericht der Vereinten Nationen sprechen sie von einer „systematischen Verleugnung von Schäden“ durch Pestizide und „aggressiven, unethischen Marketing-Taktiken“.


    Weiterführende Links und Quellen:

    Bildquelle: CC0 Public Domain, hpgruesen, Pixabay

  • #89 Europäische Kommission plant vollständiges Verbot von bienen-schädlichen Pestiziden

    Laut einem exklusiven Bericht des britischen Mediums The Guardian plant die Europäische Kommission ein (fast) vollständiges Verbot für Pestizide, welche akute Risiken für Bienen mit sich bringen. Wird der Vorschlag der Kommission von einer Mehrheit der EU-Mitgliedsstaaten genehmigt, so könnte das Verbot bereits in diesem Jahr beschlossen werden. Die einzige Ausnahme soll für Pflanzen gelten, welche ausschließlich in Gewächshäusern gezüchtet werden.

    Bereits 2013 hat die Europäische Union ein vorübergehendes Verbot der Verwendung der drei wichtigsten Neonicotinoide verhängt. Der erneute und radikalere Vorstoß stützt sich auf eine Risikobewertung von Pestiziden durch die „European Food Safety Authority (Efsa), welche 2016 veröffentlich wurden. Frühestens im Mai könnte darüber abgestimmt werden, und sofern der Entwurf verabschiedet wird, könnte er innerhalb weniger Monate in Kraft treten.

    Der Rückgang der Bienenpopulation ist bereits seit Jahren zu beobachten und die Auswirkungen sind vielen Menschen noch gar nicht bewusst: Den Bienen verdanken wir nicht nur den köstlichen Honig – sie sind durch ihre ausdauernde Arbeit für den weiteren Bestand zahlreicher Lebensmittel verantwortlich. Das kurze Video in diesem Tweet zeigt, wie unterschiedlich unsere Supermärkte ohne Bienen aussehen würden:

    153 Milliarden Euro ist der globale Wert der Bestäubungsleistung unserer Bienen – Wikipedia hat die Zahlen und Anteile schön zusammengefasst:

    Der bei weitem wichtigste Beitrag der Honigbiene für die moderne Landwirtschaft ist ihre Bestäubungsleistung. 22,6 % bzw. 14,7 % der landwirtschaftlichen Produktion in Entwicklungs- bzw. Industrieländern sind direkt auf Bestäubung durch Honigbienen angewiesen. Der globale Wert der Bestäubungsleistung durch Insekten wurde auf 153 Mrd. € geschätzt, was 9,5 % der landwirtschaftlichen Produktion entspricht. Davon entfallen 14,2 Mrd € auf die EU25 und 14,4 Mrd. € auf Nordamerika inkl. Mexiko. (de.wikipedia.org)


    Weiterführende Links und Quellen:

    Bildquelle: CC0 Public Domain, hansbenn, Pixabay

  • #47 Ein Paradies für Bienen um ihr Überleben zu sichern

    Bienen machen nicht nur köstlichen Honig – sie sind große Leistungsträger unserer Gesellschaft.

    Der wirtschaftliche Wert der Bestäubungsleistung der Bienen für die Landwirtschaft wird für Europa auf 65 Milliarden Euro jährlich geschätzt, für Österreich auf 525 Millionen und weltweit auf 100-200 Milliarden Euro. Ein Drittel der weltweiten Nahrungsproduktion hängt direkt oder indirekt von der Arbeit der Bienen ab. (bienenschutzgarten.at)

    Doch obwohl wir eigentlich unglaublich dankbar sein müssten, machen wir den Bienen das Leben schwer: Krankheitserreger, der Einsatz von Pestiziden und der Klimawandel setzen der Bienenpopulation weltweit zu. Das Münchner Umweltinstitut kommt sogar auf 7 Gründe, die für das Bienensterben verantwortlich sind.

    Die zweitgrößte Stadt Iowas, Cedar Rapids, will jetzt mit gutem Beispiel vorangehen. Im Frühjahr 2017 werden 188 Acre (rund 76 Hektar) mit nativen Gräsern und Wildblumen bepflanzt – Ziel ist es, ein 1.000 Acre (rund 404 Hektar) großes Bienenparadies zu errichten. Das darf man sich aber nicht als ein riesiges Feld vorstellen – über das ganze Stadtgebiet verteilt werden kleinere Felder dafür genutzt.

    Daniel Gibbins, Leiter der Parks in Cedar Rapids, ist überzeugt, dass dies nicht nur den Bienen, sondern im weiteren Verlauf auch Vögeln, Amphibien, Repitlien und Säugetieren helfen wird: „Everything that’s native here relies on native vegetation.“ Aber auch für andere Insekten wie z.B. Schmetterlinge sollen der Mix aus Blumen und Gräsern ein lebenswerter Raum werden.

    Die „1,000 Acre Pollinator Initiative“ soll in den kommenden fünf Jahren auf die namensgebenden 1.000 Acre kommen – gemeinsam mit weiteren Städten des Linn Countys in Iowa.


    Weiterführende Links und Quellen:

    Bildquelle: CC0 Public Domain, Silberfuchs, Pixabay