Schlagwort: Österreich

  • #240 Die Rückkehr der Sumpfschildkröte

    Was wie ein schlechter Titel für eine Thriller-Fortsetzung klingt, ist in Wahrheit eine Erfolgsgeschichte. Ende der 1990er-Jahre galt die Sumpfschildkröte in ganz Europa als nicht mehr vorhanden. Doch man nahm sich den letzten auffindbaren Exemplaren an, hat begonnen, sie zu züchten und wieder auszuwildern.

    Die Europäische Sumpfschildkröte (Emys orbicularis) ist eine kleine bis mittelgroße, fleischfressende und überwiegend im Wasser lebende Schildkröte. Sie ist die einzige Schildkrötenart, die – wenn auch selten – in Mitteleuropa (auch Deutschland) natürlich vorkommt. Ihr Verbreitungsgebiet geht aber weit darüber hinaus, von Nordafrika im Südwesten bis an den Aralsee im Nordosten. (de.wikipedia.org)

    Bereits im Jahr 1999 entwickelte die Biologin Sibylle Winkel das Artenschutzprogramm „Europäische Sumpfschildkröte“. Gemeinsam mit der hessischen Arbeitsgemeinschaft Sumpfschildkröte wurden im Exotarium des Frankfurter Zoos hunderte Tiere erfolgreich aufziehen. Interessant dabei ist, dass die Temperatur im Brutschrank beeinflussen kann, welches Geschlecht die kleinen Nachkömmlinge bekommen: Bei über 28 Grad Celsius werden es Weibchen, bei weniger Grad Männchen.

    Durch Chips werden die ausgewilderten Exemplare die Europäische Sumpschildkröte auch weiterhin beobachtet. Während die Zucht im Zoo einfacher ist, war es natürlich die Frage, ob es den Ausgewilderten auch in der freien Umgebung gelang, sich erfolgreich fortzupflanzen. 2013 und 2014 wurden schließlich die ersten Schlüpflinge gesichtet.

    Seit 2006 gibt es außerdem im österreichischen Nationalpark Donau-Augen ein Artenschutzprogramm für die Europäische Schildkröte. Diese Gegend gilt als der Ort, an dem es das letzte intakte Vorkommen in Österreich gibt. Dabei werden die kleinen Eier direkt nach der Ablage mit stabilen Metallgittern abgedeckt. Bei einer Zählung im vergangenen Jahr kam man dabei auf 750 Individuen, davon 627 ausgewachsene Tiere mit Markierung plus 110 junge Tiere.


    Weiterführende Links und Quellen:

    Bildquelle: CC BY NC SA (2.0), Cloudtail the Snow Leopard, „European pond turtle“, Flickr

  • #208 Innsbruck essbarer machen

    An der Universität Innsbruck in Tirol/Österreich haben Soziologiestudierende ein Konzept erarbeitet, wie man die Landeshauptstadt „essbarer“ machen kann. Dabei soll unter Berücksichtigung regionaler Landwirtschaft und dem Zauberwort Relokalisierung ein Stück Selbstversorgung wieder möglich werden.

    „Heute kommt das Essen aus dem Supermarkt, man denkt aber nicht darüber nach, wie es dort hineinkommt.“ (Dr. Markus Schermer, Soziologe und Projektleiter des Forschungspraktikums „Innsbruck – Essbare Stadt?“, schroedingerskatze.at)

    Dr. Markus Schermer leitet das Forschungspraktikum „Innsbruck – Essbare Stadt?“. Er betont, dass die Produktvielfalt in konventionellen Supermärkten globale Folgen haben: Lebensmittel reisen mitunter um die halbe Welt, Produktion und Herkunft lassen sich oft schwer identifizieren; um die Nachfrage zu erfüllen, werden potentielle Anbauflächen großflächig abgeholzt. Vieles davon müsste in diesem Ausmaß nicht sein.

    Immer mehr Menschen legen aber heutzutage wert darauf, was sie essen, woher es kommt und wie es zu dem wurde, was sie schließlich in ihren Händen halten.

    „Sowohl in der Produktion als auch im Konsum müssen wir anfangen umzudenken. Unser System hat dazu geführt, dass Bauern und Bäuerinnen auf große Strukturen hinarbeiten und unmittelbare, regionale Vermarktungsprozesse total vernachlässigen“ (Dr. Schermer, schroedingerskatze.at)

    Die Studierenden arbeiten zahlreiche Konzepte dafür aus: So soll die Zivilgesellschaft bei Kapazitätsengpässen regionaler Lebensmittelproduzenten eingebunden werden, zudem es soll Apps oder interaktive Landkarten geben. Spezialisierte „Ernährungsräte“ sollen zudem mit Interessensvertretungen und der Politik an einem Tisch in Sachen lokalisierter Ernährung beraten. Auch die Gastronomie soll hierbei verstärkt eingebunden werden.

    Ob und wie sich Innsbruck verwandeln wird, kann natürlich noch nicht gesagt werden. Die Ideen liegen auf dem Tisch – im Oktober sollen sie dann mit institutionellen Beteiligten aufgearbeitet werden.


    Weiterführende Links und Quellen:

    Bildquelle: CC0 Public DomainMarcocarliPixabay

     

  • #206 Tischlerei mit Spezialisierung auf blinde Kunden

    Katzmaier Einrichtungsteam, ein Tischlerei-Traditionsbetrieb aus dem Mühlviertel, Oberösterreich, bemüht sich bereits seit Jahren um einen ganz speziellen KundInnenkreis: um Blinde. Dabei gibt es zahlreiche verschiedene Besonderheiten, die man im KundInnenkontakt beachten muss.

    Reichen für Sehende oft Pläne oder Computeranimationen, um sich die geplante Einrichtung vorzustellen, so ist es für blinde Menschen notwendig, die Pläne zu einem haptischen Erlebnis zu machen: Rita Katzmaier, die Firmenchefin, setzt deshalb auf Modelle ganzer Räume im Maßstab 1:10.  „Bei den Materialien setzt die Mühlviertlerin stark auf jene Holzarten, die eine ausgeprägte Oberflächenstruktur und damit eine ideale Haptik mitbringen. Und es gehe immer darum, Gefühle zu wecken“ (derStandard.at). Die Modelle spendet sie danach als Spielzeug an Kindergärten.

    Das Unternehmen denkt mit: von Visitenkarten in Braille-Schrift, bis hin zu Beratung. Das geht sogar soweit, dass man mit KundInnen zum Elektromarkt fährt – damit man gemeinsam nach Geräten sucht. Neuere Modelle mit modernen Bedienfelder am Kochfeld selbst (und komplett ohne Haptik) sind ja für blinde Menschen nicht geeignet.

    Vor ungefähr 15 Jahren erkannte Katzmaier, dass hier eine große Marktlücke besteht – viele Einrichtungsunternehmen fangen gerade erst jetzt an, die Versäumnisse in diesem Bereich aufzuholen. Der Fokus auf Blinde neben dem gewohnten KundInnenmarkt der Sehenden lässt es so erscheinen, dass das 1860 gegründete Familienunternehmen damit für die Zukunft vorgesorgt hätte.


    Weiterführende Links und Quellen:

    Bildquelle: CC0 Public DomainStockSnapPixabay

  • #182 Ehe für alle in Deutschland beschlossen

    Am Freitag, den 30. Juni 2017 hat der Deutsche Bundestag für die „Ehe für alle“ gestimmt. Damit ist Deutschland das nächste Land, dass eine komplette Gleichstellung von heterosexuellen und homosexuellen Paaren geschaffen hat.

    Die ganze Debatte hat die deutsche Bundeskanzlerin Angela Merkel losgetreten, als sie in einer Veranstaltung der Zeitschrift „Brigitte“ erklärte, dass sie sich eine Diskussion wünsche, die „eher in Richtung einer Gewissensentscheidung geht“. Die Fraktionsdisziplin (dass alle Abgeordneten einer Fraktion geschlossen für etwas stimmen; in Österreich: Klubzwang) sollte es bei dieser Frage nicht geben.

    Schon vorab war klar, dass es eine Mehrheit für die Ehe für alle geben wird: Die Grünen, die Linksfraktion und die SPD kommen gemeinsam auf 320 Stimmen – ausreichend um eine relative Mehrheit bei 630 Abgeordneten zu erreichen. Dass es aber nun doch so schnell geht, liegt genau an diesen drei Fraktionen. Diese haben erst am Mittwoch im Rechtsausschuss knapp durchgesetzt, dass das Thema auf die Tagesordnung für Freitag kommt.

    Bei der Abstimmung stimmte schließlich eine große Mehrheit, übrigensauch 75 Abgeordnete der CDU/CSU-Fraktion, dafür: Von 623 abgegebenen Stimmen wurden 393 Ja-Stimmen und 226 Nein-Stimmen gezählt, 4 haben sich enthalten. 7 waren bei der Abstimmung abwesend.

    AbstimmungsergebnisEhefüralle.png
    Quelle: zeit.de

    Wie zeit.de schreibt wird sich Voraussichtlich am 7. Juli der Bundesrat mit dem Gesetz befassen. Es ist allerdings nicht zustimmungspflichtig

    Aktuelle Lage

    In Deutschland gibt es seit 2001 die Möglichkeit einer eingetragenen Partnerschaft, in der Schweiz seit 2005 (Ergebnis der Volksabstimmung: 58 % stimmten mit Ja) in Österreich seit 2010.

    Das sich im Wahlkampf befindende Österreich diskutiert aber aktuell natürlich auch darüber: Doch SPÖ, die Grünen und die liberalen Neos haben im Nationalrat keine Mehrheit. Bei der Nationalratssitzung am vergangenen Donnerstag wurde mit den Stimmen der ÖVP, der FPÖ und des Team Stronachs ein Fristsetzungsantrag abgelehnt.


    Weiterführende Links und Quellen:

    Bildquelle: CC0 Public Domain, gtjoflot, Pixabay

  • #178 Deutschland rehabilitiert Opfer von § 175 StGB

    Von 1. Jänner 1872 bis zum 11. Juni 1994 gab es im deutschen Strafgesetzbuch den Paragrafen 175. Dieser stellte sexuelle Handlungen zwischen Personen männlichen Geschlechts unter Strafe. Seit 23 Jahren ist das Gesetz nun aufgehoben, seit 19 Jahren ist aus dem StGB weggefallen – aber erst 2017 hat der Deutsche Bundestag die damals ausgesprochenen Urteile aufgehoben und Entschädigungen angekündigt.

    Man schätzt, dass 64.000 Menschen aufgrund von § 175 verurteilt wurden. Wie viele davon heute noch leben, ist nicht bekannt. Das Bundesjustizministerium erwartet, dass maximal 5.000 Anträge auf Entschädigung eingereicht werden. Die Opfer sollen mit 3.000 Euro pro Urteil und 1.500 Euro pro angefangenem Jahr eines Freiheitsentzugs entschädigt werden.

    Im Bundestag wurde der Gesetzesentwurf einstimmig verabschiedet. Nun muss noch der Bundesrat zustimmen – diese Zustimmung gilt aber als sicher. Eine Einschränkung gab es aber doch: Die CDU/CSU-Fraktion bestand darauf, dass nur jene Urteile aufgehoben werden, die auf sexuellen Handlungen mit über 16-Jährigen basieren. Zuvor hatte der Gesetzesentwurf vorgesehen, dass die Altersgrenze bei 14 Jahren, dem geltenden allgemeinen Schutzalter, liegt.

    Österreich: Deutschland als Vorbild für Rehabilitierung

    In Österreich wurde übrigens bereits 1971 der vergleichbare Paragraf 129 I b StG (Strafgesetz) abgeschafft. Das damalige Gesetz war 1852 unter Kaiser Franz Joseph verschärft worden und blieb 119 Jahre lang unverändert. Bis 2002 galt das laut Paragraf 209 das Schutzalter für männliche Homosexuelle bei 18 Jahren und wurde dann auf 14 Jahre herabgesetzt. Eine volle Rehabilitierung für alle diskriminierenden Gesetze wie in Deutschland gibt es in Österreich bis heute nicht – jene Opfer von § 209 mussten jedoch entschädigt werden. Aber nun will man sich Deutschland als Vorbild nehmen.


    Weiterführende Links und Quellen:

    Bildquelle: CC BY (2.0)Alan Light, „Iowa City, IA“,  Flickr

  • #166 Größtes Radverleihsystem der Welt in der chinesischen Stadt Hangzhou

    Die chinesische Stadt Hangzhou zählt mit rund 8,8 Millionen Bewohnern so viele Einwohner wie Österreich, ist flächenmäßig aber nur ein Fünftel von Österreich. Bekannt auf der ganzen Welt wurde es u.a. aufgrund des G20-Treffens im Jahr 2016.

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    In den vergangenen zehn Jahren hat sich die Stadt massiv weiterentwickelt – vor allem hinsichtlich des öffentlichen Verkehrs. Seit 2007 befindet sich die U-Bahn in Bau. Die ersten 48 Kilometer wurden bereits 2012 eröffnet, bis 2050 sollen es insgesamt 375 Kilometer werden. Außerdem gibt es seit 2010 eine Schnellzugverbindung von Shanghai nach Hangzhou. Und auch das Radverleihsystem hat sich massiv weiterentwickelt: Gab es 2008 noch 2.800 Fahrräder, so hat sich die Zahl bis 2017 auf 85.000 erhöht und ist nun das größte Radverleihsystem der Welt.

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    Die Fahrradabstellplätze in Hangzhou (Bildquelle: CC BY SA 2.0, „rental bicycles, Hangzhou“, vhines2000)

    Die Stadtregierung spricht von 350.000 Ausleihen pro Tag. Die erste Stunde des Ausleihs ist, wie z.B. auch beim Citybike in Wien, völlig kostenlos. 95 Prozent der Fahrten dauern weniger als 60 Minuten. Seit dem Start im Jahr 2008 gab es rund 700 Millionen Nutzungen, aktuell sind es allein 115 Millionen Nutzungen pro Jahr. Insgesamt gibt es 3.600 Ausleih- und Abstellplätze. Die Kosten für die Anschaffung der Fahrräder, der Abstellplätze und des Kontrollsystems wurden allesamt von der Stadt übernommen – durch den Verkauf von Werbeplätzen bei den Abstellplätzen und den Fahrrädern selbst und die 5 Prozent NutzerInnen, die die Fahrräder länger als 60 Minuten nützen, wird das Projekt finanziert.

    Der Umstieg auf öffentliche Verkehrsmittel und Fahrräder ist für die Stadt wichtig: Zwar wird Hangzhou als eine der schönsten Städte Chinas bezeichnet – doch 2013 zählte man 239 Tage mit starkem Smog (das war aber im Vergleich ein Extremwert), 2014 immer noch 154 Tage. Um bei dem G20-Treffen im Jahr 2016 vor Smog geschützt zu werden, wurden sogar die Firmen abgestellt – weil das aber nicht immer möglich sein wird, ist diese neue Ausrichtung für öffentlichen Verkehr ein wichtiger Schritt um Veränderung herbeizuführen.

    2017 wurde das System nun mit dem „International Ashden Award for Sustainable Travel“ ausgezeichnet.


    Weiterführende Links und Quellen:

    Bildquelle: CC BY NC 2.0, Design for Health, „Hangzhou, China 024“, Flickr

  • #110 Ein Hospiz nur für Obdachlose

    Rund 37.000 Menschen in Österreich sind obdachlos, in Deutschland 335.000, für die Schweiz liegen keine offiziellen Zahlen vor. Seit Anfang April gibt es nun in Österreich das erste Hospiz nur für Obdachlose. Darin sollen die wohnungslosen Menschen während ihres letzten Lebensabschnitts begleitet werden. In Deutschland gibt es bereits mehrere Hospiz-Einrichtungen, die auch für Obdachlose bereitstehen – diese Hilfe auch in Anspruch zu nehmen, dafür scheuen sich viele Obdachlose aber noch.

    Das österreichische Hospiz ist ausschließlich für Obdachlose. In Graz, in unmittelbarer Nähe zum VinziDorf, einer Herberge für Obdachlose, hat es am 5. April eröffnet. Für viele Obdachlosen ist das ein Vorteil – hier gibt „am Lebensende eine medizinisch-pflegerische Versorgung in einem gewohnten Umfeld“, wie Maria Steinwender auf enorm-magazin.de schreibt.

    Betrieben wird das VinziDorf-Hospiz von den Ordensfrauen der Elisabethinen, finanziert wird es durch Spenden. Den Betreiberinnen geht es darum, den Menschen ein würdevolles Sterben zu ermöglichen, gemeinsam mit ihren FreundInnen, die sie aus dem VinziDorf kennen. Die Menschen dürfen dort auch rauchen oder ein Bier trinken, DiabetikerInnen auch etwas Süßes essen. „Es ist uns eine Freude, wenn ein Mensch genießen kann.“, so Gerold Muhri, der ärztliche Leiter in einem Interview mit der Presse.


    Weiterführende Links und Quellen:

    VinziDorf-Hospiz
    IBAN: AT24 2081 5000 4069 2659
    BIC: STSPAT2GXXX

    Bildquelle: CC0 Public Domain, josemdelaa, Pixabay

     

  • #107 Regierung Neuseelands legt Gesetzesvorschlag für Verbot von Mikroplastik vor

    In regelmäßigen Abständen wird über die Sinnhaftigkeit und die Gefahr von Mikroplastik diskutiert. In vielen Kosmetika befinden sich Kunststoffteilchen mit einer Größe im Mikrometer- und Nanometerbereich.

    Wie groß die Gefahr ist, kann zwar heute noch nicht endgültig gesichert gesagt werden – erste Forschungsergebnisse sind jedoch nicht gerade beruhigend. Und obwohl sich viele Kosmetikhersteller eine freiwillige Erklärung unterzeichneten, bis Ende 2018 auf Mikroplastik ganz oder teilweise zu verzichten, stieg die Verwendung in den vergangenen zwei Jahren sogar noch an.

    In Neuseeland wurde im Februar diesen Jahres vom Umweltminister verkündet, dass das Land Mikroplastik in Pflegeprodukten verbieten wird. Die Begutachtungsfrist des Gesetzesentwurfs ist ebenfalls bereits abgelaufen. Nach Beschluss im Parlament soll das Verbot am 1. Juli 2018 in Kraft treten – wobei zahlreiche Organisationen davor warnen, das Verbot nicht zu lasch auszulegen. Außerdem müsse die Definition von Mikroplastik möglichst weit gefasst werden.

    Nicht das erste Land mit einem Verbot

    September 2016 wurde bekannt, dass das Vereinigte Königreich ebenfalls ein Verbot beschlossen hat, Ende 2017 soll es in Kraft treten. In den USA tritt ein Verbot Mitte 2017 und in Schweden und Dänemark im Jänner 2018, in Kanada Mitte 2018 in Kraft.

    In Deutschland und Österreich wird es regelmäßig gefordert, die Politik traut sich aber bislang nicht an die Umsetzung.


    Weiterführende Links und Quellen:

    Bildquelle: CC BY NC 2.0, MPCA Photos, microbeads-microplastic-various, Flickr

  • #103 Weltweit höhere Fünf-Jahres-Überlebensrate bei Kindern mit Leukämie

    Die medizinischen Fachzeitschrift Lancet Haematology veröffentlichte am 11. April die Ergebnisse einer Studie zur Überlebenschance von Leukämie bei Kindern. Die Ergebnisse zeigen, dass die Fünf-Jahres-Überlebensrate seit 1995 weltweit angestiegen ist.

    Für die Studie wurden 89.828 Kinder in 53 Staaten untersucht. Zwischen 1995 und 1999 lag die Rate in China bei 10,6 % und in Österreich von 86,8 %. Auch in der Phase zwischen 2005 und 2009 gab es große Unterschiede zwischen einzelnen Ländern – hier rangierten die Werte zwischen 52,4 % in Cali, Kolumbien und 91,6 % in Deutschland. Doch die Werte verbesserten sich in den meisten Ländern – in China liegt sie in 2005-2009 bei 69, 2 %.

    Bei den deutschsprachigen Staaten liegt Deutschland auf Platz 1:

    Jahre Deutschland Österreich Schweiz
    1995-1999 86,3 % 86,8 % 86,0 %
    2000-2004 87,3 % 90,1 % 87,9 %
    2004-2009 91,6 % 91,1 % 87,9 %

    Bei der Studie unterschied man zwischen den Überlebensraten bei Akuter Lymphatischer Leukämie (ALL, die häufigste Form von Leukämie bei Kindern) und Aktuer Myeloischer Leukämie (AML) und weiteren Leukämieformen. Bei den untersuchten Fällen handelte es sich bei 81 % um ALL, bei 16 % um AML und bei 3 % um weitere Formen. Die in diesem Beitrag genannten Werte gelten für alle Formen von Leukämie.

    Österreich und Deutschland werden im Artikel extra erwähnt: Hier waren und sind die Überlebensraten für ALL und AML schon immer sehr hoch. Den Grund dafür sehen sie in einem besseren Einhalten der Therapie-Protokolle.


    Weiterführende Links und Quellen:

    Bildquelle: CC BY (2.0), Ed Uthman, Chronic Lymphocytic Leukemia, Flickr

  • #95 Schwedischer Vorstoß bei Vermittlung von (digitaler) Kompetenz

    Ab Juli 2018 wird es in Schweden eine Änderung des Lehrplans geben: Schon Kinder der 1. Klasse Grundschule sollen Programmieren lernen. Damit soll natürlich nicht nur das Erlernen einer Programmiersprache im Vordergrund stehen, sondern der allgemein von klein auf gelernte Umgang mit Computern und andere Endgeräten.

    „This means Sweden is taking the kind of approach we should have. Sweden should be a country where every kid in school is prepared for working life, and knowledge of programming needs to start early“ (Unterrichtsminister Gustav Fridolin, thelocal.com)

    Auch die Unterscheidung zwischen glaubwürdigen und unglaubwürdigen Quellen soll in Folge dieser Lehrplanänderung erlernt werden. Heutige Kinder und Jugendliche sind mit einer Vielzahl an Quellen konfrontiert, wenn sie nach (Nachrichten-)Inhalten suchen – deshalb ist es wichtig, den Kindern die Kompetenz, diese nach Glaubwürdigkeit zu filtern, beizubringen. Dies ist in ganz Schweden gerade ein großes Thema: Neben einer der beliebtesten schwedischen Comicfiguren, dem Bären Bamse hat auch der König selbst das Thema auf die Agenda gehoben.

    „There has been some naivety when it comes to the information society. An idea that all knowledge is just a short click away and we don’t need to know as much as we needed to before.“ […] „It’s the exact opposite: we need basic knowledge in reading, writing and numeracy so we can’t be tricked, but we also need to advance our criticism of sources to the same level as we previously taught students about scientific theory for example. You already need to have your first taste of this today at about the age of ten.“ (Unterrichtsminister Gustav Fridolin, thelocal.com)

    Auch in Österreich soll das Erkennen von Falschmeldungen in Schulen erlernt werden. Ebenso in Deutschland: die Tagesschau berichtete erst vor wenigen Tagen von einer Schule, die solche Lerninhalte vermittelt. Und in der Schweiz forderte der Präsident des Lehrerverbands bereits im November ein eigenes Fach für Medien(kompetenz).


    Weiterführende Links und Quellen:

    Bildquelle: CC0 Public Domain, Pexels, Pixabay