Schlagwort: Obdachlosenhilfe

  • #247 „Robin Hood“ – Würdevolles Essen für Arme und Obdachlose

    Wohltätige Restaurants gibt es glücklicherweise schon viele, doch wenige sind so wie die Madrider Lokale „Robin Hood“. Hier gibt es „nicht nur“ eine Armenspeisung oder ähnliches – man möchte den Menschen durch das Ambiente auch ihre Würde zurückgeben. Die KellnerInnen tragen Fliege zum Hemd, es gibt Porzellan und weiße Tischwäsche und das Essen wählt man von der Speisekarte.

    Die Idee zu dem Projekt hatte Pater Ángel García Rodríguez, der vor einem halben Jahrhundert (im Jahr 1962) die „Mensajeros de la Paz“ („Botschafter des Friedens“), eine spanische Nichtregierungsorganisation, gegründet hat. Aktuell ist die NGO in 55 Ländern vertreten, 4.000 Mitarbeiter und mehrerer Tausend Freiwillige zählt man heute.

    Für Rodríguez ist es, nüchten betrachtet, ein Resozialisierungsprogramm. Das bedeutet auch, dass nicht jeder in den Genuss von Robin Hoods Küche kann. Dafür braucht man einen Restaurantpass: Diesen erhält man nach Gesprächen mit einem kleinen Team von PsychologInnen. Im Beitrag der Süddeutschen sind die Auflagen kurz angerissen:

    Anwärter auf den Restaurantpass dürfen weder Alkohol- noch Drogenprobleme haben, sie müssen behördlich gemeldet sein, über einen Wohnsitz verfügen – auch wenn es nur ein Heim für Obdachlose ist – und einen Arbeitsplatz suchen. Auch müssen sie in der Lage sein, sich selbst zu pflegen. Dass dies kostenlos möglich ist, stellen die „Botschafter des Friedens“ ebenfalls sicher: Es gibt Kleiderkammern, die aus Spenden bestückt werden, und durch die sozial schwächeren Viertel Madrids kurvt der Pelobús, ein zum rollenden Frisörsalon umgebauter Campingbus, in dem alle, die kein Geld haben, einen Haarschnitt bekommen können. (sueddeutsche.de)

    Wer nicht reinkommt, kann natürlich noch in die sieben Suppenküchen gehen, die von der Hilfsorganisation unterhalten werden. Die Plätze im Robin Hood sind aber für jene reserviert, die sich aus eigener Kraft wieder ein geregeltes Leben aufbauen möchten. Der Erfolg spricht für sich: Vor acht Monaten gestartet gibt es nun schon die dritte Filiale.

    Während in den Berichten auf welt.de, theguardian.com, enorm-magazin.de und theindependent.co.uk, sowie im nachfolgenden Video erklärt wird, dass die Gäste untertags (Vormittag und Mittag) normalpreisige Speisen essen und damit den kostenlosen Abendbetrieb mitfinanzieren, so erklärt Thomas Urban in der Süddeutschen, dass dem offenbar nicht so ist – er spricht da von zwei unterschiedlichen Unternehmungen.


    Weiterführende Links und Quellen:

    Bildquelle: CC0 Public DomainmcaumelPixabay

  • #110 Ein Hospiz nur für Obdachlose

    Rund 37.000 Menschen in Österreich sind obdachlos, in Deutschland 335.000, für die Schweiz liegen keine offiziellen Zahlen vor. Seit Anfang April gibt es nun in Österreich das erste Hospiz nur für Obdachlose. Darin sollen die wohnungslosen Menschen während ihres letzten Lebensabschnitts begleitet werden. In Deutschland gibt es bereits mehrere Hospiz-Einrichtungen, die auch für Obdachlose bereitstehen – diese Hilfe auch in Anspruch zu nehmen, dafür scheuen sich viele Obdachlose aber noch.

    Das österreichische Hospiz ist ausschließlich für Obdachlose. In Graz, in unmittelbarer Nähe zum VinziDorf, einer Herberge für Obdachlose, hat es am 5. April eröffnet. Für viele Obdachlosen ist das ein Vorteil – hier gibt „am Lebensende eine medizinisch-pflegerische Versorgung in einem gewohnten Umfeld“, wie Maria Steinwender auf enorm-magazin.de schreibt.

    Betrieben wird das VinziDorf-Hospiz von den Ordensfrauen der Elisabethinen, finanziert wird es durch Spenden. Den Betreiberinnen geht es darum, den Menschen ein würdevolles Sterben zu ermöglichen, gemeinsam mit ihren FreundInnen, die sie aus dem VinziDorf kennen. Die Menschen dürfen dort auch rauchen oder ein Bier trinken, DiabetikerInnen auch etwas Süßes essen. „Es ist uns eine Freude, wenn ein Mensch genießen kann.“, so Gerold Muhri, der ärztliche Leiter in einem Interview mit der Presse.


    Weiterführende Links und Quellen:

    VinziDorf-Hospiz
    IBAN: AT24 2081 5000 4069 2659
    BIC: STSPAT2GXXX

    Bildquelle: CC0 Public Domain, josemdelaa, Pixabay

     

  • #35 Gabenzaun am Hamburger Hauptbahnhof

    Damit Obdachlose etwas weniger Sitzmöglichkeiten am Hamburger Hauptbahnhof haben, hat sich die Stadtregierung dazu entschlossen, einen Zaun auf einer kleinen Steinmauer anzubringen. Das gefiel nicht allen – eine Gruppe von Menschen, die sich bereits seit Jahren in der Obdachlosenhilfe einbringt hatte eine interessante Idee: Der Zaun steht noch, nur jetzt nennt er sich „Gabenzaun“ und hat eine eigene Facebook-Seite.

    Menschen können dabei Sach- oder Lebensmittelspenden in transparenten Plastiktüten an den Zaun hängen. Obdachlose und Bedürftige können sich dann das für sie notwendige mitnehmen. Geht es nach den InitiatorInnen, soll der Gabenzaun von nun an fix an dieser Stelle sein.

    Neu ist die Idee freilich nicht. So gibt es z.B. den Sozialen Zaun Darmstadt. Der wurde damals von Benjamin Nover initiiert – er selbst war selber einige Zeit obdachlos gewesen.

    Zuletzt wurde von Unbekannten der Gabenzaun geplündert – Schilder, Sackerl usw. verschwanden. Weder Stadt, Stadtreinigung, Deutsche Bahn, Bahnpolizei oder S-Bahn-Wache wissen etwas davon. Für die Initiatoren ist es aber klar, dass es natürlich weitergehen muss.


    Weiterführende Links und Quellen:

    Bildquelle: CC0 Public Domain, Unsplash, Pixabay