Schlagwort: Krankenkasse

  • #257 Apotheker bietet leistbare HIV-Prophylaxe in Deutschland an

    PrEP ist eine Präexpositionsprophylaxe. Diese medikamentöse Therapie verhindert, dass sich Männer mit dem HI-Virus infizieren. Es existiert, es ist zugelassen und es ist vor allem auch eines: Verdammt teuer.

    „Truvada“, das PrEP-Medikament, wurde im Oktober 2016 in Deutschland zugelassen – für eine Dreimonatspackung muss man jedoch 2.454,85 Euro (über 800 Euro im Monat) bezahlen. Die Krankenkasse übernimmt dabei nichts. Das Patent des Herstellers lief nun im Juli diesen Jahres aus – und schon landeten Generika auf dem Markt. Kosten diese in asiatischen und afrikanischen Ländern nur wenige Euros oder gar nur Cent-Beträge, so kosten selbst die Generika in Deutschland mehr als 500 Euro pro Monat. Nutzer kauften deshalb im Internet oder Darknet, aus dem Ausland und ohne Beratung billige Varianten des Medikaments ein.

    Der Kölner Apotheker Erik Tenberken ändert das nun: Er verkauft ein Generikum um 50,05 Euro pro Monat. Er darf das Medikament vertreiben, bekommt es als Vertriebspartner von Hexal zum Vorzugspreis. Dann lässt er die Pillen über einen Dienstleister verpacken, einzeln und ohne Karton. Der erhaltene Rabatt wird an die Kunden weitergegeben. Verdienen wird er damit nichts.

    „Manchmal muss man auch Dinge mit Herz, Sachverstand und Ethik tun.“ (Erik Tenberken, deutsche-apotheker-zeitung.de)

    Ende des Monats soll der Verkauf beginnen, vorerst in acht HIV-kompetente Apotheken (in Berlin, Hamburg, München, Köln, Düsseldorf, Frankfurt und Hannover). Kunden brauchen auch eine Verschreibung durch einen Arzt, der schwerpunktmäßig HIV-Infizierte betreut.

    Über ein ähnliches Projekt, das im Vereinigten Königreich zu einem starken Rückgang von Neuinfektionen geführt hat, habe ich bereits im Februar geschrieben. In Österreich ist der Preis für ein Generikum übrigens deutlich billiger als in Deutschland – aber immer noch bei 318 Euro.


    Weiterführende Links und Quellen:

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  • #229 Selfapy: Online-Selbsttherapie mit psychologischer Begleitung

    Wer in Deutschland professionelle Hilfe bei einer psychischen Erkrankung in Anspruch nehmen möchte, wartet meist monatelang, bis man einen Therapieplatz erhält. Damit Menschen diese Zeit sinnvoll überbrücken können, haben Katrin Bermbach, Nora Blum und Farina Schurzfeld im Jahr 2016 Selfapy gestartet.

    Selfapy bietet eine Onlinetherapie mit psychologischer Begleitung an. So stehen aktuell Therapiekurse für Depression, generalisierte Angststörung „Vom Stress zum Burnout“, Binge-Eating-Störung, Panik und Phobie, Anorexie, Angehörige von Essgestörten und Bulimie zur Auswahl. Diese Selbsthilfekurse sind in neun Wochenmodule gegliedert – 20 Minuten täglich muss man dabei für Übungen aufwenden. Einmal die Woche telefonieren die Kursteilnehmer außerdem mit ausgebildeten PsychologInnen.

    Die Kosten für den neunwöchigen Kurs belaufen sich auf 179 Euro. Seit April 2017 tragen die Kurse gegen Stress zudem das Prüfsiegel der Zentralen Prüfstelle Prävention – die meisten gesetzlichen deutschen Krankenkassen erstatten die Kosten zu 80-100 Prozent.

    Blum erklärt im Interview mit edition f, dass eine Studie aus dem vergangenen Jahr zum Depressionskurs sehr positiv war:

    „Eine Studie des Universitätsklinikums Hamburg-Eppendorf hat 2016 unseren Depressionskurs evaluiert und gezeigt, dass die Symptome der Depression signifikant reduziert wurden. Psychologisch begleitete Selbsthilfe kann ebenso wirksam sein wie die Therapie ganz klassisch in der Praxis.“

    Das Startup bekam im August 2017 übrigens ein siebenstelliges Investment – das bedeutet, dass Selfapy weiter wachsen wird.


    Weiterführende Links und Quellen:

    Bildquelle: CC0 Public DomainEngin-AkyurtPixabay