Schlagwort: körperliche Behinderung

  • #233 „Reißverschluss“ – Inklusion von Menschen mit körperlicher Beeinträchtigung in die Modewelt

    Die Wienerin Özlem Turan hat Modedesign studiert und war erst 22 Jahre alt, als sie vor drei Jahren das Projekt „Reißverschluss: weil wir uns nicht verschließen“ startete. Ziel dabei war es Mode mit und für Menschen mit körperlicher Beeinträchtigung zu designen.

    Das Team möchte Kleidungsstücke designen, die raffiniert von dem Handikap ablenken und zu einer kleinen, positiven Verwirrung des Betrachters führen. Darüber hinaus soll sich der Träger/ die Trägerin natürlich in seiner/ ihrer Haut als auch Kleidung wohl fühlen. Der Träger / die Trägerin gibt vor was er/sie sich wünscht – das Team designt dann ein originelles einmaliges Kleidungsstück für diese Person.

    Turan konnte rasch ein Team mit Menschen mit vielen unterschiedlichen Kompetenzen um sich scharen können. Sowie Unterstützung aus allen Bereichen. So sagte der Modedesigner Petar Petrov zu, ein Stück zur Kollektions beizusteuern. Nachwuchssportler 2014 und österreichischer Staatsmeister im Rollstuhltennis, Nico Lengmann, stellte sich als Modell zur Verfügung. Und schon während der Anfänge gab es Sponsoring: So sponserte die Firma Singer Nähmaschinen und die Firma EZA Stoffe.

    Das Projekt entstand ehrenamtlich im Rahmen von youngCaritias und bekam Unterstützung aus dem „Eure Projekte“-Fördertopf (siehe unten). Für ihre Arbeit wurde sie Ende 2016 mit dem erstmals vergebenen Österreichischen Jugendpreis ausgezeichnet. Eine Website zum Projekt konnte leider nicht gefunden werden.


    EureProjekte_Logo_frei.jpgEure Projekte

    „Eure Projekte“ ist eine Initative des österreichischen Bundesministeriums für Familien und Jugend. Hierbei können junge Menschen, die ein Projekt umsetzen möchten um finanzielle Unterstützung von bis zu 500 Euro ansuchen. Zusätzlich erhalten die Jugendlichen individuelle Projektberatung. Zielgruppe sind Jugendliche zwischen 14 und 24 Jahren. Wer eine Idee hat, kann hier seine/ihre Idee bzw. sein/ihre Projekt einreichen: eureprojekte.at


    Weiterführende Links und Quellen:

    Bildquelle: CC0 Public DomainAlexas_FotosPixabay

  • #214 Wiener Start-Up reißt für Menschen mit Behinderung auf Konzerten Barrieren ein

    Martina Gollner und Christina Riedler kennen sich bereits seit der Schule – und im Mai 2016 wurden sie schließlich zu Gründerinnen. Ihr gemeinsam gegründete Start-Up nennt sich Full Access und ist Anlaufstelle für Menschen mit Musikbegeisterung und Behinderung. Sie möchten jedem Menschen einen Konzertbesuch organisatorisch ermöglichen und vorhandene Barrieren überwinden oder gleich ganz einzureißen.

    Für Gollner, die selber hochgradig sehbehindert ist, war es lange Zeit nicht möglich, große Konzerte zu besuchen. Riedler hat sie schließlich irgendwann zu einem Konzert von Bad Religion begleitet und so wurden die Freundinnen regelmäßige gemeinsame Konzertgeherinnen und erkannten dabei auch noch eine auszufüllende Nische. Die Idee entstand aber auf einem Iron-Maiden-Konzert in Knebworth (England), als ein junger Mann auf einer Krankenliege teilnahm. Er konnte sich nicht bewegen, wurde künstlich ernährt und war in Begleitung von zwei Pflegern. „Da dachte ich mir: Wenn dieser Mensch auf einer Krankenliege so etwas erleben kann, weil es ihm so wichtig ist, müssen wir was tun, damit auch jeder diese Chance hat“, erzählt Riedler im Gespräch mit der Journalistin Conny Sellner auf meinbezirk.at.

    Ihre Zielgruppe sind Menschen mit Behinderung, chronischen und psychischen Erkrankungen oder Lernschwierigkeiten. Und im Interview erklären sie auch ihren umfangreichen Aufgabenbereich:

    Wir organisieren Tickets für Events, kümmern uns um Begleitpersonen und klären mit dem Veranstalter ab, wie die Location auch für behinderte Menschen ausgestattet ist. Wir beraten auch Veranstalter selbst, um mehr Verständnis für behinderte Fans aufzubauen. (Claudia Riedler, meinbezirk.at)

    Für die beiden Gründerinnen ist es wichtig, dass FullAccess als Start-Up und nicht als Verein verstanden wird. Die KundInnen nehmen eine Dienstleistung in Anspruch, zahlen dafür – und genau das ist ein wichtiger Punkt.

    In naher Zukunft soll mit Aeon Tickets der ersten Ticketshop weltweit starten, der sich explizit auf die Bedürfnisse von Menschen mit allen Behinderungen spezialisiert.


    Weiterführende Links und Quellen:

    Bildquelle: Pressefoto von Full Access

  • #72 Barrierefreier Sessellift in der Schweiz

    Sessellifte haben sich in den vergangenen Jahrzehnten massiv verbessert und ermöglichen heutzutage mancherorts einen fast luxuriösen Aufstieg auf den Berg. Aber so modern sie auch geworden sind – flexibel an die Bedürfnisse der Fahrgäste konnten sie sich bislang noch nicht anpassen.

    Seit Ende 2016 gibt es in Madrisahorn bei Davos in der Schweiz „Schaffürggli“, einen Sessellift der Firma ABB, welcher nun speziell für Kinder und Monoskifahrer konzipiert wurde. Durch ein Sensorsystem erkennt der Lift automatisch die Größe der Person, und aufgrund dieser Messung wird den jeweiligen Sitz auf die korrekte Sitzhöhe angehoben. Die Sesselbügel verfügen über einen speziellen automatischen Schließ- und Öffnungsmechanismus.

    Damit soll es für Menschen mit körperlicher Beeinträchtigung möglich sein, komplett eigenständig den Berg zu erklimmen. Das Skigebiet Klosters-Madrisa hat es sich zum Ziel gemacht, zum Schweizer Mekka für den Behindertenschneesport zu werden.


    Weiterführende Links und Quellen:

    Bildquelle: ABB AG