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  • #186 Thailands König der Kondome

    Wie muss es sich anfühlen, wenn im ganzen Land dein eigener Vorname als Synonym für Kondome eingesetzt wird? Für Mechai Viravaidya ist es die größte Ehre: Seit 1974 beschäftigt sich der Thailänder damit, seinen Landsleuten hinsichtlich Familienplanung, Armutsreduktion und Entwicklungs- und Umweltprogrammen fundierte Unterstützung zu schaffen. Begonnen hat alles mit Kondomen.

    Zu der Zeit bekam die durchschnittliche thailändische Frau sieben Kinder – die Bevölkerung wuchs um 3,3 Prozent. Dadurch wurden bereits vorhandene Engpässe noch verstärkt, die Armut wurde immer größer. Aber während z.B. in China mit der Ein-Kind-Politik das Bevölkerungswachstum „von oben“ gebremst werden sollte, war Viravaidyas Ansatz ein völlig anderer: Er hat die Verhütungsmethoden wie die Pille oder Kondome für viele erstmals zugänglich gemacht. So konnten diese Produkte z.B. beim Frisör, an Tankstellen oder in kleinen lokalen Geschäften gekauft werden.

    Aber die reine Zugänglichkeit hat das Problem noch nicht gelöst: Die Menschen mussten auch verstehen, wovor diese Verhütungsmethoden schützen können. Das gelang Viravaidya vor allem mit Humor. Als in den 80er Jahren HIV/Aids ein Thema wurde und sich in Thailand sehr rasch verbreitete, fühlte sich Viravaidya auch hier wieder berufen, dem ganzen Land zu helfen. Dabei wurde bei SexarbeiterInnen angesetzt. Das Programm nennt sich „100 % condom program“ („no condom, no sex“) und versorgte diese Menschen mit allen notwendigen Kondomen. Und es ging auch weiter: Kondome waren nämlich plötzlich überall. So gaben auch z.B. PolizistInnen an Kreuzungen Kondome an AutofahrerInnen aus.

    Die durchschnittliche thailändische Frau bekommt heute 1,5 Kinder. Das Bevölkerungswachstum Thailands ist auf 0,5 % gesunken. Laut dem „Department of Disease Control“ sank zwei Monate nach Start des „100 % condom program“ die Infektion mit sexuell übertragbaren Krankheiten in der damaligen Testprovinz von 13 % auf unter 1 %. Innerhalb von drei Jahren nach Start des Programms stieg die Zahl der SexarbeiterInnen, die ein Kondom benutzen von 25 % auf über 90 %. Ebenso sank die Zahl der HIV Infektionen von 143.000 im Jahr 1991 auf 14.000 im Jahr 2001. Das Programm war schließlich so erfolgreich, dass ähnliche Kampagnen auch in Nachbarländern wie Kambodscha, China, Laos, Myanmar, den Philippinen und Vietnam gestartet wurden.

    Im Podcast der BBC wird zwar erklärt, dass natürlich nicht Mechai Viravaidya allein die sexuelle Revolution (hinsichtlich der Verhütung) gestartet und so erfolgreich durchgezogen hat. Er war aber ein bestimmender Faktor und zeigt in seinen Interviews und Vorträgen auch auf, wie wichtig es ist, über ein solches Tabuthema mit Humor zu sprechen.


    Weiterführende Links und Quellen:

    Bildquelle: CC0 Public Domain, Anqa, Pixabay

  • #171 Mehr Rechte für Frauen in Saudi-Arabien

    Das Königreich Saudi-Arabien ist für vieles bekannt, aber definitiv nicht für das Hochhalten von Frauenrechten. Der absolutistisch regierende König (und zugleich Premierminister) Salman ibn Abd al-Aziz lässt aber doch, nach und nach, etwas mehr Rechte für Frauen zu.

    Schlusslicht bei Geschlechtergerechtigkeit

    Man kann es sich kaum vorstellen: In Saudi-Arabien unterliegen Frauen in der Regel einer „gesetzlichen männlichen Vormundschaft“. Sie sind nicht geschäftsfähig und können keine Rechtsgeschäfte ohne Zustimmung ihres männlichen Vormundes tätigen. Zwar muss jede Frau einen Personal- bzw. Reiseausweis besitzen, eine Verlängerung war bislang aber nur mit schriftlicher Zustimmung des Vormunds möglich. Das Lenken von Fahrzeugen ist bis heute für Frauen verboten.

    Im 2016 veröffentlichten Global Gender Gap Report des Weltwirtschaftsforums über Geschlechtergerechtigkeit landete Saudi-Arabien auf Platz 141 und insgesamt 144 Ländern. Einzig in Syrien, Pakistan und Yemen liegen dahinter. Schweiz liegt hier übrigens auf Platz 11, Deutschland auf Platz 12, Österreich auf Platz 52.

    Kleine Schritte

    Am 4. Mai hat der König von Saudi-Arabien ein Dekret unterzeichnet. Dieses beinhaltet einige Veränderungen. So wird den Regierungs- und Verwaltungsbehörden aufgetragen, eine Liste mit allen Services und Angeboten zusammenzustellen, welche eine Frau ohne Zustimmung des „männlichen Vormunds“ machen. Bislang war zum Beispiel ein Studium, der Zugang zu ärztlicher Betreuung ohne Zustimmung nicht möglich. Ebenso soll es nun möglich sein, dass sich Frauen in Gerichten selber repräsentieren können. Zusätzlich sieht das Dekrets sieht vor, dass Organisationen ihren weiblichen Mitarbeitern eine Transportmöglichkeit zur Verfügung stellen.

    „Now at least it opens the door for discussion on the guardian system,“ Ms Akeel told the Thomson Reuters Foundation. „Women are independent and can take care of themselves.“ (independent.co.uk)

    Vorangegangene Schritte waren z.B. das passive Wahlrecht im Jahr 2011 (Frauen konnten in ein politisches Amt gewählt werden). Seit Dezember 2015 besitzen sie auch ein aktives Wahlrecht auf kommunaler Ebene (das heißt, sie dürfen selber wählen). Außerdem haben sie einen etwas besseren Zugang zum Arbeitsmarkt. 2012 durften saudische Frauen auch erstmals bei den Olympischen Spielen antreten.

    Ablaufdatum für Vormundssystem

    Es geht schleppend voran, aber das Vormundssystem sollte ein Ablaufdatum haben. Der Großmufti Abdulaziz al-Sheikh, einer der höchsten religiösen Autoritäten des Landes, bezeichnete dieses System als „a crime against the religion of Islam“ und nannte es „an existential threat to Saudi society“. Bereits 2009 und 2013 stimmte Saudi Arabien zu, das „männliche Vormundssystem“ abzuschaffen und jegliche Diskriminierung gegenüber Frauen zu beseitigen. Bis heute hat sich zumindest schon einiges verbessert, es ist aber noch sehr viel zu tun.

    2016 gab es bereits Aktionen von Frauen, die in Saudi Arabien für mehr Rechte kämpften. U.a. einen offenen Brief an den König, eine Twitterkampagne mit den Hashtags #StopEnslavingSaudiWomen und #IAmMyOwnGuardian sowie einer Petition, bei der mehr als 14.000 Menschen unterschrieben haben.


    Weiterführende Links und Quellen:

    Bildquelle: CC0 Public Domain, 3dman_eu, Pixabay