Schlagwort: Industrie

  • #121 Säuregrad der Atmosphäre (fast) auf dem Niveau der vorindustriellen Zeit

    Grönland bietet für die Menschen und vor allem für interessierte ForscherInnen ein einzigartiges Archiv der klimatischen und atmosphärischen Entwicklung unseres Planeten. Denn dort fällt regelmäßig Schnee vom Himmel, schmilzt an manchen Stellen jedoch nie (bzw. beginnt es auch dort durch die Erderwärmung zu schmelzen). Somit ist es möglich, durch kilometertiefe Bohrungen bis zu 100.000 Jahren zurückzublicken. Doch auf eine solch große Zeitreise wollten sich ForscherInnen des Niels Bohr Institute der Universität von Kopenhagen (Dänemark) nicht machen – sie interessierten sich für den Zeitraum der vergangenen einhundert Jahre.

    Sie untersuchten dabei das Eis auf den Säuregehalt in der Atmosphäre – und dabei erkannten sie, dass dieser in den vergangenen Jahren stark gesunken ist. Von 1930 weg, einem wichtigen Zeitpunkt der industriellen Revolution stieg er an, bis es in den Sechziger-, Siebziger- und Achtzigerjahren des vergangenen Jahrhunderts ihren Höhepunkt erreichte.

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    Die Entwicklung des atmosphärischen Säuregrads (Am Anfang der y-Achse ist ungefähr 2005, am Ende 1900) Fotoquelle: Helle Astrid Kjær, NBI

    Der Rückgang hat vor allem einen Grund: In den Siebzigern wurden in den Vereinigten Staaten von Amerika und Europa Gesetze verabschiedet, welche die Wiederherstellung, Sicherung und den Schutz der Luftqualität zum Ziel hatte. Dabei wurden Firmen verpflichtet, Filter in ihre Schlote einzubauen, um weniger Gift in die Atmosphäre zu blasen.

    Ein hoher Säuregrad kann mehrere Gründe haben: Einerseits durch den Ausstoß bei großen Vulkanausbrüchen, großen Waldbränden und durch die Industrie (und den menschlichen Energieverbrauch). In ihrer Berechnung gelang es, Vulkanausbrüche und Waldbrände herauszurechnen – ihre Ergebnisse beziehen sich also einzig auf die menschgemachte Verschmutzung der Atmosphäre.

    Die Untersuchung des Niels Bohr Insituts zeigt auf, wie politische Initiativen eine nachhaltige und wichtige Veränderung herbeiführen können. Die Übersäuerung der Meere, saurer Regen und das sagenumwobene Waldsterben wurde damit zumindest eingedämmt.


    Weiterführende Links und Quellen:

    Bildquelle: CC0 Public Domain, Tarabiscuite, Pixabay

  • #97 EU beschließt neue Verordnung für Handel von Konfliktmineralien

    Vielen Menschen wird der Begriff „Konfliktmineralien“ (oder Konfliktrohstoffe oder -ressourcen) nur wenig sagen: Dieser Begriff beschreibt Bodenschätze, welche in Konfliktregionen gefördert werden, deren Abbau illegal und durch Rebellen und Milizen außerhalb staatlicher Kontrolle stattfindet. Diese Mineralien werden u.a. in Smartphones, Schmuck oder Fahrzeugen verarbeitet – die Industrie hat deshalb natürlich großes Interesse an ihnen.

    Die „Verordnung zur Schaffung eines Unionssystems zur Selbstzertifizierung der Erfüllung der Sorgfaltspflicht in der Lieferkette durch verantwortungsvolle Einführer von Zinn, Tantal, Wolfram, deren Erzen und Gold aus Konflikt- und Hochrisikogebieten“ (in weiterer Folge nur mehr „Verordnung“ genannt) verlangt nun von Importeuren in die EU, dass sie die Herkunft von importierten Rohstoffen mit Zinn, Tantal, Wolfram und Gold  transparent nachweisen müssen – damit sichergestellt werden kann, dass damit keine bewaffneten Konflikte von der europäischen Industrie mitfinanziert werden. Ab 1. Jänner 2021 wird diese Verordnung wirksam sein, bis dahin müssen alle (dann wohl nur mehr 27 Mitglieder der EU) die Verordnung in nationales Recht umgesetzt haben.

    Die Verordnung enthält klare Verpflichtungen für eine verantwortungsvolle Beschaffung im „vorgelagerten“ Teil des Produktionsprozesses, der den Abbau und die Veredelung der genannten Mineralien umfasst. Mindestens 95 % aller EU-Importe von Metallen und Mineralien werden unter die Neuregelung fallen; Kleinimporteure werden nicht betroffen sein. (consilium.europa.eu)

    Die Verordnung wurde durch Parlament und Rat beschlossen – nun muss es nur mehr im Amtsblatt der Europäischen Union publiziert werden.

    Update (24.04.2017): Sind ProduzentInnen, die Konfliktmineralien in Produkten benutzen, ebenfalls verpflichtet, dies zu melden? 

    Ich habe bei der Europäischen Kommission nachgefragt – hier ist die Antwort:

    The due diligence check on the supply chain is mandatory for the importers of raw materials, whereas reporting is at the moment voluntary for producers where products contain these minerals.

    Also: Nein. ProduzentInnen können es freiwillig melden, sind aber nicht verpflichtet.


    Weiterführende Links und Quellen:

    Bildquelle: CC0 Public Domain, hangela, Pixabay

  • #65 18 Millionen Mahlzeiten statt Lebensmittel im Müll

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    Das Logo von FareShare

    Im Geschäftsjahr 2015/16 (April 2015 bis März 2016) erhielt die gemeinnützige Organisation FareShare im Vereinigten Königreich 9.070 Tonnen Lebensmittel von der Lebensmittelindustrie – genug um 18,3 Millionen Mahlzeiten für Menschen in Not bieten zu können. Umgerechnet konnte man damit 211.565 Menschen pro Woche ernähren.

    FareShare hat sich im Jahr 2004 formiert, hat aktuell rund 2.5000 Mitglieder und arbeitet u.a. mit den Unternehmen Sainsbury’s und Tesco zusammen. Die über 9 Tonnen Lebensmittel liefert FareShare dann an über 2.000 Einrichtungen wie u.a. Obdachlosenheime, Suppenküchen oder Frühstücksclubs für Kinder im gesamten Vereinigten Königreich. Ziel ist es, einerseits Hunger, andererseits die Lebensmittelverschwendung zu bekämpfen.

    Berechnungen sagen, dass die erreichten Zahlen eigentlich nur die Spitze des Eisberges sind. Mit allen Lebensmitteln, die im Müll landen, könne es möglich sein 800 Millionen Speisen jedes Jahr zu erzeugen.

    Die Wichtigkeit von FareShare wird klar, wenn man sich bei den Einrichtungen umhört, welche die Lebensmittel geliefert bekommen: Jede fünfte Einrichtung müsste wahrscheinlich oder definitiv schließen, fast 60 Prozent müsste die Essensmenge verringern und jede vierte Einrichtung würde andere Dienste einschränken müssen.

    Das weltweit agierende, britische Unternehmen Tesco (mit 28,1% Marktführer im Vereinigten Königreich) verlautbarte Anfang 2017, dass durch den Einsatz der App FoodCloud von Fareshare weitere fünf Millionen Mahlzeiten abgeliefert werden konnten. Die App funktioniert so: Der Supermarkt gibt in eine App ein, welche Produkte er herzugeben hat, die wohltätige Organisationen entscheiden, was sie bräuchten und FareSahre holt ab und liefert die Lebensmittel. Das System wird nun auf weitere Märkte und Unternehmen ausgeweitet.


    Weiterführende Links und Quellen:

    Bildquelle: CC0 Public Domain, Hans, Pixabay