Schlagwort: Finnland

  • #245 Nach dem Ende der Mindesthaltbarkeit: Billiger einkaufen in Skandinavien

    Wer schon einmal in einer skandinavischen Stadt war, weiß: Billig ist es dort nicht. Doch seit 2015 bietet das norwegisches Unternehmen Holdbart nunmehr in zwei Geschäften und mittels Onlineversand Waren zu richtigen Schnäppchenpreisen an – die dort angebotenen Lebensmittel wären normalerweise bereits im Müll, allein nur, weil das Mindesthaltbarkeitsdatum überschritten ist.

    Reinhard Wolff nennt in seinem Beitrag ein paar Beispiele für angebotene Lebensmittel: So kosten 5 Packungen Sauerkraut à 450 Gramm zusammen 10 Kronen (ungefähr 1 Euro) – normalerweise kostet eine einzelne Packung soviel. Französischen Senf gibt es statt um 39,90 Kronen um nur eine Krone. Und das Überraschende ist, dass sowohl Sauerkraut als auch Senf bereits 2016 ihr Mindesthaltbarkeitsdatum überschritten haben. Thor Johansen, einer der Gründe und Leiter einer der Filialen, betont, dass viele Waren deutlich länger halten als das Mindesthaltbarkeitsdatum vermuten lässt. Aber auch hier haftet das Unternehmen wie jeder andere Lebensmittelladen.

    In den Geschäften gibt es zum einen die bereits erwähnten Produkte mit überschrittenem Mindesthaltbarkeitsdatum, aber auch Produkte, bei denen das Design der Verpackung geändert wurde oder z.B. Erdäpfel und Karotten, die zu „unförmig“ für den klassischen Supermarkt sind. Frisches Obst und Gemüse gibt es ansonsten überhaupt nicht, leicht verderbliche Waren sowieso nicht. Diese tragen ja anstatt „best før dato“ (Mindesthaltbarkeitshinweis) den Hinweis „liste forbruksdag“ (letzter Verbrauchstag).

    Auch der schwedische Onlineversand Matsmart fischt seit 2014 in diesem Markt – und die Umsatzkurze wächst seither stetig:

    „Wir sind nicht unrealistisch und bilden uns nicht ein, das Wegwerfproblem in der Lebensmittelbranche lösen zu können“, sagt dessen Mitbegründer Karl Andersson: „Aber ich bin sicher, dass wir dazu etwas beitragen können, was die Einstellung zu diesen Waren angeht.“ (taz.de)


    Weiterführende Links und Quellen:

    Bildquelle: CC0 Public DomainmarkuspiskePixabay

  • #168 Sparsamster Supermarkt der Welt in Finnland

    Supermärkte haben einen enormen Energieverbrauch: Ob nun die ganz normale Heizung, die Backöfen fürs Gebäck oder die Kühlvorrichtungen für die Tiefkühlkost bzw. die Lagerung der Produkte. Deshalb arbeiten auch einige kluge Ingeneure und Architekte daran, dass auch hier Einsparungen möglich werden.

    Ein Supermarkt in der Stadt Oulu zeigt nun, wie es gehen kann: Er verbraucht weniger als die Hälfte eines vergleichbaren Supermarkts. Da er nur 40 Prozent der Energie braucht, spart sich der Betreiber jährlich 180.000 Euro an Kosten für Strom. Oulu ist übrigens die fünftgrößte Stadt Finnlands und die nördlichste Großstadt der Europäischen Union.

    Pro Quadratmeter und Jahr liegt der Energiebedarf des Supermarkts bei 240 Kilowattstunden. Im durchschnittliche Bestand (Altbau, 1950er bis 1970er-Jahre) liegt bei 150-250 kWh pro Quadratmeter – somit liegt dieser Supermarkt (trotz des deutlich höheren Energiebedarfs) im Durchschnitt einer alten Wohnung. Zum Vergleich: Ein „normaler“ Supermarkt verbraucht 600 kWh pro Quadratmeter pro Jahr. Die Hälfte des Energiebedarfs wird übrigens durch eine Solaranlage am Dach gedeckt.

    Der Supermarkt gehört zur S Group, einer finnischen Firmengruppe mit über 1.600 Märkten. Der Supermarkt ist ein Teil des VIRPA Projekts, in dem VTT Technical Research Centre of Finland Ltd., der University of Oulu und der Privatsektor involviert sind.


    Weiterführende Links und Quellen:

    Bildquelle: CC0 Public Domain, TeroVesalainen, Pixabay

  • #143 GiveDirectly: Bedingungsloses Grundeinkommen soll Armut in Kenia bekämpfen

    Das bedingungslose Grundeinkommen ist nun schon seit einigen Jahren ein Thema. Dies wird kontrovers diskutiert und an einigen Orten bereits ausgetestet – wie z.B. zuletzt in Finnland. Doch kann es auch eine Möglichkeit sein, die Armut am afrikanischen Kontinent zu bekämpfen?

    Die Non-Profit-Organisation GiveDirectly hat mit einem 12-Jahre-Pilot-Programm das bislang größte Experiment zum bedingungslosen Grundeinkommen gestartet. Dabei sollen 26.000 Menschen aus 200 verschiedenen kenianischen Orten beteiligt sein – 6.000 davon sollen durch das Projekt über den Zeitraum der ganzen zwölf Jahre ein bedingungsloses Grundeinkommen erhalten.

    Dabei sollen sie 0,75 US-Dollar (rund 0,67 Euro) pro Tag erhalten. Das durchschnittliche Jahreeinkommen in Kenia liegt laut der Weltbank bei rund 1.340 US-Dollar bzw. 1231,05 Euro. Laut laenderdaten.info liegt das durchschnittliche Monatsgehalt bei 101 Euro. (Siehe dazu: Update-Information am Ende des Beitrages)

    ForscherInnen an den Universitäten Princeton und MIT werten dabei die Daten aus und zeigen auf, ob das Programm effektiv ist oder nicht. Obwohl das Projekt bereits angelaufen ist, sammelt GiveDirectly weiter Geld aus der Crowd: Bislang konnten bereits 24,3 Millionen gesammelt werden.

    Unter anderem investierte Pierre Omidyar, ein US-Amerikaner iranischer Herkunft und der Gründer der Auktionsplattform eBay, eine halbe Million US-Dollar in das Programm. Auch ein Mitbegründer von Facebook, Dustin Moskovitz, hat sich bereits beteiligt. Und so scheint es nur mehr eine Frage der Zeit zu sein, bis das Projekt wirklich starten kann und aussagekräftige Ergebnisse liefern wird können.

    In diesem Podcast von Vox.com hört man Eindrücke aus Kenia, geht auf auftauchende Fragen ein und ist grundsätzlich sehr interessant anzuhören (auf Englisch):

    https://soundcloud.com/vox-the-weeds/weeds-in-the-wild-free-money#t=0:11


    Weiterführende Links und Quellen:

    Update-Information/Erratum: Mir ist beim Umrechnen aufgrund von Komma und Punkt ein Fehler unterlaufen. In der ersten Version des Artikels schrieb ich darüber, dass das durchschnittliche Monatseinkommen bei rund 15 Euro liege, das ist natürlich falsch. Das Durchschnittseinkommen pro Monat liegt bei 101 Euro. Sorry! (Vielen Dank an Andreas und Andy fürs Aufmerksammachen und Andy fürs Liefern weiterer Quellen!)

    Bildquelle: CC BY SA (2.0), wrcomms, Titel: Kenyan shillings, Flickr

  • #64 Simbabwe verbietet körperliche Gewalt an Kindern

    Das ostafrikanische Land Simbabwe wird das nächste Land sein, welches körperliche Gewalt an Kindern in der Schule und Zuhause unter Strafe stellt. Der Oberste Gerichtshof des Landes entschied sich für den Verbot, nachdem Eltern sich aufgrund der Gewalt von LehrerInnen an SchülerInnen  mit Kinderrechtsorganisationen zusammentaten und damit bis zum Obersten Gerichtshof gelangten. Nun muss nur noch der Verfassungsgerichtshof dem Verbot zustimmen.

    interaktivelandkarte
    Durch Klick auf die Landkarte landest du auf einer interaktiven Weltkarte, die den Fortschritt des weltweiten Verbots zeigt

    Grundsätzlich ist ein Verbot von körperlicher Gewalt gegen Kinder bereits in der Kinderrechtskonvention der Vereinten Nationen niedergeschrieben – diese Konvention wurde von der UN-Generalversammlung  im November 1989, also vor über 27 Jahren verabschiedet. Bislang haben 52 Staaten der Welt jede Form körperlicher Gewalt gegen Kinder verboten (Simbabwe wäre Staat Nr. 53). Zumindest 54 weitere Staaten haben sich verpflichtet, an einem vollen Verbot zu arbeiten.

    In Österreich ist körperliche Gewalt gegen Kinder seit 1989 verboten, in Deutschland seit 2000. In der Schweiz ist körperliche Bestrafung zuhause und in der alternativen Betreuung erlaubt. Österreich ist übrigens nach Schweden (1979), Finnland (1983) und Norwegen (1987) das vierte Land weltweit, welches ein solches umfassendes Verbot hatte. Seit 2011 gibt es zudem ein verfassungsgesetzlich geschütztes Recht jedes Kindes auf eine gewaltfreie Kindheit.

    Wer sich die interaktive Landkarte (siehe Abbildung rechts) ansieht, wird überrascht sein: Südamerika ist hier Nordamerika weit voraus – aber auch in Europa gibt es Staaten (Vereinigtes Königreich, Frankreich, Luxemburg, Schweiz, Italien, Tschechien, Kosovo und Weißrussland), welche in manchen Bereichen bislang noch keinen Verbot vorweisen können – sich die Regierungen aber auch nicht zu einem baldigen vollen Verbot verpflichtet haben.


    Weiterführende Links und Quellen:

    Bildquelle: CC0 Public Domain, Alexas_Fotos, Pixabay

  • #25 Norwegen möchte Finnland zum Geburtstag einen Berg schenken

    Okay, zugegeben: Es gibt noch politischen Widerstand. Aber, um die Überschrift zu präzisieren: Eine Gruppe NorwegerInnen möchte dem höchsten Berg Finnlands die Spitze zurückgeben. Denn zwar ist Haltitunturi zwar der höchste Berg Finnlands – seinen höchsten Gipfel hat er aber in Norwegen.

    Bjørn Geirr Harsson, ein norwegischer (bereits pensioniserter) Geophysiker hatte bereits 1972 die Idee dazu. Finnland feiert am 6. Dezember 2017 ihre einhundertjährige Unabhängigkeit von Russland – ein großer Grund zu feiern. Und genau da sollte Norwegen mit einem tollen Geschenk aufwarten:

    “It is a gift from the heart of the Norwegians to Finland so we don’t expect anything back; we just want to give them something really nice when they celebrate 100 years as a free nation.” (independent.co.uk)

    31 Meter würde man dabei in norwegisches Territorium vordringen müssen. Und es ist ja nicht so, dass Geirr Harsson der einzige ist, dem diese Idee gefällt. Svein Oddvar Leiros, Bürgermeister der Gemeinde Kåfjord (dort steht die Bergspitze), findet die Idee ebenfalls gut. Und Erna Solberg, die Premierministerin des Landes? Auch sie findet die Idee schön, aber: Würde man dies tun, würde man gegen Artikel 1 der norwegischen Verfassung verstoßen, denn dort heißt es „The Kingdom of Norway is a free, independent, indivisible and inalienable realm.“. Also frei, unabhängig, unteilbar und unveräußerlich. Das sagte Solberg im Oktober 2016.

    Doch der Kampf ums Geschenk geht weiter: Nun gibt es einen Kurzfilm namens „Battle for Birthday Mountain“, mit welchem man Aufmerksamkeit und Druck auf die norwegische Politik ausüben will. Darin werden Geirr Harssons Beweggründe und die Meinung von PolitikerInnen wiedergegeben.

    https://vimeo.com/198705876 

    Und bis zum Geburtstag sind es ja auch noch 10 Monate und 11 Tage.


    Weiterführende Links und Quellen:

    Bildquelle: CC0 Public Domain, Unsplash, Pixabay