Schlagwort: Biomasse

  • #253 Orange is the New Green

    Was passiert, wenn eine Saftfirma 12.000 Tonnen Orangenschalen in einem Naturschutzgebiet ablädt? Auch wenn das wie eine mutwillige Verschmutzung eines Unternehmens klingt, war dies ein Projekt eines Forscherpaars der University of Pennsylvania und dem Unternehmen Del Oro.

    In den 90er Jahren arbeiteten die Ökologin Winnie Hallwachs und der Ökologe Daniel Janzen in der Área de Conservión Guanacaste in Costa Rica. Dabei versuchten sie 1995 ein Gebiet in der Größe von drei Hektar wieder wieder fruchtbar zu machen – durch Überweidung und Rodung wuchs dort damals kaum mehr etwas. Ihre Idee: Die Saftfirma Del Oro solle einerseits etwas Grund an das Schutzgebiet abtreten, dafür dürfe sie aber Tausende LKW-Ladungen ihrer Orangenschalen auf dem unfruchtbaren Gebiet abladen. Das Problem: ein konkurrierender Saftproduzent hatte geklagt, das Oberste Gericht hat ihm rechtgegeben – das Projekt wurde beendet, die Schalen wurden aber nie beseitigt.

    https://www.facebook.com/peipu/photos/a.117204273842.100148.93943083842/10155103410793843/?type=3

    16 Jahre später, im Jahr 2013,  hat sich der junge Wissenschaftler Timothy Treuer plötzlich wieder für die Orangenmülldeponie – und fliegt für sein Forschungsprojekt an der Princeton University nach Costa Rica. Und ist überrascht: Die Orangenschalen sind weg – und auch der unfruchtbare Boden. Es war grün, überwuchert mit Bäumen und Schlingpflanzen.

    Verglichen mit dem noch unfruchtbaren Boden gleich daneben wachsen hier nun drei Mal so viele Baumarten, es befinden sich (natürlich) deutlich mehr Nährstoffe im Boden und eine um 176 Prozent größere Menge an Holz-Biomasse.

    Co-Autor der Studie, David Wilcove, glaubt, dass da in Zukunft noch viel mehr möglich sein könnte:

     „[…] I’m confident we’ll find many more opportunities to use the ‘leftovers’ from industrial food production to bring back tropical forests. That’s recycling at its best.” (princeton.edu)


    Weiterführende Links und Quellen:

    Bildquelle: CC0 Public DomainesudroffPixabay

  • #142 Schweiz: Mehrheit stimmt für Energiewende

    In vielen Medien liest man heute, dass die Schweiz sich für den Atomausstieg ausgesprochen hat. Das entspricht – sehr langfristig gesehen – auch der Wahrheit. Nur ist dieser „sanfte Atomausstieg“ nur ein kleiner Teil der „Energiestrategie 2050“, welche mit 58,2 % (bei einer Wahlbeteiligung von 42,4 %) angenommen wurde. Basis für diese Abstimmung ist ein revidiertes Energiegesetz (EnG), welches bereits im Herbst 2016 vom Parlament verabschiedet wurde.

    Das Energiegesetz beinhaltet folgende Punkte: Verbot des Baus neuer Kernkraftwerke, Senkung des Energieverbrauchs, Steigerung der Energieeffizienz und Förderung erneuerbarer Energien. Auf diese Weise wird die Schweiz unabhängiger von importierten fossilen Energien. Gleichzeitig werden in der Schweiz die einheimischen erneuerbaren Energien gefördert und damit Arbeitsplätze sowie Investitionen geschaffen. (politnetz.ch)

    Nach dem eindeutigen Ja für die Energiestrategie 2050 werden keine neuen Atomkraftwerke in der Schweiz hinzukommen. Wobei dies eher ein symbolischer Akt sei, wie Karl Gaulhofer in der Presse schreibt: „Durch das Überangebot an gefördertem Ökostrom sind die Preise so niedrig, dass sich die Investition in ein AKW nicht mehr rentiert“ (diepresse.com). Von den fünf bestehenden Atommeilern wird Mühleberg 2019 aus wirtschaftlichen Gründen aus dem Netz genommen. Zwei weitere stehen seit Monaten still – aufgrund technischer Probleme. Dabei ist fraglich, ob Beznau 1, das dienstälteste Atomkraftwerk der Welt, je wieder ans Netz gehen wird.

    Das Gesetz sieht aber grundsätzlich vor, dass die restlichen vier so lange weiterlaufen dürfen, solange sie als sicher eingestuft werden. Dabei kann es aber natürlich dazu kommen, dass wirtschaftliche Gründe auch bei den vier AKWs dazu führen, dass die eigentlich sicheren Reaktoren früher oder später abgeschaltet werden.

    Die drei Eckpfeiler der Energiewende 2050

    • Atomausstieg: keine neuen AKWs, „Auslaufen lassen“ der bestehenden AKWs)
    • Erneuerbare Energien: Sonne, Wind, Biomasse, Abfall, Biogas und Geothermie haben im Jahr 2000 0,2 TWh (Terawattstunden) erzeugt, 2015 waren es 1,7 TWh, bis 2035 sollen es 11,4 TWh und bis 2050 schließlich 24,2 TWh werden. (Wem Wasserkraft fehlt: Die Schweiz bezieht bereits 60 % des Schweizer Stroms aus Wasserkraft)
    • Energieeffizienz: Hier soll sich der Energieverbrauch von 232,9 TWh im Jahr 2015 auf 125 TWh im Jahr 2050 verringern. Außerdem soll der Stromverbrauch pro Kopf um 18 % sinken (im Vergleich zum Verbrauch im Jahr 2000)

    Das neue Gesetz soll Anfang 2018 in Kraft treten.


    Weiterführende Links und Quellen:

    Bildquelle: CC0 Public Domain, 422737, Pixabay

  • #41 Erneuerbare Energie in Europa weiter auf dem Vormarsch

    Im vergangenen Jahr kamen neue Stromkapazitäten in Höhe von 24,5 GW (Gigawatt, 1 Milliarde Watt) zur europäischen Stromerzeugung dazu. 86 Prozent bzw. 21,1 GW stammten dabei aus Wind, Solar, Biomasse und Wasserkraft. (51 % übrigens allein aus Wind, 27,4 % aus Solar).

    In Deutschland wuchs die Windkraft stark: 44 % aller 2016 errichteten Windfarmen in Europa entstanden dort. Aber auch Frankreich, die Niederlande, Irland und Litauen erzielten im vergangenen Jahr neue Rekorde.

    Die folgende Tabelle zeigt den Zuwachs an Windkraftanlagen in den deutschsprachigen Ländern sowie den drei größten Ländern der EU (neben Deutschland) und schließlich die Gesamtzahl der 28 EU-Staaten:

    Land Bestand Ende 2015 Installationen 2016 Bestand Ende 2016
    Deutschland 44.946 5.443 50.019
    Österreich 2.404 228 2.632
    Schweiz 60 20 75
    Liechtenstein 0 0 0
    Frankreich 10.505 1.561 12.065
    Spanien 23.025 49 23.075
    Vereinigtes Königreich 13.809 736 14.542
    EU-28 141.726 12.490 153.730

    Interessant wird da ja der Vergleich zu früheren Jahren: Hier bietet der WindEurope Report folgende Zahlen zu den installierten Kapazitäten:

    2005 hielt Kohle bei 24,8 %, Gas bei 20,5 %, Atomkraft bei 19,4 % und Wasserkraft bei 17,7%. Wind kam damals auf 6% und war damit sogar noch hinter Öl (7,7 %).

    2016 ist zwar Gas auf Platz eins (20,3 %), Wind ist jedoch bereits die zweitwichtigste Erzeugungsform in Europa (16,7 %), gefolgt von Kohle mit (16,5 %). Atomkraft landete hinter Wasserkraft (14,8 %), bei 13,1 %.


    Weiterführende Links und Quellen:

    Bildquelle:  CC0 Public Domain, Didgeman, Pixabay

  • #28 Hamburgs Wärmespeicher-Revolution

    Hamburgs Fernwärmenetz wird umgebaut. Aber anstatt alte Heizkraftwerke einfach durch neue zu ersetzen, planen die Zuständigen so etwas wie eine kleine Sensation. Denn sonst würde man einen solchen Absatz nicht in einem Zeit.de-Artikel finden:

    Das wird die Welt verändern.

    Hamburg stellt sich an die Spitze des ökologischen Fortschritts.

    Superlative dienen oft zur Übertreibung, hier sind sie angebracht. Was Hamburg plant, davon träumen Umweltschützer schon ewig. (Zeit.de)

    Doch worum geht es? Hamburg will Wärme als „Baukastenlösung“ aus vielen Bereichen der Stadt sammeln: Wärme aus der Müllverbrennung, Abwärme aus der Industrie, eventuell Biomasse oder Sonnenwärme. Und ein Teil des Baukastens ist ein „Aquiferwärmespeicher“.

    Aquifere sind wasserführende Schichten im Boden. Aus den oberen Lagen versorgt sich Hamburg mit Trinkwasser. Tiefer, unter dicken Tonschichten, verlaufen weitere Wasserleiter. Weil sie Kontakt mit Salzstöcken haben, sind sie als Quellen für Trinkwasser unbrauchbar. Aber man kann Wärme darin speichern. Hamburgs neuer Wärmespeicher muss also nicht mehr gebaut werden, er ist schon da. (Zeit.de)

    Das ist nämlich das Besondere: Hier kann Wärme über lange Zeit (100 Tage auf einer Temperatur von 65° Celsius) gespeichert werden, Wärme muss nicht ständig neu produziert werden, sondern wird „recycelt“. Die Technik ist nicht neu – der Reichstag in Berlin wird mit einem Aquiferwärmespeicher geheizt. Nur jetzt geht es um eine Viertelmillion Haushalte und nochmal so viel Gewerbefläche.

    Der Preis für einen solchen Aquiferspeicher? Rund eine Million Euro. 2015 kündigte man noch den Bau eines neuen „Innovationskraftwerks“ an, zu einem Preis von rund einer halben Milliarde Euro.

    Das klingt also alles sehr beeindruckend. Und so beschließt der Autor des Zeit-Artikels auch mit folgenden Worten:

    Wo also ist der Haken an der Sache? Das ist die Frage, die offen bleibt.

    Wir werden sehen. Im Herbst 2017 entscheidet die Stadt schließlich, ob es zu so einer Umsetzung kommen wird.


    Weiterführende Links und Quellen:

    Bildquelle: CC0 Public Domain, Pexels, Pixabay