Schlagwort: Baltimore

  • #231 Kostenlose Brillen verbessern schulische Leistungen

    Vor drei Jahren haben sich ForscherInnen der Johns Hopkins Universität eine Frage gestellt: Ob die Kluft bei der Lesefähigkeit zwischen Kindern aus armen bzw. wohlhabenderen Familien geschlossen werden könnte, wenn man jenen aus armen Familien kostenlose Brillen zur Verfügung stellen würde?

    Die ersten Ergebnisse zeigen: Viele Kinder sind offenbar wirklich lange Zeit an ihrer Fehlsichtigkeit gescheitert. Eine Ursache dabei ist, dass Kinder sich bislang nur drei Mal einem Sehtest unterziehen müssen: vor dem Kindergarten, in der ersten Schulstufe und dann erst wieder in der achten. Stärker werdende Fehlsichtigkeiten werden dazwischen oftmals gar nicht bemerkt.

    Aber von vorne: Um ihre Hypothese auszutesten, haben die ForscherInnen daraufhin an einigen wenig hundert Kindern Sehtests vorgenommen und jene mit einer Fehlsichtigkeit mit Brillen ausgestattet. Und obwohl die Stichprobe nur relativ gering war, zeigte die beobachtete Performance in der Schule große Verbesserungen.

    Aus diesem Grund hat die Stadt Baltimore (in welcher auch die Johns Hopkins Universität ihren Sitz hat) im Mai 2016 ein großes Pilotprojekt gestartet – mit umfangreicher Unterstützung: So ist das Gesundheitsamt mit dabei, einem Verbund der öffentlichen Schulen, dem Johns Hopkins Wilmer Eye Institute, der Johns Hopkins School of Education, dem Brillenhändler Warby Parker und einer landesweit agierenden Non-Profit-Orgnanisation namens „Vision To Learn“. Das Projekt kann auch nur aus dieser Form der Philantropie bestehen – die Kosten für ein solch großes Projekt sind grundsätzlich sehr hoch.

    Innerhalb von drei Jahren soll das Projekt namens „Vision for Baltimore“ 150 Schulen besuchen und an 60.000 SchülerInnen Sehtests durchführen. Von Mai 2016 bis Mitte August 2017 hat das Projekt bereits 18.000 Sehtests durchgeführt und 2.000 Brillen ausgegeben. Am Ende sollen es 8.000 ausgegebene Brillen sein.

    “When the kids are wearing glasses and they’re doing better, the attendance is higher, and the standardized test scores have improved, then you can really make the argument for why this needs to be built into what schools do“, Megan Collins, Forschungsleiterin der Studie


    Weiterführende Links und Quellen:

    Bildquelle: CC0 Public DomainPexelsPixabay

  • #60 Mr. Trash Wheel schützt den Hafen von Baltimore vor Müll

    Müll, der durch den Zufluss in einen Hafen angeschwemmt wird, sieht einerseits definitiv nicht schön aus und man hat andererseits große Mühen, den Hafen wieder davon zu bereinigen. Aus diesem Grund gibt es in Baltimore (Maryland, USA) seit Mai 2014 ein Vorrichtung, welche sich um den an der Wasseroberfläche schwimmenden Müll kümmert, bevor er den Hafen erreicht. Und weil offenbar irgendjemand weiß, wie man so etwas perfekt bewirbt, gab man dem Gerät einen wunderbaren Namen und ein freundlichem Aussehen.

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    Mr. Trash Wheel beobachtet mit seinen großen Augen die auf ihn zuschwimmenden Wassermengen des Jones Falls Flusses,  bevor der schwimmende Müll über ein Förderband in seinem großen Mund verschwinden.

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    Auf der Website der baltimorewaterfront wird sorgfältig mitgezählt

    Seit 2014 schützte er den Hafen damit vor rund 492 Tonnen Müll. Darunter rund 368.000 Plastikflaschen, 8.9 Millionen Zigarettenstummel (!) und rund 338.000 Chips-Verpackungen. Angetrieben wird Mr. Wheel dabei einerseits vom Fließen des Wassers und von Sonnenenergie. Der eingesammelte Müll wird übrigens entweder recycelt oder zur energiegewinnenden Verbrennung zugeführt.

    Die von der Waterfront Partnership of Baltimore gestartete „Healthy Harbor Initiative for a swimmable and fishable Baltimore Harbor“ hat zum Ziel, dass der Hafen bis 2020 wieder zum Fischen und Schwimmen freigegeben werden kann. Und man ist zufrieden mit der Arbeit des freundlichen Müllschluckers; deshalb stellte man ihm mit Professor Trash Wheel eine weibliche Kollegin zur Seite. Seit Ende 2016 verrichtet sie ihre Arbeit an einer anderen Stelle des Hafens.

    Wer sich nun von der wunderbaren Arbeit der beiden Trash Wheels überzeugen will, kann den beiden übrigens auf Facebook und Twitter folgen und „ihnen“ auch Fragen stellen. Wer gerade wirklich nichts zu tun hat, der kann sich natürlich auch den Livestream ansehen.

    Mr. Trash Wheel Prof. Trash Wheel
    Twitter @MrTrashWheel @ProfTrashWheel
    Facebook Mr. Trash Wheel Professor Trash Wheel
    Website Trash Wheel Project
    Livestream Link

    Aber um die Funktionsweise von der Familie Trash Wheel zu verstehen ist dieses Video wichtig: Hier sieht man, dass Menschen benötigt sind, um den möglichst durchgängigen Ablauf zu garantieren. Bei Minute 2:05 sieht man zudem, wie der müll-auffangende Container rasch ausgewechselt wird.

    Ob Mr. und Professor Trash Wheel in irgendeiner Form mit Boaty McBoatface verwandt sind, konnte übrigens bis heute nicht wirklich geklärt werden.


    Weiterführende Links und Quellen:

    Bildquelle: Bilder von der Facebook-Seite von Mr. Trash Wheel (1 und 2) und Screenshot der Website (kleines Bild seitlich rechts)

  • #45 Fortschritte mit Ultraschall in der Alzheimer-Forschung

    Im März 2015 überraschte ein Forschungsteam des Queensland Brain Institute (QBI) an der australischen Universität von Queensland, als es in einem Forschungsartikel erklärte, dass durch gezielte, nicht-invasive Ultraschalltechnologie die Speicherfunktion von Gehirnen mit Alzheimer zu 75 Prozent wieder aktiviert werden konnte. Damals gelang ihnen dies bei Versuchen mit Mäusen.

    Was ist Alzheimer?

    Die Alzheimer-Krankheit (AK, lateinisch Morbus Alzheimer) ist eine neurodegenerative Erkrankung, die in ihrer häufigsten Form bei Personen über dem 65. Lebensjahr auftritt und durch zunehmende Demenz gekennzeichnet is

    Charakteristisch ist eine zunehmende Verschlechterung der kognitiven Leistungsfähigkeit, die in der Regel einhergeht mit einer Abnahme der Fähigkeit, die Aktivitäten des täglichen Lebens zu bewältigen, mit zunehmenden Verhaltensauffälligkeiten und verstärkt auftretenden neuropsychiatrischen Symptomen.

    Bereits viele Jahre bevor erste klinische Symptome sichtbar werden, bilden sich im Gehirn des Betroffenen Plaques, die aus fehlerhaft gefalteten Beta-Amyloid-(Aβ-)Peptiden bestehen. Zusammen mit den Plaques sind Neurofibrillen, die sich in Form von Knäueln in den Neuronen ablagern, kennzeichnend (pathognomonisch) für die Erkrankung. (de.wikipedia.org)

    Aktuell gibt es keine Medikament oder Präventivmaßnahme, um gegen Alzheimer anzukämpfen. In ihrem wissenschaftlichen Artikel im Journal „Science Translational Medicine“ beschreibt das Forschungsteam seine Arbeit. Durch fokussierten therapeutischen Ultraschall werden Schallwellen in das Hirngewebe geschickt. Durch superschnelle Schwingungen gelingt es dabei, die sogenannte Blut-Hirn-Schranke zu öffnen. Diese kann man als Barriere zwischen den Flüssigkeitsräumen im Blutkreislauf und dem Zentralnervensystem verstehen. Danach werden die Mikrogliazellen aktiviert – diese agieren als Fresszellen zur Immunabwehr im zentralen Nervensystem. Diese Zellen lösen die toxischen Beta-Amyloid-Klumpen auf, die für die schlimmsten Alzheimer-Symptome verantwortlich sind. Das klingt jetzt zwar alles sehr kompliziert – der Vorgang ist aber, zusammengefasst, vielversprechend, weil er nicht-invasiv ist und bei dieser Behandlung die anderen, noch gesunden Gehirnzellen nicht angegriffen werden. In diesem Jahr (2017) sollen nun Tests an Menschen durchgeführt werden.

    Dasselbe Forschungsteam erklärte im Oktober 2016, dass Ultraschall zudem das Altern von gesunden Gehirnen verlangsamen kann. Eigentlich war die Studie zur Erforschung der Sicherheit von Ultraschall gedacht, aber statt Schäden zeigte die Untersuchung rasch positive Auswirkungen auf die Gehirne der untersuchten Mäuse. Forscher Dr. Robert Hatch erklärt den Fortschritt: „In a normal brain the structure of neuronal cells in the hippocampus, a brain area extremely important for learning and memory, is reduced with age. What we found is that treating mice with scanning ultrasound prevents this reduction in structure, which suggests that by using this approach we can keep the structure of the brain younger as we get older.“

    Und im Februar 2017 hat das Forschungsteam der QBI erneut etwas verlautbart: Es gelinge nun zu verstehen, wie Tau, ein Schlüsselprotein bei Alzheimer, Fehlfunktionen von Neuronen verursacht. Tau ist grundsätzlich ein Protein mit normaler Funktion in den Gehirnzellen. Bei neurodegenerativen Zuständen wie z.B. bei Erkrankung mit Alzheimer oder Parkinson sorgen jedoch abnorme Formen von Tau für einen Aufbau von unlöslichen Aggregaten innerhalb der Neuronen und schließlich zum Absterben dieser Neuronen.

    Biomedizinische Ingeneure an der Johns Hopkins University in Baltimore, Maryland (USA) erklärten im Jänner 2017 übrigens ebenfalls einen Fortschritt dank Ultraschall: Ihnen gelang es, mittels Ultraschall konzentrierte Mengen von Medikamenten in das Gehirn von Ratten lokalisiert freizusetzen. Dabei wird das Medikament zuerst in winzige, biologisch abbaubare Nanopartikel „verpackt“ und dann mittels Schallwellen gezielt freigesetzt.


    Weiterführende Links und Quellen:

    Bildquelle: CC0 Public Domain, geralt, Pixabay