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  • #235 Chile: Pinguine statt Eisenmine

    Ein einzelner Humboldt-Pinguin auf einem Stein, umgeben von Wasser.
    Ein Humboldt-Pinguin

    Eine Investition von 2,5 Milliarden US-Dollar (rund 2,12 Milliarden Euro) mit nicht ausreichenden Umweltgarantien oder doch lieber der Schutz der Umwelt? Für viele Regierungen wäre es keine leichte Entscheidung keine Einfache – doch die chilenische Regierung hat nun die Pläne für das Bergbauprojekt des Unternehmens „Andes Iron“ abgelehnt. Das Unternehmen wollte 12 Millionen Tonnen Eisen und 150.000 Tonnen Kupfer in der nördlichen Region Coquimbo produzieren und zusätzlich einen neuen Hafen bauen.

    Für den Umweltminister Marcelo Mena sind in den aktuellen Plänen keine ausreichenden Umweltgarantien erbracht worden. In dem betroffenen Gebiet leben 80 % der Humboldt-Pinguine – diese Pinguinart zählt zu den „gefährdeten“ Vogelarten. In Chile und Peru genießt diese Vogelart einen gesetzlichen Schutz. Auch andere gefährdete Tierarten wie Blauwale, Finnwale oder Seeotter findet man in diesem Gebiet. Der Minister betont, dass er an (wirtschaftliche) Entwicklungen glaubt, diese jedoch nicht auf Kosten des Naturerbes oder mit verbundenem Gesundheitsrisiko geschehen darf.

    Nachdem im März die Umweltkomission das Projekt abgelehnt hat, hat nun das Ministerkomitee das endgültige Urteil verlautbart. Chiles „National Mining Society“ (Sonami, Sociedad Nacional de Minería) sieht darin eine „schlechte Nachricht für den Bergbau und das ganze Land“, das Unternehmen Andes Iron kann gegen diese Entscheidung berufen.


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    Bildquelle: CC0 Public Domain, PublicDomainPicturesPixabay (Titelbild) und WerbeFarbrikPixabay (Bild 2)

  • #234 Indien: Islamische Praktik der sofortigen Scheidung verfassungswidrig

    Im islamischen Recht gibt es bis heute eine Form der Verstoßung: Der Mann (und nur der Mann allein) hat die Möglichkeit, mittels einer auszusprechenden Scheidungserklärung gegenüber seiner Frau mit sofortiger Wirkung sozusagen seine Frau zu verstoßen. Genau das hat das Oberste Gericht in Indien am 22. August 2017 als verfassungswidrig eingestuft – ein großer Sieg für die Reche der islamischen Frauen. Rund 14 Prozent der 1,3 Milliarden Einwohner Indiens bekennen sich laut dem Zensus von 2011 zum Islam.

    Man kann es sich eigentlich gar nicht vorstellen: Laut islamischen Recht (und nach allen vier sunnitischen und der schiitischen Rechtsschule) reicht es aus, wenn der Mann (und dieses „Recht“ steht ausschließlich dem Mann zu) drei Mal das arabische Wort für Verstoßung, nämlich „ṭalāqausspricht. (Teilweise passierte dies sogar via Skype oder WhatsApp.) Sobald dieses Wort drei Mal ausgesprochen wurden, gilt die Verstoßung als unwiderruflich. Die ersten beiden Male ist sie noch widerruflich und wird dabei von Männern auch als Drohung oder Erziehungsmaßnahme eingesetzt.

    Mehr als 20 muslimische Länder (wie z.B. Pakistan oder Bangladesch) haben diese Praktik abgeschafft. In Jordanien, Libanon, Libyen, Marokko und Syrien muss ein Gericht die Verstoßung bestätigen, und wie Wikipedia schreibt muss „die Ehefrau (…) über die Verstoßung informiert werden“. KritikerInnen heben hervor, dass „triple talaq is not a basic and integral part of Islam“. Einige islamische Gelehrte erklären zudem, dass ṭalāq im Koran gar nicht erwähnt wird.

    Das Oberste Gericht Indiens hat nun mit einer 3:2 Mehrheit diese islamische Praktik als unvereinbar mit der indischen Verfassung erklärt. Die Praktik wurde erstmal für sechs Monate ausgesetzt – nun muss das Parlament einen Weg finden, neue Gesetze zu entwickeln.


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    Bildquelle: By Legaleagle86 at en.wikipedia, CC BY-SA 3.0, Link

  • #233 „Reißverschluss“ – Inklusion von Menschen mit körperlicher Beeinträchtigung in die Modewelt

    Die Wienerin Özlem Turan hat Modedesign studiert und war erst 22 Jahre alt, als sie vor drei Jahren das Projekt „Reißverschluss: weil wir uns nicht verschließen“ startete. Ziel dabei war es Mode mit und für Menschen mit körperlicher Beeinträchtigung zu designen.

    Das Team möchte Kleidungsstücke designen, die raffiniert von dem Handikap ablenken und zu einer kleinen, positiven Verwirrung des Betrachters führen. Darüber hinaus soll sich der Träger/ die Trägerin natürlich in seiner/ ihrer Haut als auch Kleidung wohl fühlen. Der Träger / die Trägerin gibt vor was er/sie sich wünscht – das Team designt dann ein originelles einmaliges Kleidungsstück für diese Person.

    Turan konnte rasch ein Team mit Menschen mit vielen unterschiedlichen Kompetenzen um sich scharen können. Sowie Unterstützung aus allen Bereichen. So sagte der Modedesigner Petar Petrov zu, ein Stück zur Kollektions beizusteuern. Nachwuchssportler 2014 und österreichischer Staatsmeister im Rollstuhltennis, Nico Lengmann, stellte sich als Modell zur Verfügung. Und schon während der Anfänge gab es Sponsoring: So sponserte die Firma Singer Nähmaschinen und die Firma EZA Stoffe.

    Das Projekt entstand ehrenamtlich im Rahmen von youngCaritias und bekam Unterstützung aus dem „Eure Projekte“-Fördertopf (siehe unten). Für ihre Arbeit wurde sie Ende 2016 mit dem erstmals vergebenen Österreichischen Jugendpreis ausgezeichnet. Eine Website zum Projekt konnte leider nicht gefunden werden.


    EureProjekte_Logo_frei.jpgEure Projekte

    „Eure Projekte“ ist eine Initative des österreichischen Bundesministeriums für Familien und Jugend. Hierbei können junge Menschen, die ein Projekt umsetzen möchten um finanzielle Unterstützung von bis zu 500 Euro ansuchen. Zusätzlich erhalten die Jugendlichen individuelle Projektberatung. Zielgruppe sind Jugendliche zwischen 14 und 24 Jahren. Wer eine Idee hat, kann hier seine/ihre Idee bzw. sein/ihre Projekt einreichen: eureprojekte.at


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    Bildquelle: CC0 Public DomainAlexas_FotosPixabay

  • #232 Music and Memory – Ein besseres Leben für Demenz-Kranke dank Musik

    Demenzkranke Menschen vergessen leider sehr, sehr vieles. Wie ForscherInnen des Max-Planck-Instituts für Kognitions- und Neurowissenschaften in Leipzig aber herausgefunden haben, ist das Musikgedächtnis von den Angriffen der Krankheit weitaus weniger stark betroffen wie andere Hirnregionen.

    Dabei hat Musik auf Menschen mit Demenz ganz sichtbare Effekte: Hören diese Menschen Musik aus ihrer Jugend, seien sie ausgeglichener und weniger aggressiv. Dies hat auch eine wissenschaftliche Studie des Teams rund um den Psychologen und Musikwissenschaftler Arthur Schall von der Goethe Universität Frankfurt bestätigt. Außerdem hat eine Studie gezeigt, dass Therapie mit personalisierter Musik die Medikation von antipsychotischen Medikamenten und Anxiolytika (Angstlöser) verringert.

    Das Projekt „Music and Memory“ arbeitet mit diesen Erkenntnissen: In den USA und Kanada gibt es iPod-Programme in Altersheimen. Die BewohnerInnen erhalten dabei iPods mit personalisierter Musik (also Musik, die sie aus ihrer Kindheit und Jugend und den Jahren des Erwachsenseins kennen).  Dabei blühen manche BewohnerInnen richtiggehend auf, so wie z.B. Henry. Er leidet seit 10 Jahren an Demenz, hat kaum mit jemanden ein Wort gewechselt – und jetzt kommt er ins Schwärmen, wenn er über die Musik spricht und sich daran erinnert, woher er die Lieder kennt.


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  • #231 Kostenlose Brillen verbessern schulische Leistungen

    Vor drei Jahren haben sich ForscherInnen der Johns Hopkins Universität eine Frage gestellt: Ob die Kluft bei der Lesefähigkeit zwischen Kindern aus armen bzw. wohlhabenderen Familien geschlossen werden könnte, wenn man jenen aus armen Familien kostenlose Brillen zur Verfügung stellen würde?

    Die ersten Ergebnisse zeigen: Viele Kinder sind offenbar wirklich lange Zeit an ihrer Fehlsichtigkeit gescheitert. Eine Ursache dabei ist, dass Kinder sich bislang nur drei Mal einem Sehtest unterziehen müssen: vor dem Kindergarten, in der ersten Schulstufe und dann erst wieder in der achten. Stärker werdende Fehlsichtigkeiten werden dazwischen oftmals gar nicht bemerkt.

    Aber von vorne: Um ihre Hypothese auszutesten, haben die ForscherInnen daraufhin an einigen wenig hundert Kindern Sehtests vorgenommen und jene mit einer Fehlsichtigkeit mit Brillen ausgestattet. Und obwohl die Stichprobe nur relativ gering war, zeigte die beobachtete Performance in der Schule große Verbesserungen.

    Aus diesem Grund hat die Stadt Baltimore (in welcher auch die Johns Hopkins Universität ihren Sitz hat) im Mai 2016 ein großes Pilotprojekt gestartet – mit umfangreicher Unterstützung: So ist das Gesundheitsamt mit dabei, einem Verbund der öffentlichen Schulen, dem Johns Hopkins Wilmer Eye Institute, der Johns Hopkins School of Education, dem Brillenhändler Warby Parker und einer landesweit agierenden Non-Profit-Orgnanisation namens „Vision To Learn“. Das Projekt kann auch nur aus dieser Form der Philantropie bestehen – die Kosten für ein solch großes Projekt sind grundsätzlich sehr hoch.

    Innerhalb von drei Jahren soll das Projekt namens „Vision for Baltimore“ 150 Schulen besuchen und an 60.000 SchülerInnen Sehtests durchführen. Von Mai 2016 bis Mitte August 2017 hat das Projekt bereits 18.000 Sehtests durchgeführt und 2.000 Brillen ausgegeben. Am Ende sollen es 8.000 ausgegebene Brillen sein.

    “When the kids are wearing glasses and they’re doing better, the attendance is higher, and the standardized test scores have improved, then you can really make the argument for why this needs to be built into what schools do“, Megan Collins, Forschungsleiterin der Studie


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  • #230 Los Angeles: Neuer Straßenbelag gegen Hitze

    Großstädte haben im Sommer ein großes Problem: Wenn die Temperaturen steigen, wirken die asphaltierten Straßen wie Fußbodenheizungen. Sie nehmen die Wärme bzw. Hitze der Sonneneinstrahlung auf und speichern sie. Dadurch wirken heiße Tage in städtischen Häuserschluchten noch einmal ein paar Grad wärmer – die Wärme geben sie erst nachts wieder langsam ab. In Los Angeles wird deshalb nun ein ein neuer Straßenbelag getestet, welcher einen Großteil des Sonnenlichts reflektieren soll.

    Während der aktuellen Hitzewelle hat der Asphalt zwischen 42 und 43 Grad Celsius – nach einer Schicht der reflektierenden Farbe sind es „nur mehr“ 36 Grad Celsius – ein Unterschied von sieben Grad, und das bevor noch eine weitere Schicht aufgetragen wurde.

    Der Testlauf soll auch überprüfen, wie rasch diese Schicht durch Reifenspuren oder Ölflecken ihre Farbe und somit ihre Reflektionsfähigkeit verliert. Die Spezialbeschichtung kostet pro Meile (1,6 Kilometer) zwischen 21.000 und 34.000 Euro und soll sieben Jahre halten.

    Es gibt aber natürlich mehr Möglichkeiten, dem sogenannten Hitzeinseleffekt entgegenzuwirkungen: Durch das Bepflanzen der Straßenränder mit Bäumen (dadurch dringt weniger Sonne auf die Straße durch) oder den Einsatz kühlender Dachmaterialen auf Wohnhäusern an den Straßen.


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    Bildquelle: CC0 Public DomaintpsdavePixabay

  • #229 Selfapy: Online-Selbsttherapie mit psychologischer Begleitung

    Wer in Deutschland professionelle Hilfe bei einer psychischen Erkrankung in Anspruch nehmen möchte, wartet meist monatelang, bis man einen Therapieplatz erhält. Damit Menschen diese Zeit sinnvoll überbrücken können, haben Katrin Bermbach, Nora Blum und Farina Schurzfeld im Jahr 2016 Selfapy gestartet.

    Selfapy bietet eine Onlinetherapie mit psychologischer Begleitung an. So stehen aktuell Therapiekurse für Depression, generalisierte Angststörung „Vom Stress zum Burnout“, Binge-Eating-Störung, Panik und Phobie, Anorexie, Angehörige von Essgestörten und Bulimie zur Auswahl. Diese Selbsthilfekurse sind in neun Wochenmodule gegliedert – 20 Minuten täglich muss man dabei für Übungen aufwenden. Einmal die Woche telefonieren die Kursteilnehmer außerdem mit ausgebildeten PsychologInnen.

    Die Kosten für den neunwöchigen Kurs belaufen sich auf 179 Euro. Seit April 2017 tragen die Kurse gegen Stress zudem das Prüfsiegel der Zentralen Prüfstelle Prävention – die meisten gesetzlichen deutschen Krankenkassen erstatten die Kosten zu 80-100 Prozent.

    Blum erklärt im Interview mit edition f, dass eine Studie aus dem vergangenen Jahr zum Depressionskurs sehr positiv war:

    „Eine Studie des Universitätsklinikums Hamburg-Eppendorf hat 2016 unseren Depressionskurs evaluiert und gezeigt, dass die Symptome der Depression signifikant reduziert wurden. Psychologisch begleitete Selbsthilfe kann ebenso wirksam sein wie die Therapie ganz klassisch in der Praxis.“

    Das Startup bekam im August 2017 übrigens ein siebenstelliges Investment – das bedeutet, dass Selfapy weiter wachsen wird.


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    Bildquelle: CC0 Public DomainEngin-AkyurtPixabay

  • #228 Ugandas offene Grenzen für Flüchtlinge

    Der ostafrikanische Binnenstaat Uganda bietet Flüchtlingen nach ihrer Ankunft 900 Quadratmeter Grund, eine Arbeitserlaubnis ab dem ersten Tag und ein Bleiberecht für immer. In den vergangenen Jahren nahm das Land rund eine Million Menschen auf der Flucht auf – vor allem aus dem kriegsgebeutelten Südsudan, zudem auch aus dem Kongo, Somalia, Eritrea und Burundi.

    Die UNO-Flüchtlingshilfe schreibt im März 2017, dass von den rund 1,5 Millionen Flüchtlingen aus dem Südsudan Uganda mit rund 700.000 Flüchtlinge fast die Hälfte aufgenommen hat. Inzwischen sollen es fast eine Million Kriegsflüchtlinge aus dem Südsudan sein.

    Die Menschen erhalten nach ihrer Ankunft 30 mal 30 Meter Grund, dass sie selber bebauen dürfen, mit einem Wohnhaus und einem Garten. Zwar sind die Gegenden nahe der Grenze vom Klima her eher raus, das Land karg – und doch: für die Menschen ist es nach der Flucht ein sicherer Ort.

    Eigennützig hilfsbereit

    Uganda profitiert von den Flüchtlingen: der bislang unterentwickelte Nordwesten des Landes erhält durch die internationale Hilfe erhöhte Aufmerksamkeit. So entstehen, dank der Hilfsorganisationen, hunderte Kilometer neue Straßen oder ganze Ortschaften. Es entwickeln sich Märkte, Unterkünfte, Restaurants oder auch Büros für die unzähligen registrierten Hilfsorganisationen.

    Die Versorgung der Geflüchteten findet dabei vor allem durch die Hilfsorganisationen statt. Um das Essen kümmert sich das Welternährungsprogramm der Vereinten Nationen – Kritiker meinen, dass Uganda da selber aktiver werden soll, und wie z.B. Tansania oder Kenia große Getreidespeicher für Dürrezeiten zu füllen.

    Die Europäische Union unterstützt Uganda nach einem Beschluss im Juni 2017 mit 85 Millionen Euro – das UN-Flüchtlingswerk forderte für das Land Hilfsgelder in Höhe von 673 Millionen Dollar (624 Millionen Euro). Der zypriotische EU-Kommissar (für humanitäre Hilfe und Krisenmanagement) Christos Stylianides erklärt: „Wie Uganda schutzlosen Menschen hilft, mit ihrer Flucht umzugehen, ist Vorbild für die ganze Region und die Welt“. Weiter: „Aber kein Land kann so eine hohe Zahl an Flüchtlingen alleine bewältigen.“

    Gefährlich ist, dass sich offenbar die ugandische Regierung auch selber finanziell etwas an den Hilfsprojekten bedient – Korruption war, ist und bleibt leider ein Problem in diesem Land. Kommt ein solcher Skandal ans Tageslicht, werden mitunter auch Hilfsgelder eingefroren – eine Gefahr für die Versorgung der Flüchtlinge.


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  • #227 Take-Away-Essen ohne Einwegmüll

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    Das Logo von reCIRCLE

    Wenn man sich ein Essen zum Mitnehmen bestellt, bekommt man das in Bechern, in einer Alu- oder Styroporbox oder in einem Karton. Das hält zwar (meist) die Speisen warm, landet dann aber sogleich im Müll. Das Schweizer Unternehmen reCIRCLE möchte dieser Tatsache mit der Einführung von Mehrwegverpackungen entgegentreten.

    Wohlgemerkt: Es geht hier nicht um die Verhinderung von Müll – auch die Mehrwegverpackungen Rebox bestehen aus Kunststoff. Aber PBT (Polybutylenenterephtalat) kann mindestens 100 Mal wiederverwendet werden. Laut der Gründerin Jeannette Morath ist aber der 7. Nutzung die CO2-Bilanz vom Mehrweggeschirr besser als jene vom Einweggeschirr.

    Eine Form der reBOX

    Doch wie soll das funktionieren? Lokale bieten neben dem Einweggeschirr auch die Mehrwegverpackungen an – dafür zahlt man zwar 10 Franken Pfandgebühr, bekommt das aber bei geglückter Rückgabe natürlich auch wieder zurück. Zurückgeben kann man reBOX dann bei allen teilnehmenden Lokalen und Restaurants. In der Schweiz gibt es bislang 70 Restaurants, die meisten davon in Bern – auf einer Karte kann man sich die an reCIRCLE teilnehmenden Unternehmen ansehen. Und auch in Stuttgart, Deutschland hat reCIRCLE schon losgelegt.

    Was reCIRCLE jetzt noch braucht, sind zahlreiche weitere teilnehmende Lokale. Erst dadurch wird es für die KundInnen einfacher, das Mehrweggeschirr zu verwenden – solange sie auch bereit sind, die recht hohe Pfandgebühr zu bezahlen. Wobei das wahrscheinlich auch dazu führt, dass man eher gewillt ist, das Geschirr auch wieder zurückzugeben.


    Weiterführende Links und Quellen:

    Bildquelle: CC0 Public DomainorcristPixabay

  • #226 Programmierende Mädchen im indischen Slum

    Dharavi zählt mit einer Fläche von über 2 km² und über 1 Million Einwohnern zu den größten Slums Asiens bzw. der Welt. Für die unzähligen Kinder in diesem Slum in Mumbai, Indien, gibt es kaum bis gar keinen Zugang zu Bildung. Vor allem Mädchen wird ein Bildungsweg verwehrt – und genau das möchte Nawneet Rajan verändern. Er hat die Organisation Dharavi Diary gegründet.

    Das Besondere an der Organisation? Dort lernen die Mädchen nicht nur lesen, schreiben und rechnen – sondern auch, wie man programmiert. Und bereits jetzt sind einzelne Apps erschienen, die sich um soziale Probleme im Slum selbst bemühen. So hat die 17-jährige Ansuja Madival die App „Woman Fight Back“ entwickelt, welche Alarm-SMS an die Polizei versendet und Sirenen-Sound simuliert, wenn Frauen in Bedrängnis geraten. Die App von Fauzia Aslam Ansari (16) organisiert die Abholung und Verteilung des kommunalen Wassertanks. Für die Mädchen ist dieser Zugang zur Bildung von großer Bedeutung: Sie entwickeln ein neues Selbstbewusstsein, unterstützen ihre Eltern beim Lesen und Schreiben von Briefen oder führen von Telefonaten – und einige haben nun sogar Mutter-Tochter Workshops veranstaltet, die sich gegen die Tabuisierung von Menstruation gerichtet hat. #PeriodofChange behandelt ein Problem, dass viele junge Frauen vom Unterricht abhält.

    Dharavi Diary unterwegs

    Rajan startete das Projekt im Jahr 2012 mit 15 Mädchen. Er hatte zuvor einen lukrativen Job in San Francisco aufgegeben, um in seinem Herkunftsland zu helfen. Heute werden 200 SchülerInnen unterrichtet – und ja: seit dem Start im Jahr 2012 hat der Organisator die Schule auch für Buben geöffnet. Die überwiegende Mehrheit bleibt aber weiblich. Einige der Schülerinnen erster Generation arbeiten nun jetzt als Mentorinnen – und für Nawneet Rajan ist es schwer, die große Nachfrage zu beantworten – es mangelt an Raum und an LehrerInnen.

    Deshalb möchte er einen richtigen Schulbus starten – eine rollende Schule, die ab August von Ort zu Ort fährt, damit mehr Kinder in Dharavi Bildung erhalten.

    Finanziert wird das ganze Projekt übrigens durch Spenden, die Rajan in den USA sammelt. Ende des Jahres 2016 wurde das Projekt zudem mit dem Google Rise Award ausgezeichnet.


    Weiterführende Links und Quellen:

    Bildquelle: CC BY NC SA (2.0)Darrel Ronald, Mumbay – Darhavi Slums, Flickr