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  • #195 Refill Berlin: Für den Genuss des Leitungswassers

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    Teilnehmende Unternehmen werden mit diesem Sticker markiert.

    Das Projekt „Refill Berlin“ hat ein Ziel: Der Gebrauch von Einwegflaschen aus Plastik soll reduziert werden. Daher bieten bislang zehn Orte (Lokale, Shops usw.) an, dass  leere Flaschen kostenlos und offiziell mit Leitungswasser nachfüllt werden.

    Die Idee tauchte in Deutschland eigentlich erstmals in Hamburgauf und hat sich bislang in sieben deutsche Städte verbreitet. In Berlin beteiligen sich auch die Berliner Wasserbetriebe an dem Projekt: Dort können sich Unternehmen die blauen Aufkleber besorgen, die sie dann neben dem Eingang außen anbringen sollen.

    „Wir wollen Trinkwasser aus der Leitung für alle Menschen zugänglich machen – auch unterwegs“, erklärt Lena Ganssmann von a tip: tap, einer Initiative, die sich für frei zugängliches Leitungswasser einsetzt. „So vermeiden wir den Müll der Plastikflaschen – und die beteiligten Geschäfte werben für sich als jemand, der Nachhaltigkeit unterstützt.“ (Pressemitteilung der Berliner Wasserbetriebe)

    Der Verein „a tip: tap“ hat es sich zur Aufgabe gemacht, das Leitungswasser wieder mehr Aufmerksamkeit zukommen zu lassen.

    https://twitter.com/rbbabendschau/status/885514655145357316


    Weiterführende Links und Quellen:

    Bildquelle: CC0 Public DomainTanteTatiPixabay

  • #194 Möglicher Impfschutz gegen Gonorrhö

    Erst vor kurzem hat die Weltgesundheitsorganisation (WHO) davor gewarnt, dass sich die Geschlechtskrankheit Gonorrhö (heutzutage oftmals als „Tripper“ bezeichnet) immer weiter entwickelt und es dazu kommen könnte, dass kein bestehendes Antibiotika mehr zur Behandlung eingesetzt werden kann. Nur hat eine Forschungsgruppe der University of Auckland (Neuseeland) jedoch eine Studie veröffentlicht, die Hoffnung auf einen Impfschutz gegen die Krankheit macht.

    Dafür untersuchte das Team um Helen Petousis-Harris die Daten von 14.000 Menschen, welche in Neuseeland im Zeitraum zwischen 2004 und 2006 gegen Meningitis-B-Epidemie geimpft wurden. Unter den Geimpften erkannten sie 31 Prozent weniger Gonorrhö-Fälle als bei nicht-geimpften Menschen. Nach Angaben der Forschungsgruppe schützt ein alter Impfstoff gegen der Hirnhautentzündung auch vor jenem Bakterium das Gonorrhö auslöst.

    Gonorrhö (Tripper) zählt zu den häufigsten Geschlechtskrankheiten: Jährlich erkranken laut WHO 78 Millionen Menschen weltweit. Die bakterielle Infektion wird durch ungeschützten Sex übertragen und kann zu Harnwegsentzündungen oder Unfruchtbarkeit führen.


    Weiterführende Links und Quellen:

    Bildquelle: CC0 Public DomainDarkoStojanovicPixabay

  • #193 Siemens will Energie in Steinen speichern

    In Zeiten der Energiewende gibt es aktuell noch ein großes Problem: Wie kann Energie, die durch Wind-, Sonnen- oder Wasserkraft erzeugt wurde, gespeichert werden, um in Zeiten ohne Wind, Sonne oder Wasser abrufbar zu sein? In diesem Bereich forschen zahlreiche Unternehmen auf der ganzen Welt. Ein Beispiel dafür ist z.B. die Powerwall des E-Autoherstellers Tesla, die die Energie von hauseigenen Photovoltaik-Panelen und -Dachschindeln in einem großen Akku speichern soll.

    Das deutsche Technologieunternehmen Siemens hat aber ein ganz anderes Speichermedium im Sinn. Im Stadtteil Bergedorf im Südosten Hamburgs hat es ein Labor der Grundlagenforschung eingerichtet und erforscht wird dabei, wie Steinhaufen als Energiespeicher benutzbar gemacht werden können. In der Zukunft soll Energie von Windkraftwerken sollen in Wärme umgewandelt werden

    Der Journalist Fabian Gubser beschreibt im enorm Magazin wie dies funktioniert:

    „Von der Seite wird warme Luft in die Steine geblasen, bis sie eine Temperatur von etwa 600 Grad erreicht haben. Eine Woche lang bleibt die Energie erhalten. Soll sie ‚ausgespeichert‘ werden, wie Ingenieure sagen, erhitzen die Steine einen Luftstrom, der – über einen Dampfkessel und eine Dampfturbine – wieder in Strom umgewandelt wird.“ (enorm Magazin)

    Forschungsprojekt Future Energy Solution
    Bildquelle: www.siemens.com/presse

    Die Vor- und Nachteile vom Steinspeicher

    • Der Speicherpreis von einer Kilowattstunde soll am Ende der Forschung bei unter zehn Cent liegen. Das wäre günstiger als bei allen anderen bislang bekannten Technologien.
    • Bei voller Kapazität speichert die Siemens-Erfindung vier bis fünf Megawattstunden. Ein E-Auto wie der BMW i3 käme damit einmal um die Erde – zum Vergleich: Ein durchschnittlicher Verbrauch eines Haushalts mit zwei Personen pro Jahr liegt bei rund 3,5 Megawattstunden.
    • Hoher Energieverlust: Aktuell kann nur ein Drittel der Energie gespeichert werden – in Zukunft sollen es aber 50 Prozent werden.

    2018 soll am Hamburger Hafen eine größere Anlage eröffnet werden. 1.000 Tonnen Gestein sollen dann 35 Megawattstunden Strom speichern. Sollte sich herausstellen, dass dieses Speichermedium auch wirtschaftlich ist, könnten übrigens stillgelegte Kohlekraftwerke zu Steinspeichern umgerüstet werden.


    Weiterführende Links und Quellen:

    Bildquelle: CC0 Public DomainHansPixabay

  • #192 GravityLight – Licht durch Gewicht und Erdanziehung

    GL_Foundation_HorizontalZahlreiche Organisationen haben es sich zur Aufgabe gemacht, in Bereichen der Welt, in der Strom noch Mangelware ist, Licht zu erzeugen. Liter a Light zum Beispiel arbeitet dabei, wie berichtet, mit der Sonne. Die GravityLight Foundation hingegen bedient sich etwas, dass sowohl am Tag als auch in der Nacht vorhanden ist: Die Schwerkraft.

    x1 GravityLight and x2 SatLights (Grey Branded)Das Prinzip ist dabei aber nicht neu: Schon Standuhren, die es seit dem 17. Jahrhundert gibt, wurden mit Gewichten angetrieben. Durch das langsame Hinabgleiten des Gewichts wird ein Kettenrad versorgt, welches sich dann sehr langsam mit hohem Drehmoment (kraft) dreht. Ein Polymergetriebe im Gehäuse verwandelt dies in eine Hochgeschwindigkeits-Niederdrehmomentausgabe, die einen Gleichstromgenerator bei Tausenden von Umdrehungen pro Minute antreibt. Das Gerät liefert so lange Licht, bis das Gewicht unten angekommen ist – also ungefähr eine halbe Stunde. Über Kontakte können übrigens auch andere Geräte wie z.B. Radios usw. betrieben werden.

    https://www.facebook.com/ThisIsZinc/videos/695533780647291/

    Bereits Ende 2012 startete die Foundation eine Crowdfunding-Aktion: 55.000 Dollar waren gewünscht, 399.590 Dollar sind es schließlich geworden. Die zweite Version von GravityLight wurde 2015 ebenfalls wieder mit Crowdfunding finanziert: auch dabei kamen 401.077 Dollar zusammen.

    Die Lampen sollen in armen Gebieten in Entwicklungsländern wie z.B. Kenia zum Einsatz kommen – und die Foundation lässt die Geräte sogar in Kenia herstellen und schafft so Arbeitsplätze für lokale Arbeitnehmer. Zuletzt gab es eine Kooperation mit dem Mineralöl- und Erdgasunternehmen Shell: Das Unternehmen finanzierte dabei Tausende Lampen.

    Ziel ist es, mehr und mehr GravityLights in den Entwicklungsländern zu etablieren und die Nutzung von Petroleumlampen weiter einzuschränken. Diese Lampen sind oftmals Grund für Lungenkrebs und Augenkrankheiten.

    Der Entwickler hat die Beweggründe und Ziele in einem TEDx-Vortrag ausführlich erklärt:


    Weiterführende Links und Quellen:

    Bildquelle: alle Bilder aus der Pressemappe der GravityLight Foundation

  • #191 Über 120 Staaten unterzeichnen Verbot von Atombomben

    Die Vereinten Nationen haben in einer Konferenz einen rechtsverbindlichen Vertrag ausverhandelt, der ein Verbot von Atombomben vorsieht. 122 Nationen haben dafür gestimmt, Niederlande stimmte dagegen und Singapur enthielt sich. Jedoch haben alle Staaten, welche Atombomben in ihrem Arsenal haben, die Verhandlungen boykottiert – sowie alle NATO-Mitglieder bis auf die Niederlande.

    Kurz gesagt: Jene Länder ohne Atombomben haben sich für ein Verbot von Atombomben ausgesprochen. Man kann nun natürlich sagen, dass dies ein zahnloser Vertrag ist, dessen Umsetzung in Wahrheit unmöglich ist. Und doch ist es der allererste Vertrag zu diesem Thema. Jene Länder, die den Vertrag ratifizieren, erklären „“never under any circumstances to develop, test, produce, manufacture, otherwise acquire, possess or stockpile nuclear weapons or other nuclear explosive devices“. Somit wird zumindest die Zahl der Länder mit Atombomben nicht weiter steigen.

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    Quelle: SIPRI. (n.d.). Anzahl der nuklearen Sprengköpfe weltweit 2016. In Statista – Das Statistik-Portal. Zugriff am 9. Juli 2017

    Die Aufrüstung mit Atombomben ist ein Relikt aus dem Kalten Krieg. So verrückt es sich auch anhört, haben die Bomben den Frieden bewahrt – doch immer mit der Gefahr einer Eskalation. Die Kuba-Krise 1962 machte den Menschen erstmals die Gefahr eines globalen Atomkriegs bewusst – doch anstatt abzurüsten, haben seither immer mehr Länder Atombomben entwickelt.

    Mit dem Beschluss wollen die Unterstützer Druck auf die Atommächte für eine Abrüstung ausüben. Friedensorganisationen begrüßten den Vertrag und sprachen von einem „historischen Abkommen“. (spiegel.de)


    Weiterführende Links und Quellen:

    Bildquelle: CC0 Public DomainWikiImagesPixabay

  • #190 Indien: 66 Millionen Bäume in 12 Stunden gepflanzt

    In Indien wurde 2016 ein Rekord aufgestellt: Innerhalb weniger Stunden wurden 2016 im Bundesstaaat Uttar Pradesh 50 Millionen Bäume eingepflanzt. Doch dieser Weltrekord wurde am 2. Juli 2017 gebrochen – ebenfalls in Indien: 1,5 Millionen Menschen pflanzten im Bundesstaat Madhya Pradesh innerhalb von 12 Stunden über 66 Millionen Bäume.

    Indien möchte bis 2030 5 Millionen Hektar Land wieder aufforsten. Ziel ist es, die Auswirkungen des globalen Klimawandels zu verringern. Die Regierung unterstützt dieses Projekt mit 6,2 Milliarden US-Dollar (rund 5,4 Milliarden Euro). Bei dem Weltrekord haben sich unzählige Freiwillige zusammengefunden: StudentInnen, Hausfrauen oder auch Regierungsangestellte.

    https://www.facebook.com/DavidAvocadoWolfe/videos/10154644193076512/


    Weiterführende Links und Quellen:

    Bildquelle: CC0 Public DomainsarangibPixabay

  • #189 Frankreichs Pläne zum Erreichen des Paris-Klimaabkommens

    Die neue Regierung unter Staatspräsident Emmanuel Macron und Premierminister Édouard Philippe hat nun die klimapolitischen Pläne für die kommenden fünf Jahre vorgestellt. Der Minister für Umwelt, Klimawandel und Energiewende, Nicolas Hulot, hat den Aktionsplan präsentiert.

    So möchte man die CO2-Steuer erhöhen und eine neue Schwerverkehrsabgabe einführen. Bis 2025 möchte man den Anteil des Stroms aus Atomkraftwerken von aktuell 75 % auf 50 % senken. Thermische Renovierung für Wohnhäuser soll zudem subventioniert werden.

    Außerdem soll den Menschen schmackhaft gemacht werden, von alten Autos (Dieselautos vor 1997, Benzinautos vor 2001) Abschied zu nehmen um weniger umweltschädliche Fahrzeuge zu nutzen. Im Jahr 2040 sollen schließlich gar keine Diesel- oder Benzinautos mehr zugelassen werden.

    Bis zum Ende von Emmanuel Macrons erster Amtszeit, also bis zum Jahr 2022, soll Frankreich übrigens gar keinen Strom mehr aus Kohlekraftwerken mehr brauchen. Vier Kraftwerke sind jetzt noch in Betrieb und müssen nun in den kommenden fünf Jahren schließen. Spannend dabei ist, wie die NZZ schreibt, dass vor einem Jahr noch der Bürgermeister von La Havre, einer Hafenstadt, in der eines der Kohlekraftwerke steht, die Kohle noch lautstark verteidigt hat. Sein Name: Édouard Philippe, der heutige Premierminister.


    Weiterführende Links und Quellen:

    Bildquelle: CC0 Public DomainskeezePixabay

  • #188 Erfolgreiche Behandlung von Klumpfuß in Liberia

    Durchschnittlich eines von 800 Kindern kommt mit einem Klumpfuß auf die Welt. Dabei ist ein Fuß oder sind beide Füße eingedreht  In der westlichen Welt wird diese Fußdeformation jedoch meist bereits kurz nach der Geburt eine Therapie eingeleitet, damit der Fuß/die Füße schließlich normalisieren. In ärmeren Ländern hingegen wuchsen Menschen jedoch mit Klumpfüßen heran, werden teilweise von der Verwandten verstoßen, finden keine Arbeit und müssen deshalb häufig betteln.

    Nicholas Kristof, Journalist und zweifache Pulitzer-Preisträger erzählt in seiner Kolumne in The New York Times über Wunder, die in Liberia passieren: Durch Hilfsorganisationen wie MiracleFeet oder Cure wird die Ponseti-Therapiemethode in Liberia auch für arme Menschen möglich gemacht. In 95 Prozent der Fällen ist die Therapie erfolgreich.

    And the total cost? Less than $500 for transforming a life. (Nicholas Kristof, nytimes.com)

    Aktuell ist es aber immer noch so, dass die Klumpfußtherapie in armen Ländern erst für wenige Kinder ermöglicht wird. Die Global Clubfoot Initiative geht davon aus, dass nur 15 Prozent der betroffenen Kinder in Ländern mit geringem Einkommen oder Länder mit mittlerem Einkommen im unteren Bereich eine Behandlung erhalten. Bis 2030 soll jedoch dieser Wert auf 70 Prozent steigen.

    MiracleFeet bildet in Liberia auch Ärzte aus, damit das dortige Gesundheitssystem in Zukunft selber die Diagnose (die bereits im Mutterleib passieren kann) und Behandlung übernehmen können. Die Organisation ist übrigens auch in Indien aktiv, wie dieser Beitrag der PBS News Hour zeigt:


    Weiterführende Links und Quellen:

    Weitere 365guteDinge-Beiträge zu #liberia:

    Bildquelle: CC0 Public Domain, Clker-Free-Vector-ImagesPixabay

  • #187 Zika-Virus: Brasilien hebt Notstand auf

    Im Zeitraum von Jänner bis Mitte April 2017 zählte das brasilianische Gesundheitsministerium 7.911 neue Zika-Infektionen. Im gleichen Zeitraum ein Jahr zuvor waren es hingegen noch mehr als 170.000 Fälle. Das bedeutet eine Verringerung um rund 95 Prozent. Grund genug, den nationalen Notstand nach 18 Monaten für beendet zu erklären.

    Infektion durch Stechmücke

    Sowohl Zika, das Denguefieber als auch das Chikungunya-Fieber werden durch die Stechmücke Aedes aegypti übertragen.

    Nachgelesen: Zika-Virus

    Der Virus wird durch Stechmücken übertragen. Der Infektionsverlauf beim Menschen verläuft normalerweise relativ glimpflich, bislang sind keinerlei Tote durch den Virus nachgewiesen. Für Schwangere jedoch ist die Infektion eine große Gefahr: Föten von infizierten Schwangeren wurden mit Mikrozephalie (also eine Fehlbildung, bei der der Kopf eine deutliche geringer Größe hat) geboren, manche sterben bereits kurz nach der Geburt.

    Erklärung für Rückgang

    Die Forschung kam zur Erkenntnis, dass die Tastsache, dass einmal Infizierte sich nicht erneut infizieren können, zu diesem rasanten Rückgang geführt haben. Man schätzt, dass sich zwischen 2015 und 2016 über eine Million Menschen in Brasilien mit diesem Virus infiziert haben.

    Auch die Zahl der Neugeborenen mit Mikrozephalie ist im Vergleichszeitraum gefallen. Ein grundsätzliches Aufatmen wäre aber deutlich zu früh. Die Weltgesundheitsorganisation warnt davor, dass Zika „here to stay“ sei. Der Kampf gegen weitere Infektionen muss weiter gehen: „Zwar wurden weltweit Gelder in Millionenhöhe für die Intensivierung der Forschung bereitgestellt, aber viele Rätsel rund um Zika sind noch ungelöst.“ (zeit.de). Ein experimenteller Impfstoff hat ja, wie berichtet, bei frühen Tests positive Ergebnisse geliefert.


    Weiterführende Links und Quellen:

    Weitere 365guteDinge-Beiträge zu #zika:

    Bildquelle: CC0 Public DomainMyriams_FotosPixabay

    Änderung 8. Mai 2017, 19:36 Uhr: Der Artikel zeigte die falschen weiterführenden Quellen – die richtigen Quellen wurden nun eingebunden.

  • #186 Thailands König der Kondome

    Wie muss es sich anfühlen, wenn im ganzen Land dein eigener Vorname als Synonym für Kondome eingesetzt wird? Für Mechai Viravaidya ist es die größte Ehre: Seit 1974 beschäftigt sich der Thailänder damit, seinen Landsleuten hinsichtlich Familienplanung, Armutsreduktion und Entwicklungs- und Umweltprogrammen fundierte Unterstützung zu schaffen. Begonnen hat alles mit Kondomen.

    Zu der Zeit bekam die durchschnittliche thailändische Frau sieben Kinder – die Bevölkerung wuchs um 3,3 Prozent. Dadurch wurden bereits vorhandene Engpässe noch verstärkt, die Armut wurde immer größer. Aber während z.B. in China mit der Ein-Kind-Politik das Bevölkerungswachstum „von oben“ gebremst werden sollte, war Viravaidyas Ansatz ein völlig anderer: Er hat die Verhütungsmethoden wie die Pille oder Kondome für viele erstmals zugänglich gemacht. So konnten diese Produkte z.B. beim Frisör, an Tankstellen oder in kleinen lokalen Geschäften gekauft werden.

    Aber die reine Zugänglichkeit hat das Problem noch nicht gelöst: Die Menschen mussten auch verstehen, wovor diese Verhütungsmethoden schützen können. Das gelang Viravaidya vor allem mit Humor. Als in den 80er Jahren HIV/Aids ein Thema wurde und sich in Thailand sehr rasch verbreitete, fühlte sich Viravaidya auch hier wieder berufen, dem ganzen Land zu helfen. Dabei wurde bei SexarbeiterInnen angesetzt. Das Programm nennt sich „100 % condom program“ („no condom, no sex“) und versorgte diese Menschen mit allen notwendigen Kondomen. Und es ging auch weiter: Kondome waren nämlich plötzlich überall. So gaben auch z.B. PolizistInnen an Kreuzungen Kondome an AutofahrerInnen aus.

    Die durchschnittliche thailändische Frau bekommt heute 1,5 Kinder. Das Bevölkerungswachstum Thailands ist auf 0,5 % gesunken. Laut dem „Department of Disease Control“ sank zwei Monate nach Start des „100 % condom program“ die Infektion mit sexuell übertragbaren Krankheiten in der damaligen Testprovinz von 13 % auf unter 1 %. Innerhalb von drei Jahren nach Start des Programms stieg die Zahl der SexarbeiterInnen, die ein Kondom benutzen von 25 % auf über 90 %. Ebenso sank die Zahl der HIV Infektionen von 143.000 im Jahr 1991 auf 14.000 im Jahr 2001. Das Programm war schließlich so erfolgreich, dass ähnliche Kampagnen auch in Nachbarländern wie Kambodscha, China, Laos, Myanmar, den Philippinen und Vietnam gestartet wurden.

    Im Podcast der BBC wird zwar erklärt, dass natürlich nicht Mechai Viravaidya allein die sexuelle Revolution (hinsichtlich der Verhütung) gestartet und so erfolgreich durchgezogen hat. Er war aber ein bestimmender Faktor und zeigt in seinen Interviews und Vorträgen auch auf, wie wichtig es ist, über ein solches Tabuthema mit Humor zu sprechen.


    Weiterführende Links und Quellen:

    Bildquelle: CC0 Public Domain, Anqa, Pixabay