Autor: Dominik

  • #37 Ein Übersetzungshelfer für Flüchtlinge

    Drei Entwickler des Massachusetts Institute of Technology (MIT) haben vergangene Woche einen neuen Facebook Messenger Bot vorgestellt: Tarjimly funktioniert so, dass es Flüchtlingen bei allen möglichen Übersetzungen helfen soll. Der Bot verbindet dabei Flüchtlinge und ImmigrantInnen mit freiwilligen ÜbersetzerInnen.

    Ein Facebook Messenger Bot funktioniert (ganz vereinfacht gesagt) wie ein automatischer Beantworter. Innerhalb der Messenger-App von Facebook kann der Bot auf vorgegebene Inputs reagieren und die passende, gesuchte Antwort oder Aktion (den Output) liefern. Bei Tarjimly ist es so, dass man zuerst der Seite eine Nachricht schreiben (hier entlang), danach muss man dem Bot die Sprache nennen und wird anschließend mit einem Übersetzer/einer Übersetzerin vernetzt.

    Aktuell befindet sich die App noch in der Testphase – die App wertet aber die Daten der Übersetzungen aus. Damit sollen schlechte ÜbersetzerInnen aussortiert werden. Für die Flüchtlinge ist dieser Bot von Vorteil, weil man dabei direkt mit EntwicklungshelferInnen, ÄrztInnen im Einreiseprozess unterstützt werden kann. Die Entwickler rechneten in der ersten Woche mit 50 Anmeldungen – bislang haben sich aber bereits über 1.100 Flüchtlinge angemeldet.

    Im Gegensatz zu anderen Apps für Flüchtlinge sieht man hier den direkten zwischenmenschlichen Kontakt (den der Bot herstellt) als großen Vorteil. Außerdem muss keine weitere App installiert werden – es reicht der Facebook Messenger, der mit rund 1 Milliarde NutzerInnen neben WhatsApp der beliebteste Messengerdienst weltweit ist.


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  • #36 Ab 2024 Open Access bei öffentlich finanzierter Forschung in der Schweiz

    Um an die Ergebnisse von Forschung zu kommen, muss man mitunter recht tief in die Tasche greifen. Da ist es natürlich angebracht zu hinterfragen, warum man dies auch bei öffentlich finanzierter Forschung (also mit Fördergeldern aus staatlichen Institutionen etc.) tun muss. Denn: Das Geld für die Forschung wird aus Steuergeldern finanziert, da müsste doch eigentlich das Ergebnis der Forschung (nach etwaigem Ablauf von Sperrfristen) auch den SteuerzahlerInnen zur Verfügung stehen, oder?

    Das dachte sich auch die Schweiz. Die Schweizer Rektorenkonferenz einigte sich am 31. 1. 2017 auf eine nationale Open-Access-Strategie. Damit sollen bis 2024 „in der Schweiz mit öffentlichen Mitteln finanzierte Publikationen öffentlich und kostenfrei  zugänglich sein“.

    Das folgende Video beschreibt „Open Access“:

    https://www.youtube.com/watch?v=o2HMouOV-Lg

    Beginnen will man in der Schweiz sofort: Bis Sommer 2017 soll die Strategie in einen Aktionsplan münden. Der „Schweizerische Nationalfonds zur Förderung der wissenschaftlichen Forschung“ (SNF) findet die beschlossene Open-Access-Strategie und verweist dabei auf das eigene Motto: ‚Excellence comprises openess‘ – Exzellenz beinhaltet Offenheit“


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  • #35 Gabenzaun am Hamburger Hauptbahnhof

    Damit Obdachlose etwas weniger Sitzmöglichkeiten am Hamburger Hauptbahnhof haben, hat sich die Stadtregierung dazu entschlossen, einen Zaun auf einer kleinen Steinmauer anzubringen. Das gefiel nicht allen – eine Gruppe von Menschen, die sich bereits seit Jahren in der Obdachlosenhilfe einbringt hatte eine interessante Idee: Der Zaun steht noch, nur jetzt nennt er sich „Gabenzaun“ und hat eine eigene Facebook-Seite.

    Menschen können dabei Sach- oder Lebensmittelspenden in transparenten Plastiktüten an den Zaun hängen. Obdachlose und Bedürftige können sich dann das für sie notwendige mitnehmen. Geht es nach den InitiatorInnen, soll der Gabenzaun von nun an fix an dieser Stelle sein.

    Neu ist die Idee freilich nicht. So gibt es z.B. den Sozialen Zaun Darmstadt. Der wurde damals von Benjamin Nover initiiert – er selbst war selber einige Zeit obdachlos gewesen.

    Zuletzt wurde von Unbekannten der Gabenzaun geplündert – Schilder, Sackerl usw. verschwanden. Weder Stadt, Stadtreinigung, Deutsche Bahn, Bahnpolizei oder S-Bahn-Wache wissen etwas davon. Für die Initiatoren ist es aber klar, dass es natürlich weitergehen muss.


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  • #34 Österreich zählte 2016 die meisten Neuzulassungen bei Elektroautos in der EU

    War Österreich 2015 noch auf Platz 5 der Neuzulassungen von Elektroautos in den EU-28, so schaffte man im vergangenen Jahr den Sprung an die Spitze. Insgesamt wurden 2016 im ganzen EU-Raum 63.330 E-Autos zugelassen – 3.826 davon in Österreich. Das entspricht für Österreich ein Plus von 128,2 Prozent gegenüber 2015. Großbritannien zählte 10.624 Zulassungen, Deutschland 11.284 und Frankreich 21.776.

    Gemessen an den Gesamtzulassungen liegt Österreich aber an der Spitze: 1,2 Prozent aller neu zugelassenen Autos im Vorjahr waren Elektroautos. Der EU-Schnitt liegt bei 0,4 %, Deutschland kommt auf 0,3 %. Allein in Vorarlberg (Einwohnerzahl am 1.1.2015: 378.490) wurden 355 E-Pkws zugelassen – drei Mal so viel wie in ganz Polen.

    In zwölf EU-Staaten gab es jedoch einen Rückgang bei den Neuzulassungen – so zum Beispiel auch in Deutschland.


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  • #33 Einfacher Atemtest könnte günstig zuverlässige Krebsprognose liefern

    In einer neuen Studie wurden 335 Menschen aus dem St. Mary’s Hospital, Imperial College Healthcare NHS Trust, dem University College London Hospital und dem Royal Marsden Hospital getestet – 163 davon hatten entweder bereits Magen- oder Speiseröhrenkrebs diagnostiziert, 172 zeigten keine Anzeichen. Dabei wurden diese Personen mit einer sogenannten „Ionenströmungsrohr-Massenspektrometrie“ getestet. Durch diesen Atemtest können bereits kleine Mengen verschiedener Chemikalien in Gemischen von Gasen, wie z.B. dem Atem, genau gemessen werden.

    Krebszellen unterscheiden sich von gesunden Zellen und erzeugen deshalb auch einen unterschiedlichen Chemikalienmix. In 85 % der Fällen konnte der Zustand richtig festgestellt werden. Die ForscherInnen sind grundsätzlich mit dem Ergebnis zufrieden, möchten aber in den kommenden drei Jahren eine Studie mit einer größeren Testgruppe starten. Das Forschungsteam arbeitet auch an Atemtests für Darm- und Bauchspeicheldrüsenkrebs.

    Bereits im Dezember wurde ein Projekt vorgestellt, bei welchem Lungenkrebs durch Atemluft erkennt werden kann. Die Genauigkeit der Unterscheidung zwischen gutartigen und bösartigen Veränderungen betrug dabei 79 %.

    Der israelische Pulmologe und Wissenschafter Nir Peled (Davidoff Cancer Center) und seine Mitarbeiter haben einen Atemtest auf Lungenkrebs entwickelt und getestet. Es handelt sich dabei um eine „elektronische Nase“ (NaNose), welche bestimmte flüchtige organische Substanzen (VOCs) aus der Atemluft wahrnimmt und charakterisiert. (derStandard.at)


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  • #32 Wiener Schüler starten lokale Alternative zu Amazon

    Wir kennen es doch alle: Zwar liebt man es, in die kleinen Buchhandlungen zu gehen, um zu Schmökern. Die meisten Bücher bestellen wir dann aber schließlich bei Amazon, Thalia oder irgendeinem anderen großen Player am Buchmarkt. Dabei sind gerade diese Buchhandlungen etwas Besonderes: Hat doch der/die BuchhändlerIn auch ganz bewusst das vorrätige Sortiment ausgewählt und ein kleines Paradies für jeden Buchliebhaber kreiert. Aber wie kann man diese Buchhandlungen vor ihrem Ende bewahren?

    Eine Idee war es, die Fähigkeiten unzähliger lokaler Buchhandlungen zu bündeln und den Vertrieb damit zu erleichtern: buchhandel.de war ein Beispiel dafür, aber mit Ende Jänner 2017 wurde dieser Service leider eingestellt. Nun haben zwei Schüler – Konstantin Klinger und Moritz Stephan – das Projekt lobu.at gestartet: Ähnlich wie ein Lieferservice für Essen werden dabei Bücher von den lokalen Buchhandlungen abgeholt und mittels Fahrradkurieren ausgeliefert – noch am Abend des Bestelltages. Vorerst zwar nur im Wiener Bezirk Währing, aber die beiden jungen Männer wollen es zuerst auf weitere Wiener Bezirke und dann schließlich weitere Großstädte erweitern.

    Ich selbst habe darüber auf meinbezirk.at berichtet und dabei auch ein E-Mailinterview mit den beiden durchgeführt.

    „Wir haben von beiden Seiten große Begeisterung verspürt und die Resonanz auf Social-Media war riesig. Zahlreiche Leute haben auch angeboten, uns in dem Vorhaben zu unterstützen. Die Kunden sind sehr zufrieden mit unserem Service. Es scheint, als hätten die Leute auf eine lokale Alternative zu Amazon gewartet.“ (Moritz und Konstantin im Interview, meinbezirk.at)


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  • #31 Irland: Keine Investitionen mehr in fossile Brennstoffe

    Wie schafft ein Land den Ausstieg aus fossilen Brennstoffen? Mal eben auf die Schnelle Fahrzeuge, Öl- und Gasheizungen und ganze Industriezweige verbieten? Natürlich nicht. Eine Möglichkeit ist es aber, als Staat ein Vorbild für alle zu werden.

    Mit dem „Fossil Fuel Divestment Bill 2016“ hat sich Irland dazu entschlossen, dass der irische Staatsfonds ISIF keine Investitionen mehr in fossile Brennstoffe (Kohle, Öl, Gas) macht. Dieser Staatsfonds umfasst immerhin acht Milliarden Euro.

    In den kommenden fünf Jahren sollen daher sämtliche bisherige Investments abgebaut und in Zukunft auch keine weiteren Anteile an entsprechenden Firmen gekauft werden. Damit ist Irlands ISIF der erste Staatsfonds weltweit, der diesen Schritt wagt.

    Das sagt übrigens der Abgeordnete Thomas Pringle dazu, der das Gesetz vorgeschlagen hat:

    “This principle of ethical financing is a symbol to these global corporations that their continual manipulation of climate science, denial of the existence of climate change and their controversial lobbying practices of politicians around the world is no longer tolerated,” Mr Pringle said.

    “We cannot accept their actions while millions of poor people in underdeveloped nations bear the brunt of climate change forces as they experience famine, mass emigration and civil unrest as a result.” (indendent.co.uk)

    Im Parlament ging die Abstimmung 90 zu 53 aus , jetzt muss der Entwurf noch im Finanzausschuss überprüft werden. Bei positiver Überprüfung wird das Gesetz schließlich in wenigen Monaten verabschiedet sein.


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  • #30 Frauen-Gesundheitscenter für syrische Flüchtlinge helfen auch jordanischen Frauen

    Das „Institute for Family Health“ in Deir Alla, in Jordanien startete bereits vor drei Jahren, finanziert durch den UN Population Fund, um weiblichen syrischen Flüchtlingen die medizinische Hilfe bei Familienplanung, Schwangerschaft und Geburt zu bieten – aber sie sind auch Anlaufstelle zur Unterstützung gegen Gewalt gegen Frauen – vor allem jordanischen Frauen.

    Although the center was set up for Syrians, there is clearly an enormous local need. One in three Jordanian women has experienced some form of violence at the hands of their spouse, according to a 2012 government survey, but only half of them seek any help. (pri.org)

    Deir Alla zählt zu den ärmsten Bereichen Jordaniens – für viele Jordanierinnen ist dies die einzig mögliche Anlaufstelle, um etwas gegen häusliche Gewalt zu tun. In den vergangenen fünf Jahren entstanden aber noch 14 weitere sichere Orte für Frauen.

    If it hadn’t been for the money now being funneled into Jordan to respond to the Syrian refugee crisis, says Aladi, the center would never have opened, providing not just counseling for domestic violence victims, but also other vital medical services. (pri.org)

    Die Reportage von PRI (Public Radio International) ist nicht nur spannend zu lesen – sondern kann natürlich auch angehört werden.


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  • #29 Oberleitungs-LKWs als mögliche Zukunft für den Güterverkehr

    Bis zum Jahr 2050 soll sich der Güterverkehr in Deutschland, laut Schätzungen, vervierfachen. Damit aber nicht auch der CO2-Ausstoß um das Vierfache ansteigt, sucht man natürlich nach Lösungen.

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    Marktanteile im Güterverkehr, Stand 2015 (Quelle: allianz-pro-schiene.de)

    Nun wurde bekanntgegeben, dass auf zwei Testabschnitten deutscher Autobahnen Oberleitungs-LKWs getestet werden sollen. Siemens und das deutsche Bundesumweltministerium möchten gemeinsam bis 2018 diesen Versuch starten. Die Hybrid-LKWs können dann einerseits mit Strom aus der Oberleitung angetrieben werden und schließlich auch weiterhin mit Benzin. Einen ähnlichen Test gibt es – von Siemens und Scania – bereits seit 2016 in Schweden.

    Auch wenn seit Jahrzehnten versucht wird, den Güterverkehr auf Schiene zu bringen (also statt LKWs mehr Güterzüge zu nutzen), werden immer noch (Zahlen von 2015) 70,8 % des Güterverkehrs von LKWs erledigt, 18 % von der Eisenbahn, 8,5 % durch Binnenschiffe und 2,7 % durch Öl-Fernleitungen.


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  • #28 Hamburgs Wärmespeicher-Revolution

    Hamburgs Fernwärmenetz wird umgebaut. Aber anstatt alte Heizkraftwerke einfach durch neue zu ersetzen, planen die Zuständigen so etwas wie eine kleine Sensation. Denn sonst würde man einen solchen Absatz nicht in einem Zeit.de-Artikel finden:

    Das wird die Welt verändern.

    Hamburg stellt sich an die Spitze des ökologischen Fortschritts.

    Superlative dienen oft zur Übertreibung, hier sind sie angebracht. Was Hamburg plant, davon träumen Umweltschützer schon ewig. (Zeit.de)

    Doch worum geht es? Hamburg will Wärme als „Baukastenlösung“ aus vielen Bereichen der Stadt sammeln: Wärme aus der Müllverbrennung, Abwärme aus der Industrie, eventuell Biomasse oder Sonnenwärme. Und ein Teil des Baukastens ist ein „Aquiferwärmespeicher“.

    Aquifere sind wasserführende Schichten im Boden. Aus den oberen Lagen versorgt sich Hamburg mit Trinkwasser. Tiefer, unter dicken Tonschichten, verlaufen weitere Wasserleiter. Weil sie Kontakt mit Salzstöcken haben, sind sie als Quellen für Trinkwasser unbrauchbar. Aber man kann Wärme darin speichern. Hamburgs neuer Wärmespeicher muss also nicht mehr gebaut werden, er ist schon da. (Zeit.de)

    Das ist nämlich das Besondere: Hier kann Wärme über lange Zeit (100 Tage auf einer Temperatur von 65° Celsius) gespeichert werden, Wärme muss nicht ständig neu produziert werden, sondern wird „recycelt“. Die Technik ist nicht neu – der Reichstag in Berlin wird mit einem Aquiferwärmespeicher geheizt. Nur jetzt geht es um eine Viertelmillion Haushalte und nochmal so viel Gewerbefläche.

    Der Preis für einen solchen Aquiferspeicher? Rund eine Million Euro. 2015 kündigte man noch den Bau eines neuen „Innovationskraftwerks“ an, zu einem Preis von rund einer halben Milliarde Euro.

    Das klingt also alles sehr beeindruckend. Und so beschließt der Autor des Zeit-Artikels auch mit folgenden Worten:

    Wo also ist der Haken an der Sache? Das ist die Frage, die offen bleibt.

    Wir werden sehen. Im Herbst 2017 entscheidet die Stadt schließlich, ob es zu so einer Umsetzung kommen wird.


    Weiterführende Links und Quellen:

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