Autor: Dominik

  • #87 Ein Haarschnitt für Obdachlose

    Joshua Coombes arbeitet seit sechs Jahren als Frisör. Im Jahr 2015 begann er schließlich, sich mit seinem Friseur-Werkzeug im Rucksack auf den Weg in Exeters Straßen (Exeter ist die Hauptstadt der Grafschaft Devon im Westen von England). Seither schneidet er obdachlosen Menschen kostenlos die Haare – zuerst eben in Exeter, später auch in London. Begleitet wird er dabei von seinem Freund Matt Spracklen, ein Fotograf, der die Ergebnisse mit der Kamera dokumentiert.

    Auf Coombes Instagram-Account findet man diese sehenswerten und berührenden Eindrücke, gemeinsam mit dem Hashtag #DoSomethingforNothing (übersetzt: Mache etwas für nichts). Coombes möchte mit seiner Arbeit Bewusstsein schaffen für die vielen Menschen, die auf der Straße leben. Im April 2016 veranstalteten Coombes und Spracklen auch ein Zusammentreffen für Menschen, die sich ebenfalls engagieren wollen. Josh erklärt,

    „For me, it is about giving something back and raising awareness of the homeless and by doing it on the street, it breaks the generalisation and so far it has been a good response.“ (metro.co.uk)

    Nasir Sobhani ist ein weiterer Straßenfrisör. Er kümmert sich dabei seit 2014 um die Obdachlosen der australischen Stadt Melbourne. Er ist geboren und aufgewachsen in Japan, hat in Kanada ein College besucht, am Inselstaat Vanuatu ehrenamtlich gearbeitet und ist schließlich in Australien gelandet.

    Und auch er erklärt, warum nicht nur der Haarschnitt für die Obdachlosen wichtig ist:

    „They need actual human contact, to engage in some form of intimacy with a human being who actually cares for them.“ (popsugar.com)

    Neben seinem Instagram-Account (mit dem Hashtag #CleanCutCleanStart) gibt es auch noch einen eigenen YouTube-Account, in der Geschichten von einzelnen Obdachlosen während eines Haarschnitts erzählt werden.


    Weiterführende Links und Quellen:

    Bildquelle: CC0 Public Domain, Pexels, Pixabay

  • #86 „Wheelmap macht Schule“ schärft Bewusstsein für Barrieren

    Menschen im Rollstuhl stehen oftmals vor kleinen und nur schwer oder gar nicht überwindbaren Barrieren, die ihnen eine Teilhabe am gesellschaftlichen Leben (z.B. beim Besuch eines Cafés oder Restaurants) nur schwer möglich macht. Damit man sich vielleicht vorab schonmal informieren kann, welche Lokalitäten Barrierefreiheit groß geschrieben haben, hat der Verein SOZIALHELDEN e.V. bereits im Jahr 2010 die Wheelmap.org gestartet. Auf dieser können Orte nach ihrer Zugänglichkeit (voll/teilweise/nicht rollstuhlgerecht und Unbekannt) eingestuft werden. Diese auf OpenStreetMap basierende Karte ist nicht nur unter Wheelmap.org sondern auch als iOS-, Android– und Windows10-App downloadbar.

    Mit der Aktion „Wheelmap macht Schule“ sollen nun SchülerInnen auf spielerische und praktische Weise „das Bewusstsein für die Barrieren im Alltag von Menschen mit Behinderung schärfen“. Das Unterrichtsmaterial kann von allen LehrerInnen kostenlos heruntergeladen werden.

    Im praktischen Teil des Unterrichtsprojekt schlüpfen die Jugendlichen in die Rollen von Rollstuhlfahrer*innen, Journalist*innen, Statistiker*innen, Architekt*innen und Mapper*innen. Sie untersuchen aus diesen Perspektiven heraus ihre Umgebung und nutzen dabei die Wheelmap.

    Die Schüler*innen erleben so hautnah, was im Alltag behindert. Durch das Verfassen von Erlebnisberichten, Artikeln und Statistiken stehen neben den „social skills“ aber auch das Erlernen von Kompetenzen in Anlehnung an Rahmenlehrpläne im Fokus. (wissensschule.de)

    Die gesammelten Informationen werden dann wieder in Wheelmap.org eingespeist – so lernen die SchülerInnen also nicht nur ihr eigenes Bewusstsein zu stärken, sondern helfen auch mit, ein wichtiges Tool mit weiteren, neuen Informationen zu befüllen.


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  • #85 Taschen statt Müllsäcke für Pflegekinder

    Rob Scheer wuchs in einem schrecklichen Familienverhältnis auf und wurde mit 10 Vollwaise – die kommenden Jahre verbrachte er als Pflegekind bei unterschiedlichen Einreichungen. Als er und sein Partner Reece Jahre später selber Kinder adoptieren wollten, bemerkte er, dass auch heute noch die Kinder in Metropolregion Washington all ihr Hab und Gut immer noch in Müllsäcken transportieren müssen.

    2013 startet er mit „Comfort Cases“. Gemeinsam mit seinem Freiwilligenteam stellt er Rucksäcke oder kleine Trolleys mit essentiellen Inhalten (Toiletteartikel,  Pyjamas, Schreib- und Zeichenartikel und einem Buch) zusammen. 300 solcher „Comfort Cases“ wurden im Jahr 2013 ausgegeben, 2016 waren es bereits 25.000 für Pflegekinder in D.C., Maryland und Virginia.

    Das Video von Upworthy zeigt die bewegende persönliche Geschichte von Scheer und seiner Familie und dem Start von „Comfort Cases“:

    https://www.youtube.com/watch?v=d9QoK8L1YWo

    Auf GoFundMe kann man das Projekt unterstützen. Scheer hat zum Ziel, das Projekt auch an vielen weiteren Orten in den USA zu starten. Aber die meiste Freude würde es ihm bereiten, wenn Müllsäcke für das Hab und Gut von Pflegekindern in naher Zukunft verboten werden und grundsätzlich durch Taschen und Rucksäcke ausgetauscht werden.


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  • #84 Spielerisch Nicht-Vergessen: MemoreBox gegen Altersdemenz

    Das Hamburger Startup RetroBrain hat es sich zur Aufgabe gemacht, alte Menschen durch bewegungsgesteuerte Videospiele fit zu halten. Die MemoreBox arbeitet dabei mit der Kinect-Technologie von Microsoft: Diese nimmt die Kamera die Bewegungen der SeniorInnen auf und übersetzt sie für ins Virtuelle.

    Die MemoreBox umfasst mehrere verschiedene Spiele mit therapeutischen und präventivem Hintergrund. Diese können jeweils auf den Leistungs- und Bewegungsspielraum der einzelnen SeniorInnen angepasst werden. Nach Testläufen in mehreren Hamburger Altersheimen kommt es jetzt schon in einigen weiteren im gesamten Gebiet von Deutschland zum Einsatz.

    Dieses Werbevideo der Barmer-Krankenkasse, die das Projekt unterstützt und fördert, lässt einen der Gründer und auch die NutzerInnen zu Wort kommen:

    https://www.youtube.com/watch?v=8qW4tqezIss

    Die Memorebox 2016 mit dem Egon-Münch-Preis ausgezeichenet. Anfang März fand es auch Erwähnung in einem Bericht der Europäischen Kommission zur „Smart Silver Economy“ als Beispiel für eine besonders innovative Anwendung.


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  • #83 Kombinierte HIV-Antikörper können Replikation langfristig kontrollieren

    Ein ForscherInnenteam der Rockefeller Universität in New York und der National Institutes in Bethesda/Maryland hat in der aktuellen Ausgabe des Fachmagazins Nature über neue tierexperimentelle Studien für die Behandlung bei HIV-Infektion berichtet.

    Eine Heilung einer Infektion durch HI-Viren ist bis heute nicht möglich – der Virus legt seine Gene in den Abwehrzellen ab. Aus diesen heraus erschafft er sich durch Replikation neu. Mittels (bis heute) 25 verschiedenen Wirkstoffen kann diese Replikation eingeschränkt werden. Ein neuer Ansatz ist es, die Infektion mit sogenannten „breit-neutralisierenden“ Antikörpern. Damit soll die Virus-Replikation auch ohne Medikamente gehemmt werden.

    Bei den Tests sank die Virus-Konzentration im Blut nach drei Infusionen unter die Nachweisgrenze – diese Wirkung hielt bis zu sechs Monate lang an. Sind die Antikörper aber vollständig aus dem Blut eliminiert, kam es erneut zu einer Virusreplikation, mit Ausnahme eines Tieres.


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  • #82 „Together“ – Warme Speisen gegen die Kälte

    Nach einem Vorfall in Wien, bei welchem zwei obdachlose Menschen beim Versuch, ein Feuer zu machen, verbrannten, hat das Wiener Restaurant Dresdnerhof die Aktion „Together“ gestartet. Aufgrund der lang anhaltenden Kälte im Jänner bot der Betreiber Manuel Schmidt von 23. Jänner bis 31. Jänner bedürftigen Menschen täglich eine Speise und Zeit zum Aufwärmen an.

    Diese Aktion wurde mittels Facebook-Posting in die Welt hinausgetragen, über 10.000 Mal wurde der Beitrag geteilt. Und genau dort erzählt Schmidt auch vom Umfang seiner Hilfsaktion:

    https://www.facebook.com/dresdnerhof/photos/a.465643630128580.131037.127052750654338/1884239098269019/?type=3

    Wie man sieht sind Aktionen wie diese wirkungsvoll und zeigen, dass spontane Ideen oft einen bleibenden Eindruck hinterlassen. Eine weitere Möglichkeit, Speisen für bedürftige Menschen mitzufinanzieren ist die Aktion „Suppe mit Sinn“ der Wiener Tafel. Am Ende der (diesjährigen) Together-Aktion wurde der Wirt Manuel Schmidt mit der goldenen Ehrenmedaille der Österreichischen Albert-Schweitzer-Gesellschaft ausgezeichnet.


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  • #81 Phänomen „Offene Kühlschränke“

    Im Februar 2017 startete die erste „The People’s Fridge“ in London – also ein offener Kühlschrank, in den jedeR etwas hinein-, aber auch herausnehmen darf. Nach einem Monat wurden ungefähr 50 Kilogramm an Lebensmittel eben nicht weggeworfen, sondern fanden einen neuen Besitzer.

    Wenn man sich in anderen europäischen Großstädten umhört, ist diese Idee nicht revolutionär. Den ersten offenen Kühlschrank in Berlin gab es bereits im Jänner 2013, Ende Mai 2013 startete schließlich auch der erste Fair-Teiler Österreichs in Wien.

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    Durch Klick auf das Bild kommst du direkt zur interaktiven Landkarte

    Falls du wissen möchtest, ob es in deiner Stadt oder deinem Ort ebenfalls einen offenen Kühlschrank gibt, einfach nach „Fair-Teiler“, „Fairteiler“, „Foodsharing“ oder „offener Kühlschrank“ und dem Namen der Stadt bzw. der Gemeinde googeln. Die Übersicht auf Zeit.de zeigt, dass es 2015 bereits in zahlreichen deutschen Städten (damals in 62) solche Kühlschränke gibt. Eine aktuelle Übersicht gibt es auf dieser Landkarte, in der auch neue Fair-Teiler eingetragen werden können.

    In Österreich gibt es auch noch freiwillige „Food Saver“, die jeden Tag Lebensmittel von HändlerInnen einsammeln und in diesen Fair-Teilern zugänglich machen. 2015 wurden damit bereits 54 Tonnen Lebensmittel vor dem Müll gerettet


    Weiterführende Links und Quellen:

    Bildquelle: CC0 Public Domain, Pexels, Pixabay

  • #80 Guerilla-Kampagne für ein schönes Miteinander

    Daianna Karaian ist eine britisch-amerikanische Bürgern und Tochter von venezolanischen Immigranten – für sie war es im vergangenen Jahr nicht einfach, den Entwicklungen in ihren drei Heimatländern zuzusehen.

    But in that time, I’ve also learned an important lesson: it’s not enough to hope that someone else will fix what’s broken.

    Aus diesem Gedanken heraus entstand schließlich ihre Guerilla-Kampagne „A Welcome Thought“, also ein „Willkommensgedanke“ oder ein „willkommener Gedanke“. Sie hat sich mit FreundInnen, DesignerInnen usw. zusammengetan und and hunderten von Plätzen in London kleine Kärtchen hinterlassen – mit der Nachricht „A place for…“

    It’s an invitation. After all, place cards are traditionally a symbol of welcome. These send a public message that everyone – of any race, creed or colour – belongs here. And they give people an easy way to help others feel more at home too: in local pubs, on public transport, anywhere that could be more welcoming.

    Innerhalb weniger Tage haben sich Menschen aus dem Vereinigten Königreich, den Vereinigten Staaten von Amerika, Kanada Deutschland, Griechenland und Zambia beteiligt – Karaians Traum ist es, dass es irgendwann in tausenden Städten auf der ganzen Welt solche Willkommenskärtchen geben wird.

    Jeder Mensch, egal welcher Herkunft, Hautfarbe, Rasse oder was auch immer, soll sich willkommen fühlen. Falls man sich an dieser schönen Idee selbst beteiligen möchte, braucht man nur vier Dinge: einen Computer, Papier, einen Drucker und diese Vorlage.


    Weiterführende Links und Quellen:

    Bildquelle: Bild aus dem Pressekit von thisisthoughtful.com

  • #79 „Farm School“ in Indien lehrt organischen Anbau

    Die Marudam Farm School in Thiruvannamalai im südindischen Bundesstaat Tamil Nadu wurde 2009 gegründet. Damals startete die Schule mit 20 SchülerInnen, sechs bis sieben LehrerInnen und zwei Familien, die auf der Farm wohnten. Seit 2012 ist die Schule auch vom indischen „Board of Elementary Education“ anerkannt und darf offiziell als Grundschule agieren.

    Der Unterricht findet in Klassen mit einer Größe von 4 bis 10 SchülerInnen statt und ist eine Mischung aus der Philosophie um Jiddu Krishnamurti (eine Form von alternativer Pädagogik), Waldorf, Montessori, Sudbury Valley School und UK’s Summer Hill – Ziel ist es, dass die Themen, die behandelt werden demokratisch zwischen den SchülerInnen und LehrerInnen beschlossen werden. So kam es einmal, dass eine Gruppe im Geografieunterricht sich derart für Ozeane interessiert hat, dass man im Laufe eines Schuljahres immer mehr und mehr davon erforschte und lernte.

    Marudam also follows a principle of alternative education that encourages children to be curious, while helping them learn at their own pace. (thebetterindia.com)

    In dieser Schule werden viele Dinge an praktischen Beispielen gelehrt:

    Much of the teaching at Marudam is done through a continually evolving curriculum and projects that connect the children directly to nature and the community that surrounds them. For instance, mathematics is taught through pottery, baking, or even goat-rearing, depending on whatever strikes a chord with the children. Subjects like farming, tailoring, gardening, composting, carpentry and cooking are also taught. (thebetterindia.com)

    Dabei wird schließlich die ökologische Landwirtschaft am eigenen Schulfeld gelehrt, ebenso wie Aufforstung oder die Arbeit mit Vieh. Der Fokus der Schule liegt dabei eindeutig auf nachhaltigem Leben. 85 Prozent der Speisen, die die Schule ausgibt, werden selbst angebaut und geerntet.

    Heute leben in Marudam 5 Familien, die Schule umfasst 23 LehrerInnen und 70 Kinder. Diese kommen aus den unterschiedlichsten Schichten der Gesellschaft. 35.000 Rupien (umgerechnet rund 497,60 Euro) kostet der Unterricht für ein Kind für ein Jahr – nicht alle können es sich leisten: Drei Viertel der SchülerInnen wird deshalb das Schuljahr durch Spenden ermöglicht.


    Weiterführende Links und Quellen:

    Bildquelle: CC0 Public Domain, Unsplash, Pixabay

  • #78 „Mélanie peut le faire“ – Einmal Wetterfee im nationalen Fernsehen sein

    Mélanie Ségard ist 21 Jahre alt und hatte einen großen Traum: Ein einziges Mal wollte sie als Wetterfee im nationalen Fernsehen auftreten. Gemeinsam mit der Organisation „UNAPEI“ hat sie auf am 27. Februar auf Facebook eine Aktion namens „Mélanie peut le faire“ gestartet, was übersetzt so viel heißt wie „Mélanie schafft das“ (oder, besser auf Englisch: Mélanie can do it). Über 200.000 „Gefällt mir“ später stand Mélanie schließlich am 14. März 2017 wirklich vor der Kamera und lieferte den ZuseherInnen von France 2 die Aussichten fürs Wochenende. France 2 ist der größte öffentlich-rechtliche Sender in Frankreich.

    Dieses kurze Video von EuroNews zeigt ihren erfolgreichen Auftritt:

    Mélanie hat Trisomie 21. Nicht nur, dass ihr Traum in Erfüllung geht – gemeinsam mit UNAPEI (der „Nationalen Vereinigung der Elternverbände von geistig behinderten Personen und ihren Freunden“), für den sie Botschafterin ist, will sie aufzeigen, was für Menschen mit Behinderung alles möglich ist. Gegenüber der Zeitung „Le Parisien“ sagte sie: „Mein Traum war es, den Leuten das Wetter zu zeigen. Und das kann anderen Menschen mit Behinderung Türen öffnen“.


    Weiterführende Links und Quellen:

    Bildquelle: CC0 Public Domain, bykst, Pixabay