Autor: Dominik

  • #97 EU beschließt neue Verordnung für Handel von Konfliktmineralien

    Vielen Menschen wird der Begriff „Konfliktmineralien“ (oder Konfliktrohstoffe oder -ressourcen) nur wenig sagen: Dieser Begriff beschreibt Bodenschätze, welche in Konfliktregionen gefördert werden, deren Abbau illegal und durch Rebellen und Milizen außerhalb staatlicher Kontrolle stattfindet. Diese Mineralien werden u.a. in Smartphones, Schmuck oder Fahrzeugen verarbeitet – die Industrie hat deshalb natürlich großes Interesse an ihnen.

    Die „Verordnung zur Schaffung eines Unionssystems zur Selbstzertifizierung der Erfüllung der Sorgfaltspflicht in der Lieferkette durch verantwortungsvolle Einführer von Zinn, Tantal, Wolfram, deren Erzen und Gold aus Konflikt- und Hochrisikogebieten“ (in weiterer Folge nur mehr „Verordnung“ genannt) verlangt nun von Importeuren in die EU, dass sie die Herkunft von importierten Rohstoffen mit Zinn, Tantal, Wolfram und Gold  transparent nachweisen müssen – damit sichergestellt werden kann, dass damit keine bewaffneten Konflikte von der europäischen Industrie mitfinanziert werden. Ab 1. Jänner 2021 wird diese Verordnung wirksam sein, bis dahin müssen alle (dann wohl nur mehr 27 Mitglieder der EU) die Verordnung in nationales Recht umgesetzt haben.

    Die Verordnung enthält klare Verpflichtungen für eine verantwortungsvolle Beschaffung im „vorgelagerten“ Teil des Produktionsprozesses, der den Abbau und die Veredelung der genannten Mineralien umfasst. Mindestens 95 % aller EU-Importe von Metallen und Mineralien werden unter die Neuregelung fallen; Kleinimporteure werden nicht betroffen sein. (consilium.europa.eu)

    Die Verordnung wurde durch Parlament und Rat beschlossen – nun muss es nur mehr im Amtsblatt der Europäischen Union publiziert werden.

    Update (24.04.2017): Sind ProduzentInnen, die Konfliktmineralien in Produkten benutzen, ebenfalls verpflichtet, dies zu melden? 

    Ich habe bei der Europäischen Kommission nachgefragt – hier ist die Antwort:

    The due diligence check on the supply chain is mandatory for the importers of raw materials, whereas reporting is at the moment voluntary for producers where products contain these minerals.

    Also: Nein. ProduzentInnen können es freiwillig melden, sind aber nicht verpflichtet.


    Weiterführende Links und Quellen:

    Bildquelle: CC0 Public Domain, hangela, Pixabay

  • #96 Städte kämpfen gegen „visuelle Verschmutzung“

    (Außen-)Werbung ist in der heutigen Zeit allgegenwärtig: Kann man da als Großstadt eigentlich dagegensteuern? Einige Städte wie Grenoble oder Sao Paulo haben den Versuch gewagt.

    Grenoble: Umgesetztes Wahlversprechen

    Die kleine französische Stadt Grenoble (rund 160.000 Einwohner und rund 18 km² Fläche) im Südosten des Landes hat den Marketingabteilungen im ganzen Land große Angst gemacht. Denn seit 2015 verschwinden immer mehr Werbeplätze im ganzen Stadtgebiet und werden durch Bäume oder einfach eine freie Fläche ersetzt. Aber wer macht sowas? Ausgangspunkt war ein Wahlversprechen des später auch gewählten und noch amtierenden Bürgermeisters Éric Piolle, einem Kandidaten der „Europe Écologie Les Verts“, also den damals erst kürzlich neugegründeten Grünen Frankreichs.

    Die 326 Werbeflächen wurden deshalb bereits Anfang 2015 abgebaut. Einzig die Werbeflächen in Öffi-Haltestellen sind geblieben – doch auch sie sollen, nach Ablauf des laufenden Vertrages, im Jahr 2019 verschwinden. Durch die Nichtverlängerung der Verträge im Jahr verliert die Stadt rund 600.000 Euro pro Jahr – für Piolle kein Grund für einen Rückzug von seinem Wahlversprechen.

    São Paulo: Verbot aufgrund „visueller Verschmutzung“

    Mit rund 12 Millionen Einwohnern und einer Fläche von 1.523 km² spielt São Paulo natürlich in einer etwas anderen Liga: Also nach dem Jahrtausendwechsel in Brasilien die Werbung exponentiell anstieg, versank São Paulo unter einem „smog of signage“. Nachdem eine Regulierung nicht gelang, trat 2007 durch Bürgermeister Gilberto Kassab das „Clean City Law“ in Kraft. Außenwerbung wurde dabei als Form von „visual pollution“, also visuelle Verschmutzung eingestuft. Innerhalb eines einzigen Jahres verschwanden 15.000 Werbetafeln und 300.000 überdimensionierten Fassadenschildern.

    Fünf Jahre nach dem Verbot wurde Werbung unter starker Kontrolle wieder langsam zugelassen. Die Werbung wurde dabei aber gezielter in die Infrastruktur eingebunden, riesige Werbetafeln gibt es weiterhin nicht. An manchen Bushaltestellen gibt es interaktive Panels, mit denen man z.B. auf Google etwas suchen oder die Wettervorschau ansehen kann.

    New York: Kunst statt Werbung (zumindest in einer App)

    In Zusammenarbeit mehrerer Projektgruppen entstand die App „NO AD: NYC“. Durch Augmented Reality zeigte der Bildschirm das Smartphones oder Tablets nicht die gewöhnlichen Werbungen in der New Yorker U-Bahn an – sondern tauschte sie durch Kunst aus.

    https://vimeo.com/105301636

    In den Vereinigten Staaten von Amerika gibt es aber wirklich vier Bundesstaaten, welche sogenannte „Billboards“, also große Werbetafeln verbieten: Vermont, Hawaii, Maine und Alaska

    Aber warum das Ganze?

    Man kann zu Werbung stehen, wie man will (siehe meinen Absatz „Transparenz“ am Ende des Beitrages). Die Sache mit Außenwerbung, dem sogenannten „Out of home advertising“ (OOH) muss man sich aber trotzdem genauer ansehen:

    While in other media we can, to some extent, choose to consume ads, out of home advertising (OOH) has melded itself inextricably into our environment. (Arwa Mahdawi, theguardian.com)

    So wirkt Out of Home-Werbung durch die massive Dauerpräsenz und ihrer Unausweichlichkeit viel stärker als z.B. Print- oder TV-Werbung. Und in Wahrheit lenken sie nicht mehr vom Stadtbild ab, sie sind heutzutage ganz einfach Teil des Stadtbilds. Das beschreibt auch, wie TheGuardian schön zitiert, auch die Marketingfirma Clear Channel Outdoor, die OOH-Werbung wie folgt bewirbt: „When brands advertise on our street structures, they become part of the public social space, entering people’s thoughts and conversations.“

    Transparenz: Ich bin mir natürlich bewusst, dass hier für LeserInnen manchmal Werbung angezeigt wird. Ich selbst kann das nicht steuern und verdiene auch nichts daran, sondern 365gutedinge.dominikkurcsics.com/ – dafür ermöglicht mir 365gutedinge.dominikkurcsics.com/, dieses Projekt kostenlos umzusetzen. Sollte die Werbung hier zu stark nerven, empfehle ich einen Ad-Blocker. Würden sich Beschwerden häufen, würde ich auch einen Umzug auf einen eigenen Server in Betracht ziehen – dort wär 365guteDinge dann definitiv ohne Werbung, wie auch auf meinen anderen Websites.


    Weiterführende Links und Quellen:

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  • #95 Schwedischer Vorstoß bei Vermittlung von (digitaler) Kompetenz

    Ab Juli 2018 wird es in Schweden eine Änderung des Lehrplans geben: Schon Kinder der 1. Klasse Grundschule sollen Programmieren lernen. Damit soll natürlich nicht nur das Erlernen einer Programmiersprache im Vordergrund stehen, sondern der allgemein von klein auf gelernte Umgang mit Computern und andere Endgeräten.

    „This means Sweden is taking the kind of approach we should have. Sweden should be a country where every kid in school is prepared for working life, and knowledge of programming needs to start early“ (Unterrichtsminister Gustav Fridolin, thelocal.com)

    Auch die Unterscheidung zwischen glaubwürdigen und unglaubwürdigen Quellen soll in Folge dieser Lehrplanänderung erlernt werden. Heutige Kinder und Jugendliche sind mit einer Vielzahl an Quellen konfrontiert, wenn sie nach (Nachrichten-)Inhalten suchen – deshalb ist es wichtig, den Kindern die Kompetenz, diese nach Glaubwürdigkeit zu filtern, beizubringen. Dies ist in ganz Schweden gerade ein großes Thema: Neben einer der beliebtesten schwedischen Comicfiguren, dem Bären Bamse hat auch der König selbst das Thema auf die Agenda gehoben.

    „There has been some naivety when it comes to the information society. An idea that all knowledge is just a short click away and we don’t need to know as much as we needed to before.“ […] „It’s the exact opposite: we need basic knowledge in reading, writing and numeracy so we can’t be tricked, but we also need to advance our criticism of sources to the same level as we previously taught students about scientific theory for example. You already need to have your first taste of this today at about the age of ten.“ (Unterrichtsminister Gustav Fridolin, thelocal.com)

    Auch in Österreich soll das Erkennen von Falschmeldungen in Schulen erlernt werden. Ebenso in Deutschland: die Tagesschau berichtete erst vor wenigen Tagen von einer Schule, die solche Lerninhalte vermittelt. Und in der Schweiz forderte der Präsident des Lehrerverbands bereits im November ein eigenes Fach für Medien(kompetenz).


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  • #94 „The Daily Talk“ – Eine Nachrichten-Tafel in Liberia

    Der westafrikanische Staat Liberia zählt zu den ärmsten Ländern der Welt: Geht man nach dem Bruttoinlandsprodukt kommt das Land auf Platz 165 von insgesamt 188 (Zahlen von 2015). Laut frieden-fragen.de war Liberia 2013 sogar das zweitärmste Land der Welt, hinter Kongo  Deshalb ist es für viele BewohnerInnen schwierig an Informationen und Nachrichten zu gelangen – nicht jeder hat Internetzugang, viele können sich keinen TV oder eine Zeitung leisten.

    [googlemaps https://www.google.com/maps/embed?pb=!1m18!1m12!1m3!1d2410539.911414695!2d-10.79802378495314!3d7.1245543013057455!2m3!1f0!2f0!3f0!3m2!1i1024!2i768!4f13.1!3m3!1m2!1s0xf09f803d4a9fcc1%3A0x5b6c4dd7069694af!2sMonrovia%2C+Liberia!5e0!3m2!1sde!2sat!4v1491320893268&w=600&h=450]

    Alfred Sirleaf hat es in der Hauptstadt Monrovia, Liberia auf spannende Art und Weise gelöst: Er veröffentlicht seine Nachrichten auf einer Tafel, die von alle, die vorbeikommen, kostenlos gelesen werden kann. Seine Beweggründe sind klar:

    „The news is important because information is power, information is knowledge.“ (Alfred Sirleaf)

    Begonnen hat er im Jahr 2000 noch während des Bürgerkrieges – um gegen die Propaganda der einzelnen Konfliktparteien anzukämpfen. Sein Aktionismus wurde und wird deshalb bis heute nicht von der Politik geschätzt oder gar gefördert – bereits drei Mal wurde seine Tafel zerstört. 2005 wurde er sogar aufgrund seiner Arbeit verhaftet. Und selbst obwohl die finanzielle Unterstützung fehlt (bislang erhielten er und sein Team kleinere Spendenbeiträge), will er nicht damit aufhören.

    Sirleaf erklärt, dass es drei verschiedene Arten von NutzerInnen der Nachrichtentafel: jene, die Lesen und Schreiben können, jene, die das nur auf einem Basisniveau können (oder lesen, aber nicht schreiben) und jene, die beides nicht beherrschen. Für letztere werden die Geschichten zudem bebildert und mit Symbolen erklärt – jeder soll, so Sirleaf, Zugang zu den Nachrichten haben. Oftmals lesen auch Umstehende, welche lesen können, die Geschichten laut vor.

    Im Video von Great Big Story hört man den Enthusiasmus von Alfred Sirleaf in seinen eigenen Worten:

    https://www.facebook.com/greatbigstory/videos/1668672523435174/


    Weiterführende Links und Quellen:

    Bildquelle: By Chris Guillebeau – http://www.chrisandjolie.com/archives/Daily%20Talk.jpg, CC BY-SA 3.0, Link

  • #93 Litauen findet verlorene Unabhängigkeitserklärung

    Am 12. Februar 1918 unterzeichneten Vertreter Litauens, Russlands und Deutschlands die Unabhängigkeitserklärung des baltischen Staates. Seit 1795 war es unter russischer Herrschaft – 123 Jahre dauerte es, bis man sich wieder vom russischen Kaiserreich lossagen konnte. Nach dem Zweiten Weltkrieg dauerte es schließlich erneut 45 Jahre, bis – durch den Zusammenbruch der Sowjetunion – Litauen im Jahr 1990 die Unabhängigkeit wiedererlangte.

    Bis heute ist der 12. Februar für die LitauerInnen ein Feiertag – und im kommenden Jahr jährt sich die erstmalige Unabhängigkeit zum 100. Mal. Im Trubel des Endes des Ersten Weltkrieges hat Litauen das wichtige Dokument jedoch verloren. Liudas Mazylis, ein Professor der Vytautas Magnus University in Kaunas, Litauen, hat sich jedoch auf die Suche gemacht, acht Monate und sein eigenes Geld investiert und ist nun fündig geworden:

    Im Archiv des Auswärtigen Amtes Deutschlands fand er sogar zwei Kopien – einerseits die litauische, andererseits auch die deutsche Fassung mit jeweils 20 „offensichtlich originalen“ Unterschriften. HistorikerInnen gingen bislang immer davon aus, dass zumindest 3 Versionen der Deklaration unterzeichnet wurden, wobei zwei für Russland und das Deutsche Kaiserreich (die damalige Besatzungsmacht) gedacht waren.

    Die Freude in Litauen ist groß: Die litauische Präsidentin Dalia Grybauskaitė, hat bereits bei Deutschland angefragt, damit das Dokument übermittelt wird.

    „We now have the best gift, the best monument to our centenary“ (Dalia Grybauskaitė, theguardian.com)

    Und in einem Statement aus dem deutschen Außenministerium freut man sich mit Litauen: „What a great find! This is perfect news for our Lithuanian friends. We celebrate together with them“

    Auf der offiziellen Seite des 100-Jahr-Jubiläums auf Facebook wurde schließlich sogar ein Video veröffentlicht, in welchem sich LitauerInnen für das Aufbewahren der Unabhängigkeitserklärung bei Deutschland bedanken:

    https://www.facebook.com/100Lietuvai/videos/10155108067138349/

    Prof. Mazylis könnte sich, neben dem Fund, auch über etwas Reichtum freuen: MG Baltic, eine litauische Business-Gruppe, hat im vor wenigen Wochen eine Million Euro Belohnung für die Entdeckung des Dokuments ausgeschrieben – ausgezahlt wird, sobald das Dokument in Litauen angekommen ist. Doch er hat kein Interesse daran: „Wenn jemand eine Million übrig hat, soll er überlegen, was er sinnvolles damit macht und nicht damit rumwedeln.“ (faz.net)


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  • #92 Neues Medikament eliminiert erstmals (vorübergehend) Diabetes Typ 2

    Rund 570.000 Menschen in Österreich, rund 6 Mio. in Deutschland und rund 460.000 Menschen in der Schweiz leiden an Diabetes Typ 2. Bei dieser chronische Stoffwechselkrankheit ist der Blutzuckerspiegel aufgrund einer Insulinresistenz erhöht. („Das Hormon hat eigentlich die Aufgabe, die Zuckermoleküle aus dem Blut in die Zellen weiterzuleiten. Bei einer Insulinresistenz gelingt das nur unzureichend – der Zucker staut sich in den Blutgefäßen an“ (diabetes-rategeber.net). Hauptursache dafür sind Bewegungsmangel, Übergewicht und falsche Ernährung.

    Bislang kann der Blutzuckerspiegel einerseits natürlich durch eine positive Veränderung des Lebensstils etwas verbessert werden – andererseits hilft auch eine medikamentöse Behandlung die Krankheit zu bewältigen. Eine Heilung gibt es jedoch nicht. Ein Forschungsteam der University of California berichtet nun jedoch in der neuen Ausgabe des Fachmagazins Nature Chemical Biology von einem neuen Medikament, welches den Blutzuckerspiegel wieder normalisiert. Mäuse mit Insulinresistenz erhielten eine tägliche Dosis dieses Medikaments. Durch die Einnahme wurde der schädliche Zustand, die Resistenz „ausgelöscht“ – für mindestens 30 Tage normalisierte sich der Blutzuckerspiegel – ein Fortschritt, den es in dieser Form noch nicht gab.

    Ein ganz bestimmtes Enzym (mit dem wohlklingenden Namen „niedermolekulares Protein-Tyrosin-Phosphat, kurz: LMPTP) ist verantwortlich, um eine Insulinresistenz herbeizuführen. Dieses findet man in der Leber und interagiert mit den Zellen, damit dieser schlussendlich resistent werden. Das Forschungsteam unter Leitung von Stephanie Stanford, hatte zum Ziel, den Fortschritt des Enzyms zu behindern – da die Rezeptoren der Zellen dann wieder auf Insulin reagieren könnten. Bei Tests an Labormäusen wurde das Medikament täglich oral verabreicht – es wurden auch keine Nebenwirkungen erkannt.

    “So far, the drug has only been tested in mice, and while some research in human genetics suggests this approach could work in people too, we need more research before we know how relevant this could be for people with type 2 diabetes.” (Emily Burns von der Charity „Diabetes UK“, newscientist.com)

    Natürlich ist nun das Ziel, eine Studie mit menschlichen Testpersonen durchzuführen. Davor müssen aber noch weitere Sicherheitstests an Tieren durchgeführt werden, um eine Ungefährlichkeit der Behandlung für Menschen sicherzustellen.


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  • #91 Rundschwanzseekühe in den USA nicht mehr als gefährdet gelistet

    Die Rundschwanzseekühe, oftmals auch Manati genannt,  werden seit 1967 als gefährdet eingestuft. Genauer gesagt der Florida-Manati, eine Untergruppe des Karibik-Manatis. Nur mehr wenige hundert Seekühe wurden in den 70er Jahren des vergangenen Jahrhunderts gezählt. Selbst 1991 waren es nur 1.300 Tiere. Aber durch den Eintrag auf der Liste der gefährdeten Arten begannen offenbar gelugnene staatliche Schutzprojekte. (Den allerersten Versuch, Manatis zu schützen, startete Florida bereits im Jahr 1893.)

    Bei heutigen Zählungen kommt man in Florida auf rund 6.200 Manatis. Im vergangenen Jahr hat deshalb der „US Fish and Wildlife Service“ beantragt, dass es zu einer Neueinstufung kommt. Zahlreiche Gruppierungen kritisierten, dass eine frühzeitige Neueinstufung ohne Plan für die Zukunft falsch sei – passiert ist die Einstufung trotzdem. Laut der zuständigen Behörde, eben der „US Fish and Wildlife Service“, werde natürlich auch weiterhin darauf hingearbeitet, den Bestand der Manatis weiter zu erhöhen und bessere Lebensbedingungen zu bieten.

    Der Schutz von gefährdeten Arten geht in den USA auf den „Endangered Species Act“ zurück, welche 1973 beschlossen wurde und heute als „world’s gold standard for environmental protection“ (washingtonpost.com) bezeichnet wird. Andere Tiere, die durch dieses Gesetz gerettet wurden: der Schwarzfußiltis, der Buckelwal, der Weißkopf-Seeadler (Amerikas Wappentier), der Mississippi-Alligator, der Grizzlybär, der Kalifornische Kondor und der Wolf.


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  • #90 Fortschritte bei der Motoneuron-Krankheit/ALS-Forschung

    Die Krankheit ALS (Amyotrophe Lateralsklerose) wurde vor allem durch die im Sommer 2014 gestartete „Ice Bucket Challenge“ einem größeren Teil der Bevölkerung bekannt. ALS ist eine Motoneuron-Erkankung – unter dem Begriff Motoneuron oder motorisches Neuron werden die efferenten (ausführenden) Nervenzellen zusammengefasst, die die Muskulatur des Körpers innervieren und somit Grundlage aktiver Kontraktionen der Skelettmuskeln sind. (de.wikipedia.org).

    Allein in der vergangenen Woche gab es drei neue Ankündigungen aus der Motoneuron-Krankheits-Forschung

    Medikament PMX205

    Das entzündungshemmende Medikament PMX205 verlangsamt bei Ratten und Mäusen den Fortschritt der erblichen Form der Krankheit bei Ratten und Mäusen.

    “In animal models, PMX205 made a visible difference to tremors, muscle strength and mobility, and if this is reflected in people, it could make a real difference to patients.” (uq.edu.au)

    10 Prozent der Erkrankten leiden an der erblichen Form der Krankheit, aber der Leiter der Forschungsgruppe der University of Queensland (Australien), Dr. John Lee, hofft, dass das Medikament auch bei den restlichen 90 Prozent eine verlangsamende Wirkung hat. Normalerweise ist die Zulassung eines neuen Medikaments sehr lange. Hier ist es aber von Vorteil, dass das Medikament bereits für andere entzündungshemmende Zwecke verwendet wird. Klinische Studien sollen im Jahr 2019 beginnen.

    Protein polyGP

    Dr. Tania Gendron, Leiterin der Forschungsgruppe der Mayo Clinic (Rochester, Minnesota, USA) erklärte im wissenschaftlichen Magazin „Science Translational Medicine“ eine weitere Erkenntnis: Das Protein polyGP wurde dabei in der Zerebrospinalflüssigkeit (der Gehirn-Rückenmarks-Flüssigkeit) und den Blutzellen von Menschen mit Mutationen, die am häufigsten mit Motoneuron-Erkrankungen assoiziert werden, nachgewiesen. Dieses Protein kann dazu dienen, die Wirksamkeit von Behandlungen zu messen und die Suche nach effektiven Medikamenten zu beschleunigen.

    ALS und Schizophrenie

    Ein Team unter der Leitung von Professorin Orla Hardiman vom Trinity College Dublin haben untersucht, ob es eine genetische Überlappung zwischen der Motoneuron-Krankheit und Schizophrenie besteht. Dabei haben sie die Genetik von 13.000 Menschen mit Motoneuron-Erkrankung und 30.000 Menschen mit Schizophrenie untersucht. Zalreiche Gene, die mit ALS assoziert werden, sind auch bei Schizophrenie involviert – die gemeinsame Überlappung beträgt dabei 14 Prozent. Diese Erkenntnis ist für die weitere Forschung von großer Bedeutung:

    “We should think about ALS/MND in the same way that we think about schizophrenia, which is a problem of disruptions in connectivity between different regions of the brain, and we should look for drugs that help to stabilize the failing brain networks.“ (Prof. Orla Hardiman, tdc.ie)


    Weiterführende Links und Quellen:

    Bildquelle: CC BY NC SA (2.0), ZEISS Microscopy, Multiphoton microscopy of mouse motor neurons, Flickr

  • #89 Europäische Kommission plant vollständiges Verbot von bienen-schädlichen Pestiziden

    Laut einem exklusiven Bericht des britischen Mediums The Guardian plant die Europäische Kommission ein (fast) vollständiges Verbot für Pestizide, welche akute Risiken für Bienen mit sich bringen. Wird der Vorschlag der Kommission von einer Mehrheit der EU-Mitgliedsstaaten genehmigt, so könnte das Verbot bereits in diesem Jahr beschlossen werden. Die einzige Ausnahme soll für Pflanzen gelten, welche ausschließlich in Gewächshäusern gezüchtet werden.

    Bereits 2013 hat die Europäische Union ein vorübergehendes Verbot der Verwendung der drei wichtigsten Neonicotinoide verhängt. Der erneute und radikalere Vorstoß stützt sich auf eine Risikobewertung von Pestiziden durch die „European Food Safety Authority (Efsa), welche 2016 veröffentlich wurden. Frühestens im Mai könnte darüber abgestimmt werden, und sofern der Entwurf verabschiedet wird, könnte er innerhalb weniger Monate in Kraft treten.

    Der Rückgang der Bienenpopulation ist bereits seit Jahren zu beobachten und die Auswirkungen sind vielen Menschen noch gar nicht bewusst: Den Bienen verdanken wir nicht nur den köstlichen Honig – sie sind durch ihre ausdauernde Arbeit für den weiteren Bestand zahlreicher Lebensmittel verantwortlich. Das kurze Video in diesem Tweet zeigt, wie unterschiedlich unsere Supermärkte ohne Bienen aussehen würden:

    153 Milliarden Euro ist der globale Wert der Bestäubungsleistung unserer Bienen – Wikipedia hat die Zahlen und Anteile schön zusammengefasst:

    Der bei weitem wichtigste Beitrag der Honigbiene für die moderne Landwirtschaft ist ihre Bestäubungsleistung. 22,6 % bzw. 14,7 % der landwirtschaftlichen Produktion in Entwicklungs- bzw. Industrieländern sind direkt auf Bestäubung durch Honigbienen angewiesen. Der globale Wert der Bestäubungsleistung durch Insekten wurde auf 153 Mrd. € geschätzt, was 9,5 % der landwirtschaftlichen Produktion entspricht. Davon entfallen 14,2 Mrd € auf die EU25 und 14,4 Mrd. € auf Nordamerika inkl. Mexiko. (de.wikipedia.org)


    Weiterführende Links und Quellen:

    Bildquelle: CC0 Public Domain, hansbenn, Pixabay

  • #88 Gentherapie: Spezielles Enzym entfernt HIV-Gene aus infizierten Zellen

    Das Heinrich-Pette-Institut/Leibniz-Institut für Experimentelle Virologie (HPI) in Hamburg beschäftigt sich wie viele Forschungseinrichtung mit der Behandlung und in weiterer Folge mit der Eliminierung des HI-Virus. Joachim Hauber leitet seit 2002 die Abteilung Zellbiologie und Virologie an diesem Institut und konnte bereits 2007 mit eine Forschungsgruppe (bestehend aus seiner Ehefrau Ilona Hauber vom HPI und Indrani Sarkar und Frank Buchholz vom Max-Plank-Institut für molekulare Zellbiologie und Genetik) einen Durchbruch bei der Aidsforschung vermelden. Damals gelang es, die HI-Virus-DNA aus dem Genom (also dem Erbgut) einer infizierten Zelle zu entfernen – dies gelang damals erstmals in-vitro, also außerhalb eines Organismus, in einem Glas.

    Er erklärt, warum eine Heilung bislang unmöglich ist, neue experimentelle Methoden aber Hoffnung geben:

    „Die stabile Integration der Virus-Gene in das Erbgut der Wirtszelle macht bisher die Heilung der HIV-Infektion unmöglich. Seit einiger Zeit deuten jedoch neuartige experimentelle Methoden zur Modifizierung der Erbsubstanz – Stichwort „Genome Editing“ – erstmals Möglichkeiten an, die integrierten HIV-Gene wieder aus dem Erbgut der infizierten Wirtszelle auszuschneiden. Dadurch kann die HIV-Infektion zumindest auf Ebene der Zelle wieder rückgängig gemacht werden. (idw-online.de)

    2016 veröffentlichten das Forschungsteam rund um Buchholz und Hauber eine Studie im Fachmagazin „Nature Biotechnology“,  in der sie von ersten Erfolgen sprechen. Auf spiegel.de wird sehr verständlich erklärt, wie dieses veränderte Enzym im Körper von infizierten Personen arbeitet: Das Enzym erkennt dann spezifisch bestimmte Erbgut-Abschnitte, schneidet dort ein Stück DNA heraus und fügt die Enden wieder zusammen. „Rekombinase“ nennen die Forscher diesen Typ Enzym. Ihnen gelang es, dass dieses Enzym einen großen Anteil der sehr wandelbaren HI-Viren erkennt, den Rest des menschlichen Erbguts aber nicht angreift. Hauber betont aber, dass nicht alle Virenauf die Rekombinase ansprechen – jedoch auf den größten Teil: 90 Prozent aller bekannten HIV-Varianten könnten damit entfernt werden.

    Zusammengefasst: Forscher aus Dresden und Hamburg haben eine Enzym-Schere entwickelt, die das Erbgut von HI-Viren aus infizierten Zellen wieder entfernen kann. Bislang waren die Versuche in Zellkulturen und Tierversuchen erfolgreich, Studien mit Patienten stehen noch aus. Sollte die DNA-Schere auch beim Menschen funktionieren, wäre das ein revolutionärer Schritt: die erste Möglichkeit, Menschen von einer HIV-Infektion zu heilen. (spiegel.de)

    Von 22. bis 25. März 2017 fand die 27. Jahrestagung der Gesellschaft für Virologie e.V. (GfV) in Marburg auf dem Programm – diese neue Gentherapie gegen HIV-Infektionen war dabei das große Thema.


    Weiterführende Links und Quellen:

    Bildquelle: CC0 Public Domain,  C. Goldsmith, Content Providers: CDC/ C. Goldsmith, P. Feorino, E. L. Palmer, W. R. McManus – This media comes from the Centers for Disease Control and Prevention’s Public Health Image Library (PHIL), with identification number #10000