Autor: Dominik

  • #107 Regierung Neuseelands legt Gesetzesvorschlag für Verbot von Mikroplastik vor

    In regelmäßigen Abständen wird über die Sinnhaftigkeit und die Gefahr von Mikroplastik diskutiert. In vielen Kosmetika befinden sich Kunststoffteilchen mit einer Größe im Mikrometer- und Nanometerbereich.

    Wie groß die Gefahr ist, kann zwar heute noch nicht endgültig gesichert gesagt werden – erste Forschungsergebnisse sind jedoch nicht gerade beruhigend. Und obwohl sich viele Kosmetikhersteller eine freiwillige Erklärung unterzeichneten, bis Ende 2018 auf Mikroplastik ganz oder teilweise zu verzichten, stieg die Verwendung in den vergangenen zwei Jahren sogar noch an.

    In Neuseeland wurde im Februar diesen Jahres vom Umweltminister verkündet, dass das Land Mikroplastik in Pflegeprodukten verbieten wird. Die Begutachtungsfrist des Gesetzesentwurfs ist ebenfalls bereits abgelaufen. Nach Beschluss im Parlament soll das Verbot am 1. Juli 2018 in Kraft treten – wobei zahlreiche Organisationen davor warnen, das Verbot nicht zu lasch auszulegen. Außerdem müsse die Definition von Mikroplastik möglichst weit gefasst werden.

    Nicht das erste Land mit einem Verbot

    September 2016 wurde bekannt, dass das Vereinigte Königreich ebenfalls ein Verbot beschlossen hat, Ende 2017 soll es in Kraft treten. In den USA tritt ein Verbot Mitte 2017 und in Schweden und Dänemark im Jänner 2018, in Kanada Mitte 2018 in Kraft.

    In Deutschland und Österreich wird es regelmäßig gefordert, die Politik traut sich aber bislang nicht an die Umsetzung.


    Weiterführende Links und Quellen:

    Bildquelle: CC BY NC 2.0, MPCA Photos, microbeads-microplastic-various, Flickr

  • #106 Neues solar-betriebenes Gerät gewinnt Trinkwasser aus der Luft

    ForscherInnen des Massachusetts Institute of Technology (MIT) und der University of California (UC), Berkeley haben ein kompaktes Gerät entwickelt, welches mit der Wärme der Sonne und der in der Luft befindlichen Feuchtigkeit Trinkwasser herstellen kann.

    Der Journalist Robert Czepel hat die Funktionsweise in seinem Beitrag auf science.orf.at sehr gut erklärt:

    Herzstück der Maschine ist eine metallorganische Verbindung, kurz „MOF“ genannt, die so ähnlich wie ein Schwamm funktioniert: Sie nimmt Wasser aus der Luft auf und lagert es an ihrer Oberfläche an. Arbeitsschritt zwei erledigt die Sonne. Ihre Wärme sorgt dafür, dass das Wasser den metallorganischen Schwamm als Dampf verlässt und sich schließlich an einer Kondensatoroberfläche sammelt, von wo es in einen Behälter rinnen kann. (science.orf.at)

    Die ForscherInnen aus Berkeley sind für die Entwicklung der MOF zuständig, die ForscherInnen am MIT machten daraus den „Luftentfeuchter“. Wasser aus der Atmosphäre zu gewinnen ist keine neue Entwicklung: Doch oftmals brauchten die Prozesse das Vorhandensein von 100 Prozent relativer Luftfeuchte und jede Menge Energie. Das ist hier anders: Selbst in Wüsten wie der Sahara, Gobi oder Kalahari, welche oftmals nur eine Luftfeuchtigkeit von rund 20 Prozent aufweisen, würde dieses Gerät funktionieren. Die einzige Energiequelle, die benötigt wird, ist die Sonne. Mit dem aktuellen Prototypen gelingt es, innerhalb von 12 Stunden 2,8 Liter aus der Luft zu gewinnen – benötigt dafür wird etwas unter 1 Kilogramm des MOF.

    In diesem Video erklärt Professor Omar Yaghi die Funktionsweise des Geräts:

    Der im Journal Science vorgestellte Prototyp arbeitet mit einer MOF-Variante, welche 20 % ihres Gewichts an Wasser aufnehmen kann – in Zukunft sollen das aber 40 % oder mehr sein. Damit diese Entwicklung mehr und mehr Menschen (vor allem in Bereichen der Welt, wo der Zugang zu sauberem Trinkwasser nicht vorhanden ist) erreicht, braucht es jetzt die Industrie, die diesen Prototypen weiterentwickelt und schließlich produziert. Das deutsche Chemieunternehmen BASF ist bereits an Bord, die ersten Geräte könnten bereits in ein paar Jahren auf den Markt kommen.

    Sowohl Omar Yaghi von der UC Berkeley als auch Evelyn Wang vom MIT sind überzeugt, dass sie mit ihrem Prototypen nur zu einem kleinen Teil das Potential dieses Konzepts erschlossen haben.


    Weiterführende Links und Quellen:

    Bildquelle: CC0 Public Domain, PublicDomainPictures, Pixabay

  • #105 Rot-Grün-Sehschwäche kann mit Brille überwunden werden

    Jeder zwölfte Mann und jede zweihundertste Frau leiden an einer Rot-Grün-Sehschwäche. Diese Farbfehlsichtigkeit ist genetisch bedingt, das krankheitsverursachende Gen liegt dabei auf dem X-Chromosom – der Grund, warum Männer deutlich häufiger betroffen sind. Fälschlicherweise wird diese Fehlsichtigkeit häufig umgangssprachlich als „farbenblind“ bezeichnet – in Wahrheit sind das zwei sehr unterschiedliche Erkrankungen, wie das nachfolgende Video erklärt:

    Kurz erklärt: Menschen haben in ihren Augen Rezeptoren, sogenannte Zapfenzellen, in der Netzhaut – diese ermöglichen die Wahrnehmung von Farben. Diese Zapfen werden von rotem, grünen und blauen Licht besonders angeregt. Bei einer Rot-Grün-Schwäche funktionieren aufgrund eines angeborenen Genfehlers die Zapfenzellen für Rot und Grün nicht richtig und ihre Wellenlängen überlappen sich dabei. Bei einer partiellen Farbenblindheit fehlen die Zapfen für Rot, Grün oder Blau komplett oder funktionieren gar nicht. Bei totaler Farbenblindheit „können Menschen gar keine Farbnuancen mehr wahrnehmen. Außerdem sind sie sehr lichtempfindlich. Sie arbeiten stets im ‚Nachtmodus‘ und nehmen bei Dunkelheit nur noch Schemen wahr.“ (zeiss.de) Menschen mit Rot-Grün-Schwäche können mit dieser Einschränkung normalerweise sehr gut leben – man kennt es ja von Geburt an nicht anders und stellt sich darauf ein.

    Nun tauchen immer mal wieder virale Videos auf, welche Menschen mit Rot-Grün-Sehschwäche zeigen, die durch eine neuartige Brille plötzlich erstmals die Farben so wahrnehmen können, wie sie Normalsehende auch wahrnehmen. Sind diese Videos Fake?

    Nein. Das 2010 gegründete Unternehmen EnChroma hat wirklich eine solche Brille entwickelt. Wie diese Brille funktioniert ist halbwegs einfach erklärt: Sie ist so konzipiert, die überlappenden Wellenlängen der Rot- und Grün-Zapfen herauszufiltern und die Sättigung von roten und grünen Farbtöten zu erhöhen. Doch leider gibt es einige Haken: So richtig funktionieren die Brillen nur bei Sonnenschein voll und ganz, sie sind relativ teuer (ab 349 Dollar) und sind derzeit nur online bestellbar.

    Entwickelt wurde die Brille von Don McPherson, welcher seinen PhD-Abschluss an der Alfred University in Alfred, New York in „Glass science“ (also „Glaswissenschaft“). Und doch war laut Technology Review alles ein Zufall: Eigentlich wollte McPherson eine Schutzbrille für DoktorInnen entwickeln, welche Laseroperationen durchführen – ein Freund, welcher an Rot-Grün-Schwäche litt, testete die Brille und bemerkte seine hochinteressante Wirkung. Um die ersten Prototypen weiterzuentwickeln hat sich McPherson mit Andrew Schmeder, einem Mathematiker und Informatiker zusammengesetzt – all das mündete 2010 in die Gründung des Unternehmens und in die erste Brille im Jahr 2012.

    In den zahlreichen NutzerInnen-Videos wird die Wirkung der Brille meist tränenreich getestet:

    EnChroma verspricht auf seiner Website ganz bewusst nicht zu viel. Die Brille funktioniert eindeutig, den Einsatz in Berufen, die das perfekte Erkennen von Farben voraussetzen, ist sie aber nicht zulässig.

    Das „ColorCorrection System™“ des Mediziners Dr. Azman erklärt hingegen, dass mit den eigens hergestellten Brillen und Kontaktlinsten auch der Ishihara-Tafeln-Test bestanden werden kann – oftmals eine Grundvoraussetzung für solche Berufe. Der große Haken hier: Diese Technik wird nur in den USA von ihm selbst durchgeführt. EnChroma hat da eindeutig eine größere Breitenwirkung.


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    Bildquelle: CC BY 2.0, Johannes Ahlmann, „Color Blindness“ Deuteranomaly demonstration, Flickr

  • #104 Flaschen auf Pflanzenbasis in Entwicklung

    In der 13.344-Einwohner Gemeinde Hard im westlichsten österreichischen Bundesland Vorarlberg ist der Firmensitz des weltweit agierenden Unternehmens ALPLA. Der Verpackungsmittelhersteller hat über 17.000 Mitarbeiter und erzielte 2016 einen Umsatz von 3,3 Milliarden Euro – seit 1955 produzieren sie Kunststoffverpackungen wie z.B. Flaschen, Verschlüsse oder Tuben.

    Doch das Erdöl wird knapper und damit auch Rohstoff zur Herstellung von Kunststoff. Deswegen forscht die chemische Industrie mit (nachwachsenden) Naturprodukten wie z.B. Zuckerrüben, Soja, Gras oder sogar Klärschlamm. Das Vorarlberger Unternehmen ist soweit, dass es jetzt bereits Flaschen herstellt, welche zu 30 Prozent aus Pflanzen wie Maisblätter, Getreidehalme oder Gras bestehen. (Dabei betonen sie, dass es sich dabei um Teile der Pflanzen handelt, die keine Nahrungsmittel sind.)

    Ziel ist es aber natürlich, dass die Flaschen irgendwann zu 100 Prozent aus „Pflanzenkunststoff“ bestehen. Ein Prototyp besteht bereits und mit der Qualität ist man äußert zufrieden: Die Haltbarkeit ist gegenüber normalen Plastikflaschen fünf bis zehn Mal höher, aufgrund der höheren Dichte der „Pflanzenflaschen“. Das bedeutet, dass weniger Kohlensäure herauskommt, und weniger Sauerstoff eindringen kann.

    Der bio-basierte Kunststoff nennt sich „Polyethylenfuranat“ (oder kurz: PEF). Er wird zu hundert Prozent aus pflanzlichen Rohmaterialen hergestellt und ist ebenso zu hundert Prozent vollständig recyclingfähig. Das aktuelle Problem für das Unternehmen ist, dass das dafür benötigte Sekundärrohstoff, das pflanzliche Granulat, nur in relativ geringen Mengen produziert wird. Bei ALPLA plant man aber, bereits in ungefähr fünf Jahren mit der Flaschenproduktion in größerem Stil starten zu können.


    Weiterführende Links und Quellen:

    Bildquelle: CC0 Public Domain, congerdesign, Pixabay

  • #103 Weltweit höhere Fünf-Jahres-Überlebensrate bei Kindern mit Leukämie

    Die medizinischen Fachzeitschrift Lancet Haematology veröffentlichte am 11. April die Ergebnisse einer Studie zur Überlebenschance von Leukämie bei Kindern. Die Ergebnisse zeigen, dass die Fünf-Jahres-Überlebensrate seit 1995 weltweit angestiegen ist.

    Für die Studie wurden 89.828 Kinder in 53 Staaten untersucht. Zwischen 1995 und 1999 lag die Rate in China bei 10,6 % und in Österreich von 86,8 %. Auch in der Phase zwischen 2005 und 2009 gab es große Unterschiede zwischen einzelnen Ländern – hier rangierten die Werte zwischen 52,4 % in Cali, Kolumbien und 91,6 % in Deutschland. Doch die Werte verbesserten sich in den meisten Ländern – in China liegt sie in 2005-2009 bei 69, 2 %.

    Bei den deutschsprachigen Staaten liegt Deutschland auf Platz 1:

    Jahre Deutschland Österreich Schweiz
    1995-1999 86,3 % 86,8 % 86,0 %
    2000-2004 87,3 % 90,1 % 87,9 %
    2004-2009 91,6 % 91,1 % 87,9 %

    Bei der Studie unterschied man zwischen den Überlebensraten bei Akuter Lymphatischer Leukämie (ALL, die häufigste Form von Leukämie bei Kindern) und Aktuer Myeloischer Leukämie (AML) und weiteren Leukämieformen. Bei den untersuchten Fällen handelte es sich bei 81 % um ALL, bei 16 % um AML und bei 3 % um weitere Formen. Die in diesem Beitrag genannten Werte gelten für alle Formen von Leukämie.

    Österreich und Deutschland werden im Artikel extra erwähnt: Hier waren und sind die Überlebensraten für ALL und AML schon immer sehr hoch. Den Grund dafür sehen sie in einem besseren Einhalten der Therapie-Protokolle.


    Weiterführende Links und Quellen:

    Bildquelle: CC BY (2.0), Ed Uthman, Chronic Lymphocytic Leukemia, Flickr

  • #102 Eine Pferdebücherei in Indonesien

    In Indonesien konnten in den vergangenen Jahrzehnten durch die Einführung der Schulpflicht für eine sechsjährige Grundschule im Jahr 1974 und der Verlängerung um drei Jahre im Jahr 1994 eine Bevölkerung alphabetisiert werden. Allein von 2004 bis 2011 sank die Zahle der Analphabeten von 15,4 auf 6,7 Millionen. Die Analphabetenquote liegt im ganzen Land nun bei rund 5 Prozent. In der Schule gehört Lesen zwar zu den Pflichten der SchülerInnen, doch viele können sich keine Bücher leisten.

    Ridwan Sururi hat aus diesem Grund „Kudapustaka“ gestartet, eine mobile Bibliothek auf dem Rücken eines Pferdes. Damit reist er von einem Dorf zum anderen. In seiner Region, Zentral-Java, gibt es laut UNESCO immer noch rund eine Million Analphabeten. Die Bücher erhielt er anfangs von einem guten Freund, welcher ihn bei seinem Hobby unterstützten wollte. Die Kinder und Erwachsenen müssen für das Ausleihen der Bücher keinen Cent bezahlen und Sururi hat auch nicht vor damit irgendwann einmal Geld verdienen zu wollen.

    Das Angebot geht von Comics und Erzählungen für Kinder bis hin zu „How-To“-Büchern für Erwachsene, zum Beispiel: „How to farm“, also eine Anleitung zum landwirtschaftlichen Anbau oder Viehzucht.

    Luna, das Pferd, mit dem er immer reiste, gehörte ihm gar nicht. Als professioneller Betreuer von Pferden steht Luna sozusagen unter seiner Obhut, der eigentliche Besitzer hat sich schon lange nicht mehr um sein Pferd gekümmert. Sururis großer Traum war aber ein eigenes Pferd – ein Wunsch, der im Jahr 2016 durch den Einsatz der „Stiftung Soziale und Ökologische Zukunft“ erfüllt wurde.

    Seither bereits er drei Mal die Woche die Dörfer mit seinem eigenen Pferd Germanis, was so viel bedeutet wie „das süße Pferd aus Deutschland“.


    Weiterführende Links und Quellen:

    Bildquelle: CC0 Public Domain, Pexels, Pixabay

  • #101 Experimenteller Zika-Impfstoff zeigt vielversprechende frühe Ergebnisse

    Der lange Zeit relativ unbekannte Zika-Virus (Abkürzung: ZIKV) hat sich seit 2015 in vielen Ländern Lateinamerikas verbreitet. Aktuell sind auf der ganzen Welt 84 Staaten betroffen. Am 1. Februar 2016 rief die Weltgesundheitsorganisation einen „öffentlicher Gesundheitsnotstand internationalen Ausmaßes“ aus.

    Der Virus wird durch Stechmücken übertragen. Der Infektionsverlauf beim Menschen verläuft normalerweise relativ glimpflich, bislang sind keinerlei Tote durch den Virus nachgewiesen. Für Schwangere jedoch ist die Infektion eine große Gefahr: Föten von infizierten Schwangeren wurden mit Mikrozephalie (also eine Fehlbildung, bei der der Kopf eine deutliche geringer Größe hat) geboren, manche sterben bereits kurz nach der Geburt.

    Ein von einem Arm des US-amerikanischen National Institutes of Health entwickelte experimenteller Zika-Impfstoff zeigt nun aber bei frühen menschlichen Studien recht vielversprechende Ergebnisse. Dieser Impfstoff wurde auf DNA-basierter Technologie gearbeitet. Bei traditionellen Impfstoffen ist oftmals die Kultivierung und das Wachstum von Viren und Bakterien notwendig, was mitunter mehrere Monate dauert. Bei DNA-Impfstoffen geht das deutlich schneller: Dabei werden Gene, die in Verbindung mit einem bestimmten Virus oder Bakterium stehen, in synthetische DNA eingesetzt.

    Nun startet eine weitere, größere Versuchsreihe. In der zweiteiligen Studie werden rund 2.500 TeilnehmerInnen in sechs Staaten am gesamten amerikanischen Kontinent untersucht und geimpft. Bereits Ende des Jahres 2017 könnten erste Ergebnisse vorliegen, wobei man sich hier fast wünschen muss, dass sie später kommen. Denn 2017 ist nur bei einer gewissen Verbreitung von Zika haltbar – kommt es also zu weniger Infektionen, verzögert sich dadurch die Studie.

    Wenn die Tests positiv verlaufen, dann wäre der Zika-Impstoff bei der Zulassung der erste DNA-Impfstoff für Menschen. Wissenschaftler arbeiten zwar bereits seit 25 Jahren an verschiedenen DNA-Impfstoffen, hatten aber bislang immer Probleme, dass diese dann im Körper aktiviert wurden und ihren Dienst verrichteten.


    Weiterführende Links und Quellen:

    Bildquelle: CC BY (2.0)CDC Global Health, Flickr

  • #100 Studie: Gleichbleibende Nahrungsmittel-Produktion in Frankreich trotz Pestizid-Reduktion möglich

    Alle französischen Bauernhöfe und Farmen könnten ihre Pestizidnutzung massiv herunterfahren und würden dabei immer noch gleich viel Nahrungsmittel produzieren wie zuvor. In Wahrheit könnten sogar Dreiviertel aller Farmen komplett auf chemische Pestizide verzichten, ohne dabei finanzielle Einbußen zu spüren. Zu diesen Schlüssen kam eine Forschungsgruppe der COMUE Université Bourgogne Franche-Comté und des French National Institute for Agricultural Research. Sie hat die Ergebnisse ihrer neuen Studie Anfang März 2017 im Fachjournal (mit peer-review) „Nature Plants“ präsentiert.

    Die Forscher analysierten für ihre Studie die Pestizidnutzung, Produktivität und Profitabilität von 946 Farmen jeglicher Größe in ganz Frankreich. Dabei erkannten sie z.B., dass eine höhere Pestizidnutzung bei 77 % der Farmen nicht mit größeren Gewinnen einhergingen – hier könnte sowohl Pestizide als auch Geld eingespart werden.

    Selbstauferlegtes Ziel

    Für Frankreich(s Politik) ist diese Studie natürlich spannend: Eigentlich beschloss man 2008 die Pestizidnutzung bereits bis 2018 um 50 Prozent zu reduzieren. Vor zwei Jahren, als man erkannte, dass das Ziel nicht nur nicht erreicht, sondern sogar mehr Pestizide genutzt wurden, verlegte man das Ziel auf 2025. Frankreich zählte 2014 bei zum zweitgrößten Pestizidkäufer in Europa: Von den 395.944,4 Tonnen für die 28-EU-Mitgliedsstaaten entfielen 75.287,5 Tonnen auf Frankreich, 78.818,3 Tonnen auf Spanien, 64.071,1 Tonnen auf Italien und 46.078,5 Tonnen auf Deutschland.

    Bereits seit 1. Jänner 2017 ist der Einsatz von Pestiziden an öffentlichen Orten wie z.B. Wäldern, Parks oder Gärten verboten – einzig auf Friedhöfen dürfen sie noch eingesetzt werden. Ab 2019 soll es auch einen Pestizidverbot für private Gärten geben.

    Bei all den Einsparungsüberlegungen und -umsetzungen in Frankreich gibt es natürlich jemanden, die damit nichts anfangen kann: die „milliardenschwere Pestizidindustrie“, wie Journalist Damian Carrington sie im The Guardian nennt. Diese nutzt sehr gern das Argument, dass durch das immer noch rapide Bevölkerungswachstum (2050 sollen 9 Milliarden Menschen auf der Erde leben) der Einsatz von Pestiziden unumgänglich ist, damit ausreichend Nahrungsmittel produziert werden können. Doch es keimt Widerstand auf: UN-Experten bezeichnen dieses Argument als Mythos – in einem Bericht der Vereinten Nationen sprechen sie von einer „systematischen Verleugnung von Schäden“ durch Pestizide und „aggressiven, unethischen Marketing-Taktiken“.


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  • #99 Frankreichs „Recht auf Abschalten“

    Mit 1. Jänner 2017 trat Frankreichs „loi n° 2016-1088 du 8 août 2016 relative au travail, à la modernisation du dialogue social et à la sécurisation des parcours professionnels in Kraft. Bekannt wurde das Gesetz verkürzt als das „Right to Disconnect“, also das „Recht auf Abschalten“.

    Dabei geht es darum, dass MitarbeiterInnen nicht mehr verpflichtet werden können (bzw. sich nicht mehr verpflichtet fühlen müssen), auch in ihrer Freizeit ständig und augenblicklich auf berufliche E-Mails oder Anrufe zu reagieren. Und das Wichtige dabei ist: MitarbeiterInnen dürfen nicht gekündigt werden, wenn sie außerhalb der Arbeitszeiten nicht erreichbar sind.

    Das Gesetz sieht vor, dass Unternehmen mit mehr als 50 MitarbeiterInnen müssen Management und Betriebsrat ausverhandeln, wie Angestellte vor der Gefahr der ständigen Erreichbarkeit geschützt werden können. Können sie sich mit dem Betriebsrat nicht einigen, sollen Unternehmen trotzdem selber entsprechende Verhaltensregeln aufstellen.

    Das Gesetz ist in dieser Form weltweit einzigartig. Initiiert wurde es im Übrigen nicht von der Gewerkschaft – sondern von der Industrie. Einerseits aufgrund ehrlicher Sorge vor dem Burn-out wichtiger MitarbeiterInnen, andererseits jedoch auch, um ArbeitnehmerInnen mehr Handhabe zu ermöglichen.

    Zahlreiche große Unternehmen versuchten bereits vorab, die Arbeit und Erreichbarkeit in der Freizeit herunterzufahren: So steht in der Betriebsvereinbarung der Versicherungsgesellschaft Axa, das E-Mails am Wochenende keine rasche Antwort erfordern. Reifenhersteller Michelin erfasst die Zugriffe der Angestellten auf den Mailserver außerhalb der Dienstzeiten – sind diese Zugriffe zu lange, wird es ein klärendes Gespräch mit dem/der Vorgesetzten geben. Das deutsche Unternehmen Volkswagen hat bereits Ende 2011 begonnen, 3.500 höheren Angestellten nach Feierabend die Verbindung zum Mailserver zu kappen.

    Gerade hinsichtlich der Verschlechterung der Work-Life-Balance in den vergangenen Jahren ist dieses Gesetz ein spannender Versuch, dem entgegenzusteuern. 2014 erklärte die „Initiative Gesundheit und Arbeit“ (iga) der Kranken- und Unfallversicherungen in Deutschland Folgendes:

    Zwei Drittel der Erwerbstätigen leisteten demnach regelmäßig Überstunden, jeder Fünfte fühlt sich von seinem Arbeitgeber unter Druck gesetzt, immer mehr leisten zu müssen. 22 Prozent gaben an, dass sie auch in ihrer Freizeit ständig für den Arbeitgeber ansprechbar sein müssten. Und rund jeder Vierte besagte, dass er häufig Aktivitäten mit Freunden und Familie in der Freizeit ausfallen ließe, weil er sonst keine andere Möglichkeit hätte sich auszuruhen. (zeit.de)


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  • #98 Stark gefährdete Tigerart pflanzt sich in Thailands Dschungel fort

    Der Indochinesiche Tiger steht auf der Roten Liste gefährdeter Tierarten des IUCN (International Union for Conservation of Nature) – mit dem Status EN (endangered, also: stark gefährdet). WWF ging 2009 davon aus, dass es nur mehr 350 wilde Indochinesische Tiger gibt. In China, Laos und Kambodscha gilt diese Unterart bereits als ausgestorben, 20 zählt man in Vietnam, 85 in Myanmar und zwischen 189 bis 252 Tiere in Thailand. The Guardian schreibt von nur mehr 221 Exemplaren in Thailand und Myanmar

    Durch den Einsatz Thailands, die Tigerart zu schützen und wieder anzusiedeln. Panthera, eine Organisation, die sich ausschließlich für den Schutz der 38 Wildkatzen-Arten verschrieben hat, arbeitet gemeinsam mit Thailands „Department of National Parks, Wildlife and Plant Conservation „(DNP) und der „Freeland Foundation“ daran, die Tiger zu beobachten und zu schützen – dazu haben sie im Juni 2016 Kameras installiert, bei denen sie vorbeiziehende Tiger vermuten. Neueste Bilder zeigen nun eine Tiger-Population mit Tigerjungen.

    A breeding population here means that the future of this subspecies is less precarious and could potentially even expand—tigers here could disperse and repopulate Cambodia and Laos, where no breeding populations persist. (panthera.org)

    Natürlich sind die Indochinesischen Tiger immer noch vom Aussterben bedroht. Die aktuellen Beobachtungen lassen jedoch Hoffnung entstehen, dass sie sich, bei weiterem Schutz, wieder etwas verbreiten.


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