Autor: Dominik

  • #117 Mexiko eliminiert Infektionskrankheit, die Blindheit verursacht

    Die Pan American Health Organization (PAHO) und die Weltgesundheitsorganisation (WHO) verkündeten Anfang der Woche, dass die Infektionskrankheit Trachom in Mexiko als öffentliches Gesundheitsproblem beseitigt werden konnte. Die Krankheit ist eine bakterielle Entzündung des Auges mit „Chlamydia trachomatis (Serotyp A bis C) und führt zu wiederholten Infektionen. Diese führen dann zur Narbenbildung und schließlich auch zum Verlust des Sehvermögens.

    Trachom betrifft vor allem arme und isolierte Populationen in 41 Ländern. Am amerikanischen Kontinent ist die Krankheit in Brasilien, Guatemala und Kolumbien noch weit verbreitet. In Mexiko waren 146.000 Menschen davon betroffen – im Jahr 2004 startete das Land bzw. das mexikanische Gesundheitsministerium schließlich ein „Trachom-Präventations- und Kontrollprogramm“ inklusive einer WHO SAFE-Strategie. Hierbei wurde der Fokus auf Sauberkeit, Antibiotika, Umweltverbesserung und auch Chirurgie für Menschen mit fortgeschrittener Erkrankung. Eine „Task Force“ ging in Schulen, sprach mit Familien und erklärte den Slogan: „With water, soap and cleanliness you can prevent trachoma.“

    Weltweit sind 1,9 Millionen an Trachom erkrankt. Seit Jahren wird nun verstärkt versucht, die Krankheit mehr und mehr zu schwächen und schließlich zu eliminieren. Mexiko ist das dritte Land, welches das erreicht hat – zuvor schafften das der Oman und Marokko. Das große Ziel, also die weltweite Eliminierung von Trachom, soll bereits im Jahr 2020 erreicht werden.


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  • #116 Larve mit „Appetit“ auf Plastik

    Plastik ist ein wunderbares Verpackungsmaterial – nicht umsonst hat es sich derart durchgesetzt und ist nur schwer aus dem Alltag wegzudenken. Doch Plastik erzeugt vor allem auch eines: Unglaublich viel Müll. Das Problem dabei ist, dass Kunststoffe kaum biologisch abbaubar – zwischen 100 bis 400 Jahre dauert es, bis es sich in der Natur zersetzt. Aus diesem Grund versucht man in den vergangenen Jahren entgegenzusteuern, durch Verbote von Plastiktaschen und der Suche nach neuen, verlässlichen Verpackungsmaterialen. Doch nun könnte Hilfe von unerwarteter Seite kommen: durch die Larve der „Großen Wachsmotte“ (Galleria mellonella).

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    Die Larve der Großen Wachsmotte (Galleria mellonella) © César Hernández/CSIC

    Bislang kannte man sie vor allem als Parasit in Bienenstöcken. Federica Bertocchini, eine Wissenschaftlerin und Amateur-Imkerin, hat sie ebenfalls auf diesem Weg kennengelernt. Sie sammelte die Wachsmotten von ihren Bienenwaben ab, steckte sie in eine Plastiktüte und erkannte später, dass sich die Larven Löcher hineinfraßen und daraus entkamen.

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    Federica Bertocchini, Forscherin und Hobby-Imkerin erkannte durch Zufall die Fähigkeiten der Mottenlarve. © César Hernández/CSIC

    Polyethylen

    Polyethylen ist mit einem Anteil von ca. 38 Prozent der weltweit am meisten verbrauchte Kunststoff. Im Jahr 2011 wurden 190 Millionen Tonnen Kunststoffe (Polypropylen, Polystyrol, ABS, PVC, PET, Polycarbonat, Polyethylen) verbraucht. PE-LD hatte daran einen Anteil von 10 Prozent, PE-LLD von 11 Prozent und PE-HD von 17 Prozent (de.wikipedia.org)

    Nach diesem Zufall musste sie unbedingt erforschen, wie die Larven das geschafft haben: Gemeinsam mit ihren KollegInnen führte sie systematische Experimente durch. Es zeigte sich: Die Larven können das Polyethylen (PE) in Wahrheit gar nicht essen, sie zersetzen es richtiggehend. Es reicht bereits der Kontakt mit den Larven oder den Mottenpuppen, um das Polyethylen zu zersetzen. Selbst getötete und zerkleinerte Larven lösten den PE-Abbau aus.

    Doch warum kann das die Galleria mellonella? Dazu muss man wieder zurück zu den Bienen: Die Wachshülle des Bienenstocks ist selber ein Polymer, eine Art „natürliches Plastik“. Die chemische Struktur davon ist der von Polyethylen nicht unähnlich. „‚Es hat eine chemische Struktur, die dem von Polyethylen nicht unähnlich ist.‘ [sagt Co-Autor Paolo Bombelli.] Beide Moleküle besitzen ein Gerüst aus Kohlenwasserstoffen, in dem CH2-CH2-Bindungen eine wichtige Rolle spielen. Genau an diesen Bindungen setzt das Mottenlarven-Enzym offenbar an und zerlegt das Polyethylen in Ethylenglykol-Fragmente, wie Analysen nahelegen.“

    https://www.youtube.com/watch?v=66DcXYOGc9o

    Es wäre jetzt natürlich nicht wirklich sinnvoll, diese Larve in zu großem Ausmaß zu züchten und dann auf Deponien abzuwerfen – es soll ja nicht von einer Plastik- zu einer Larvenplage kommen. Deshalb versuchen die ForscherInnen nun jenes für den PE-Abbau zuständige Enzym zu isolieren. Bertocchini warnt nach diesen ersten Forschungsergebnissen aber vor zu viel Euphorie:

    „Wir müssen etwas vorsichtig sein. Was bisher feststeht: Die Raupe frisst Plastik und zwar schnell, das ist phänomenal. Aber wir müssen noch den genauen biologischen Mechanismus finden. Es öffnet sich quasi gerade eine neue Tür – was sich dahinter befindet, werden wir noch erkunden.“ (swr3.de)

    Für PET (Polyethylenterephthalat), z.B. für Kunststoffflaschen oder Textilfastern verwendet, gibt es übrigens ebenfalls einen hungrigen Organismus. 2016 entdeckte man das Bakterium „Ideonella sakaiensis“ – und auch hier hofft man auf eine Chance, in Zukunft PET biologisch abbauen zu können.

    Update 31. August 2017: Streit um Forschungsarbeit

    Wie Christoph Seidler im Spiegel berichtet, zweifeln nun deutsche ForscherInnen der Universität Mainz die Ergebnisse an. Sie sehen Schwachstellen und fehlende Kontrollexperimente. Laut ihnen würden die Larven zwar das Plastik essen, aber es nicht zersetzen, sondern unverdaut wieder ausscheiden. Laut ihnen hätte der Gutachter den wissenschaftlichen Ausgangsartikel für das Fachmagazin Current Biology nicht durchgehen lassen dürfen.

    In der aktuellen Ausgabe des Fachmagazins findet man nun neben den Forschungsergebnissen der Mainzer aber auch eine Entgegnung der spanischen ForscherInnen.


    Weiterführende Links und Quellen:

    Bildquelle: Titelbild und alle anderen Bilder:  © César Hernández/CSIC

  • #115 Medikamente stoppen Fortschritt bei neurodegenerativen Hinkrankheiten wie Demenz

    Britische ForscherInnen haben nun zwei Medikamente entdeckt, die alle neurodegenerativen Erkrankungen bei Mäusen zu verhindern scheinen. Das Interessante daran ist: Diese Medikamente sind  bereits in verschiedenen Stadien in Verwendung bzw. in menschlichen klinischen Studien erforscht.

    Wenn ein Virus eine Gehirnzelle befällt, bringt er die Zelle dazu, Virus-Proteine zu produzieren. Um die Verbreitung des Virus zu stoppen, fahren die anderen (noch nicht betroffenen) Zellen ihre Proteinproduktion vollkommen herunter. Bei neurodegenerativen Erkrankungen kommt es ebenfalls zur Produktion von fehlerhaften Proteinen, die Abwehrkräfte des Gehirns reagieren ähnlich – nur dass hier die Proteinproduktion so lange heruntergefahren wird, bis die „guten“ Zellen nach und nach absterben.

    In einer ersten Studie nutzten die ForscherInnen einen Wirkstoff, der diesen Abwehrmechanismus verhinderte. Dadurch konnte der Fortschritt einer Form der Prion-Krankheit bei Mäusen gestoppt werden. Dies geschah im Jahr 2013 und markierte einen wichtigen Fortschritt: Nie zu vor war es gelungen, den Fortschritt einer neurodegenerative Krankheit in einem Tier zu stoppen. Das Problem: Der Wirkstoff griff dabei auch die Bauchspeicheldrüse zu stark an. Daher machten sie sich auf die Suche nach weiteren Wirkstoffen und Medikamenten.

    Seither hat das Team über 1.000 fertige Medikamente an Fadenwürmern, Mäusen und schließlich auch menschlichen Zellen in einer Glasschale getestet. Zwei davon konnten den Fortschritt einer Form von Demenz und Prion-Krankheit stoppen. Ein Medikament davon ist bereits im Handel: Trazodone (Thombran [D], Trittico [CH, A EU]) wird Menschen mit Depression verschrieben. Prof. Malluci, eine der ForscherInnen, betont aber, dass man auf gar keinen Fall mit der Einnahme des Medikaments zur Behandlung von neurodegenerativen Krankheiten beginnen soll, bevor ausreichend Testresultate vorhanden sind:“As a professional, a doctor and a scientists, I must advise people to wait for the results. Das andere Medikament, DBM, wird aktuell an Krebspatienten getestet. Die Wirkung ist wie bei jenem Wirkstoff aus dem Jahr 2013 – nur dass Trazodone und DBM dabei die Bauchspeicheldrüse nicht angreifen.

    Eine Heilung wird es wohl nicht geben – aber es könnte den Verlauf von Krankheiten in großem Ausmaße verändern und abmildern.

    „We’re very unlikely to cure them completely, but if you arrest the progression you change Alzheimer’s disease into something completely different so it becomes liveable with.“ (Prof. Mallucci, bbc.com)

    ExpertInnen sind gespannt auf die weiteren Forschungen zu diesen Medikamenten. Dr. Doug Brown von der „Alzheimer’s Society“ betont, dass vor allem der Umstand, dass Trazodone bereits für eine andere Erkrankung im Handel ist, eine Zulassung als Medikament für neurodegenerative Erkrankungen deutlich kürzer als gewöhnlich dauern würde. Dr. David Dexter von „Parkinson’s UK“ erfreute sich über die „very robust and important study“ und spricht, bei erfolgreichem Test an Menschen natürlich, von einem sehr großen Schritt vorwärts.


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  • #114 Die Kriminalstatistik zeigt: USA ist sicherer geworden

    Vor allem im vergangenen Wahlkampf wurde die Entwicklung der Vereinigten Staaten sehr düster beschrieben. Wenn man aber nach Daten und Fakten sucht, wird schnell klar, dass sich im Verlauf von rund 20 Jahren sehr vieles zum Positiven verändert hat. Auf der Website des FBI findet man eine Kriminalstatistik im Jahresvergleich von 1996 bis 2015 – auch hier erkennt man eine deutliche Verbesserung, und das bei einem Bevölkerungszuwachs von 265.228.572 Menschen (1996) auf 321.418.820 Menschen (2015).

    Kriminalität in den USA

    Hier werden die Fallrate pro 100.000 Einwohner miteinander verglichen. Beispiel: 1996 lag die Mordrate bei 7,4, 2015 bei 4,9. Das bedeutet, dass 1996 pro 100.000 Einwohner statistisch 7,4 Morde passiert sind. In Klammer befindet sich die prozentuelle Veränderung von 2006 zu 2015)

    • Gewaltverbrechen: Die Rate sank von 636,6 auf 372,6. (Ein Minus von 22,3 % seit 2006)
    • Mord und vorsätzliche Tötung: Die Mordrate ging von 7,4 auf 4,9 zurück. (Ein Minus von 15,5 % seit 2006)
    • Vergewaltigung: Hier veränderte sich die Rate von 36,3 auf 28,1. (Ein Minus von 11,1 % seit 2006)
    • Raubüberfall: Die Rate fiel von 201,9 auf 101,9. (Ein Minus von 32,1 % seit 2006)
    • Schwere Körperverletzung: Auch hier eine deutliche Veränderung von 391,0 auf 237,8. (Ein Minus von 18,5 % seit 2006)
    • Eigentumsdelikte: Eine Verringerung von 4.660,2 auf 2.730,8. (Ein Minus von 25,7 % seit 2006)
    • Einbruch: 1996 lag die Rate bei 945,0, 2013 bei 491,4. (Ein Minus von 33,0 % seit 2006)
    • Diebstahl: Hier verringerte sich die Rate von 2.980,3 auf 1.775,4. (Ein Minus von 19,8 % seit 2006)
    • Autodiebstahl: Den prozentuell höchsten Rückgang gab es hier. Die Rate ging von 525,7 auf 220,2 zurück. (Ein Minus von 45,0 % seit 2006)

    Nur zur Klarstellung: Hier soll kein Gewaltverbrechen jeglicher Art kleingeredet werden. Sie finden immer noch statt und jedes Opfer ist eines zu viel. Der Rückgang soll aber aufzeigen, dass sich auch die USA in diesem Bereich deutlich verbessert hat.

    Zum Verständnis von Kriminalstatistiken

    Bei der Betrachtung einer Kriminalstatistik ist grundsätzlich immer Vorsicht geboten. Wie man in der Tabelle sehen kann, gibt es einen Anstieg einigen Sparten einen Anstieg von 2014 auf 2015. Außergewöhnliche Ereignisse können gewisse Zahlen für ein Jahr in die Höhe schnellen lassen. Im Gespräch mit dem Pressesprecher der niederösterreichischen Landespolizeidirektion wurde mir erklärt, dass man deshalb aus Kriminalstatistiken vor allem Trends ablesen kann und soll – und dabei auf Vergleichszahlen von vor fünf oder zehn Jahren zurückgreifen soll. Deshalb auch die Angabe der prozentuellen Veränderung seit 2006.

    Die Zahlen für 2016 liegen noch nicht komplett vor, die Mordrate scheint aber um 7,8 % zu steigen, wie ein Report des Brennan Center for Justice an der New York University School of Law zeigt. Doch trotz des vermutlichen Anstieges muss man Folgendes im Hinterkopf behalten:

    Even with the recent spike in murders, America’s murder rate still remains near the bottom of a 25-year decrease, and the study authors note: „Today’s inner cities‘ are safer than at almost any point in the past.“ (voanews.com)


    Weiterführende Links und Quellen:

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  • #113 Weltweite Zahl der Hinrichtungen 2016 gesunken

    Die derzeitige weltweite Situation zeigt:

    • 104 Staaten haben die Todesstrafe vollständig abgeschafft
    • 7 Staaten sehen die Todesstrafe nur noch für außergewöhnliche Straftaten wie etwa Kriegsverbrechen oder Vergehen nach dem Militärrecht vor
    • 30 Staaten haben die Todesstrafe in der Praxis aber nicht im Gesetz abgeschafft
    • 57 Staaten halten weiterhin an der Todesstrafe fest

    Somit wenden momentan insgesamt 141 Staaten die Todesstrafe nicht an, was mittlerweile mehr als zwei Drittel aller Staaten ist. Dennoch lebt nur ein Drittel der Weltbevölkerung in Staaten, die nicht hinrichten. (todesstrafe.amnesty.at)

    Die Menschenrechtsorganisation Amnesty International schätzt, dass 2016 mindestens 1.032 Menschen weltweit hingerichtet worden sind – 2015 waren es noch 1.634. Das ist ein Rückgang von 37 Prozent gegenüber dem vorhergegangenen Jahr.

    Auf dem traurigen Platz 1 liegt dabei China, welche offizielle Zahlen verschleiert und vermutlich mehr Menschen hinrichtet als alle nachfolgenden Staaten zusammen. Deshalb kann Amnesty ihre Zahl nur schätzen und spricht von „in den Tausenden“. In die Gesamtzahl von 1.032 Menschen sind sie deshalb logischerweise nicht eingerechnet.

    Unter den zehn Ländern mit den häufigsten Hinrichtungen befindet sich nur ein westliches Land mit Todesstrafe: Die USA. Mit 20 Hinrichtungen im Jahr 2016 fanden so „wenige“ statt wie im Jahr 1991 – die Vereinigten Staaten von Amerika tauchen in dieser Negativliste also nicht mehr unter den Top 5 auf – wobei die geplanten Hinrichtungen 2017 in Arkansas laut Amnesty aufzeigen, wie rasch sich ein Bild ändern kann.

    Große Veränderungen gab es im Iran (2015: 977, 2016: 567), Saudi Arabien (2015: 326, 2016: 154) und Pakistan (2015: 158, 2016: 88). Insgesamt hat Amnesty Hinrichtungen in 23 Staaten gezählt – das sind um zwei weniger als noch 2015. 2016 haben Benin und Nauru die Todesstrafe grundsätzlich abgeschafft, Guinea hat sie für Straftaten wie Mord und Vergewaltigung abgeschafft, für außerordentliche Umstände wie Hochverrat oder Kriegsverbrechen und ähnliches beibehalten.

    Nach dem traurigen Rekordjahr 2015 steht man 2016 jetzt wieder knapp unter dem Niveau von 2014.

    Hinrichtungen 2016 (im Vergleich zu 2014-15)

    https://infogr.am/hinrichtungen_2014_2016


    Weiterführende Links und Quellen:

    Bildquelle: Screenshot der interaktiven Weltkarte

  • #112 Erster kohlefreier Tag in Großbritannien seit der Industriellen Revolution

    Freitag, der 21. April 2017 geht in Großbritannien wohl in die Geschichte ein: Der Tag stellt die erste 24-Stunden-Periode dar, in der keine Kohle zur Erzeugung von Elektrizität genutzt wurde – und das seit den 1880er Jahren. Im Jahr 1882 wurde das erste staatliche Kohlekraftwerk eröffnet. In den 70er und 80er Jahren des 20. Jahrhunderts kamen neue Energieerzeuger dazu: Erdgas, Erdöl und Atomkraft, die Kohle verlor nach und nach mehr an Bedeutung. Heutzutage will man nach und nach den Wechsel zu saubereren Energiemitteln schaffen.

    Die Regierung des Vereinigten Königreichs hatte zuletzt beschlossen, bis 2025 die letzten Kohlekraftwerke auslaufen zu lassen. Damit wolle man den Ausstoß von CO2 weiter reduzieren. Die bislang längste Periode ohne Einsatz von Kohle waren 19 Stunden – das erreichte man erstmals im Mai 2016 und zuletzt am 20. April. Laut einer Analyse von John Moylan für BBC war Kohle bis in die 1990er-Jahre ein dominanter Bestandteil der Energieversorgung. 2015 waren es noch 23 Prozent, ein Jahr darauf nur mehr 9 Prozent.

    Manche Besitzer von Kohlekraftwerken ziehen sich zwar von der Kohle zurück, verbrennen aber weiter – nur diesmal eben Biomasse wie Pellets. Hier gibt es Studien, dass die Ausstöße dabei noch giftiger sind als bei Kohle.

    2015 schaffte man es, in Großbritannien bereits 25 Prozent des benötigten Energiebedarfs aus erneuerbaren Energien herzustellen. Laut Moylan war der Grund für die kohlenlosen 24 Stunden vielfältig: Einerseits natürlich aufgrund der Solarpanele und Windturbinen im ganzen Land, welche mehr und mehr Energie für Firmen und Haushalte erzeugen – und andererseits aufgrund des geringen Strombedarfs, wie er offenbar an einem Freitag ganz typisch ist.


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  • #111 Memusi Foundation: Mit Bildung der Armut entkommen

    Im Jahr 2006 waren Matthew Norton und seine Frau Sally das erste Mal in Kenia auf Urlaub. Seinen Einsatz für Bildung in Kenia begann damit, dass er Schulutensilien an eine Gemeinde in Kenia schickte. Doch das war erst der Anfang:

    Heute betreiben ihre Memusi Foundation vier Schulen für jene Kinder, die bislang keinen Zugang zu Bildung hatten. Die Memusi School in Magadi, Kenia, machte 2007 den Anfang, 2008 kam die Queen Elizabeth Academy in Mlali, Tansania dazu, und 2015 schließlich eine zweite Memusi School in Shompole, Kenia. 2015 kamen zur Schule in Magadi auch eine weiterführende Schule dazu – die einzige in einem Umkreis von 200 Meilen (um die 321 Kilometer).

    Das Konzept der Memusi Foundation ist es, dass jede Schule vier Schwerpunkte aufweist: neben qualitativ hochwertiger Bildung, Gesundheitsfür- und vorsorge (jedes Schulkind erhält zu Schulbeginn ein Malaria-Schutznetz), dem Aufbau von Gemeinschaften und der Zusammenarbeit mit Gemeinden und schließlich Nachhaltigkeit.

    Eintausend Kinder erhalten durch die Schulen der Memusi Foundation kostenlosen Zugang zu Bildung. Finanziert wird das Projekt durch Spenden. Jährlich werden zudem 120 VoluntärInnen vom Vereinigten Königreich nach Kenia geschickt – die Hälfte davon sind Nortons KollegInnen des Lloyds Banking Group, seinem eigentlichen Arbeitsplatz.

    Nun wurde die Memusi Foundation von der britischen Premierministerin Theresa May mit dem „Points of Light Award“ ausgezeichnet.


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  • #110 Ein Hospiz nur für Obdachlose

    Rund 37.000 Menschen in Österreich sind obdachlos, in Deutschland 335.000, für die Schweiz liegen keine offiziellen Zahlen vor. Seit Anfang April gibt es nun in Österreich das erste Hospiz nur für Obdachlose. Darin sollen die wohnungslosen Menschen während ihres letzten Lebensabschnitts begleitet werden. In Deutschland gibt es bereits mehrere Hospiz-Einrichtungen, die auch für Obdachlose bereitstehen – diese Hilfe auch in Anspruch zu nehmen, dafür scheuen sich viele Obdachlose aber noch.

    Das österreichische Hospiz ist ausschließlich für Obdachlose. In Graz, in unmittelbarer Nähe zum VinziDorf, einer Herberge für Obdachlose, hat es am 5. April eröffnet. Für viele Obdachlosen ist das ein Vorteil – hier gibt „am Lebensende eine medizinisch-pflegerische Versorgung in einem gewohnten Umfeld“, wie Maria Steinwender auf enorm-magazin.de schreibt.

    Betrieben wird das VinziDorf-Hospiz von den Ordensfrauen der Elisabethinen, finanziert wird es durch Spenden. Den Betreiberinnen geht es darum, den Menschen ein würdevolles Sterben zu ermöglichen, gemeinsam mit ihren FreundInnen, die sie aus dem VinziDorf kennen. Die Menschen dürfen dort auch rauchen oder ein Bier trinken, DiabetikerInnen auch etwas Süßes essen. „Es ist uns eine Freude, wenn ein Mensch genießen kann.“, so Gerold Muhri, der ärztliche Leiter in einem Interview mit der Presse.


    Weiterführende Links und Quellen:

    VinziDorf-Hospiz
    IBAN: AT24 2081 5000 4069 2659
    BIC: STSPAT2GXXX

    Bildquelle: CC0 Public Domain, josemdelaa, Pixabay

     

  • #109 Froschschleim tötet Grippeviren

    Eine neue Studie, die in der Fachzeitschrift Immunity veröffentlicht wurde, besagt, dass eine chemische Verbindung aus dem Hautsekret-Schleim des „Hydrophylax bahuvistara“-Frosches den H1-Stamm des menschlichen Influenzaviruses töten kann. Die Froschart selbst wurde erst 2015 von der Wissenschaft entdeckt.

    Diese chemische Verbindung ist eine kurze Kette von Aminosäuren (Peptid), welches die ForscherInnen der Emory University „urumin“ benannten, nach einem traditionellen südindischen Schwert. Als die ForscherInnen das Hautsekret des Frosches ins Labor brachten, isolierten sie 32 Peptide – vier davon zeigten „Grippe-Zerschlagungsfähigkeiten“, eines davon war schließlich nicht giftig. Es greift z.B. das Hämagglutinin (HA) an – das H in z.B. H1N1 (einem Subtyp des Influenzaviruses).Doch die Abwehr gelingt auch bei vielen weiteren Stämmen der Influenza. Hämagglutinin hat normalerweise so etwas wie eine Schlüsselfunktion – es ermöglicht den Angriff auf unsere Zellen um uns zu infizieren. Das Hautsekret zerstört damit also die Integrität des Viruses, er wird dadurch nutzlos.

    Da die Resistenz auf aktuelle anti-virale Medikamente wächst, ist es notwendig, neue wirksame Medikamente zu erforschen. Bis der Froschschleim aber zum Einsatz kommt, wird es sicherlich noch einige Zeit dauern und zahlreiche weitere Forschung benötigen.

    Warum der Schutz unserer Fauna und Flora so wichtig ist, erklärt iflscience! in diesem wunderbaren letzten Absatz:

    Nevertheless, this optimistic story underpins a very real need for us to maintain the world’s biodiversity. After all, you never know which frog you’ll need in the coming years of antibiotic-resistant superbugs.


    Weiterführende Links und Quellen:

    Bildquelle: CC BY SA (4.0) 0 Public Domain, David V. Raju, WikiCommons

  • #108 „Blickwinkel“ vermittelt kulturelle Vielfalt mittels Comics

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    Das Logo der Initiative „Blickwinkel“

    Im Oktober 2015 gingen drei Frauen aus Oberösterreich mit ihrer Initiative „Blickwinkel“ an den Start. Sie hatten es sich zum Ziel gesetzt, in Form von Comics Geschichten von Menschen mit unterschiedlichem sozialem Hintergrund, ethnischer Herkunft und persönlicher Überzeugung zu erzählen. Dabei können alle drei auf ihre eigenen Expertisen zurückgreifen: Kathrin Kaisinger ist Kultur- und Sozialanthropologin, Anna Achleitner ist Pädagogin und Valerie Bruckbög die Comiczeichnerin im Trio. Mittels Crowdfunding sammelten sie genug Geld, um Anfang Jänner 2016 loszulegen.

     

    Die Geschichten, die in Comics verwandelt werden, entstanden dabei durch Interviews mit unterschiedlichen Menschen zu den Themen kulturelle Diversität, Menschenrechte, Asyl, Flucht, Migration, Integration, Religion, Rassismus und Vorurteile. Das Projekt wurde am Höhepunkt der Fluchtbewegung in Österreich gestartet, daher liegt der Schwerpunkt des ersten Comicbuchs auf dem Thema Flucht und Migration. „In Zukunft wollen wir aber auch anderen Themen wie Rassismus, Diversität oder Sozialpolitisches aufgreifen“, erklärt Bruckbög aber im Interview mit Journalist Markus Schauta auf Shabka.

    Anfang April 2017 wurde nun das erste Comicbuch vorgestellt. Zusätzlich zu den Geschichten finden sich darin auch pädagogische Anleitungen – aus den Schulen kam bereits zahlreiches positives Echo. Das Buch kann man zum Selbstkostenpreis auf per Mail (info@mutzurperspektive.at) bestellen, das berührendes Comic  „Bewegte Tasten“ ist nur eines von vielen aus dem Projektblog. Für weitere Projekte sind die drei Frauen nun auf der Suche nach KooperationspartnerInnen und SponsorInnen.


    Weiterführende Links und Quellen:

    Bildquelle: CC0 Public Domain, Robert_C, Pixabay