Autor: Dominik

  • #167 Für EU-Mitgliedsstaaten wird Pariser Klimaabkommen gesetzlich verpflichtend

    Würden sich alle Staaten dieser Erde an ihre Versprechungen aus dem Pariser Klimaabkommen halten, wäre das natürlich eine gute Entscheidung im Kampf gegen den Klimawandel. Entscheidet sich aber ein Land, sich nicht an die Abmachungen zu halten, dann wird es dafür nicht bestraft. Für viele Umweltorganisationen ist das der große Nachteil am Abkommen. Für die 28 Mitgliedsstaaten der Europäischen Union soll sich nun durch ein Gesetz verändern.

    Das Europäische Parlament hat sich am 14. Juni 2017 mit überwältigender Mehrheit (534 Stimmen dafür, 88 Gegenstimmen. 56 haben sich enthalten) für diese Gesetzesinitiative ausgesprochen. Das Gesetz würde die Mitgliedsstaaten dazu verpflichten, den Ausstoß von Treibhausgasen um 40 Prozent unter den Wert von 1990  Die Europäische Union ist der drittgrößte Produzent von Treibhausemmissionen – nach China (30 %) und den USA (15 %) kommen die EU-28 auf 9%, gefolgt von Indien (7 %), Russland (5 %) und Japan (4 %). Bislang konnte die EU den Ausstoß um 22 Prozent verringern, für die restlichen 18 Prozent braucht es breit angelegte Anstrengungen.

    Der von der Europäischen Kommission vorgeschlagene Entwurf muss nun noch im Rat der Europäischen Union verabschiedet werden – danach muss es noch von den einzelnen nationalen Regierungen in nationales Recht umgewandelt werden. Das kann also noch einige Jahre dauern – und doch ist es vielversprechend und vielsagend, dass sich das Parlament mit einer derart großen Zustimmung dafür ausgesprochen hat.


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    Bildquelle: CC0 Public Domain, dmnkltnr, Pixabay

     

  • #166 Größtes Radverleihsystem der Welt in der chinesischen Stadt Hangzhou

    Die chinesische Stadt Hangzhou zählt mit rund 8,8 Millionen Bewohnern so viele Einwohner wie Österreich, ist flächenmäßig aber nur ein Fünftel von Österreich. Bekannt auf der ganzen Welt wurde es u.a. aufgrund des G20-Treffens im Jahr 2016.

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    In den vergangenen zehn Jahren hat sich die Stadt massiv weiterentwickelt – vor allem hinsichtlich des öffentlichen Verkehrs. Seit 2007 befindet sich die U-Bahn in Bau. Die ersten 48 Kilometer wurden bereits 2012 eröffnet, bis 2050 sollen es insgesamt 375 Kilometer werden. Außerdem gibt es seit 2010 eine Schnellzugverbindung von Shanghai nach Hangzhou. Und auch das Radverleihsystem hat sich massiv weiterentwickelt: Gab es 2008 noch 2.800 Fahrräder, so hat sich die Zahl bis 2017 auf 85.000 erhöht und ist nun das größte Radverleihsystem der Welt.

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    Die Fahrradabstellplätze in Hangzhou (Bildquelle: CC BY SA 2.0, „rental bicycles, Hangzhou“, vhines2000)

    Die Stadtregierung spricht von 350.000 Ausleihen pro Tag. Die erste Stunde des Ausleihs ist, wie z.B. auch beim Citybike in Wien, völlig kostenlos. 95 Prozent der Fahrten dauern weniger als 60 Minuten. Seit dem Start im Jahr 2008 gab es rund 700 Millionen Nutzungen, aktuell sind es allein 115 Millionen Nutzungen pro Jahr. Insgesamt gibt es 3.600 Ausleih- und Abstellplätze. Die Kosten für die Anschaffung der Fahrräder, der Abstellplätze und des Kontrollsystems wurden allesamt von der Stadt übernommen – durch den Verkauf von Werbeplätzen bei den Abstellplätzen und den Fahrrädern selbst und die 5 Prozent NutzerInnen, die die Fahrräder länger als 60 Minuten nützen, wird das Projekt finanziert.

    Der Umstieg auf öffentliche Verkehrsmittel und Fahrräder ist für die Stadt wichtig: Zwar wird Hangzhou als eine der schönsten Städte Chinas bezeichnet – doch 2013 zählte man 239 Tage mit starkem Smog (das war aber im Vergleich ein Extremwert), 2014 immer noch 154 Tage. Um bei dem G20-Treffen im Jahr 2016 vor Smog geschützt zu werden, wurden sogar die Firmen abgestellt – weil das aber nicht immer möglich sein wird, ist diese neue Ausrichtung für öffentlichen Verkehr ein wichtiger Schritt um Veränderung herbeizuführen.

    2017 wurde das System nun mit dem „International Ashden Award for Sustainable Travel“ ausgezeichnet.


    Weiterführende Links und Quellen:

    Bildquelle: CC BY NC 2.0, Design for Health, „Hangzhou, China 024“, Flickr

  • #165 Eine Bibliothek mit Büchern aus dem Müll

    Vor 20 Jahren soll es sich zugetragen haben, dass José Alberto Gutiérrez, ein Müllmann in Bogota, Kolumbien sein erstes Buch aus dem Müll gefischt hat: Leo Tolstois Klassiker Anna Karenina. Bis heute hat er mehr als zehntausende weggeworfene Bücher gerettet und daraus eine Gemeinschaftsbibliothek gemacht.

    Fündig geworden ist er dabei vor allem in den wohlhabenderen Bereichen der Stadt, sein Zielpublikum mit der Bibliothek sind aber vor allem die Familien aus den ärmeren Bezirken. Oftmals kommen Familien, die ihren Kindern bei der Hausübung helfen wollen in seine Bibliothek, der er den klingenden Namen „La Fuerza de las Palabras“ (übersetzt: „Die Kraft der Worte“) gegeben hat. Die Bibliothek wird von seiner ganzen Familie geführt, also auch von seiner Frau und seinen drei Töchtern.

    Laut Deutschlandfunk hat er in seinem Zuhause rund 30.000 verschiedene Bücher – und über all die Jahre rund 20.000 Bücher bereits verschenkt. Jetzt reisen seine Familie und er manchmal in arme Gegenden Kolumbiens und haben damit schon über 100 kleine Bibliotheken entstehen lassen.

    „Da habe ich erstaunt festgestellt, dass einige Menschen Bücher wegwerfen. Das hat mich traurig gemacht. Als Kind hat mir meine Mutter viel vorgelesen. Ihr habe ich zu verdanken, dass für mich heute ein Buch der beste Freund ist.“ (José Alberto Gutiérrez, deutschlandfunk.de)


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    Bildquelle: CC0 Public Domain, Pexels, Pixabay

  • #164 Schülerinnen entwickeln Strohhalm, der Drogen in Getränken erkennt

    Vergewaltigungsdrogen wie zum Beispiel GHB (Gamma-Hydroxybuttersäure, meist bekannt als Liquid Ecstasy) oder Ketamin werden von den (überwiegend männlichen) TäterInnen meist mit einer schnellen Handbewegung in das Getränk des geplanten Opfers gegeben. Da sie keinen Geruch oder auch Geschmack aufweisen, ist es für Menschen kaum erkennbar, ob etwas im Getränk ist.

    Susana Cappello, Carolina Baigorri und Victoria Roca, drei High-School-Schülerinnen, haben bei einem Wettbewerb der Zeitung Miami Herald einen Business Plan vorgestellt und dabei den ersten Platz erreicht. Zuvor hatten sie einen Strohhalm entwickelt, der eben diese Drogen in einem Getränk erkennt und Opfer dadurch warnt. Der Strohhalm funktioniert durch zwei Teststreifen, die sich blau verfärben, wenn GHB oder Ketamin im Getränk zu finden sind.

    Und obwohl sie einen Business Plan erfolgreich vorgelegt haben, haben die drei jetzt nicht vor das große Geld zu verdienen. Sie wollen zwar das Produkt, nun mit dem klingenden Namen „Smart Straw“ (also „kluger Halm“), auch wirklich umsetzen, doch es soll schlussendlich für wenig Geld verkauft werden. Damit Bars, Collegeorganisationen oder Studierende diese Strohhalme billig kaufen und anbieten können.

    https://www.instagram.com/p/BT4C9HTFurQ/

    Capello, Baigorri und Roca haben bereits ein Patent für das Design beantragt und wollen dann schließlich Crowdfunding nutzen, um das Produkt auf den Markt zu bringen. Teststreifen für weitere Drogen sollen in weiterer Folge übrigens auch noch hinzugefügt werden.

    Ein ähnliches Produkt wurde bereits 2013 angekündigt. DrinkSavvy hat Becher und Strohhalme angekündigt, das Produkt selbst befindet sich aber noch in Entwicklung.


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    Bildquelle: CC0 Public Domain, markusspiske, Pixabay

  • #163 Studie: Medikament effektiv gegen verschiedene Tumorarten

    Eine vergangenen Donnerstag im Fachmagazin Science veröffentliche Studie sorgt für etwas positive Aufregung in der Krebsforschung. An Studie nahmen 86 KrebspatientInnen mit fortgeschrittener Tumorerkrankung an unterschiedlichen Stellen des Körpers (Bauchspeicheldrüse, Prostata, Gebärmutter und Knochen) teil. Für diese 86 PatientInnen sprachen die Standardbehandlungen nicht an – alle trugen Genmutationen in sich, wodurch ihre Zellen keine zerstörte DNA reparieren konnte. Im Rahmen der Studie haben sie nun ein Medikament getestet, dass helfen sollte, das Immunsystem dabei zu unterstützen, die Tumor anzugreifen.

    Der Arzneistoff nennt sich Pembrolizumab und ist bereits als Medikament Keytruda von Merck/MSD am Markt. Das Medikament wird bereits bei ausgewählten PatientInnen mit seltenen Formen von fortgeschrittenem Lungenkrebs, Hautkrebs und Blasentumoren. Die Kosten sind bislang noch sehr teuer, pro Jahr kostet die Behandlung mit diesem Medikament 156.000 Dollar pro Jahr (rund 140.000 Euro).  Die Ergebnisse der gerade publizierten Studie waren jedoch so vielversprechend, dass die amerikanische Zulassungsbehörde Food and Drug Administration für Patienten mit denselben Genmutationen zugelassen.

    Nachdem die PatientInnen Pembrolizumab verabreicht bekamen, hörte bei 66 PatientInnen der Wachstum des Tumors auf (bzw. begann zu schrumpfen). Bei 18 PatientInnen verschwand der Tumor sogar komplett und kam bislang nicht zurück. Die Studie startete 2013 und läuft auch jetzt noch weiter.

    Normalerweise schützen sich Tumorzellen im Körper vor Angriffen durch das Immunsystem durch schützende Proteine. Dadurch sind sie für das Immunsystem unsichtbar. Pembroluzimab hingegen macht diese Zellen wieder sichtbar.

    In den USA gibt es zudem auch bereits einen Test, der eine Genmutation feststellen kann. Die Kosten dafür belaufen sich auf 300 bis 600 Dollar (267 bis 535 Euro). Laut den StudienautorInnen tragen nur 4 Prozent aller KrebspatientInnen eine „passende“ Genmutation für dieses Medikament in sich – doch das sind allein in den USA bis zu 60.000 PatientInnen pro Jahr.


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  • #162 Schutz der Ozeane: UN-Konferenz bringt Selbstverpflichtung aller Mitgliedsstaaten

    Zum allerersten Mal trafen sich VertreterInnen der Vereinten Nationen zu einer Meereskonferenz. Nach fünf Tagen haben sich alle 193 Mitgliedsstaaten auf eine gemeinsame Vorgehensweise geeinigt. So wollen sie die Ozeane „konservieren und nachhaltig“ nutzen und gaben 1.300 Selbstverpflichtungen für Meeresschutzprojekte ab.

    8.000 TeilnehmerInnen, darunter RegierungsvertreterInnen, Staatschefs und -chefinnen und MeeresexpertInnen, trafen sich von 5. bis 9. Juni 2017 im Sitz der Vereinten Nationen in New York. Herausgekommen ist ein „Call for Action“, mit 14 Punkten, an die sich alle Staaten halten sollten. Peter Thomson, der Präsident der Generalversammlung, spricht sogar davon, dass sich für alle Beteiligten die Beziehung zu den Ozeanen verändert habe. „Von jetzt an könne niemand mehr sagen, dass man „von dem Schaden, den die Menschheit den Ozeanen angetan hat, nichts wusste“ (dw.com).

    Die Konferenz hat nun viele Absichterklärungen gebracht – jetzt müssen die Staaten diese auch in nationale Politik umsetzen und durchsetzen. In Europa hat die EU zugesichert, „Westafrika mit 15 Millionen Euro zu unterstützen, um vor Ort eine nachhaltige Fischerei aufzubauen. Für das Management bestehender Meeresschutzgebiete will Europa 60 Millionen Euro beisteuern, vorwiegend in Entwicklungsländern. In europäischen Gewässern soll die Meeresverschmutzung angegangen werden, dazu will Brüssel Reduktionsziele für den Meeresmüll vorgeben“ (sueddeutsche.de)

    Kritik kommt von Umweltorganisationen: Einerseits begrüßen sie die Erklärung, sehen aber keinen Mechanismus, der überprüft, ob die einzelnen Staaten ihre Selbstverpflichtungen auch schaffen. Mit dem Seerechtsübereinkommen (SRÜ) von 1982 gibt es eigentlich schon einem umfassenden Rahmenvertrag der UN für zahlreiche Länder – durch die rapide fortschreitende Verschmutzung und Überfischung scheint nun etwas mehr Schwung in die ganze Sache zu kommen.

    Asiatische Staaten versprechen Veränderung

    China, Thailand, Indonesien und die Philippinen haben sich im Rahmen der Konferenz. Anfang 2016 wurde diese vier Länder (gemeinsam mit Vietnam) für mehr als die Hälfte des gesamten Plastikmülls in den Meeren verantwortlich gemacht. Laut Oceans Conservancy sollen sogar rund 60 Prozent des gesamten Plastikmülls, das pro Jahr im Meer landet, aus diesen fünf Staaten kommen.

    Thailands Regierung hat eine 20-Jahres-Strategie entwickelt um das Problem zu bekämpfen. In Indonesien startet die Regierung ein Programm um Schulkinder zu bilden. Die Philippinen entwickeln neue Gesetze.


    Weiterführende Links und Quellen:

    Bildquelle: CC0 Public Domain, Pexels, Pixabay

  • #161 Restaurierte Fahrräder für benachteiligte Kinder

    Folsom State Prison ist wohl (neben dem 1963 geschlossenen Alcatraz) das bekannteste Gefängnis Kaliforniens. Seit Johnny Cash besang es erstmals 1955 mit dem „Folsom Prison Blues“, 1968 spielte er schließlich sein weltberühmtes Konzert vor den Insassen. Heute zählt das Gefängnis rund 4.000 Strafgefangene – einer davon ist Mauricio Argueta.

    Er arbeitet rund 60 Stunden pro Woche um hunderte Fahrräder pro Jahr in einem Arbeitsprogramm wieder auf Vordermann zu bringen. Diese Fahrräder werden dann Kindern überreicht, deren Eltern es sich die meist recht teure Anschaffung nicht leisten können.

    In den 1980er Jahren wurde das Restaurationsprogramm entwickelt – und wird seither organisiert vom Cameron Park Rotary Club und dem Folsom Moose Lodge. Von Anfang an war das Ziel, die Insassen zu beschäftigen und dabei benachteiligten Kindern ein Geschenk in den Ferien geben zu können.

    Normalerweise sind in diesem Restaurationsprogramm mehrere Insassen angestellt – in diesem Jahr ist es aber wirklich nur Mauricio Argueta, der für all die Räder zuständig ist. Zu Weihnachten 2016 konnten dank seiner Arbeit über 200 Räder an Kinder ausgegeben werden.

    “The kids win, the adults win, and the inmates win for providing a service for people on the outside“ (Bill Huges, Mitglied des Cameron Park Rotary Clubs, The Sacramaento Bee)

    In den vergangenen Jahren bekommen nicht mehr nur benachteiligte Kinder Fahrräder: Auch Obdachlose oder mittellose VeteranInnen bekommen. Im Restaurationsprogramm können nicht-gewalttätige Straftäter arbeiten. In 24 Monaten soll Argueta das Gefängnis verlassen. Sobald er frei ist, möchte (laut The Sacramento Bee) er einen eigenen Bikeshop aufmachen – und auch weiter der Gesellschaft helfen.


    Weiterführende Links und Quellen:

    Updateinfo: 12. Juni, 9 Uhr 10 – Zuvor stand im Titel statt „benachteiligt“ das Wort „unterprivilegiert“. Dabei bezog ich mich auf die Definition von Duden: „(von bestimmten Menschen, Schichten, Minderheiten, Völkern) nicht oder nur eingeschränkt an bestimmten Rechten, Privilegien, Vorteilen in sozialer oder ökonomischer Hinsicht teilhabend.“ Hier also Kinder, die von vielen Dingen aufgrund ihrer sozialen Stellung (und damit einhergehend mit der finanziellen Lage der Eltern) in der Gesellschaft ausgeschlossen sind. Das Wort bereitete mir aber Bauchweh. Das neue Wort, „benachteiligt“ beschreibt es nun einfach besser – wobei man natürlich auch da wieder über den Begriff streiten kann.

    Bildquelle: CC0 Public Domain, markusspiske, Pixabay

  • #160 Licht aus einer Plastikflasche

    Den Luxus, wie wir ihn haben, mit einem einfachen Druck auf eine Schalter das Licht einzuschalten, kennen nicht alle Menschen auf dieser Welt. Laut den Vereinten Nationen leben 1,5 Milliarden Menschen ohne elektrischen Strom. Einige mehr hätten zwar Zugang zu Strom, aber sie können ihn sich nicht leisten. 1,3 Milliarden Menschen beleuchten ihr Zuhause noch mit Petroleum, wofür sie die Hälfte ihres Einkommens verbrauchen. Diese Form der Beleuchtung ist zudem auch noch gesundheitsschädlich: Inhaliert man den Rauch von verbrennendem Petroleum, kommt das 4 Päckchen Zigaretten am Tag gleich – und nicht selten bringt die offene Flamme die Gefahr von Bränden mit sich.

    Die Open-Source-Bewegung „Liter a Light“ hat dafür eine Idee: Anfangs begannen sie, in Slums, wo durch den engen Bau der Unterkünfte keine Fenster möglich sind und somit kein Tageslicht hereinkommt, mit einer Plastikflasche, Wasser und Bleichmittel (damit sich im Wasser keine Algen bilden) eine Veränderung herbeizuführen. Diese haben sie dann in das Dach eingebaut – der Boden der Flasche mit den Flüssigkeiten war im Wohnbereich, der Flaschenkopf schaute hingegen Richtung Himmel. Dadurch konnte das Tageslicht durch die Flasche hindurch den Familien Licht ermöglichen, und dank des Wassers 360° ausstrahlen – völlig ungefährlich.

    Damit die Flaschen aber auch nachts Licht spenden, hat man die Flaschen weiterentwickelt: Durch kleine Sonnenpanele, die am Flaschenkopf angebracht werden und schmalen Taschenlampen, die in der Flasche selbst leuchten, können sie sich untertags aufladen und nachts schließlich leuchten.

    Bislang hat die Bewegung 850.000 Unterkünfte mit den Sonnenpanel-Flaschen ausgestattet – in über 15 (Entwicklungs-)Ländern ist „Liter of Light“ bereits aktiv. 2018 wollen sie schließlich die Hürde von 1 Millionen Unterkünften erreichen. Aber es geht nicht nur ums Licht selbst. Der Gründer von „Liter of Light“, Illac Diaz erklärt auf mashable.com, dass die Kriminalitätsrate in Dörfern und Flüchtlingscamps, wo die Bewegung aktiv wurde, um 70 Prozent gesunken ist.

    Die Flaschen sind für die Menschen jedoch nicht kostenlos: Eine einfach Plastiksolarlampe kostet rund 3 Dollar, Straßensolarlampen zwischen 25 und 30 Dollar. Es ist natürlich nicht Nichts, aber insgesamt eine sehr leistbare Möglichkeit, das Zuhause und das Dorf zu erleuchten.


    Weiterführende Links und Quellen:

    Bildquelle: Bild von der Website von literoflightusa.org

  • #159 Indonesiens (mögliche) Rettung aus dem Plastikchaos

    Indonesien, die Inselgruppe mit über 17.000 Inseln, ist nicht nur auf Platz 15 der Weltrangliste, wenn man nach der Größe geht, oder auf Platz 4, wenn es um die Einwohneranzahl geht. Laut der US-amerikanischen gemeinnützigen Umwelt-Interessenvertretung Oceans Conservancy ist das Land noch woanders auf einem Topplatz: Indonesien versenkt die zweithöchste Menge an Plastik in die Meere – einzig China liegt auf dem traurigen ersten Platz.

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    Maniok (Manihot esculenta), eine Illustration aus Köhler’s Medizinal-Pflanzen

    Der indonesische Unternehmer Kevin Kumala möchte das gerne ändern. Sein Unternehmen Avani stellt deshalb biologisch abbaubare Einkaufstüten her. Sein Rezept besteht aus Maniokstärke, pflanzliches Öl und organische Harze. Maniok ist eine relativ günstiges Nutzpflanze, andere Namen für die Pflanze sind Mandi’o (Paraguay), Mandioca (Brasilien, Argentinien, Paraguay), Cassava, Kassave oder im spanischsprachigen Lateinamerika Yuca. Indonesien liegt bei der Produktion mit 23.436.384 Tonnen Maniok im Jahr 2014 übrigens auf Platz 3, nur Thailand und Nigeria produzieren mehr.

     

    In den Einkaufstaschen ist daher kein Erdöl, sie sind kompostierbar und biologisch abbaubar. Selbst wenn Land- oder Wassertiere dieses Tasche fressen, ist es sicher für sie. Und wenn es irgendwann schlussendlich im Wasser landet, dauert es 150 Tage oder weniger, bis es sich komplett aufgelöst hat.

    Das Problem ist nur, dass jetzt noch viel Überzeugungsarbeit passieren muss: Eine Nicht-Plastiktasche kostet ungefähr das Doppelte einer Plastiktasche – und staatliche Förderung für einen Wechsel von Plastik auf biologisch abbaubare Produkte gibt es (noch) nicht.

    https://www.facebook.com/ajplusenglish/videos/898902283584613/

    Kevin Kumalas Unternehmen bietet aber nicht nur Einkaufstaschen an. Auch kompostierbare Kaffeebecher, Holzbesteck, Papierstrohhalme, Ponchos aus Cassava, Maisstärkeprodukte, Essensverpackungen aus Zuckerrohr gibt es bei Anavi Eco. Das neueste Produkt sieht man in diesem Bild: Kosmetiktücher aus mindestens 90 Prozent Weizenstroh.

    https://www.facebook.com/Avanieco/photos/a.934956579901453.1073741832.862077217189390/1462688100461629/?type=3&permPage=1


    Weiterführende Links und Quellen:

    Bildquelle: Titelbild CC0 Public Domain, sarangib, Pixabay, Abbildung: Von Franz Eugen Köhler, Köhlers Medizinal-Pflanzen – List of Koehler Images, Gemeinfrei, Link

  • #158 Neuer Wirkstoff auf Basis von Komodowaran-Blut

    Komodowarane, oder auch Komododrachen genannt, ist eine Echsenart aus Indonesien. Mit einer maximalen Länge von drei Metern und einem Gewicht von 70 Kilogramm ist sie die größte gegenwärtig lebende Echse. Sie leben in ungemütlichen, widerlichen Umgebungen und kommen darin gut zurecht.

    Aus diesem Grund haben sich ForscherInnen der George Mason University (Virginia, USA) die Komodowarane, oder besser gesagt das Blut der kleinen Drachen, angesehen. Dabei fanden sie 48 seperate protein-ähnliche Verbindungen, sogenannte antimikrobielle Peptide (also Abwehrpeptide), die Bakterien abwehren. Acht davon bekämpfen Bakterien, die bislang bei der Behandlung mit aktuellen Antibiotika eine Resistenz aufwiesen.

    Die ForscherInnen haben mit diesem Wissen ein neues, synthetisches Peptid entwickelt. Es trägt den überaus coolen Namen „DRGN-1“, was ausgesprochen „Dragon One“ heißen soll. Diese synthetische Verbindung ist sogar noch stärker als jene, die im Blut des Komodowarans gefunden wurden. DRGN-1 tötet aber nicht nur die Bakterien, sondern es schwächt auch den Biofilm, den Bakterien verwenden, um an der Oberfläche der Wunden zu haften. Außerdem heilt die Wunde damit schneller.

    Für die Medizin könnte das ein großer Durchbruch sein. Zwar macht uns das Drachenblut nicht, wie im Nibelungenlied, unverwundbar – aber es könnte ein Mittel gegen die immer größere werdende Antibiotikaresistenz sein. Die Weltgesundheitsorganisation sieht die Antibiotikaresistenz als „one of the greatest challenges to global public health today, and the problem is increasing“ (apps.who.int; PDF).

    Aktuell wurde der Wirkstoff erst an Mäusen getestet, aber DRGN-1 „is a good candidate for additional studies and possible development as a topical therapeutic agent for infected wounds“ (bbc.com)


    Weiterführende Links und Quellen:

    Bildquelle: CC0 Public Domain, JamesDeMers, Pixabay