Autor: Dominik

  • #187 Zika-Virus: Brasilien hebt Notstand auf

    Im Zeitraum von Jänner bis Mitte April 2017 zählte das brasilianische Gesundheitsministerium 7.911 neue Zika-Infektionen. Im gleichen Zeitraum ein Jahr zuvor waren es hingegen noch mehr als 170.000 Fälle. Das bedeutet eine Verringerung um rund 95 Prozent. Grund genug, den nationalen Notstand nach 18 Monaten für beendet zu erklären.

    Infektion durch Stechmücke

    Sowohl Zika, das Denguefieber als auch das Chikungunya-Fieber werden durch die Stechmücke Aedes aegypti übertragen.

    Nachgelesen: Zika-Virus

    Der Virus wird durch Stechmücken übertragen. Der Infektionsverlauf beim Menschen verläuft normalerweise relativ glimpflich, bislang sind keinerlei Tote durch den Virus nachgewiesen. Für Schwangere jedoch ist die Infektion eine große Gefahr: Föten von infizierten Schwangeren wurden mit Mikrozephalie (also eine Fehlbildung, bei der der Kopf eine deutliche geringer Größe hat) geboren, manche sterben bereits kurz nach der Geburt.

    Erklärung für Rückgang

    Die Forschung kam zur Erkenntnis, dass die Tastsache, dass einmal Infizierte sich nicht erneut infizieren können, zu diesem rasanten Rückgang geführt haben. Man schätzt, dass sich zwischen 2015 und 2016 über eine Million Menschen in Brasilien mit diesem Virus infiziert haben.

    Auch die Zahl der Neugeborenen mit Mikrozephalie ist im Vergleichszeitraum gefallen. Ein grundsätzliches Aufatmen wäre aber deutlich zu früh. Die Weltgesundheitsorganisation warnt davor, dass Zika „here to stay“ sei. Der Kampf gegen weitere Infektionen muss weiter gehen: „Zwar wurden weltweit Gelder in Millionenhöhe für die Intensivierung der Forschung bereitgestellt, aber viele Rätsel rund um Zika sind noch ungelöst.“ (zeit.de). Ein experimenteller Impfstoff hat ja, wie berichtet, bei frühen Tests positive Ergebnisse geliefert.


    Weiterführende Links und Quellen:

    Weitere 365guteDinge-Beiträge zu #zika:

    Bildquelle: CC0 Public DomainMyriams_FotosPixabay

    Änderung 8. Mai 2017, 19:36 Uhr: Der Artikel zeigte die falschen weiterführenden Quellen – die richtigen Quellen wurden nun eingebunden.

  • #186 Thailands König der Kondome

    Wie muss es sich anfühlen, wenn im ganzen Land dein eigener Vorname als Synonym für Kondome eingesetzt wird? Für Mechai Viravaidya ist es die größte Ehre: Seit 1974 beschäftigt sich der Thailänder damit, seinen Landsleuten hinsichtlich Familienplanung, Armutsreduktion und Entwicklungs- und Umweltprogrammen fundierte Unterstützung zu schaffen. Begonnen hat alles mit Kondomen.

    Zu der Zeit bekam die durchschnittliche thailändische Frau sieben Kinder – die Bevölkerung wuchs um 3,3 Prozent. Dadurch wurden bereits vorhandene Engpässe noch verstärkt, die Armut wurde immer größer. Aber während z.B. in China mit der Ein-Kind-Politik das Bevölkerungswachstum „von oben“ gebremst werden sollte, war Viravaidyas Ansatz ein völlig anderer: Er hat die Verhütungsmethoden wie die Pille oder Kondome für viele erstmals zugänglich gemacht. So konnten diese Produkte z.B. beim Frisör, an Tankstellen oder in kleinen lokalen Geschäften gekauft werden.

    Aber die reine Zugänglichkeit hat das Problem noch nicht gelöst: Die Menschen mussten auch verstehen, wovor diese Verhütungsmethoden schützen können. Das gelang Viravaidya vor allem mit Humor. Als in den 80er Jahren HIV/Aids ein Thema wurde und sich in Thailand sehr rasch verbreitete, fühlte sich Viravaidya auch hier wieder berufen, dem ganzen Land zu helfen. Dabei wurde bei SexarbeiterInnen angesetzt. Das Programm nennt sich „100 % condom program“ („no condom, no sex“) und versorgte diese Menschen mit allen notwendigen Kondomen. Und es ging auch weiter: Kondome waren nämlich plötzlich überall. So gaben auch z.B. PolizistInnen an Kreuzungen Kondome an AutofahrerInnen aus.

    Die durchschnittliche thailändische Frau bekommt heute 1,5 Kinder. Das Bevölkerungswachstum Thailands ist auf 0,5 % gesunken. Laut dem „Department of Disease Control“ sank zwei Monate nach Start des „100 % condom program“ die Infektion mit sexuell übertragbaren Krankheiten in der damaligen Testprovinz von 13 % auf unter 1 %. Innerhalb von drei Jahren nach Start des Programms stieg die Zahl der SexarbeiterInnen, die ein Kondom benutzen von 25 % auf über 90 %. Ebenso sank die Zahl der HIV Infektionen von 143.000 im Jahr 1991 auf 14.000 im Jahr 2001. Das Programm war schließlich so erfolgreich, dass ähnliche Kampagnen auch in Nachbarländern wie Kambodscha, China, Laos, Myanmar, den Philippinen und Vietnam gestartet wurden.

    Im Podcast der BBC wird zwar erklärt, dass natürlich nicht Mechai Viravaidya allein die sexuelle Revolution (hinsichtlich der Verhütung) gestartet und so erfolgreich durchgezogen hat. Er war aber ein bestimmender Faktor und zeigt in seinen Interviews und Vorträgen auch auf, wie wichtig es ist, über ein solches Tabuthema mit Humor zu sprechen.


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  • #185 Qinqhai: Eine Woche lang ausschließlich erneuerbare Energien

    Die chinesische Provinz Qinghai im Nordosten des tibetischen Hochlands hat es geschafft, zwischen dem 17. und dem 23. Juni nur erneuerbare Energien zu nutzen. In dieser Provinz leben 5,8 Millionen Menschen auf einer Fläche von 721.000 Quadratkilometern. Bei diesem Test wollte man aufzeigen, dass ein Stromnetz ausschließlich mit erneuerbaren Energien auskommt – das ist der Provinz damit geglückt.

    Energie wurde dabei durch Wind-, Solar- und Wasserkraft erzeugt. 72 Prozent davon kamen allein aus der Wasserkraft. Der Verbrauch in dieser Woche belief sich auf 1,1 Milliarden Kilowattstunden – ohne erneuerbarer Energie hätte die Provinz dafür 535.000 Tonnen Kohle verbrennen müssen. Schon zuvor hat Qinqhai rund 83 Prozent des genutzten Stroms aus erneuerbare Energie gewonnen.

    Man muss aber auch dazu sagen, dass diese chinesische Provinz eine perfekte Lage hat: Dort gibt mehr als 3.000 Stunden Sonnenlicht pro Jahr (Berlin: 1.636, Wien: 1884, Zürich: 1.566) – deshalb gibt es in Qinghai auch die größte Photovoltaik-Anlage der Welt. Auf einer Fläche von 10 Quadratmeilen (rund 25,9 Quadratkilomter) erzeugen 4 Millionen Panele Strom. Außerdem laufen die drei der größten Flüsse Asiens, der Gelbe Fluss (Huáng Hé), Jangtsekiang und Mekong durch die Region – dadurch ist das Potential für Wasserkraft immens.

    https://twitter.com/paulcoxon/status/839069721697878016

    China hat sich der Erfüllung der Ziele des Paris-Abkommens verschrieben: Im Jänner 2017 hatte man angekündigt, 360 Milliarden Dollar in erneuerbare Energien bis 2020 zu investieren und damit bis zu 13 Millionen neue Jobs zu kreieren. Laut aktuellen Beobachtungen ist China bei der Umsetzung viel schneller als gedacht.


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  • #184 App kann Gefahr für Fötus verringern

    „Count the Kicks“ nennt sich die App – und mit ihr können schwangere Frauen die Tritte ihrer ungeborenen Kinder „mitzuschreiben“. Eine gewisse Anzahl an Tritten pro Stunde ist für ein gesundes Baby normal.

    Emily Eekhoff, eine junge US-Amerikanerin, hatte sich diese App heruntergeladen und auch genutzt, als in der 33. Schwangerschaftswoche die regelmäßigen Tritte plötzlich aufhörten. Sie suchte sogleich einen Arzt auf, dieser konnte zwar einen Herzschlag feststellen, aber keine Bewegungen. Durch einen Notkaiserschnitt kam ihre Tochter schließlich zur Welt – ihre Nabelschnur hatte sich drei Mal um ihren Hals gewickelt. Ruby, so der Name des Kindes entwickelt sich prächtig – und wäre ihre Mutter durch die App nicht derart aufmerksam und vorsichtig gewesen, wäre es wahrscheinlich tot zu Welt gekommen.

    Die App wurde von fünf Müttern aus Iowa entwickelt, die selbst bereits eine Totgeburt oder Kindstod erleiden mussten. Aufmerksam wurden sie durch ein öffentliches Gesundheitsprogramm Norwegens, das Frauen gelehrt hat, wie sie die Bewegungen der Föten im letzten Trimester der Schwangerschaft zählen. Dadurch konnten in einem Krankenhaussystem des skandinavischen Landes die Totgeburtenrate um 30 Prozent gesenkt werden. Auch die fünf Frauen haben ab 2009 mit Schulungen gestartet – seit kurzem gibt es die Idee auch als App für Android und iOS-Geräte. In Iowa sank seit dem Start die Totgeburtenrate um 26 Prozent.

    Downloads


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  • #183 „Superpflanzen“ als Bodenentgifter und Metallspeicher

    Es gibt auf dieser Erde Pflanzen, die giftige Metalle wie z.B. Nickel, Cadmium oder Zink über den Boden in ihre Blätter aufnehmen und nicht nur nicht sterben, sondern sich damit sogar auch vor Fressfeinden schützen. Von diesen sogenannten Hyperakkumulatoren (oder „Superpflanzen“) sind heute 500 verschiedene Arten bekannt.

    Doch wem bringen diese Pflanzen etwas? Einerseits können solche Pflanzen die giftigen Metalle aus dem Boden ziehen (dieser Vergang nennt sich Phytomining) und diesen dann wieder fruchtbar für andere Pflanzen machen. Andererseits kann man die aufgenommenen Metalle auch wieder aus den Pflanzen herausbekommen. Dafür müssen die Pflanzen verbrannt werden. Ein Hektar der Pflanze Berkheya Coddii speichert 170 Kilogramm Nickel. Eine Tonne Nickel hat aktuell einen Wert von rund 8.100 Euro – dafür wären also rund 6 Hektar der Pflanze notwendig. Senf und Mais können übrigens sogar Gold speichern.

    Die europäische Organisation der Universté de Lorraine Life Agromine hat dazu ein Projekt ins Leben gerufen bei dem in Albanien, Spanien, Griechenland, Österreich und Belgien lokale Superpflanzen angebaut werden. (enorm-magazin.de)

    Hyperakkumulatoren sind seit 40 Jahren bekannt – doch bis 2015 durften sie nicht genutzt werden. Denn die Firma, die das Patent darauf hatte, lies es jahrzehntelang ungenutzt. Im Sommer 2015 lief das Patent aus.


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  • #182 Ehe für alle in Deutschland beschlossen

    Am Freitag, den 30. Juni 2017 hat der Deutsche Bundestag für die „Ehe für alle“ gestimmt. Damit ist Deutschland das nächste Land, dass eine komplette Gleichstellung von heterosexuellen und homosexuellen Paaren geschaffen hat.

    Die ganze Debatte hat die deutsche Bundeskanzlerin Angela Merkel losgetreten, als sie in einer Veranstaltung der Zeitschrift „Brigitte“ erklärte, dass sie sich eine Diskussion wünsche, die „eher in Richtung einer Gewissensentscheidung geht“. Die Fraktionsdisziplin (dass alle Abgeordneten einer Fraktion geschlossen für etwas stimmen; in Österreich: Klubzwang) sollte es bei dieser Frage nicht geben.

    Schon vorab war klar, dass es eine Mehrheit für die Ehe für alle geben wird: Die Grünen, die Linksfraktion und die SPD kommen gemeinsam auf 320 Stimmen – ausreichend um eine relative Mehrheit bei 630 Abgeordneten zu erreichen. Dass es aber nun doch so schnell geht, liegt genau an diesen drei Fraktionen. Diese haben erst am Mittwoch im Rechtsausschuss knapp durchgesetzt, dass das Thema auf die Tagesordnung für Freitag kommt.

    Bei der Abstimmung stimmte schließlich eine große Mehrheit, übrigensauch 75 Abgeordnete der CDU/CSU-Fraktion, dafür: Von 623 abgegebenen Stimmen wurden 393 Ja-Stimmen und 226 Nein-Stimmen gezählt, 4 haben sich enthalten. 7 waren bei der Abstimmung abwesend.

    AbstimmungsergebnisEhefüralle.png
    Quelle: zeit.de

    Wie zeit.de schreibt wird sich Voraussichtlich am 7. Juli der Bundesrat mit dem Gesetz befassen. Es ist allerdings nicht zustimmungspflichtig

    Aktuelle Lage

    In Deutschland gibt es seit 2001 die Möglichkeit einer eingetragenen Partnerschaft, in der Schweiz seit 2005 (Ergebnis der Volksabstimmung: 58 % stimmten mit Ja) in Österreich seit 2010.

    Das sich im Wahlkampf befindende Österreich diskutiert aber aktuell natürlich auch darüber: Doch SPÖ, die Grünen und die liberalen Neos haben im Nationalrat keine Mehrheit. Bei der Nationalratssitzung am vergangenen Donnerstag wurde mit den Stimmen der ÖVP, der FPÖ und des Team Stronachs ein Fristsetzungsantrag abgelehnt.


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  • #181 Kolumbien: FARC-Rebellen offiziell abgerüstet

    Nach 53 Jahren Guerilla-Krieg ist es ein großes Zeichen. In einer offiziellen Zeremonie feierten der kolumbische Präsident Juan Manuel Santos und der FARC-Führer Rodrigo Londoño die Abrüstung der brutalen Rebellen.

    Dem seit 1964 andauernden Konflikt waren mehr als 260.000 Menschen zum Opfer gefallen. Ausgetragen wurde er dabei von der kolumbianischen Armee, der FARC, anderen linken Guerillagruppen und recht(sextrem)en Paramilitärs. Sieben Millionen Menschen wurden aufgrund der Auseinandersetzung zur Flucht gezwungen. Seit 22. Juni 2016 gab es einen offiziellen endgültigen Waffenstillstand zwischen der kolumbianischen Regierung und der FARC

    FARC heißt eigentlich FARC-EP bzw. F.A.R.C.-E.P. und steht für „Fuerzas Armadas Revolucionarias de Colombia – Ejército del Pueblo“, also „Revolutionäre Streitkräfte Kolumbiens – Volksarmee. In den EU-Ländern, den USA, Kanada, Peru und Kolumbien wurde die FARC bis September 2016 als „terroristische Organisation“ eingestuft.  Die Annäherung der Regierung an die FARC-Rebellen wird jedoch nicht von der gesamten Bevölkerung als positiv angesehen: Bei einem nichtbindenden Referendum im Oktober 2016 stimmten 50,23 Prozent gegen das Friedensabkommen.

    Die FARC will ihre Ziele nun ohne Waffen und Entführungen umsetzen – nämlich als politische Partei – 10 Sitze im Kongress soll ihnen dabei in den ersten Jahren garantiert werden. Wie Boris Herrmann in der Süddeutschen schreibt, werden sie es aber langfristig schwer haben:

    Als künftige Bewerber um Wählerstimmen sorgen sich die Farc um ihr schlechtes Image. Sie haben eine Werbekampagne gestartet, in der sie sich als soziale Wohltäter inszenieren. Große Teile der Bevölkerung halten das für scheinheilig. (sueddeutsche.de)

    Er ist es auch, der beschreibt, dass die Gewalt in Kolumbien noch nicht zu Ende ist. Die ELN („Ejército de Liberación Nacional; Nationale Befreiungsarmee), die zweitgrößte Guerillagruppe, mordet und entführt weiter. Doch auch hier begannen im Februar 2017 Gespräche zwischen der kolumbianischen Regierung und der ELN mit dem Ziel der Entwaffnung.


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    Bildquelle: CC0 Public Domain, Julianza, Pixabay

  • #180 Indien installiert bis Ende 2019 75 Millionen Toiletten

    In ganz Indien sind Toiletten das große Thema: Seit der indische Premierminister vor drei Jahren die Kampagne „Clean India“ („Swachh Bharat“) gestartet hat, wird auf Plakatwänden auf die Benutzung von Toiletten hingewiesen, sogar Stars aus Bollywoodfilmen und Cricketteams sprechen im Fernsehen und Radio darüber – und selbst auf der inidischen Währung findet man das Logo der Kampagne. Doch warum das Ganze?

    Bis vor wenigen Jahren war der Zugang zu einer Toilette für viele InderInnen nicht vorhanden. 2014, zum Start der Kampagne, hatten nur 42 Prozent der BewohnerInnen des Landes Zugang zu ordnungsgemäßen Toiletten. Das Problem dabei ist, dass die Menschen daher gewohnt waren, draußen „ihr Geschäft“ zu verrichten – meist erst wenn es draußen dunkel geworden ist.

    Jährlich sterben weltweit 1,7 Millionen Menschen an den Folgen von verschmutztem Wasser, fehlenden Sanitäreinrichtungen und Hygiene. 600.000 davon in Indien. Dieser Tatsache wollte man ein Ende setzen – und ist gut dabei: 30 Prozent der indischen Dörfer sind heute schon als frei von „open defecation“, 2015 waren es noch 8 Prozent.

    Nachdem immer mehr Toiletten installiert werden, ist es nun die Aufgabe, die Gewohnheiten der Menschen zu verändern: Genau deshalb gibt es Klo-Testimonials und ständige Gespräche darüber in TV und Radio. Im nächsten Jahr soll dann, gemeinsam mit Google, eine Suche in 11 Städten angeboten werden, die zeigt, wo die nächstgelegenen öffentlichen Toiletten zu finden sind.

    Bill Gates war in Indien und hat dazu ein 360-Grad-Video erstellt, wo er den bisherigen Zustand erläutert, die Fortschritte aufzeigt und Innovationen beschreibt:


    Weiterführende Links und Quellen:

    Bildquelle: CC0 Public Domain, 383961, Pixabay

  • #179 Nerdalize: Serverwärme für das Eigenheim

    Wer schon einmal mit seinem Notebook auf dem Schoß gearbeitet hat, weiß, wie viel Wärme dabei entstehen kann. Bei großen Serverfarmen, wo teilweise zehntausende Server laufen, geht die dabei entstandene Energie oftmals einfach verloren. Nerdalize, ein Unternehmen aus den Niederlanden hat aber eine andere Idee: Einzelne Server sollen dabei bewohnte Häuser mit Wärme versorgen.

    Die Idee ist relativ einfach erklärt: HausbesitzerInnen bezahlen Nerdalize dafür, dass diese einen Server im Haus installieren. Dieser Server liefert dann Wärme für das Haus und Nerdalize kann dann Speicherplatz auf diesen Servern an andere Firmen verkaufen.

    Ab August möchte Nerdalize 42 niederländische Haushalte mit Servern ausstatten, die dann mit ihrer Energie das Warmwasser zur Verfügung stellen. Laut der Firma sparen Kunden dabei 300 Euro im Jahr – und auch für Firmen, die Server-Speicherplatz brauchen, soll sich der Preis um 50 Prozent verringern.

    Das Unternehmen hat für die Umsetzung eine Crowdfunding-Kampagne gestartet – 250.000 Euro waren dabei gewünscht. Mit Stand 28. Juni, 00:30 (und 3 Tagen Restzeit) liegt die Investition der Crowd bei 685.080 Euro.

    Die Idee ist hochinteressant, und doch gibt es noch viele Fragezeichen: Wollen Serverplatz-MieterInnen, dass ihre Daten in privaten Häusern liegen? Und sollte es mal Probleme mit dem Gerät geben, müsste auch einE TechnikerIn rasch ins Haus gelassen werden.


    Weiterführende Links und Quellen:

    Bildquelle: CC0 Public Domain, ColossusCloud, Pixabay

  • #178 Deutschland rehabilitiert Opfer von § 175 StGB

    Von 1. Jänner 1872 bis zum 11. Juni 1994 gab es im deutschen Strafgesetzbuch den Paragrafen 175. Dieser stellte sexuelle Handlungen zwischen Personen männlichen Geschlechts unter Strafe. Seit 23 Jahren ist das Gesetz nun aufgehoben, seit 19 Jahren ist aus dem StGB weggefallen – aber erst 2017 hat der Deutsche Bundestag die damals ausgesprochenen Urteile aufgehoben und Entschädigungen angekündigt.

    Man schätzt, dass 64.000 Menschen aufgrund von § 175 verurteilt wurden. Wie viele davon heute noch leben, ist nicht bekannt. Das Bundesjustizministerium erwartet, dass maximal 5.000 Anträge auf Entschädigung eingereicht werden. Die Opfer sollen mit 3.000 Euro pro Urteil und 1.500 Euro pro angefangenem Jahr eines Freiheitsentzugs entschädigt werden.

    Im Bundestag wurde der Gesetzesentwurf einstimmig verabschiedet. Nun muss noch der Bundesrat zustimmen – diese Zustimmung gilt aber als sicher. Eine Einschränkung gab es aber doch: Die CDU/CSU-Fraktion bestand darauf, dass nur jene Urteile aufgehoben werden, die auf sexuellen Handlungen mit über 16-Jährigen basieren. Zuvor hatte der Gesetzesentwurf vorgesehen, dass die Altersgrenze bei 14 Jahren, dem geltenden allgemeinen Schutzalter, liegt.

    Österreich: Deutschland als Vorbild für Rehabilitierung

    In Österreich wurde übrigens bereits 1971 der vergleichbare Paragraf 129 I b StG (Strafgesetz) abgeschafft. Das damalige Gesetz war 1852 unter Kaiser Franz Joseph verschärft worden und blieb 119 Jahre lang unverändert. Bis 2002 galt das laut Paragraf 209 das Schutzalter für männliche Homosexuelle bei 18 Jahren und wurde dann auf 14 Jahre herabgesetzt. Eine volle Rehabilitierung für alle diskriminierenden Gesetze wie in Deutschland gibt es in Österreich bis heute nicht – jene Opfer von § 209 mussten jedoch entschädigt werden. Aber nun will man sich Deutschland als Vorbild nehmen.


    Weiterführende Links und Quellen:

    Bildquelle: CC BY (2.0)Alan Light, „Iowa City, IA“,  Flickr